Von Matthias Bosenick (03.09.2026)
Ein wichtiges Zeichen der Nachhaltigkeit kommt dieser Tage aus Düsseldorf: Vom Individualverkehr auf den ÖPNV satteln Vibravoid um, nämlich von der Kraftwerkschen „Autobahn“ auf die ureigene „Straßenbahn“. Die Fahrt geht auch noch doppelt so schnell. Auf „A Reason For Now“, ihrem neuen Album, wildern die Kraut-, Stoner- und Psychedelik-Rocker in noch mehr Gewässern als den genannten, so darf man sich auch mal in den Neunzigern in Nordengland wiederfinden. Als Bonus gibt’s den selbstgedrehten 40minütigen Stummfilm „Im Zeichen des Zwilling“ aus dem Jahr 2019 on top obendrauf, außerdem kündigt der Bandchef ein Buch über die Düsseldorfer Subkultur an.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Creepy Number Nine
Von Onkel Rosebud
Die Lieblingszahl meiner Freundin ist die Neun. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie die britische Fernsehserie „Inside No. 9“ entdeckte. Von der gibt es 9 Staffeln mit insgesamt 55 Episoden im Stil einer schwarzen Komödie. Jede 30-minütige Folge ist eine in sich abgeschlossene Geschichte mit neuen Charakteren und neuen Schauplätzen. Die Geschichten sind nur durch einen Schauplatz verbunden, der in irgendeiner Weise mit der Zahl 9 zu tun hat, sei es ein Herrenhaus, eine Garderobe oder sogar ein Schuh der Größe 9 sowie durch die Messingstatue eines Hasen, die in allen Folgen versteckt ist.
WeiterlesenSpaziergang nach Syrakus – Lars Jessen – D 2026
Von Matthias Bosenick (02.09.2026)
Auf der Suche nach der Quelle für seine Sehnsucht versteigt sich Paul in dem literarisch inspirierten Wunsch, zu Fuß nach Sizilien zu wandern. Dumm nur, dass er in der DDR lebt. Der „Spaziergang nach Syrakus“ von Regisseur Lars Jessen begleitet man gern, weil hier der Tonfall stimmt, ausgewogen zwischen Ernst und Humor, und auch sonst alles das Auge erfreut. Fast alles, denn die Wende bedeutet hier auch dramaturgisch eine Zäsur.
Hyperdump – Weird Stories From Dumptown – Octopus Rising 2026
Von Matthias Bosenick (01.09.2026)
Wie klingt eine Band, die Faith No More, Devin Townsend und Strapping Young Lad als Einflüsse angibt? Irgendwie nach Gojira, die etwas kompakter und zugänglicher unterwegs sind. Solches trifft auf Hyperdump und deren drittes Album „Weird Stories From Dumptown“ zu, und wie’s der Zufall will, sind auch diese fünf Musiker aus Frankreich, ganz wie Gojira. Hier bekommen Nackenmuskel eine besonders heftige Massage.
DNLB – PhaeOne/PhaseTwo – db2fluctuation 2026
Von Matthias Bosenick (31.08.2026)
Für sein zweiteiliges neues Programm „Phase“ – bestehend aus den Einzelveröffentlichungen „PhaseOne“ und „PhaseTwo“ – poliert Daniel Bressanutti, hier DNLB genannt, seine Synthies mit Glasreiniger. So klare Sounds, als säße der Mitgründer der belgischen EBM-Erfinder Front 242 direkt im Kopf der Hörerschaft. Und dort stellt er alles auf den selbigen: Was als Ambient beginnt, bekommt im zweiten Teil einen extrem scharfen Beat.
Mastodon – Marrow Deep – Loma Vista 2026
Von Guido Dörheide (30.08.2026)
Mastodon liegen mir unter allen Metalbands, die ausschließlich Klargesang einsetzen, besonders am Herzen. Hier vermischen sich harter Rock, Sludge, Jazz, klassischer Heavy Metal und Progressive Metal auf eine Art und Weise, wie ich es sonst nur entfernt ähnlich bei Baroness erlebe. 2025 war ein hartes Jahr für die Band aus Atlanta, Georgia, US of A: Im März verließ mit Brent Hinds nicht nur einer von Mastodons damals drei Sängern und zwei Gitarristen, sondern mit seiner holzfällerartigen Erscheinung und seinen zwischen streitbar und erratisch schwankenden Statements („I fucking hate Heavy Metal“/„A shit band with horrible humans“) auch sowas wie das Gesicht Mastodons die Band. Im November starb Hinds in Folge eines Motorradunfalls. Ein danach erschienenes Interview mit der Band zeichnet das Bild eines psychisch schwer angeschlagenen Menschen mit einem massiven Suchtproblem, mit dem auszukommen in etwa so leicht gewesen sein musste wie mit Ginger Baker in nüchternem Zustand. Die Geschichte der Band wäre ohne Hinds und mit dem neuen Leadgitarristen Nick Johnston und dem jetzt fest zur Band gehörenden Tourkeyboarder João Nogueira (bekannt und beliebt aus keiner geringeren Band als The Claypool Lennon Deririum!!!) ohnehin weitergegangen, aber Hinds’ Tod markiert einen nochmals tieferen Einschnitt als sein bloßer Rauswurf und macht „Marrow Deep“ zu einem Album, auf dem nicht nur die Erwartung, Mastodon können musikalisch ähnlich eindrucksvoll weitermachen als zuvor, sondern auch, dass sie Hinds ein angemessenes Denkmal errichten, lastet.
WeiterlesenDinosaur Jr. – There Near – Jagjaguwar 2026
Von Guido Dörheide (29.08.2026)
Mit „Freak Scene“ vom 1988er Album „Bug“ katapultierten sich Dinosaur Jr. auf (oder heißt es „in“?) den Olymp des US-Amerikanischen harten Indie-Rocks, bereits ein Jahr zuvor veröffentlichten sie mit „Just Like Heaven“ eine der wohl besten Coverversionen eines Songs überhaupt (Okay – falls sich diese Aussage im Nachhinein als nicht haltbar herausstellen sollte, grenze ich den Vergleich ein wenig ein: die wohl beste Coverversion eines im selben Jahr erschienenen The-Cure-Originals). Dann folgte die Trennung, Bassist Lou Barlow konzentrierte sich auf seine wunderbare Lo-Fi-Kapelle Sebadoh und Gitarrist und Sänger J Mascis machte mit Murph und Mike Johnson am Bass bis 1993 weiter, dann ging auch Murph und Dinosaur Jr. wurde eigentlich zu einem J-Mascis-Soloding mit Johnson unverändert am Bass und gefühlt 50 weiteren Mitstreitenden. Das hielt aber nur für ein Album an („Hand It Over“ von 1997), dann war für 10 Jahre Schluss.
WeiterlesenS.U.G.A.R. – III – Alien Snatch! Records 2026
Von Matthias Bosenick (30.08.2026)
Garagigen Turbo-Rock’n’Roll einer so alten Schule, dass sie keiner Zeit mehr angehört, machen S.U.G.A.R. aus Berlin. Zu dritt, daher wohl auch der Titel „III“ für ihr drittes Album, kann aber auch andere Hintergründe haben. Das rockt, das gniedelt, das rollt, das fetzt und das hat catchy rauhe Melodien. Kommt einem irgendwie bekannt vor, aber aus so vielen verschiedenen Töpfen, dass das schon wieder ein eigener wird. Aber Vorsicht: Die Punkte im Bandnamen nicht vergessen, sonst landet man bei Bob Mould. Auch fein, klar!
Serien-Spezial
Von Matthias Bosenick (28.08.2026)
Na gut: Dank der Andreas Experimentierfreude, sich Accounts bei Anbietern wie Netflix, Prime Video oder Apple TV zuzulegen, verleibten wir uns zuletzt auch mal so einige Serien ein. Zum Beispiel: „Widow’s Bay“, „H/jack“, „Tschugger“, „The Boys“ und „Doppelhaushälfte“. Lehrstunden in Fremdscham, Doppelbödigkeit, Blutigkeit, Humor, Action und maßlose Überbewertung inklusive.
Was Guido gehört hat… im Juli 2026
Von Guido Dörheide (28.08.2026)
Moonspell – Deep Purple – The Rolling Stones
Dieses Mal erscheint meine Monatsrückblickskolumne wieder folgerichtig im Folgemonat, aber ohne das „sonst noch“ im Titel, da ich es bisher nicht hinbekommen habe, eine der zahlreichen schönen Juli-Neuerscheinungen einzeln zu rezensieren. Der August im Hause Dörheide ist überschattet vom Unfall unseres dreijährigen Katers Fritz: Am Morgen des 7. August fand die Liebste den kleinen schwarzweißen Kater reglos auf dem Grundstück unseres heruntergekommenen Mehrfamilienhauses zu liegen. Er blutete stark. Unsere Tierärztin in Goslar fertigte ein Innenporträt mittels X-Strahlung an und schickte uns sofort in die Tierärztliche Hochschule Hannover. Dort folgten weitere Aufnahmen, Ergebnis: Höchstwahrscheinlich hat ihn ein Fahrzeug hinten rechts angefahren, beidseitiger Beckenbruch, komplett überdehnte Bänder in den hinteren Sprunggelenken und zahlreiche Hautabschürfungen, Wirbelsäule zum Glück OK. Nach Operation und knapp einwöchiger Nachsorge haben wir ihn wieder nach Hause holen können. Seitdem lebt Fritz in einen Käfig und muss uns Bescheid sagen, wenn er mal aufs Klo möchte. Das ist kein Leben für eine Katze. Wenn die Hinterbeine nichts mehr werden, müsse er eingeschläfert werden, sagte die Goslarsche Tierärztin; zum Glück bemüht sich der Kleine seit einigen Tagen eifrig, sich aufzustellen, hinzuhocken und innerhalb des Käfigs ein paar Schritte zu gehen. Die Liebste und ich hoffen, dass er damit über den Berg ist und es nun nur noch aufwärts geht. Das Haus verlassen wird er nie wieder, da sind wir uns einig. Er war eh immer so selten und nur ganz kurz draußen, und dann geht er mal über Nacht raus und dann sowas.
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