Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: David Bowie – das Genie popkultureller Aneignung

Von Onkel Rosebud

„Ich weiß nicht, ob ich einen Text mit dieser Überschrift lesen würde“, meinte meine Freundin und fügte an, „mit Verlaub, Du bist nicht Greil Marcus. Außerdem ist Bowie tot. Starb übrigens im gleichen Jahr, als die Printausgabe deiner Lieblingszeitschrift eingestellt wurde. Think about it.“ Da stand ich sofort unter Rechtfertigungsdruck: „Spex hat zwei Jahre länger durchgehalten als der wandelbarste und wahrscheinlich einflussreichste Musiker der Rock- und Popgeschichte. Und wir bei KrautNick bohren auch die wirklich dicken Bretter.“ „Aber es nützt doch niemand, zu wissen, wo er sich überall bedient hat. Das Ergebnis zählt. Und das sind einige, wirklich tolle Songs und Alben“, erwiderte sie und ergänzte, dass diese ganze Aneignungssache in der Popkultur stets und ständig passiert und deshalb uninteressant sei.

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Crimson Roots – Open Roads – Crimson Roots 2025/Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (13.05.2026)

Als Best Of The Blues könnte man „Open Road“ zunächst auffassen, das Debütalbum der Nürnberger Band Crimson Roots. Die fünf Musizierenden können so gut wie alle Bluesstile und wenden sie auch an. Wunderbar instrumentiert und gespielt bis hin zur gelegentlich eingebrachten Orgel, lassen sich damit die Herzen klassischer Bluesfans erobern. Einzig der Gesang lässt Wünsche offen – und beim zweiten Wurf dürfte zudem gern etwas mehr Experimentierfreude eingebracht werden, analog zur zweiten, progressiver strukturierten Albumhälfte.

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Was Guido sonst noch gehört hat… im April 2026 – Teil 2

Von Guido Dörheide (12.05.2026)

Keimzeit – Michael Schenker Group – Pink Floyd – At The Gates – Ringo Starr – Six Feet Under

Teil 2 ist eine Mogelpackung, denn von MSG und Pink Floyd gibt es kein neues Material, sondern nur jeweils ein neues Album mit altem Material. Da es bei beiden Bands nicht verkehrt ist, sich mit Livematerial für die einsame Insel zu bevorraten, habe ich beide hier mit reingenommen. Aber ich will vorne anfangen, nämlich mit…

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Light Of Eternity – 100 Club Live – Live Here Now 2025/2026

Von Matthias Bosenick (12.05.2026)

Aktuell ist niemand sonst da, der die Lücke auch nur ansatzweise schließen kann, die der Tod von Kevin „Geordie“ Walker vor drei Jahren ins Bandgefüge der englischen Indie-Helden Killing Joke riss, als die Band Light Of Eternity, bei der mit Schlagzeuger „Big“ Paul Ferguson einer seiner einstigen Mitstreiter mitspielt. „100 Club Live“ klingt in weiten Strecken nach Killing Joke – bis auf den Gesang. Wehmut kommt auf, insbesondere, weil die Gitarre einen beinahe unheimlichen Nachhall von Geordie mit sich trägt. LOE tragen Post Punk in die Moderne, ganz wie ihre Vorbilder.

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Was Guido sonst noch gehört hat… im April 2026 – Teil 1

Von Guido Dörheide (10.05.2026)

Bon Iver – Sunn O))) – Lord of the Lost – Metal Church – Crimson Glory – Crippled Black Phoenix

O haue ha – entweder ist im April so viel neue Musik erschienen, die mich interessierte, oder ich lag auf der faulen Haut herum und habe kaum was darüber aufgeschrieben. Wie dem auch sei – ich habe die April-Nachschreibung aus Gründen der Steigerung des Lesevergnügens in zwei Teile zerlegt und starte chronologisch mit Teil 1:

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Burn – Chopped And Shattered – Bezdech Rec. 2026

Von Matthias Bosenick (11.05.2026)

Atmosphärisch gesampeltes Vinyl-Knistern sollte man bei dieser Veröffentlichung eher nicht erwarten: Zwar sortiert Burn, das neu zusammengefundene polnische Duo aus zwei etablierten Musizierenden, sein Debüt „Chopped And Shattered“ selbst im Trip Hop ein, schert sich aber nix um dessen Regeln. Für Downbeat ist hier nämlich eine Menge elektronischer Trubel drin. Ewa Baran alias Holy Høly! singt in einer angenehm dunklen Stimmlage, Bartek Brzeziński alias DXCV3R verleiht seinen synthetischen Sounds einen ordentlichen Druck. Was dereinst zur introvertierten Kontemplation gedacht war, schlägt einem hier amtlich ins Gesicht.

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Putred/Decease – Decessus Putridus – Loud Rage Music 2026

Von Matthias Bosenick (11.05.2026)

Bei Putred und Decease handelt es sich um verdiente Bands aus dem rumänischen Underground, beide grob im Death Metal verwurzelt. Für die Split-EP „Decessus Putridus“ tun sie sich erstmals zusammen, und beide mit je zwei exklusiven Tracks, die in der jeweiligen Discographie eine Besonderheit darstellen: Putred growlen erstmals auf Englisch und Decease beenden eine mehr als zehnjährige Zombieapokalypse. Äh, Ruhephase.

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Noema – Echoes Of Four – Perma F Music 2026

Von Matthias Bosenick (08.05.2026)

Wie aus einem experimentellen Ansatz eine EP wird: Für „Echoes Of Four“ riefen die beiden schwedischen New-Wave-Helden Leif Ekman und Hans Thunberg das Projekt Noema ins Leben. Sie erstellten auf Basis von vier Akkorden vier Tracks mit vier verschiedenen Stimmungen – oder „Gedanken“, „Sinnen“, was Noema aus dem Griechischen übersetzt heißt. Und in der Tat: Man hört die vier Akkorde jeweils heraus, und doch generieren die auf dieser Basis entstandenen Tracks vier unterschiedliche Gefühlslagen. Man lernt dazu und genießt.

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Draken – Here Be Draken – Dark Essence Records 2026

Von Matthias Bosenick (07.05.2026)

„Irgendwo zwischen Heavy Rock und Metal“ ordnet sich das norwegische Trio Draken selbst ein. Was erstmal unschöne Vorstellungen von drittklassigen Altstadtfestkapellen evoziert, entpuppt sich auf dem dritten Album „Here Be Draken“ als in die Fresse knallende Wundertüte an allen möglichen unbequemen Substilen im Bereich der genannten Genres. Mit solcher Musik hätte man wieder Bock auf Altstadtfeste. Merkwürdig überdies, dass hier in der Info der Trondheimer das Wort „progressiv“ fehlt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: What’s in your hee-aaad, in your hee-ee-ee-aaad – Dolores O’Riordan

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin hat ein besonderes Lied, welches sie über die ein oder andere Hügelkurve des Unglücks bringt. Es ist von der Band The Cranberries; es ist nicht die Hitsingle „Zombie“, sondern „Dreams“ von der Debüt-LP „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ (Island Records, 1993). Der Song handelt davon, sich zum ersten Mal wirklich verliebt zu fühlen, und ist eine klein bisschen schnulzige Pop-Perle. Geschrieben und stimmlich vorgetragen wird er von Dolores O’Riordan (1971-2018), die mal Irlands Vorzeige-Musikerin war und deren Umstände ihres plötzlichen Ablebens ziemlich merkwürdig sind.

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