The Dead Don’t Die – Jim Jarmusch – USA 2019

Von Matthias Bosenick (14.06.2019)

Der Schuss ging nach hinten los. Anders als bei „Dead Man“ und „Only Lovers Left Alive“ gelingt es Jim Jarmusch mit „The Dead Don’t Die“ nicht, ein Genre in seinem Sinne umzukrempeln. Western und Vampirfilm funktionierten bei ihm deshalb so gut, weil er etwas Eigenes daraus machte; den Zombiefilm übernimmt er mit eigenem Tempo und einigen eigenen Dialogideen, lässt ihn aber ansonsten zu sehr im Genre verhaftet und bleibt bei der Umsetzung seiner spärlichen Traditionsbrüche inkonsequent. Nach „The Limits Of Control“ ist dies sein zweiter mittelschlechter Film – was die erheblich gigantische Ausbeute an hochgradig guten Filmen zum Glück nicht allzusehr beeinträchtigt.

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Brass Against – Live im MusikZentrum Hannover am 12. Juni 2019

Von Matthias Bosenick (13.06.2019)

Im Projektnamen ist das mittlerweile erweiterte Konzept hinterlegt: Brass Against begannen ihre Karriere damit, die Hits von Rage Against The Machine mit Blasinstrumenten nachzuspielen. Längst erweiterten die New Yorker ihr Repertoire um weitere Neunziger-US-Indie-Hits und holen so das Altstadtfest-Coverband-Feeling in die kleinen alternativen Clubs, sehr zur Freude der Übervierzigjährigen, die die Originalinterpreten nicht live erwischen können. Der Blechblassound pumpt ordentlich, die Sängerin erfüllt den Tatbestand der Rampensau, der Spaß ist abendfüllend und die Frage nach der grundsätzlichen Relevanz von Coverbands immanent.

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U2 – The Europa EP – Island 2019

Von Matthias Bosenick (11.06.2019)

Die große Rockband U2, vermutlich die derzeit größte der Welt, veröffentlicht seit 2010 ihre einst so begehrten Singles lediglich zu den amerikanischen Plattenladensonderterminen. Die neueste, kreativ „The Europa EP“ benannt, erschien zum jüngsten Record Store Day und beinhaltet exakt null neue Songs. Vielmehr bekommt man den Auftakt zur letzten Tour in eine ineinanderfließende Liveversion der beiden B-Seiten-Tracks gesampelt, nämlich die Rede von Charlie Chaplin aus „Der große Diktator“. Nett, in Summe sogar hörbarer als die beiden letzten Studioalben, und doch reichlich verzichtbar.

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Fixmer/McCarthy – Let It Begin – Planete Rouge Records 2019

Von Matthias Bosenick (07.06.2019)

Seit elf Jahren kein neues Album, aber die dritte 12” in drei Jahren: Zwei neue Songs plus jeweils einen Remix dazu veröffentlichen der französische Techno-DJ Terence Fixmer und der englische EBM-Mitgestalter Douglas McCarthy als „Let It Begin“-EP. Kurioserweise haben die Remixe mehr Feuer als die Originale, und es bestätigt sich, dass das Duo auf Albumlänge mehr zu sagen hat als in einzelnen Tracks. Wenn der Kontext fehlt, wirken die Stücke etwas unausgefeilt. Aber die beiden Jungs haben doch Spaß an der Sache und hören trotz Zeitnot nicht damit auf, miteinander Musik zu veröffentlichen. Und das ist gut so.

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Paul Weller – Other Aspects (Live At The Royal Festival Hall) – Parlophone 2019

Von Matthias Bosenick (04.06.2019)

Paul Weller rockt nicht. Zumindest nicht auf diesem, seinem 1312420. Live-Album: Da stellt er seine wilde hinter seine milde Seite, begleitet von Streich- und Bläserensemble sowie indischem Instrumentarium. Seine Begleiter wissen sich aber dem perfekten Sound des Wellerwerkes unterzuordnen, Paule steht definitiv im Mittelpunkt, zu keiner Zeit herrscht der Kleister; in dieser Fassung hört man diese Stücke sehr gern. Auf zwei CDs und einer DVD im Pappklappcover sind zwei Konzertabende in der Royal Albert Festival Hall zusammengefügt; keine Greatest-Hits-Ansammlung, übrigens.

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Roads – Sebastian Schipper – D/F 2019

Von Matthias Bosenick (31.05.2019)

Hier gewinnt der Inhalt über die Form: Verglichen insbesondere mit Sebastian Schippers vorherigem Film „Victoria“ besticht „Roads“ mit der Geschichte, die er erzählt, und dies in eher konventionellen Bildern. Aber die Handlung fesselt: Ausgehend von zwei Familiendramen, handelt „Roads“ Adoleszenz, Flüchtlingsschicksale, Europa und Antirassismus gekonnt miteinander verwoben ab. Zwei Teenager aus verschiedenen Kulturkreisen suchen Angehörige und überwinden dabei nicht nur geographische Grenzen. Und The Notwist besorgen den chilligen Soundtrack dazu.

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The Chemical Brothers – No Geography – Virgin/Astralwerks 2019

Von Matthias Bosenick (29.05.2019)

Die sampeln auf ihrem neuen Album wirklich alles, diese Chemical Brothers. Siebziger-Disco-Beats, Achtziger-House-Sequenzen, gern auch sich selbst sowie für den Titel einen Dichter und für das Cover von Godley & Creme. Heraus kommt ein Album ohne vordergründige Smashhits, das eher den Eindruck eines chillig-tanzbaren DJ-Sets macht. Läuft gut durch, braucht aber etwas, um hängen zu bleiben. Dennoch, gewohnt hohe Qualität bei den Bigbeat-Miterfindern.

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Die Ärzte – They’ve Given Me Schrott (Die Outtakes) – And More Bears/Vertigo/Capitol 2019

Von Matthias Bosenick (27.05.2019)

Es erfordert einiges an Zeit (und Kapital), die „Seitenhirsch“-Box der Ärzte durchzuhören: Darin enthalten sind auf 33 CDs annähernd sämtliche Songs, die das wechselnd besetzte Trio in den vergangenen 35 Jahren aufnahm. Inklusive einiger unveröffentlichter Stücke, die nun als geldbeutelschonende Dreifach-CD separat vorliegen. Auch die hätte man sicherlich noch eindampfen oder um andere Nuggets ergänzen können, aber dieses Werk mit all seinen Demos und Raritäten verdeutlicht den kreativen Zündstoff der Band sowie dessen Abfall seit dem Jahrtausendwechsel nur zu deutlich. Und enthält einige Preziosen, die es bislang nur als Bootleg gab. Lohnenswert für Fans, dabei aber partiell verzichtbar.

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Myrkur – Juniper – Relapse 2018

Von Matthias Bosenick (23.05.2019)

Es ist nicht mehr so einfach, sämtliche Songs von Myrkur physisch in die Finger zu bekommen. Die letzten beiden erschienen kürzlich als 7“, und das nach einer raren Flexi-Single sowie einem Album, das es in limitierter Fassung mit einer Bonus-EP gab. Seitdem ist es um Amalie Bruun allerdings auch reichlich ruhig geworden. So ruhig wie die beiden Songs auf diesem Stück Vinyl: Black Metal dient hier lediglich der Gefolgschaft als Orientierungshilfe, zu hören gibt es im weitesten Sinne Folklore. Damit überrascht die Dänin ihre Verehrer mitnichten, die Puristen indes gewiss.

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Petrolio – L+Esistenze – Petrolio 2018

Von Matthias Bosenick (20.05.2019)

Industrial alter Schule widmet sich Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio, nicht der harschen, plakativen Sorte, sondern der mit Soundscapes, Atmosphären, Drones und experimentellen Effekten, die allesamt sogar Raum für songähnliche Strukturen lassen. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung „L+Esistenze“ erfüllt er sich einen Traum, indem er sechs von ihm verehrte Musiker an seinen Tracks teilhaben lässt, darunter auch Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten und von Automat. Das Album gibt es auf Vinyl und Kassette mit jeweils unterschiedlichen Inhalten. Beide Varianten lohnen sich: Cerrato macht mit Noise etwas Entspannendes, eher dem Black Gaze ähnlich als dem Harsh Electro.

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