Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Der Plagiatweltmeister Bobby Orlando

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin kann nicht so recht nachvollziehen, was ich Italo-Disco abgewinnen kann und warum neben Montana Sextet „Who Needs Enemies (With A Friend Like You)“ die Retortenband The Flirts mit den Songs „Passion“ und „Helpless“ für mich die ultimativen Inkarnationen eines Tanzbeinschwingers sind. Ich gebe das ungern zu, auch textlich homoerotische Fehltritte wie Ken Lazlos „Hey Guy“ oder Lieder, die „Happy Children“, „Another Life“ oder „Hypnotic Tango“ im Original von gebräunten Schnurrbartträgern dargeboten, heißen, holen mich diskomäßig ab, obwohl ich den B-Seiten-Katalog von Sonic Youth auswendig kenne.

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Boy Witch – Boy Witch – Green Man Records 2026

Von Matthias Bosenick (01.04.2026)

Alle zehn Jahre kommt der Wahlberliner Felix Rörig mit einem neuen Projekt daher, scheint es: Boy Witch nennt er sein jüngstes, angelehnt an den Song des Unknown Mortal Orchestra, das er auch als musikalischen Einfluss nennt, und ebenso betitelt er auch sein Debütalbum. Das er bis aufs Schlagzeug komplett allein einspielte. Darauf frönt er der Dunkelheit; keiner depressiven, sondern einer nächtlichen, mit elektronisch unterfütterten Popsongs mit Crooning, die er zwischendurch mit teils heftigem psychedelischem Fuzz um sich selbst verdreht.

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Clawfinger – Before We All Die – Perception 2026

Von Matthias Bosenick (31.03.2026)

1993 krachten Clawfinger mitten in den Crossover-Hype hinein, etablierten sich mit dem Debütalbum „Deaf Dumb Blind“ in der Szene und lieferten danach noch einige weitere relevante Tanzflächenfüller ab. Nur stellte sich über Zeit heraus, dass Crossover – also jener aus Metal und Rap – nicht unbedingt das nachhaltigste Genre ist, es nutzte sich schnell ab, Neuveröffentlichungen in dem Genre klangen gestrig, so gern man die alten Kracher auch noch hörte. Wenn jetzt Clawfinger also knapp 20 Jahre nach ihrem letzten Album wieder mit einem neuen auf den Plan treten, das sie auch noch freundlichst „Before We All Die“ nennen, erneuern sie dann sich und das Genre? Spoiler: nein.

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Glimmen – Quatre – Soutrane Recording Company/Schneider Collaborations 2026

Von Matthias Bosenick (31.3.2026)

Spanisch für Anfänger: Nach „Dos“ kommt „Quatre“, klar! Aber nur, weil das kontinenteübergreifende Experimentalduo Glimmen zwischenzeitig mit dem anderen Experimentalduo Drazek Fuscaldo zusammenarbeitete. Ein Duo indes waren Glimmen lediglich auf dem selbstbetitelten Debüt, für „Quatre“ erweitern sie das Personal nochmal – und erzeugen mit jazzigem Instrumentarium Drones mit Unrhythmen, die ihre Hörerschaft in unterschiedliche Stimmungen versetzen. Ein ergreifender Rausch.

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Morrissey – Make-Up Is A Lie (Digital Deluxe Version) – Sire 2026

Von Guido Dörheide (30.03.2026)

Morrissey, der unsympathische ehemalige Gladiolenschwinger aus „Top Of The Pops“, hat es wieder getan: Mit „Make-Up Is A Lie“ veröffentlicht der unsympathische Künstler Stephen Patrick Morrissey aus Old Trafford, Greater Manchester, UK (former member of the EU) sein gefühlt fümmensiebzichstes Soloalbum seit Auflösung der The Smiths, an deren Auflösung der unsympathische britische Sänger nicht unbeteiligt war, im Gegenteil, er war ursächlich dafür. Seitdem kämpft er für den Brexit, setzt sich für Rassismus ein und alle paar Jahre kommt er um die Ecke geschissen und beschuldigt in den mehr oder weniger sozialen Medien den ehemaligen Smiths-Gitarristen Johnny Marr, einer Smiths-Reunion im Wege zu stehen. Was dieser jedes Mal sinngemäß damit pariert, von SPM nicht gefragt worden zu sein und ohnehin für so einen Mumpitz nicht zur Verfügung zu stehen.

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Paper Crown – Letters – Apollon Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.03.2026)

Tut nicht weh, was das Duo Paper Crown aus Hamar in Norwegen auf seinem dritten Album „Letters“ anbietet. Irgendwie Poprock, ganz nett, aber unspektakulär. Passt perfekt ins Radio, fällt dort nicht unangenehm auf und lässt sich zeitlich nicht verorten. Hat man bereits vergessen, während es noch läuft. Viel mehr lässt sich dazu kaum sagen.

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Dušan Jevtović – No Answer 2 – Dušan Jevtović 2026

Von Matthias Bosenick (30.03.2026)

Um „No Answer 2“ in seiner Gesamtheit erfassen zu können, müsste man sich wohl die ganzen anderen „No Answer“-Alben von Dušan Jevtović anhören. Das Album mit der Nummer zwei ist nämlich bereits das vierte, inklusive zweier Live-Varianten. Der in Spanien ansässige serbische Gitarrist macht darauf in Triobesetzung eine Art Jazz-Rock-Fusion, die vermutlich klassischen Fusion-Fans einiges an Akzeptanz abverlangt, denn die drei Musizierenden experimentieren hier ordentlich herum und erfreuen so auch Hörende, die Fusion allein inzwischen abgeschmackt finden.

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Courtney Barnett – Creature Of Habit – Fiction Records/Mom + Pop 2026

Von Guido Dörheide (29.03.2026)

Ein neues Courtney-Barnett-Album hatte ich ehrlich gesagt nicht auf dem Schirm und umso mehr habe ich mich darüber gefreut – so sehr, dass ich erstmal zusammen mit der Liebsten das 2022er Video zu „Rae Street“ angeschaut habe, ein fürwahr großartiges Musikvideo, das ich hiermit allen Lesenden aufs Wärmste ans Herz legen möchte, und danach noch „Lotta Sea Lice“, die 2017er Kollaboration mit Kurt Vile, auf der sich zwei Singer/innen-Songwriter/innen getroffen haben, von denen eine so aussieht, wie der andere heißt, und sich beide auf ihren Fender-Gitarren (sie auf einer Telecaster, er auf einer Jazzmaster) gegenseitig an die Wand spielen und singen, dass es eine wahre Freude ist.

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Sound Of Smoke – Mirage – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (27.03.2026)

Der Bandname gibt schon schön vor, worauf man sich musikalisch einzulassen hat: Sound Of Smoke nennt sich das Quartett aus Freiburg im Breisgau (im Breisgau!) und so klingt auch dessen drittes Album „Mirage“. Hier kommen Space, Stoner, Psychedelic und Kraut-Rock auf eine fette, treibende, erhebende, hypnotische Weise zusammen. Versetzt indes mit als soulig apostrophiertem Gesang, der jedoch nicht so richtig überzeugen kann.

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Steve Albini Spezial: Killing Joke und Fugazi – Albini-Demos – 2026

Von Matthias Bosenick (26.03.2026)

Die Relevanz Steve Albinis für den Noiserock ist unabschätzbar, und selbst über dieses schmale Genre hinaus hinterließ der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. Einige erblicken erst posthum – er verstarb 2024 – das offizielle Licht der Welt, zwei aus anderen Genres als dem Noiserock dieser Tage parallel: Interims-Drummer Martin Atkins bringt die „Black Cassette“ der Post-Punks Killing Joke mit einigen Live-Aufnahmen auf der B-Seite als „Extremities: The Albini Demos And Live Beginnings ‘88“ auf Vinyl heraus, die Post-Hardcorer Fugazi reichen ihr späteres Album „In On The Kill Taker“ rein digital als „Albini Sessions (Benefit For Letters Charity)“ nach. Beide Aufnahmen entstanden in Chicago bei Albini.

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