Kreator – Krushers Of The World – Nuclear Blast 2026

Von Guido Dörheide (19.01.2026)

„Papa, wovon singt der da?“, fragte mich Marleen weiland immer, wenn ich im Autoradio „Coma Of Souls“ (das an dieser Stelle bereits von mir besungene „Dark Side Of The Moon“ von Kreator) und andere alte Kreator-Scheiben rotieren ließ. Ich erklärte meiner Tochter so sinngemäß, dass er, also der Signore Petrozza aus Essen (eine Stadt, die in meinen und den Augen des Herausgebers genauso fertig ist wie Mainz), vom Frieden singt, gegen Gewalt und darüber, dass die Menschen mal aufhören sollen, sich gegenseitig schlecht zu behandeln. Derweil keifte Miland „Mille“ Petrozza derart aggressiv aus der wirklich sehr guten Serien-Hifi-Anlage des böhmischen Familienkombis, dass mein Töchterchen mir wahrscheinlich auch abgenommen hätte, dass Kreator einfach nur Brutalität und Zerstörung über die Menschheit bringen wollten. Falls man ersteres überhaupt über irgendetwas bringen kann, ich bin mir da nicht sicher.

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The Wedding Present – Maxi – Clue Records 2025

Von Matthias Bosenick (20.01.2026)

Nach „Mini“ kommt „Maxi“, was hier doppelt zutrifft: The Wedding Present veröffentlichen ihre neuesten sechs Songs als 10“. Nach dem Mammutwerk „24 Songs“ sei es den englischen Indierock-Veteranen gegönnt, sich zu reduzieren – eine tolle Platte ist es ja trotzdem geworden. Quasi das Geschenk zum 40. Geburtstag der Band, aus deren Gründungszeit längst nur noch George Best, äh: Sänger und Gitarrist David Gedge übrig ist. Den Spirit, der The Wedding Present ausmacht, bleibt aber in jeder Besetzung erhalten.

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The Rip – Joe Carnahan – Netflix 2026

Von Matthias Bosenick (19.01.2026)

Folgt man den Nachrichten, gilt „The Rip“ als die Zukunft des Action-Films und ohnehin als einer der besten seien Genres. Gut, das von wahren Begebenheiten inspirierte Drehbuch hat einen essentiellen Kniff, ansonsten bekommt man das übliche Geballer und Gebretter mit einem Haufen relativ identitätsloser und eher neutral- bis unsympathischer Figuren. Möglicherweise hätte der Film besser funktioniert, verzichtete man komplett auf den Versuch von Hintergrund-Geschichte und verlegte sich komplett auf die Materialchoreographie. So aber ist der Film schneller vergessen als geguckt.

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Ciolkowska – Bomba Nastoyashchego – Look At That 2026

Von Matthias Bosenick (19.01.2026)

Nur zwei Songs, aber eine Viertelstunde Spielzeit, das muss irgendwas mit Progressive, Psychedelic und Space Rock zu tun haben, oder? Ja, aber nicht nur! Die zwei Songs von „Bomba Nastoyashchego“ sind der Vorbote auf ein neues Album von Ciolkowska aus St. Petersburg, und wie sehr man sich darauf freuen darf!

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Cruenta Venganza – Legend – Cruenta Venganza/Bitume Prods 2025/2026

Von Matthias Bosenick (16.01.2026)

Das ist mal ein Konzept mit langem Atem, und beinahe ist es sogar ebenbürtig bemerkenswert wie die Mucke: Begleitmusik für die Filme um die Figur „Machete“ erstellt das Berliner Duo-Projekt Cruenta Venganza, folgerichtig auf Spanisch „Blutige Rache“ getauft, und zwar mit Death Metal. „Legend“ nun begleitet den fiktiven dritten Teil der Kinofilmreihe, „Machete Kills Again … In Space“. Könnte man als ein Scherzprojekt abtun, wäre die Musik nicht so geil ins Gesicht: Dieser Death Metal vereint noch so einige andere Auswüchse unter seinem Hut und gefällt auch ohne den vergnüglichen Hintergrund.

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Reichenhall – Motormorla – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (15.01.2026)

Die Geschichte hinter „Motormorla“, dem drölfzehnten Album der Berliner Band Reichenhall in gefühlt drei Komma neun Monaten, ist großartig: Bei der titelgebenden Kreatur handelt es sich nämlich um ein mystisches Wesen, das in einem ewigen Stau gefangen ist und über ein altes Autoradio Sounds, Stimmen und Geschichten der sich Vorbeiquälenden aufsaugt. Damit ist dieses Album eine Kombination aus Ambient, Krautrock, IDM, Hörspiel und Avantgarde-Experiment, das nicht nur am Rande der Kreuzung von A1 und A2 zu unterhalten weiß.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Techno in der Zone

Von Onkel Rosebud

Kurze, klare Antwort: Gab‘ es nicht. Euer Onkel Rosebud. Aber halt, in der DDR gab es eine mittelmäßig interessante und in sich geschlossene Elektromusik-Szene, die mit Techno allerdings nichts zu tun hatte. Die Protagonisten hießen Hans-Hasso Stamer, Reinhard Lakomy, Rainer Oleak, Jürgen Ecke, Wolfgang Paulke, Jörn Kanitz, Julius Krebs sowie Pond (nicht die Psychedelic-Rock-Band aus Australien, dafür die mit dem veritablen Hit „Planetenwind“ von 1982) und fanden beim staatlichen Label Amiga in begrenzten Möglichkeiten Verbreitung. Zumeist waren das Hochschulabsolventen, die inspiriert durch Jean-Michel Jarre oder Tangerine Dream, anfingen Synthesizer zu malträtieren, um nicht zu sagen, ähnlich klingen zu wollen.

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Argus Megere – Cerburea apusului – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (14.01.2026)

Wenn Atmospheric Black Metal sich so verzweigt darstellt wie auf „Cerburea apusului“, „Das Leuchten des Sonnenuntergangs“, dem neuen Album der Band Argus Megere aus Timișoara in Transsilvanien, dann steht nicht zu befürchten, dass dem Genre die Puste ausgeht. Die Rumänen verbinden Alcest-Ruhe mit klassischer Black-Metal-Brutalität, Pop-Transparenz und Folklore-Elementen und versehen selbst die bösen Passagen noch mit herzerwärmender Schönheit. Nächstes Jahr wird die Band 30 Jahre alt, da steckt also eine Menge Erfahrung in diesem Album, und das hört man.

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Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025

Von Matthias Bosenick (13.01.2026)

„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.

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Juan Dahmen – Ad astra – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (12.01.2026)

Da sitzt der Mann allein mit seiner Gitarre und einem Effektgerät in der Gegend herum, dehnt Töne ins Unendliche und macht daraus ein Album. „Ad astra“ nennt Juan Dahmen aus Albacete in Spanien sein neues Album, das komplett aus Ambient besteht, der gar keine Konturen mehr hat, sondern wie vertontes Licht klingt. Es ist wie die Reise in eine bessere Welt: Hier ist alles gut.

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