Point Whitmark (41) Rückkehr aus dem Totenland – Decision/Sony 2019

Von Matthias Bosenick (15.05.2019)

Der Titel erscheint programmatisch, dabei dürfte der schon vor der mehr als vierjährigen Pause festgestanden haben, denn so lang lag diese Episode offenbar auf Halde: Aus Gründen, die niemand kennt, veröffentlicht der mimosische Serienboss Volker Sassenberg endlich die langerwartete „Rückkehr aus dem Totenland“ seiner Hörspiel-Serie Point Whitmark. Hier lohnt sich das Warten zwar überdeutlich mehr als bei den konkurrierenden Drei Fragezeichen, aber über den gehobenen eigenen Durchschnitt kommt dieser Jugendgruselkrimi nicht so richtig hinaus. Trotzdem und überhaupt: Willkommen zurück! Mal sehen, für wie lang.

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Daniel B. Prothese – One To One + Xaosonix/99.9 – Silex – db2fluctuation 2019

Von Matthias Bosenick (14.05.2019)

Was für ein Typ! Daniel Bressanutti schmeißt nach einem gefühlten Dutzend Alben im vergangenen Jahr Anfang 2019 mal eben zwei Doppel-CDs gleichzeitig in die Menge. Mit überraschendem Inhalt: „Silex“ und „One To One + Xaosonix“ hätte man genau vertauscht klingend erwartet. Auf ersterem versucht sich B. mit seinem Kollaborateur Edwin Vanvinckenroye nicht etwa in der Fortsetzung des erst kürzlich begonnenen gemeinsamen Industrial-Projektes, sondern in imaginärem Filmsoundtrackscore, und auf der Solo-Sache setzt er nicht seine Ambientexperimente fort, sondern bigbeatige Ausbrüche nach Art des letzten Front-242-Albums. Immer eine Überraschung, der Mann!

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Pet Shop Boys – Inner Sanctum (Live At The Royal Opera House) – X2/Rough Trade 2019

Von Matthias Bosenick (13.05.2019)

Die Pet Shop Boys haben die wahrscheinlich größte zusammenhängende Hitdichte der weltweiten Charts seit 1984, greifen also auf ein Oeuvre zurück, mit dem sie globusumspannend die Menschen glücklich machen. Für ihre noch zu Beginn ihrer Karriere als unmöglich abgetanen Liveauftritte bündeln sie weit über 20 Songs und decken damit noch nicht einmal alle Favoriten ab. Im Mittelpunkt der Auftritte stehen dabei weniger die musikalischen Extravaganzen des Synthiepopduos, sondern die Performance. Insofern ist die Veröffentlichung eines Konzertes auf DVD bei den Pet Shop Boys die bessere Wahl als auf CD – zumal die Songs live schon lang wie billige Cover ihrer selbst klingen, wäre da nicht die charaktervolle Stimme von Neil Tennant.

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Pokémon Meisterdetektiv Pikachu (Pokémon Detective Pikachu) – Rob Letterman – USA/J 2019

Von Matthias Bosenick (09.05.2019)

Die Pokémon-Go-Spieler, die einfach nur ihre Lieblingsmonster animiert im Kino sehen wollen, reiben sich überrascht die Augen: Die Story, die um das Taschenmonster-Multiversum herumgestrickt wurde, ist mehr als nur okay, und die Bilder begeistern auf allerweitesten Strecken. Einem Pikachu mit Pelz und einem entwaffnenden Schatz an rhetorischen Mitteln guckt man gern dabei zu, wie es als Kumpel eines melancholischen Detektivsohns in einem Mordfall ermittelt, in dem Drogenmissbrauch, illegale Arenakämpfe und das Streben nach Weltherrschaft wichtige Rollen spielen. Ohne Vorkenntnisse mindestens aus Pokémon Go hat man zwar etwas weniger Spaß an diesem Film, mit dafür unbändigen. Eine gelungene Umsetzung.

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The Perc – The Best Of Carola (Electric Kindergarten Vol. 7) – Tribal Stomp 2019

Von Matthias Bosenick (08.05.2019)

Diese Compilation klingt nicht wie eine, sondern wie ein Konzeptalbum: Der Sound seiner „Carola“, wie er seine Casiotone MT 400V nennt, steht im Mittelpunkt der Zusammenstellung von Tom „The Perc“ Redecker. Der einheitliche Sound kann indes auch zum Nachteil werden, wenn er die Nerven strapaziert: Es klingt halt doch alles sehr ähnlich und der Dudelfaktor ist hoch. Gottlob hatte Redecker schon auf diesen Aufnahmen aus Ende der Achtziger bis Anfang der Neunziger eher dunkle Wolken über dem Kopf, was die Songs wie einen psychedelischen Mix aus Alleinunterhalter und The Sisters Of Mercy wirken lässt. Auch drauf, zweimal sogar: der kleine Radiohit „Rock The Widow“.

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Devin Townsend – Empath – Inside Out 2019

Von Matthias Bosenick (07.05.2019)

Ein Mammutwerk, das man entweder für seine Vielseitigkeit feiert oder es weit von sich schiebt: Devin Townsend, erklärter Tausendsassa, kann alles und macht auf seinem neuen Solowerk „Empath“ auch alles, und zwar durcheinander. Sicherlich ist es staunenswert, was Dev da auftischt, aber stringent geht anders, catchy Tunes bekam er auch schon mal besser hin. Man braucht ewig, um durch den Stilmix durchzusteigen, und freut sich, dass er auf der limitierten Bonus-CD doch eher auf so etwas wie Songs setzt. Die Gästeschar ist so üppig wie die Orchestrierung. Ist das noch Metal?

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Filippi & Lebeault – Spirou & Fantasio Spezial: Stiftung Z – Carlsen 2019

Von Matthias Bosenick (06.05.2019)

Dafür rief Dupuis diesen Seitenarm ins Leben: Im neuesten One-Shot von Spirou & Fantasio verlegt das Team Filippi & Lebeault die Handlung in die Zukunft und variiert die Verwandtschaftsverhältnisse. Dafür vermengen die beiden, wie so viele andere vor ihnen auch schon, futuristische Technik und Jugendstildesign und wagen eine überraschende inhaltliche Schleife. Dem Inhalt ist derweil teilweise schwer zu folgen, wobei unklar ist, ob das an der Übersetzung liegt oder bereits im Original so veranlagt ist. So reimt man sich die fehlenden Zusammenhänge zusammen und genießt die rasanten Geschehnisse und die fantastischen Zeichnungen.

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Avengers: Endgame – Joe & Anthony Russo – USA 2019

Von Matthias Bosenick (01.05.2019)

Überraschend unscheiße für einen Nicht-Marvel-Gucker stellt sich „Avengers: Endgame“ heraus, wahlweise der vierte Teil oder der zweite Teil des dritten Teils der Reihe. Mit einigem von Sitznachbarn abgehorchten Vorwissen über die Geschehnisse aus den gefühlt 100 Filmen aus dem Marvel-Universum, deren Schicksale hier zusammenfallen, hat man Spaß und Genuss an dem Drei-Stunden-Abenteuerfilm. Das Regisseurduo Joe und Anthony Russo macht einiges besser als die anderen Kollegen aus Hollywood, und für eine Comicverfilmung ist das Ergebnis trotz der Superheldenthematik angenehm in der Realität verankert. Bei so viel Positivem sind Logiklücken verkraftbar, die sind bei Zeitreisefilmen nun mal nicht zu vermeiden.

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Nac/Hut Report – Wszystko Jeszcze Jest – Crunchy Human Children Records 2019

Von Matthias Bosenick (29.04.2019)

Ein einfacher Zugang klingt deutlich anders: Man hat es auf Nac/Hut Reports vierten Album „Wszystko Jeszcze Jest“ vielmehr mit Soundcollagen zu tun als mit Songs. Einer schönen Gitarrenmelodie und einem lieblichen Gesang stellt das Duo aus Krakau flirrende elektronische Störgeräusche zur Seite, konkrete Rhythmen vermittelt höchstens die Wiederkehr mancher Sounds. Um Lärm wiederum handelt es sich nicht, Nac/Hut Report veranstalten ihre Experimente reduziert, aber dadurch nachdrücklich. So entsteht eine Schönheit, die bewusst nervt, anstrengt, herausfordert. Bezaubernd!

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Dumbo – Tim Burton – USA 2019

Von Matthias Bosenick (25.04.2019)

Was hat sich der Künstler dabei gedacht? Wollte sich Tim Burton, wie weiland Peter Jackson mit „King Kong“, einen Kindheitswunsch erfüllen? Dann hätte er „Dumbo“ besser privat für sich drehen sollen. Sein Remake des Disney-Zeichentrickklassikers von 1941 lässt beinahe alles vermissen, was man von einem Burton-Film erwartet: das Märchenhafte, das Fantastische, das Spukige, das Skurrile, den subtilen Humor, die melancholische Tragik, die schlagfertigen Dialoge, die bemerkenswerten Charaktere. Burton versteckt seine wenigen guten Ideen in einer stressig aneinander montierten, in sich aber dünnen Geschichte, und findet erst am Ende die Ruhe, die der ganze Film verdient hätte. Außerdem lässt er den Titelhelden viel zu kurz kommen. Enttäuschend.

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