Von Matthias Bosenick (19.06.2026)
Es ist, als beobachtete man einen Haubentaucher: Er schwimmt vor einem, taucht ab und tritt ewig später an einer völlig anderen Stelle des Teiches wieder an die Oberfläche. Der Kubanische Multiinstrumentalist Abel Oliva hob 1994 für ein Demo das Projekt Godes Yrre aus der Taufe, verschwand sofort und trat erst 2017 in Zürich wieder in Erscheinung. Nach diversen Alben erschien im vergangenen Jahr „Feelings Can Burn You“, das wiederum drei mit zahlreichen Gästen eingespielte EPs vereint und das das Label Bitume Prods nun physisch unter die Leute bringt. Olivas Gothic-Doom hat Merkmale, die das Genre sprengen – um eine merkwürdige gute Laune, wie bei Rob Zombie.
Front 242 – Black Out – Alfa Matrix 2026
Von Matthias Bosenick (19.06.2026)
Einmal noch die Hütte anzünden, bevor es in den Live-Ruhestand geht. Einen letztgültigen Abschied nehmen die EBM-Erfinder Front 242 noch nicht, lassen aber offen, was das zu bedeuten hat. Selbst längst alte Belgier, fackelten sie am 25. Januar 2025 im Ancienne Belgique zu Brüssel ein Hitfeuerwerk ab, das ihre 40 Jahre währende Existenz abdeckt, inklusive dreier bislang unveröffentlichter Stücke, die es auf dem in diversen Formaten vorliegenden Mitschnitt „Black Out“ zu haben gibt. Die neuen Songs machen Lust auf mehr – aber wie gesagt: Wer weiß, was das Nicht-Ende der Band für Folgen haben wird. Feuer haben sie jedenfalls noch hinreichend.
Durchströmungen 5: Stromschnellen – Separated Beats 2026
Von Matthias Bosenick (18.06.2026)
Zum fünften Mal wechselt Benjamin „Ben“ Bekeschus seine Aliasse, um eine Schein-Compilation unter dem Titel „Durchströmungen“ zu erstellen. Die „Stromschnellen“ führen vorbei an Dub, Trance, House und Techno und legen im Verlaufe an Tempo und Energie zu. Um wieder runterzukommen, empfiehlt es sich, das Album einfach rückwärts zu hören. Die „Stromschnellen“ machen, wie die anderen vier Teile, auch außerhalb von Clubs gute Laune.
Dirk Serries & Asmus Tietchens – Die Regeninsel – Attenuation Circuit 2026
Von Matthias Bosenick (18.06.2026)
Der Titel „Die Regeninsel“ klingt romantischer als die Musik, die sich auf dem so benannten Album findet. Dronemeister Dirk Serries und Soundavantgardist Asmus Tietchens verbrüdern sich zum sechsten Mal, um auf der Gitarre generierte Geräusche in Soundscapes, Ambient, Drones und weiteres Kopfkino zu verbiegen. Für jedes ihrer gemeinsamen Alben wandten sie eine andere Herangehensweise an, dieses Mal manipulierte Tietchens die von Serries an diversen Effektgeräten erzeugten Gitarrensounds zu unheimlichen Wetterlagen. Nach Gitarre indes klingt hier gar nichts mehr – so geht das, wenn zwei Zauberer zusammenkommen.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Tierhorror – „Bloody Milk“ vs. „Orca, der Killerwal“
Von Onkel Rosebud
Warum hat man mehr Mitleid, wenn im Film ein Tier stirbt, als ein Mensch? Meine Freundin meint, das sei Unsinn, ich würde mir das nur einreden. Auch das Wort Misanthropiefiel. Dann schauten wir „Bloody Milk“ und heulten zusammen bei der Abschluss-Szene Rotz und Wasser.
WeiterlesenVanessa Van Basten – Yes – Subsound Records 2026
Von Matthias Bosenick (17.06.2026)
Etwas Neues von Vanessa Van Basten! Das letzte Lebenszeichen war 2015 die orangefarbene 10“ mit verstonerten The-Cure-Coverversionen, die „Disintegration EP“, und bei Lichte betrachtet, klingt die auch auf „Yes“ an, dem neuen, erst dritten Album. Dabei lässt sich die Musik des Genueser Duos eigentlich gar nicht so leicht einsortieren: melancholischer Post Rock, Shoegaze, Experimentalmusik, Sludge Metal, Folk, Ambient, Stoner Rock, Downbeat-Electro, eigentlich kaum Wave Rock, aber mit dem abgedunkelten Gestus als Bezeichnung durchaus angemessen. Willkommen zurück, Vanessa Van Basten!
Nine Inch Nails – Tron Ares: Divergence/Nine Inch Noize – The Null Corporation/Interscope/Walt Disney Records 2026
Von Matthias Bosenick (17.06.2026)
Merkwürdig, woran liegt es? Am fehlenden Druck, weil die Musik dieses Mal nicht explizit in einem Disney-Film verwendet werden muss? Daran, dass andere Leute bessere Ideen davon haben, wie Musik der Nine Inch Nails im Jahre 2026 klingen könnte? Wie auch immer: Die Remix-Version „Divergence“ des Soundtracks zu „Tron: Ares“ fällt um ein Vielfaches besser aus als die reguläre Variante. Der zweite gemutmaßte Aspekt indes trifft nicht grundsätzlich zu: Die als „Nine Inch Noize“ veröffentlichten Versionen von Nine-Inch-Nails-Tracks im Kleid von Boys Noize haben eher etwas von Industrial-Schlager.
Glennkill: Ein Schafskrimi (The Sheep Detectives) – Kyle Balda – UK/USA 2026
Von Guido Dörheide (15.06.2026)
Heute war wieder Kinonachmittag mit Töchterlein – ich habe sie aus der Schulkindbetreuung abgeholt, dann sind wir durch die rauchenden Trümmer des Tages der Niedersachsen im Fahrzeug durch die City gecruised, um für Greta einen Bubbletea zu kaufen, und dann ein Hörspiel hörend auf Umwegen Richtung Kino gefahren. Eins, zwei, drei, Power! Den Film heute durfte ich aussuchen, und meine Wahl fiel auf „Glennkill: Ein Schafskrimi“, nach dem gleichnamigen Roman der deutschen Autorin Leonie Swann. Den Roman kriegte ich damals mit, aber ich habe ihn nicht gelesen, ein guter Grund, die Geschichte jetzt als Film erzählt bekommen zu wollen.
WeiterlesenThe Boroughs – Jeffrey Addiss/Will Matthews – Netflix 2026
Von Matthias Bosenick (16.06.2026)
Was für ein Schrott! Da stümpert man für „The Boroughs“ einfach alle Elemente aus allen möglichen bekannten Drehbüchern zusammen, ohne ihnen jedoch einen sinnhaften Zusammenhang zu geben, und lässt die Kombination aus Mystik, Monstern und Altstars freihändig herumeiern. Miese Dialoge, plakative Charaktere und dümmliche Handlungssprünge unter Abwesenheit von Humor, Individualität, Subtilität und tatsächlicher Spannung generieren also den nächsten Netflix-Hype – was wohl nicht erfolgt wäre ohne den Zusatz, dass die Duffer-Brothers hier ihre Finger im Spiel hatten. Wo genau auch immer. Die Qualität von „Stranger Things“ erreicht diese Miniserie niemals.
Emi Fe Ensemble – Tales Of The Realm Of Wishes – Iapetus Media 2026
Von Matthias Bosenick (16.06.2026)
Wer auf den pfiffigen Einsatz von Pfeiftönen pfeift, dürfte mit den „Tales Of The Realm Of Wishes“ einige Probleme haben. Darauf lässt das eigens zur Improvisation zusammengerufene Emi Fe Ensemble musikalische Herangehensweisen aus Nord- und Süd-Europa aufeinandertreffen und kurioserweise partiell etwas annähernd Orientalisches entstehen. Für etwas Improvisiertes wirkt dieses Album erstaunlich komponiert – so ist das, wenn Profis arbeiten.









