Von Matthias Bosenick (28.08.2026)
Na gut: Dank der Andreas Experimentierfreude, sich Accounts bei Anbietern wie Netflix, Prime Video oder Apple TV zuzulegen, verleibten wir uns zuletzt auch mal so einige Serien ein. Zum Beispiel: „Widow’s Bay“, „H/jack“, „Tschugger“, „The Boys“ und „Doppelhaushälfte“. Lehrstunden in Fremdscham, Doppelbödigkeit, Blutigkeit, Humor, Action und maßlose Überbewertung inklusive.
Was Guido gehört hat… im Juli 2026
Von Guido Dörheide (28.08.2026)
Moonspell – Deep Purple – The Rolling Stones
Dieses Mal erscheint meine Monatsrückblickskolumne wieder folgerichtig im Folgemonat, aber ohne das „sonst noch“ im Titel, da ich es bisher nicht hinbekommen habe, eine der zahlreichen schönen Juli-Neuerscheinungen einzeln zu rezensieren. Der August im Hause Dörheide ist überschattet vom Unfall unseres dreijährigen Katers Fritz: Am Morgen des 7. August fand die Liebste den kleinen schwarzweißen Kater reglos auf dem Grundstück unseres heruntergekommenen Mehrfamilienhauses zu liegen. Er blutete stark. Unsere Tierärztin in Goslar fertigte ein Innenporträt mittels X-Strahlung an und schickte uns sofort in die Tierärztliche Hochschule Hannover. Dort folgten weitere Aufnahmen, Ergebnis: Höchstwahrscheinlich hat ihn ein Fahrzeug hinten rechts angefahren, beidseitiger Beckenbruch, komplett überdehnte Bänder in den hinteren Sprunggelenken und zahlreiche Hautabschürfungen, Wirbelsäule zum Glück OK. Nach Operation und knapp einwöchiger Nachsorge haben wir ihn wieder nach Hause holen können. Seitdem lebt Fritz in einen Käfig und muss uns Bescheid sagen, wenn er mal aufs Klo möchte. Das ist kein Leben für eine Katze. Wenn die Hinterbeine nichts mehr werden, müsse er eingeschläfert werden, sagte die Goslarsche Tierärztin; zum Glück bemüht sich der Kleine seit einigen Tagen eifrig, sich aufzustellen, hinzuhocken und innerhalb des Käfigs ein paar Schritte zu gehen. Die Liebste und ich hoffen, dass er damit über den Berg ist und es nun nur noch aufwärts geht. Das Haus verlassen wird er nie wieder, da sind wir uns einig. Er war eh immer so selten und nur ganz kurz draußen, und dann geht er mal über Nacht raus und dann sowas.
WeiterlesenCoal & Crayon – Coal & Crayon – Teilchensturm 2026
Von Matthias Bosenick (28.08.2026)
Selbstbetitelt, aber nicht das Debüt von Coal & Crayon, deren neues Album „Coal & Crayon“ den selben Titel trägt, wie die Band heißt. Wommama ernstbleim: Unter Progressive Post-Metal firmiert das Quintett aus Bergen auf Rügen, was sich hier anhört wie Alternative Rock bis Metal mit Anwandlungen zwischen Verschachtelt und Harmonisch, und das – Gott sei’s gedankt – unter Unterlassung des Tappens in die Popfalle. Es tut der Musik sogar gut, dass sie nicht wirklich vorrangig richtig heavy ist – gut ist sie allemal.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Schmerzen beim Wasserlassen mit Stephen King – Mr. Mercedes
Von Onkel Rosebud
Bevor meine Freundin sich einer neuen Serie nähert, geht sie sicher, dass mindestens drei Kriterien erfüllt sind: ein hervorragender Cast, ein inspirierender Soundtrack und eine schnittige Handlung, die nicht schon mal dagewesen ist.
Deshalb stand für „Mr. Mercedes“ ihre interne Ampel auf Grün, weil erstens: Brendan „Mad-Eye Moody“ Gleeson in der Hauptrolle und dazu Mary-Louise Parker, Ann Cusack, Justine Lupe, Kate Mulgrew (die Küchenchefin Red aus „Orange Is The New Black“ in einer bitterbösen und abartigen Rolle) und so weiter. Zweitens King Crimson, Kinks, Ramones, The Impressions, T-Bone Burnett im Titelvorspann, Leonard Cohen, The Drifters, Unwound, Pixies, The Flaming Lips, Sonic Youth, The Black Keys und viele andere Sympathen. Während wir die Serie geschaut haben, warf sie immer wieder „wauzi“ ein, was bei ihr so viel heißt wie: den Song kannst Du mir auch bitte auf die Playlist packen.
WeiterlesenMan & Machine – Earthman – Fruits De Mer Records 2026
Von Matthias Bosenick (18.08.2026)
Völlig von der Erde genommen spielt Tom Roche aus Schottland mit Freunden als Man & Machine einige Songs ein und lässt sie jetzt von Fruits De Mer Records als farbenfrohe 10“ zusammentragen. „Earthman“ ist diese Sammlung wert: Die Band musiziert leise, zurückhaltend, behutsam und kuschelig. Wobei dem Kuscheln hier unterschwellig etwas innewohnt, das ein Fluchtimpuls sein könnte, weg von der Erde in ein besseres Leben.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: „Narf!“ Stammhirn, Stammhirn!
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin treibt gern Erinnerungssport. „Hey“, fragte sie, „was wollen wir denn heute Abend machen?“ Brav antwortete ich: „Genau das selbe, wie jeden Abend. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.“ Mit diesem Running Gag beginnt „Pinky und der Brain“, eine 95 Episoden in 4 Staffeln umfassende, von Steven Spielberg erschaffene Kinder-Zeichentrickserie aus den Jahren 1995 bis 1998. Die Protagonisten, Pinky und Brain, sind sprechende Labormäuse, die mittels wahnwitzig konstruierter und zwerchfellerschütternder Welteroberungspläne versuchen, die Herrschaft an sich zu reißen.
WeiterlesenKuhn Fu – GamGumSupon – Berthold Records 2026
Von Matthias Bosenick (18.08.2026)
Was kommt dabei heraus, wenn man eine instrumentale Rockband und ein Blasorchester kreuzt? „GamGumSupon“, das neue Album von Kuhn Fu, verrät es – Rock’nRoll mit Big-Band-Sound, Hardrock mit Jazz und noch eine Menge mehr, das einem selbst gar nicht einfallen würde. Das achte Album, international besetzt eingespielt passenderweise zu acht, verzückt mit verrückten Haken, die die Musik fortwährend schlägt. Fett!
Drazek Fuscaldo – Mirage – Drazek Fuscaldo 2026
Von Matthias Bosenick (14.08.2026)
Der vollständige Projektname zu dieser Veröffentlichung aus Chicago lautet Drazek Fuscaldo feat. Jörg A. Schneider, Tatsu Aoki & Thymme Jones, denn dieses jüngste Album „Mirage“ entstand so etwas in der Art wie zu fünft. Zu hören gibt es die hypnotischste, entspannteste freie Jazzmusik, die man sich vorstellen kann. Nichts für das angesagte Kaffeehaus, sondern für den entspannten Genuss zu Hause. Mit unter anderem Trompeten, Piano, Gesang und einem gelösten Schlagzeug – und alles davon ganz anders, als man glaubt, wenn man das so liest. Zum Schluss gibt’s nämlich sogar Grooves!
Sly & The Family Drone – With Love – Sly & The Family Drone 2026
Von Matthias Bosenick (13.08.2026)
Bandnamen, die sich aus der Verdrehung bereits etablierter Namen einen Scherz machen, sind eher schwierig, da funktionieren eigentlich ausschließlich Dub Spencer & Trance Hill. Die Nordlondoner Sly & The Family Drone machen’s dennoch, und immerhin der veränderte Zusatz ist hier mehr als berechtigt: Auf dem vermutlich achten Album „With Love“ gibt’s irgendwie einen freien Jazz, aber generiert nicht nur mit dem Tenor-Saxophon, sondern auch mit elektronischem Lärm. Der umso besser reinhaut, wenn er wie hier neben kontemplativen Stücken steht. Letztlich belegt der Name vielmehr eine in der Musik eher versteckte Komponente, die für das Quintett dennoch essentiell ist: Humor.
Pinhdar – Comfort In The Silence – Fruits De Mer Records 2026
Von Matthias Bosenick (13.08.2026)
Das neue Logo von Pinhdar mit dem auf Abstand vertikal gespiegelten P deutet schon sehr auf Portishead hin, und ja, das Duo aus Mailand erfüllt diverse Charakteristika des Trip Hop, aber nicht ausschließlich, denn die zweite Säule errichten die beiden Musizierenden und Singenden auf Wave aus den Achtzigern und verbinden alles mit modernen Mitteln. „Comfort In The Silence“ ist das vierte Album von Cecilia Miradoli und Max Tarenzi, das in unruhigen Zeiten der Seele guttut.








