Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Tears For Fears – Scheiße angezogen, ernst gucken

Von Onkel Rosebud

Wie vermutlich viele Menschen, die sich für populäre Musik interessieren, hat meine Freundin eine Liste mit Bands, die sie unbedingt noch live sehen will. Unsere Schnittmenge für Formationen, die noch oder schon wieder am Start sind, ergab unter anderem Tears For Fears. Für sie wegen „Shout“, dem hornhautfräsenden Song, der sich der Hitformel von Abba und den Beatles bedient: nicht mit der Strophe, sondern gleich mit dem Refrain loszulegen. Für mich wegen dem Album „The Seeds Of Love“ (Fontana Records, 1989), mit dem die Band dem Synthie-Pop entwuchs und das ich für das beste Alben der 80er halte. Und glaubt mir, diese Kategorie habe ich mit summa cum laude absolviert, wenn man Joy Division aus der Wertung nimmt.

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Inside Machine: A Tribute To Gruntruck – Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (15.04.2026)

Wer sind all diese? Satte 18 unbekannte Bands finden sich zusammen, um auf der Compilation „Inside Machine“ der neunzehnten unbekannten Band Gruntruck Tribut zu zollen. Die war Anfang der Neunziger Teil der Grunge-Szene in Seattle und veröffentlichte bei dem Metal-Label Roadrunner zwei Alben, bevor es zum Split und zur obligatorischen Reanimierung kam. Da kann man Bitume Records nur für diese nötige Horizonterweiterung danken, die zudem auch noch weitere musikalische Perlen zwischen Metal und Synthiepop enthält. Und Grunge, na klar!

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Tracy Bryant – The Well – Taxi Gauche Records 2026

Von Matthias Bosenick (14.04.2026)

Mit seinem neuen Album „The Well“ fordert der Kalifornier Tracy Bryant die Genresucher heraus: Musikalisch und stilistisch lässt es sich nicht einordnen, so reduziert, wie es in Triobesetzung eingespielt wurde, und so wenig opulent die schwer zu identifizierenden Instrumente zum Einsatz kommen. Und trotzdem bleibt man dran, weil jeder Song etwas Neues, Eigenes bietet, was den Grundton nicht beeinträchtigt, sondern erweitert, und der liegt irgendwo im krautigen Postpunk-Indiefolk.

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Design – Faithless – Overdub Recordings 2026

Von Matthias Bosenick (13.04.2026)

Da steckt Feuer drin, und zwar ein Feuer aus mindestens zwei Welten: Electro und Rock kombiniert das Quartett Design aus Ancona auf „Faithless“, seinem dritten Album nach zehn Jahren Pause, zu einer Melange, die man in den USA möglicherweise als Industrial Rock bezeichnen würde. Starke Wave-Anteile und der Hang zur großen Geste machen aus diesem schwer googlebaren Album einen Kandidaten für Festivalbühnen und für die Rotation in abgedunkelten Clubs.

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La Grazia – Paolo Sorrentino – I 2025

Von Matthias Bosenick (12.04.2026)

„La Grazia“ ist ein Film von Paolo Sorrentino, wie man ihn sich wünscht: Wunderbare Bilder, knappe, pointierte Dialoge, wundervolle Charaktere, ein knallender Einsatz von Musik und eine Geschichte auf dem höchsten politischen Parkett. Sorrentinos Stammschauspieler Toni Servillo spielt hier einen aus dem Amt scheidenden Staatspräsidenten, der diverse Krisen dadurch bewältigte, dass er – nun – Ruhe bewahrte, und sich nun doch noch einigen politischen wie privaten Herausforderungen zu stellen hat. Ernste Themen, scharfer Humor.

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Urluk – Memories In Fade – Pest Records 2026

Von Matthias Bosenick (12.04.2026)

Nett, dieser Doom! Auf diese Weise zubereitet, ist diese eigentlich brutal düstere Stromgitarren-Musikrichtung wohl recht exklusiv: Urluk ist ein eher so halbanonymes Duo aus Mailand, das den schleppenden Doom glättet und ihn mit in dieser Darbietung unerwarteten Zutaten würzt. „Memories In Fade“ ist bereits das zweite Album der beiden Eulen – was Urluk im mailänder Dialekt heißt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: I try to discover a little something to make me sweeter…

Von Onkel Rosebud

Im Mai 2024 habe ich im Rahmen der Besprechung der Serie mit dem völlig bescheuerten Titel „Sam – Ein Sachse“ durchblicken lassen, dass ich meine beste Zeit als DJ im damals angesagtesten LGBTQ+Klub meiner Stadt hatte. Allabendlich war der Höhepunkt für das zügellose Partyvolk ein Song, den Erasure 1988 der Welt schenkte. Diese Hymne der späten 80er Jahre wurde zu einem zeitlosen Symbol für Einheit, Liebe und Verletzlichkeit, „A Little Respect“ war nicht nur ein Synthpop-Hit, sondern auch ein herzlicher Appell an das Mitgefühl, und funktioniert bis heute auf Tanzflächen, in Wohnzimmern und in den Herzen weltweit.

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Brigitte Calls Me Baby – Irreversible – ATO 2026

Von Guido Dörheide (03.04.2026)

„Endlich wieder Morrissey hören, ohne danach zu duschen“, schrieb Sven Kabelitz 2024 auf laut.de über Brigitte Calls Ne Babys Debütalbum „The Future Is Our Way Out“ und machte mich neugierig auf diese neue Band aus Chicago, Illinois, USA. Und wahrlich – das Album klang sehr schön nach den Smiths, allerdings so sehr, dass ich mich nicht traute, der Band tatsächlich zu trauen.

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Kim Gordon – Play Me – Matador 2026

Von Guido Dörheide (03.04.2026)

Sonic Youth – die älteren Lesenden erinnern sich –, jene Noiserocklegende aus NYC, die von 1982 bis 2009 in regelmäßigen Abständen für ekstatische Verzückung sowohl bei den Kritisierenden als auch bei den Hörenden sorgte und die dann nach der Trennung von Thurston Moore (Gesang, Gitarre) und Kim Gordon (Bass, Gesang) zunächst einmal auseinanderbrach, waren ja immer irgendwie mehr vom Gesang und der Gitarre Thurston Moores geprägt – umso wunderbarer war es immer, wenn Kim Gordon den Gesang übernahm und auf Songs wie „Tunic“ (für die unvergessene Karen Carpenter) oder „Kool Thing“ (dort gemeinsam mit Chuck D von Public Enemy) mit gelangweiltem Nölen und unglaublich toller Stimme bezaubernde und urst in den Bann ziehende Großtaten auf der melodischen Seite des Noiserocks ablieferte.

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