Was meine Freundin gerne liest – die Literaturkolumne: Nick Hornby’s gonna work it out

Von Onkel Rosebud

Im Frühling meiner Zeit als Schallplattenunterhalter, in den Neunzigern, ist es mir mehrmals passiert, dass männliche Mitmenschen mit charaktervoller Gesichtsbehaarung während des Warm-Ups an die DJ-Kanzel traten und, ohne ein liebevolles Wort der Begrüßung zu verlieren, fragten: Hast Du Chemical Brothers? Nein zu sagen, war keine Option, denn dann zogen die meinungsprägenden Ziegenbärte mit ihrer gutaussehenden, weiblichen Entourage sofort weiter in den nächsten Club. Dank Nick Hornby war ich vorbereitet. In der Verfilmung seines Romans „High Fidelity” gibt es die Szene in Sachen Chemical Brothers, wo Rob, der romantische Beziehungsversager und Plattenladen-Besitzer, sein Comeback als DJ mit dem Sprechgesang „the brothers gonna work it out, the brothers gonna work it out …“ eröffnet. Dann setzen die hypnotische Bassline und der ballernde Beat ein. Der Track heißt „Leave Home“ und ist auch im Herbst meiner DJ-Karriere immer ein Garant, das Tanzflächen-Eis zu brechen.

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Bitume Profond – Compilation – Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (30.09.2026)

Ein fantastisches Konzept: Das französische Label Bitume Prods feiert seinen zehnten Geburtstag und kompiliert dafür nicht einfach nur eine Bestof seines Katalogs, sondern lässt 21 Bands je einen ausgewählten Song anderer Labelkollegen neu interpretieren. Damit bilden diese 21 Bands nicht nur einen Querschnitt durch die vielseitigen Genres des Labels, sondern ergeben auch eine hörenswert abwechslungsreiche Musiksammlung, von Experiment über Gothic, Industrial und Indierock bis Metal.

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Pam Risourié – I’ll Never Be Human – Atypeek Music/Shoredrive Records/Stellar Frequencies 2026

Von Matthias Bosenick (30.09.2026)

Pam Risourié ist kein:e Einzelkünstler:in, sondern eine ganze Band, in der immerhin die Position an Mikrofon und erster Gitarre Pam heißt, also ganz wie bei Nena, Alice Cooper oder Marilyn Manson. Fünf Menschen aus Paris erstellen miteinander seit 2019 eine Musik, die sie selbst und mit ihnen ihre Hörerschaft leicht zwischen Shoegaze und Dreampop einzuordnen in der Lage sind. „I’ll Never Be Human“ ist nach einigen EPs und Singles erst ihr zweites Album, und es erweitert die Schublade um Fuzz, Kraut und sonstige weitere Indierockgenres.

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Arbeit und Petrolio – Estádio Nacional – Petrolio 2026

Von Matthias Bosenick (29.09.2026)

Oh: Aus der reinen Verköstigung des Vorgängeralbums „Club Atlético Voces Y Gritos“ des Industrial-Künstlers Petrolio alias Enrico Cerrato aus Asti ergab sich nicht, dass es sich dabei um ein Konzeptalbum handelte, das die argentinische Militärdiktatur unter Jorge Rafael Videla und dessen im Titel genanntes Folterlager behandelte. „Estádio Nacional“ ist die Fortsetzung, mit einem Wechsel nach Chile und den dortigen Diktator Augusto Pinochet, dessen Folterlager abermals den Titel bildet. Für dieses beklemmend-düstere Ambient-Industrial-Werk holte ich Petrolio Jochen Arbeit von den Einstürzenden Neubauten ins Studio, der mit seiner Gitarre die Drones liefert.

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Oöhna Call – Ekko – Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (25.09.2026)

Ah: Post Rock kann also doch anders sein! Zumindest, wenn man etwas Anderes macht und behauptet, es sei Post Rock. So machen das Oöhna Call, bei denen ja bereits der Bandname anders ist und Erinnerungen an frühe Experimente mit Neofolk oder Minimal-Electro evoziert. Könnte man beides hier finden, eigentlich aber doch instrumentale Rockmusik mit starkem synthetischem Einschlag und reichlich unkonventionellen Strukturen. „Ekko“ ist das zweite Album des Trios aus Tours.

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Sergei Khramtcevich, Ilya Kruchinin & Dušan Petrović – Baritone Conspiracy – Addicted/Noname Label 2026

Von Matthias Bosenick (24.09.2026)

Zwei Bariton-Saxophone und ein Schlagzeug, freie Improvisation und Musikentwicklung live in Echtzeit: Endlich liegt die „Baritone Conspiracy“ der drei Musiker Sergei Khramtcevich, Ilya Kruchinin und Dušan Petrović komplett als Album vor. Loops sind da ein Werkzeug, mit dem sich komponiert wirkende Tracks erstellen lassen, und die setzt das Trio gern ein, lässt sie aber bald unter der Ausgestaltung verschwinden. Das ist vieles, Jazz vorrangig, und ganz besonders ist es gut gelungen. Live mitgeschnitten in Belgrad.

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Was meine Freundin gerne liest – die Literaturkolumne: When a Shagger falls in love, it’s game over: Das Trainspotting-Sequel „Men in Love“

Von Onkel Rosebud

Wer, wie meine Freundin, beim Aufruf der Namen der Protagonisten Mark „Rent Boy” Renton, Simon „Sick Boy“ Williamson, Francis „Franco“ Begbie und Daniel „Spud“ Murphy Bescheid weiß, steckt auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem bahnbrechenden Debüt von Irvine Welsh in seinem Leben in „Trainspotting“-Momenten fest. Sein drahtiges, umgangssprachliches und schonungsloses Buch aus der Drogenszene von Leith, einem Stadtteil von Edinburgh, in den Neunzehnhundertachtzigern hat auch heute noch etwas unbestreitbar Nachhallendes und etwas merkwürdig Aktuelles an sich.

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The Spacelords – Uranus Omnibus Sanctus – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (23.09.2026)

Ein Loblied auf den geheiligten öffentlichen Nahverkehr auf einem unserer Nachbarplaneten ist „Uranus Omnibus Sanctus“ eher nicht, vermutlich. Der Himmelsgott ist uns allen heilig, behaupten The Spacelords auf ihrem neunten Album seit 2008 vielmehr, und – nein, sie singen nicht, das Reutlinger Trio spielt zu viert Instrumentaltracks ein, die dem psychedelisch grundierten Spacerock angehören. Vier Tracks, die aus dem Stand eine Sogwirkung entfalten.

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De Staat – De Staat – V2 2026

Von Matthias Bosenick (22.09.2026)

20 Jahre De Staat! Das feiert die Band aus Nijmegen mit ihrem siebten Studioalbum, einem Konzeptalbum, das sie nach sich selbst benennt und das sowohl folglich als auch thematisch passend „De Staat“ heißt. In Zeiten globaler Katastrophen jeglicher Art fällt die ironische Betrachtung aller Umstände hier ernsthafter aus. Der von tiefen Synthies getriebene Indierock des Quintetts bekommt eine soulige Schlagseite und musikalisch sehr viele Fassetten. Damit sperren sich De Staat wie immer dagegen, einer Schublade zugeordnet zu werden, und das auf einem sogar stetig wachsenden Niveau.

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Exp – Exp – Reptilian Records 2026

Von Matthias Bosenick (21.09.2026)

Wenn man zu Betriebszeiten einer Band bereits eine Art Kultstatus innerhalb seiner Fangemeinde einnimmt, ist es vielleicht das Beste, einfach aufzuhören, neue Projekte zu gründen und damit potentiellen Enttäuschungen vorzugreifen. Bei Fugazi klappt das vorzüglich, bei Cop Shoot Cop ebenso, und so kann jeder Beteiligter in neuen Bands nach Belieben das machen, was den Ruf der vermeintlichen Kultband möglicherweise angekratzt hätte. Bei Exp (oder EXP) handelt es sich um ein weiteres dieser Projekte aus New York, an denen versierte Leute aus dem weiten Feld des Noise Rock beteiligt sind. Schwierig zu googlen, das Debüt heißt wie die Band – und die Musik ist definitiv ungewöhnlich, weil zunächst unerwartet gewöhnlich.

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