Fontaines D.C. – Skinty Fia – Partisan Records 2022

Von Guido Dörheide (08.12.2022)

„Skinty Fia“, das dritte Album von Fontaines D.C. (äh ja, Matze, hiermit hätte ich dann die Überschrift im ersten Satz wiederholt und damit eine wichtige journalistische Grundregel nicht nur ad absurdum geführt, sondern sogar eingehalten) [im Sonic Seducer geht das noch redundanter: „‚Skinty Fia‘ ist der Titel des neuen Albums von Fontains D.C.“, Guido! {Matze}], ist bereits am 22. April dieses Jahres erschienen – warum beschäftige ich mich jetzt damit? Ganz einfach – ich war bis vor einiger Zeit davon ausgegangen, dass mich eine gehypte Band aus dem District of Columbia nicht weiter zu interessieren hätte, denn dafür habe ich schon Fugazi. Dann stellte ich fest, dass „D.C.“ für „Dublin City“ steht, und den Rest an Erkenntnis hat mir dann die Übersetzung des gälischen „Skinty Fia“ gebracht: „The Damnation of the Deer“ nämlich, und damit sind wir mittenmang in der Weihnachtszeit drin. Und in dieser schreibe ich jetzt die Rezension zum dritten Album von Fontaines D.C. Die mir mit „Skinty Fia“ nunmehr die dritte irische Phrase nahebrachten, die ich bisher kenne, neben „Sláinte“ und „Géill Slí“.

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DerHarms – Kosmische Kiffermusik Vol1 – Fuego/Sireena Records 2022

Von Matthias Bosenick (08.12.2022)

Herrlich: Hauke Harms hat Humor. Das dritte Album seines Electro-Ambient-Projektes DerHarms nennt der Ex-Grufti von Girls Under Glass fröhlich „Kosmische Kiffermusik“ und liegt damit vermutlich ganz richtig, wenngleich die wenigsten Hörer den Kosmos kennen dürften (andere Aspekte könnten weiter verbreitet sein). Der Künstler weiß, warum er das Album so benennt, denn es entstand in nebulösen Momenten mitten in der Coronazeit, als er sich mit seinen altertümlichen Sequenzern und Synthesizern in freiwillige Isolation begab und sich musikalisch in das einfühlte, was zwischen Berliner Schule, Space-Electro, Synthie-Kraut, Pop und Ambient so möglich ist. Erkenntnis: Es bedarf keiner Narkotika, um an dieser Musik Gefallen zu finden.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Magnus Trolljäger – Per Anhalter durch die Norwegische Mythologie

Von Onkel Rosebud

Zu meinem 42. Geburtstag hat mir meine Freundin ein Handtuch mit eingestickter Jubiläumszahl geschenkt, dass ich seitdem immer dabeihabe. Wer mit diesem Satz inhaltlich etwas anfangen kann, unbedingt weiterlesen. Wer nicht, bitte bei Gelegenheit die BBC-Serie aus dem Jahr 1981 „Per Anhalter durch die Galaxis“ nach einer Idee von Douglas Adams gucken. Das ist Monty Python im Science-Fiction-Kontext. Und nun trotzdem im Text fortfahren:

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Tom Liwa – Eine andere Zeit – D,dmFk 2022

Von Matthias Bosenick (05.12.2022)

Von Duisburg über das Wendland (Lüchow-Dannenberg!) in die Welt hinaus, in der Folklore und Rockmusik eine heilige Ernte ergeben: Tom Liwa macht mit „Eine andere Zeit“ ein Album, auf dem er musikalisch Leuten wie Bob Dylan oder Neil Young Referenz erweist – inklusive Mundharmonika – und inhaltlich in seine eigene Seele abtaucht, wie immer eigentlich, und damit in die Seelen derer, die zuhören mögen. Und zuzuhören gibt es eine Menge: Das Album ist fast 80 Minuten lang und sprengt die physikalischen Kapazitäten der CD ebenso wie die mittlere Aufmerksamkeitsspanne vieler Musikhörenden. Und am Ende ist es immer glasklar ein Tom-Liwa-Album, auf dem der Mann – sobald er nicht singt – erzählt und dazu die Akustische anschlägt, begleitet von einer neu zusammengestellten vierköpfigen Band mit dem obskuren Namen Marion van der Beeks Seven Sisters.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Ray Donovan – Die amtliche Fortsetzung der „Sopranos“

Von Onkel Rosebud

So wie Suzanne Vega als „die Mutter der mp3“ gilt, sind „Die Sopranos“ die Mutter aller Serien. Das mp3-Erfinderteam um Karlheinz Brandenburg machte den ersten Praxistests für die revolutionäre Audiodatenkompression mit der A-cappella-Version von „Tom’s Diner“. Als am 12. März 2000 die erste Folge „des Paten für’s Fernsehen“ in Deutschland (ausgerechnet im ZDF) „on air“ ging, wurde TV-Serien-Geschichte geschrieben. 2007 war dann die Geschichte der Mafiafamilie Soprano aus New Jersey auserzählt, aber die rühmliche Fortsetzung startete 2013, hieß „Ray Donovan“ und dauerte bis 2020.

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Ayn & Marlen Und Marlen – From The Floor Below – Toten Schwan Records 2022

Von Matthias Bosenick (30.11.2022)

Eine Zaubertüte an vielfältigen Stilen und Sounds auf nur einem Album! Grundsätzlich gruftig, verbindet das nihilistische Duo mit dem Drei-Personen-Namen Ayn & Marlen Und Marlen Industrial-Sounds, Wave-Gesang, Dark Ambient, Ritualmusik, Neofolk und sonstiges Experiment mit Gothic. Mit den Stilen wechseln auch die Stimmungen, wenngleich hier von guter Laune nicht gerade ausgegangen werden sollte. Simona Boglietti stellt dabei den Anteil Marlen Und Marlen, Christian Nicolao begnügt sich mit dem Alias Ayn. Das Duo aus Biella im Piemont bezeichnet sich auch als Endegehen Collective, und so klingt die Musik auch: als würde alles zu Ende gehen. Dieser wunderschön dunkle Schwanengesang ist einer, dem man sich gern hingibt, in lichtloser Kammer, zurückgezogen und von der Welt verschreckt.

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Devin Townsend – Lightwork – Inside Out Music 2022

Von Matthias Bosenick (29.11.2022)

Yeah, Pop! Der Alleskönner macht nach dem chaotisch-unhörbaren Metal-Zappa-Experiment-Album „Empath“ endlich wieder verträgliche Musik, und dieses Mal eben Pop. Das kann er, das macht er auch nicht zum ersten Mal, manche Performance mit Anneke van Giersbergen etwa deutet sehr sehr in Richtung Schlager, aber weil Dev eben Dev ist, ist das „Lightwork“ vielschichtig: Den Metal packt er in die unteren Ebenen, das Komplexe fließt wie nebenbei ein, sein Pop hat ein massives Fundament, auf dem er leichtfüßig Pirouetten dreht, mit ausgebreiteten Armen. Einmal mehr gibt’s in der limitierten Version ein komplettes Bonus-Album, „Nightwork“, und auf dem tobt er sich etwas mehr aus.

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Candlemass – Sweet Evil Sun – Napalm Records 2022

Von Guido Dörheide (28.11.2022)

Musik aus Schweden, das ist in etwa so wie Musik aus Irland: Es kann gut gehen, es gibt aber auch viel Scheiß. Abba, U2, Dexys Midnight Runners, Amon Amarth, Chris de Burgh – ein jeder bilde sich seine eigene Matrix. Und was will man von einer Band erwarten, die sich „Candlemass“ nennt (der Herausgeber dieser Zeilen sprach vor einigen wenigen Tagen von „Bembelmass“ – ei gude, wie?) und deren Debütalbum – das im Übrigen wirklich unglaublich gut ist – „Epicus Doomicus Metallicus“heißt? Ich will jetzt auch nicht in die Diskussion einsteigen, welcher Candlemass-Sänger nun eigentlich der beste ist – Johann Langquist, der schon auf „Biggus Dickus Metallicus“ gesungen hat und auch hier wieder mit von der Partie ist, Messiah Marcolin, Thomas Vikström, Björn Flodkvist, Robert Lowe oder wie auch immer diese ganze skandinavischen Spaßvögel auch so heißen mögen.

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Christian Death – Evil Becomes Rule – Season Of Mist 2022

Von Guido Dörheide (28.11.2022)

Es war der 50. Geburtstag meines Freundes Klaus aus Gifhorn, der mir diese Band wieder ins Gedächtnis zurückgerufen hat: „Sex And Drugs And Jesus Christ“ hieß das Werk aus dem Jahr 1988, mit dem mir Klaus die Deathrockpioniere von Christian Death nahe brachte. Gründungsmitglied Rozz Williams war damals schon seit drei Jahren nicht mehr in der Band, und Bassist und dann auch Sänger Valor Kand hatte das Regiment im Hause CD an sich gerissen. Was mir durchaus gefiel, der druckvolle, von Kirchenkritik geprägte Düster-Rock Valors nahm mich deutlich mehr mit als Williams‘ vormaliges satanistisches Gejammer (das aber zugegebenermaßen auch was hat). Am vergangenen Samstag also die virtuelle Geburtstagsfeier bei Klaus, und im Vorfeld hatte ich mich in die Musik vertieft, die ich dereinst von ihm gelernt gekriegt hatte. Mit einer kleinen Hilfe von seinem Bruder Alex. Alien Sex Fiend, The Sisters Of Mercy, The Smiths, The Mission und eben auch CD. Da fiel mir ein – las ich nicht jüngst, dass eben diese CD ein neues Album veröffentlicht haben? Ja – genau so war es, und dieses Werk wurde in der Fachpresse vorwiegend abwertend besprochen: CD seien nicht mehr so stilprägend für den Gothrock, wie sie es früher mal waren, eigentlich nur noch peinlich und das neue Album ginge gar nicht. Ich habe mich daher von Mai bis vorgestern nicht getraut, da mal reinzuhören.

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a-ha – True North – RCA/Sony 2022

Von Matthias Bosenick (24.11.2022)

Ist es nicht erstaunlich, welche Achtziger-Pophelden 2022 noch existieren und munter Platten veröffentlichen? Die inzwischen dritte Reunion feiert das zerstrittene norwegische Trio a-ha mit dem Konzeptalbum mit dem bei den anderen Norwegern Borknagar geklauten Titel „True North“, das auf einem behutsam nachgedubbten Konzert mit Orchester und ausschließlich neuen Songs basiert. Somit richtet sich das Album an die mitgewachsenen Fans, tappt nicht zwingend die Eigenkopie-Falle, biedert sich nicht bei aktuellen Trends an, bietet deutlich mehr Freude an substanziellen Kompositionen als der 2015er-Vorgänger „Cast In Steel“ – und der Gesang endet natürlich almost always on a high note. Nett, im positiven Sinne.

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