The Young Gods – Data Mirage Tangram – Two Gentlemen 2019

Von Matthias Bosenick (09.04.2019)

Seit 34 Jahren dabei, die Schweizer Erfinder dessen, was in den USA später als Industrial bezeichnet wurde und was die Young Gods selbst schon lang nicht mehr machen: Auf „Data Mirage Tangram“ setzen sie vielmehr ihre drogeninduzierten Soundtrips fort, obgleich mit Gitarreneinsatz, so doch weniger auf Härte ausgelegt als auf ein akustisches Vorankommen. Dringlich und zwingend untermauert auch dieses Album, dass die Young Gods noch nie in ihrer Laufbahn enttäuscht haben. Von solchen Musikern gibt es nicht viele, zumindest mit mehr als ein, zwei Alben im Köcher.

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The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality – ATO Records 2019

Von Michael „Schepper“ Schaefer (08.03.2019)

Moin,

wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben?
All meine Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen.
Mal ehrlich – was soll denn da jetzt noch kommen? Außer vielleicht, die Herren Claypool und Lennon sind noch kreativer als jetzt und legen dieses Jahr noch ein Album nach…

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LCD Soundsystem – I Used To (Dixon Retouch)/Electric Lady Sessions – DFA/Columbia 2018/2019

Von Matthias Bosenick (07.03.2019)

Natürlich kann James Murphy nicht stillhalten, und natürlich beschränkt er seine Aktivitäten nicht aufs Labelbetreiben. Mit den vor drei Jahren reaktivierten LCD Soundsystem wirft er nun eine 12“ nach der nächsten auf den Markt und spielte in Jimi Hendrix‘ berühmten Studio einige alte eigene und drei Coversongs neu ein. Bei „I Used To“ ist die B-Seite relevant und bei „Electric Lady Sessions“ sind es eher die Coversongs. Gibt’s beides ausschließlich auf Vinyl, wo nicht als Download.

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Alien Sex Fiend – Possessed – Cherry Red 2018

Von Matthias Bosenick (03.01.2019)

Den Sound der Snare kennen wir seit 35 Jahren, ansonsten liefern Alien Sex Fiend mit „Possessed“ ein Album ab, mit dem wohl weder Fans noch Skeptiker gerechnet hätten. Am ehesten noch scheint es an „Open Head Surgery“ anzuschließen, und das war 1992 schon reichlich umstritten; die Songs tragen heute endlich wieder Strukturen, also diese undefinierte Abfolge von irgendetwas wie Strophe kombiniert mit etwas Wiedererkennbarem, das keinen klassischen Popkonzepten folgt, und die an Unhörbarkeit grenzenden Technik-Experimente der jüngeren Vergangenheit sind gottlob ebendies. Nie klangen die Batcave-Helden erwachsener als hier, nie uneindeutiger einem Genre zuzuordnen: Goth-Rock ist dies nicht, Pop sowieso nicht, kein Dark Ambient, noch am ehesten elektrorockende psychedelische Avantgarde. Grandios! Aber mit einem unschönen Verkaufskniff.

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Laibach – The Sound Of Music – Mute 2018

Von Matthias Bosenick (28.12.2018)

Was für eine Entwicklung: Wie aus der stumpf-martialischen Electro-Krawall-Combo eine rücksichtsvoll agierende Politgruppe wurde. Laibach liefern mit ihrer Version des Musical-Soundtracks „The Sound Of Music“ quasi den Soundtrack zu ihrer eigenen Dokumentation „Liberation Day“, die davon handelte, wie die Band, die einst von Slowenien aus loszog, autoritäre Regimes ironisch zu kopieren und sie damit bloßzustellen, ins autoritäre Nordkorea reiste, um dort überraschend rücksichtsvoll als erste Band aus dem Westen (und das als Band aus dem früheren Ostblock!) ein Konzert zu geben. Das Alpenmusical „The Sound Of Music“ stellt dabei den Score zu einem Nordkoreanischen Lieblingsfilm dar, dem sich Laibach ebenso behutsam nähern wie der Bevölkerung vor Ort. Respekt!

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Nick Cave & The Bad Seeds – Distant Sky (Live In Copenhagen) EP – Bad Seed Ltd 2018

Von Matthias Bosenick (20.11.2018)

Da springt dem Nick-Cave-Fan doch glatt ein bisschen zu sehr der Kommerz ins Gesicht: Als Rückblick auf die jüngst absolvierte Tour und als Quasi-Soundtrack zum Konzertfilm „Distant Sky“ lässt der kleine Nick vier in Kopenhagen mitgeschnittene Songs auf Vinyl pressen und verkauft diese EP zum Preis einer LP. Nichts gegen die Lieder, aber da wäre das komplette Konzert auf Vinyl drin gewesen, insbesondere, wenn man hört, wie stark die leicht umformierten Bad Seeds die Klassiker inzwischen verändern, und dann hätte der Preis auch besser gepasst. Aber gut, der geneigte Fan erwirbt und sammelt, und wenigstens für die Musik lohnt es sich.

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Schneider Collaborations – Vier Alben – Jörg A. Schneider 2018

Von Matthias Bosenick (22.10.2018)

Das ist mindestens ambitioniert, garantiert begeisternd und erzeugt nach erstem überraschtem Auflachen über die Menge an Musik ein nachhaltiges Staunen: Schlagzeuger Jörg Alexander Schneider aus Hückelhoven veröffentlicht in diesem Jahr so viel Musik wie schon lang nicht mehr – und unter dem Schlagwort Schneider Collaborations gleich vier LPs auf einen Schlag. Sein freies, dem Free Jazz angelehntes wild wirbelndes Schlagzeugspiel dient den beteiligten Musikern als Grundlage für ihre eigenen Experimente, und je weiter man sich vorarbeitet, desto tiefer taucht man sowohl in die Geschichte als auch in die mögliche Zukunft des mit dem Noiserock kombinierten Jazz ab. Unfassbar.

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Movin In Stereo – My Dear Effigy – Movin In Stereo 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Eine Singalong-Schwedenpunk-EP warfen Movin In Stereo in den elektronischen Briefkasten. „My Dear Effigy“ hält alle Versprechen: druckvoller Powerpunk, kurzweiliger Skandinavienrock, bierseliger Pubrock, bis in alle Fugen ausproduziert, saftig, eingängig, vertraut. Den Live-Support für den früheren Turbonegro Hank von Hell haben sie sich zu Recht verdient. Wer voll auf diese Gute-Laune-Tüte steht, sei hierauf dringlichst hingewiesen; wer aber meint, ein Dutzend Platten dieser Art im Regal reichen aus, der hört halt woandershin.

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Front Line Assembly – Warmech – Artoffact 2018

Von Matthias Bosenick (24.08.2018)

Die Fortsetzung eines Computerspielsoundtracks stellt das neue Album der kanadischen EBM-Mitgestalter Front Line Assembly dar. Einerseits offenbart „Warmech“ den weiten musikalischen Horizont der Kapelle um Bill Leeb, andererseits variiert es lediglich die Sounds des Vorgängers „Airmech“ und überrascht damit dann doch etwas zu wenig. Ganz nett, chillig, breakbeatig, latent experimentell, aber frei von Lärm, Krach und Noises, die den Gamer beim Zocken stören könnten. Angenehm als Untermalung einer abendlichen Freizeitlektüre, kurz vor dem Schlafengehen; anders als beim Vorgänger sperren sich die Tracks aber trotz aller offenkundiger Qualität etwas dagegen, markant im Ohr zu bleiben.

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Underworld & Iggy Pop – Teatime Dub Encounters – Caroline/Beat 2018

Von Matthias Bosenick (20.08.2018)

Die Kombination liest sich zunächst ähnlich absurd wie Metallica & Lou Reed, nur mit dem Unterschied, dass Underworld nicht seit 30 Jahren Scheißmusik machen. Das Ergebnis dieser Kollaboration bleibt dennoch eher ein launiges Experiment als ein wegweisendes Stück Musikgeschichte, wenngleich die kompositorischen Qualitäten der elektronischen Tanzmusiker unverkennbar sind und der Erfinder des Punk und des Postpunk bekanntlich vor allen Tapeten glänzt. Die 12“ kommt in transparentem Vinyl.

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