Harvey Rushmore & The Octopus – Mindsuckers – Taxi Gauche Records 2026

Von Matthias Bosenick (22.01.2026)

„Mindsuckers“ untergräbt Erwartungen, und das ist gut so: Ihr viertes Album etikettieren die Baseler Harvey Rushmore & The Octopus als Psychedelic Garage Rock, jubeln den hellhörigen Gewordenen aber noch einiges mehr unter, darunter Surf, Kraut und Noise. Das Album ist längst nicht so retro, wie es zunächst erscheinen mag – gottlob!

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Lausemann und ich, das ist ne feine Sache

Von Onkel Rosebud

Meine Lieblingsband aus der DDR ist die Arbeitsgemeinschaft Geige aus Karl-Marx-Stadt. Sie existierte von 1986 bis 1993. Da die Stadt 1990 wieder in den namensgebenden Fluss Chemnitz rückbenannt wurde, kommt die Band quasi aus einem Ort mit drei Bezeichnungen, wenn man sächsisches Manchester noch dazu zählt. Was ich mich in dem Zusammenhang schon immer gefragt habe, ist, was Leute in einem Fragebogen/Antrag/Visum etc. eintragen, in welcher Stadt sie geboren wurden, wenn diese nach ihrer Geburt umbenannt wurde. Schreiben die dann die Wahrheit, wie Karl-Marx-Stadt oder zum Beispiel auch Stadt des KdF-Wagens? Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften dazu an onkel@krautnick.de.

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Dirk Serries – Infinite And Unbound/Zonal Disturbances III – Projekt Records/Zoharum Records 2026/2025

Von Matthias Bosenick (21.01.2026)

Wir mussten ja jetzt tatsächlich mal einige Momente ohne neue Musik des Antwerpener Gitarrenwunders Dirk Serries auskommen, dafür tritt er zum Jahreswechsel mit gleich zwei neuen Alben auf den Plan. Die Versuchsanordnung auf beiden Alben ist ähnlich: Der Mann allein mit einer nicht als solche erkennbaren E-Gitarre und Effektgeräten, Ambient und Drones aufgenommen in Echtzeit. „Infinite And Unbound“ ist ein exklusives Download-Album für Projekt Records, „Zonal Disturbances III“ ist das Filetstück der auf fünf Teile ausgelegten Reihe bei Zoharum Records und auch als CD erhältlich. Zum Abtauchen schön entspannend das erste, zusätzlich herausfordernd brummig das zweite Album.

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Kreator – Krushers Of The World – Nuclear Blast 2026

Von Guido Dörheide (19.01.2026)

„Papa, wovon singt der da?“, fragte mich Marleen weiland immer, wenn ich im Autoradio „Coma Of Souls“ (das an dieser Stelle bereits von mir besungene „Dark Side Of The Moon“ von Kreator) und andere alte Kreator-Scheiben rotieren ließ. Ich erklärte meiner Tochter so sinngemäß, dass er, also der Signore Petrozza aus Essen (eine Stadt, die in meinen und den Augen des Herausgebers genauso fertig ist wie Mainz), vom Frieden singt, gegen Gewalt und darüber, dass die Menschen mal aufhören sollen, sich gegenseitig schlecht zu behandeln. Derweil keifte Miland „Mille“ Petrozza derart aggressiv aus der wirklich sehr guten Serien-Hifi-Anlage des böhmischen Familienkombis, dass mein Töchterchen mir wahrscheinlich auch abgenommen hätte, dass Kreator einfach nur Brutalität und Zerstörung über die Menschheit bringen wollten. Falls man ersteres überhaupt über irgendetwas bringen kann, ich bin mir da nicht sicher.

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Cruenta Venganza – Legend – Cruenta Venganza/Bitume Prods 2025/2026

Von Matthias Bosenick (16.01.2026)

Das ist mal ein Konzept mit langem Atem, und beinahe ist es sogar ebenbürtig bemerkenswert wie die Mucke: Begleitmusik für die Filme um die Figur „Machete“ erstellt das Berliner Duo-Projekt Cruenta Venganza, folgerichtig auf Spanisch „Blutige Rache“ getauft, und zwar mit Death Metal. „Legend“ nun begleitet den fiktiven dritten Teil der Kinofilmreihe, „Machete Kills Again … In Space“. Könnte man als ein Scherzprojekt abtun, wäre die Musik nicht so geil ins Gesicht: Dieser Death Metal vereint noch so einige andere Auswüchse unter seinem Hut und gefällt auch ohne den vergnüglichen Hintergrund.

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Reichenhall – Motormorla – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (15.01.2026)

Die Geschichte hinter „Motormorla“, dem drölfzehnten Album der Berliner Band Reichenhall in gefühlt drei Komma neun Monaten, ist großartig: Bei der titelgebenden Kreatur handelt es sich nämlich um ein mystisches Wesen, das in einem ewigen Stau gefangen ist und über ein altes Autoradio Sounds, Stimmen und Geschichten der sich Vorbeiquälenden aufsaugt. Damit ist dieses Album eine Kombination aus Ambient, Krautrock, IDM, Hörspiel und Avantgarde-Experiment, das nicht nur am Rande der Kreuzung von A1 und A2 zu unterhalten weiß.

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Argus Megere – Cerburea apusului – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (14.01.2026)

Wenn Atmospheric Black Metal sich so verzweigt darstellt wie auf „Cerburea apusului“, „Das Leuchten des Sonnenuntergangs“, dem neuen Album der Band Argus Megere aus Timișoara in Transsilvanien, dann steht nicht zu befürchten, dass dem Genre die Puste ausgeht. Die Rumänen verbinden Alcest-Ruhe mit klassischer Black-Metal-Brutalität, Pop-Transparenz und Folklore-Elementen und versehen selbst die bösen Passagen noch mit herzerwärmender Schönheit. Nächstes Jahr wird die Band 30 Jahre alt, da steckt also eine Menge Erfahrung in diesem Album, und das hört man.

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Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025

Von Matthias Bosenick (13.01.2026)

„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.

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Juan Dahmen – Ad astra – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (12.01.2026)

Da sitzt der Mann allein mit seiner Gitarre und einem Effektgerät in der Gegend herum, dehnt Töne ins Unendliche und macht daraus ein Album. „Ad astra“ nennt Juan Dahmen aus Albacete in Spanien sein neues Album, das komplett aus Ambient besteht, der gar keine Konturen mehr hat, sondern wie vertontes Licht klingt. Es ist wie die Reise in eine bessere Welt: Hier ist alles gut.

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Green Eyes Of Darkness – Fire Waves – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (08.12.2026)

„Symphonic Gothic Doom Metal“ steht auf der Schublade, in die Green Eyes Of Darkness ihr Debüt-Album „Fire Waves“ stecken. Reicht eigentlich schon, weiterskippen. Aber nee: Das Etikett verschweigt den Death Metal, der hier die Oberhand zu gewinnen sucht – zumindest eingangs. Über diverse weitere Metal- und andere Spielarten landet die personell offene Band aus Bukarest dann irgendwann doch beim Kitsch – und am Ende ist man froh, dasselbe erreicht zu haben.

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