Von Matthias Bosenick (30.07.2026)
Nahezu unbemerkt sind Soom wieder da. 2018 erschien das zweite und letzte Album „Джєбарс“ der Band aus Charkiw in der Ukraine, also sowohl noch vor der Corona-Pandemie als auch vor dem russischen Angriffskrieg, ab 2019 war Ruhe, und über Nacht und Nebel liegt mit „Все, що я намагався сховати“ plötzlich eine neue Single vor. „Alles, was ich zu verbergen versuchte“ setzt den Doom-Weg fort, den die Band seit 2013 praktizierte. Wer zur Band gehört, bleibt offen: Schlagzeuger Mykola Sostin alias Amorth starb 2024 im Verteidigungskrieg gegen Russland. Möglicherweise, auch das ist ungesagt, ist dieser Track eine Reaktion auf diese unsagbar schlimmen Umstände.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: This is going to hurt – Die Blindgänger vom NHS
Von Onkel Rosebud
Auf der einen Seite wollen die Menschen aus nachvollziehbaren Gründen nichts mit dem Thema Krankheit zu tun haben. Gerade Krankenhäuser sind ein Graus, da will kaum jemand freiwillig hin. Und doch erfreuen sich Serien, die in Krankenhäusern spielen, großer Beliebtheit. Nach dem Text über die Sitcom „Scrubs“ von letzter Woche gibt meine Freundin noch eine Empfehlung für so eine Serie, aber eine der ganz anderen Art. Ihrer Meinung nach sollten vor allem Schwangere diese unbedingt gucken. Denn im Kreißsaal fließen Körperflüssigkeiten, allen voran Blut. Es gibt eine Frau, die ihre Plazenta essen will, blutverschmierte Gebärräume und Babyköpfe, die in Vaginen feststecken.
WeiterlesenDenevér – III. Hívogat a vér – Pest Records/Metal Ör Die Records 2026
Von Matthias Bosenick (29.07.2026)
Einen Blick über die Grenze ins Nachbarland wirft der Ungar Tibor Terebesi aus Ózd, und zwar nach Transsilvanien in Rumänien. Sein Solo-Black-Metal-Projekt nennt er Denevér, was auf Ungarisch Fledermaus heißt und schon grob ahnen lässt, worum es auf seinem dritten Album „III. Hívogat a vér“ geht: „Der Ruf des Blutes“ steht im Mittelpunkt, und zwar der, dem ein gewisser Vampir folgt. Terebesi setzt auf Old-School-Black-Metal, er knüppelt also lieber, als dass er Atmosphären schafft, und baut gelegentliche klassische Interludien und andere Fingerfertigkeiten ein.
Ephemerality/Malignant Providence – Unholy Alliance – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (28.07.2026)
Zwei Leute teilen sich dieses Split-Album je zur Hälfte: Die „Unholy Alliance“ gehen nämlich die beiden Ein-Personen-Projekte Ephemerality und Malignant Providence aus Rumänien ein. Beide machen Death Metal, beide mit einem anderen Ansatz: Während Ephemerality das Progressive in den Vordergrund rückt und bei aller Brutalität eine Klarheit zeigt, wühlt Malignant Providence brutal groovend im herrlichen Dreck. Beide bringen je einen Coversong mit, von Entombed und Asphyx.
Steamgenerator – Hopeless Romantic + Black As Coal – Metalloscope-Music 2026
Von Matthias Bosenick (27.07.2026)
Wie die Zeit rennt: Das Album „Hopeless Romantic“ – im Geiste ist das „-ly“ mitgedacht – ist bereits drei Jahre alt, die EP „Black As Coal“ sogar sieben. Jetzt bringt die Wolfsburger Band Steamgenerator ihr komplettes Oeuvre, also sämtliche zwölf Songs, neu heraus, gebündelt auf einer CD und gehüllt in ein formschönes Digipak, zudem im Klang verbessert. Das Arbeitstempo passt zur Musik: Langsamer Doom ist der Hauptbestandteil hier. Auch mit dem Abstand der Zeit gefällt das, was das Quintett zusammenträgt, denn das ist gottlob mehr als nur Doom und auch nicht durchgehend langsam.
Heckel & Jeckel – Corbacs In Black – Bitume Prods 2026
Von Matthias Bosenick (24.07.2026)
Eigentlich sind die Zeichentrickfiguren Heckle & Jeckle ja Elstern, doch das gemischtgeschlechtliche Duo Heckel & Jeckel stellt sich als Krähen dar, immerhin Verwandte. Nach eigener Klassifikation machen die beiden vogelhaft pestmaskierten Franzosen „Disturbed Rock“, das kann man so stehen lassen, sollte es aber weiter ausführen, denn das allein verdeutlicht noch nicht, was das vierte Album „Corbacs In Black“ so faszinierend macht. Das Duo groovt seinen Noiserock irrsinnig, die Gitarre knarzt dreckig und zwischendrin gibt es einen Haufen Spielereien, die dem Lärm noch mehr Leben verabreichen.
Prophän – Ana Lmalhi F Dnoubi أنا الملهي فذنوبي – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (23.07.2026)
„أنا الملهي فذنوبي“ heißt ungefähr „Ich bin abgelenkt von meinen Sünden“, phonetisch ergibt sich daraus der Titel „Ana Lmalhi F Dnoubi“ für das neue Album des marokkanischen Ein-Man-Projektes Prophän. Darauf verarbeitet Othman Cherradi aus Casablanca, der Prophän betreibt, seine Eindrücke, die er im Zuge einer Umsiedelung nach Paris erhielt. Musikalisch heißt das, dass er verlangsamte Industrial-Sounds und Sprachsamples mit marokkanischer Musik verbindet, minimalistisch, dunkel, schön und verstörend.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Verdammt nochmal ein Milzriss: Scrubs
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin schaut gern Serien, die man nebenbei laufen und zu jeder Stimmung schauen kann, einfach weil sie wohlfühlig und meistens erheiternd sind. Die Sitcom „Scrubs“ ist so ein Fall. Die Krankenhausserie aus dem Jahr 2001 zeigt die Ängste und Probleme junger Ärztinnen und Ärzte, die keine Helden in weißen Kitteln sind. Auch dramatische OP-Szenen kommen nicht vor und vor allem auch keine anstrengenden Lachkonserven. Deshalb ist das eine gute Serie, auch für Nicht-Sitcom-Schauer wie mich. Die (fast) durchgängig liebenswerten Charaktere bis zur letzten Nebenfigur erfüllen zwar gewisse Stereotype, nerven aber kaum. Komplexe Zusammenhänge werden auf verdauliche Weise dargeboten. Im Prinzip geht es vor allem um Freundschaft und das ist ein Wert, den wir bei KrautNick hochhalten.
WeiterlesenProphets Of Thwaites – Vulnerant Omnes Ultima Necat – Pest Records 2026
Von Matthias Bosenick (22.07.2026)
Doom mit weiblicher Stimme dürfte selten sein, aber das ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal des Groninger Trios Prophets Of Thwaites: Blues, Post Rock, Heavy Psych und mehr finden Einlass in die erste EP „Vulnerant Omnes Ultima Necat“. Diese halbe Stunde Doom teilt sich auf in zwei Studio- und zwei Live-im Studio-Tracks, darunter in beiden Hälften der Titelsong, der auch jedes Mal eine andere Basis bekommt. Vergänglichkeit ist hier das Thema, aber was Wunder, wir hören ja schließlich Doom.
Dirk Serries – 252608 – Dirk Serries‘ Stream Of Consciousness 2026
Von Matthias Bosenick (21.07.2026)
Immer wieder begeistert es, wie Dirk Serries es schafft, seine Gitarre so klingen zu lassen, als wäre sie alles andere als eine Gitarre. „252608“ ist der neueste Teil seiner unüberblickbar reichhaltigen Reihe „Stream Of Consciousness“, in der er die Tiefen seiner eigenen musikalischen Biografie auslotet, indem er allein auf seinem Instrument mit einem Stapel Effektgeräte Ambient generiert. Mehr muss man auch gar nicht wissen, sondern einfach nur abtauchen.








