Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropolitan Line – DTV 2018

Von Matthias Bosenick (08.06.2018)

Es wird unübersichtlich im Kosmos des zaubernden Polizisten Peter Grant, und das nicht nur inhaltlich: „Geister auf der Metropolitan Line“ (Original: „The Furthest Station“) ist nicht der siebte Band der schwarzhumorigen Urban-Fantasy-Krimi-Reihe „Die Flüsse von London“, sondern die erste von offenbar vier angekündigten Novellen abseits des Hauptstrangs. Verglichen mit den Bänden 4 und 6 zeigt sich, dass Verknappung dem Autoren guttut: Aaronovitch kommt schneller zur Sache und schweift nicht so langweilend ab. Ein leckerer Snack, der dafür allerdings viel zu teuer ist.

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Gerhard Seyfried – Zwille: The Law returns to Kreuzberg – Westend/fifty-fifty 2018

Von Matthias Bosenick (06.06.2018)

Der Vorausdenker hinkt hinterher: So gestrig wie in seinem neuen Comicband „Zwille: The Law returns to Kreuzberg“ war Zeichner Gerhard Seyfried noch nie. Er war seinerzeit stets linker als die taz und nimmt heute teilweise Standpunkte ein, die sein früheres Ich sicherlich als spießig aufgefasst hätte. Angesichts dieses Buches sieht man keinerlei Grund für Seyfried, die zeichnerische Untätigkeit nach acht Jahren Comicpause unterbrechen zu müssen; in seinem jüngsten Buch „Schilderguerilla“ von vor zwei Jahren zeigte er, dass er seinen Humor auch mit neuen gestalterischen Medien transportieren kann (er manipulierte Fotos von Schildern und veränderte so deren Inhalt). Sein Uraltpunk Zwille hätte indes gern in der Versenkung bleiben können, da führte der bereits ein lustiges Leben.

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Maceo Parker – It’s All About Love – Leopard/Delta 2018

Von Matthias Bosenick (05.06.2018)

Zum 75. Geburtstag macht sich Funk-Saxophonist Maceo Parker ein Geschenk: Er veröffentlicht ein neues Album. Auf „It’s All About Love“ ist es alles über Liebe, in jedem der ausgewählten Songtitel taucht dieses Wort auf. Als Begleitung firmiert hier einmal mehr die WDR Bigband, die mit ordentlich Schmiss den Funk transportiert, aber anders als Parkers alte Begleitband mit einer solche Akkuratesse vorgeht, dass es den Liedern das Leben austreibt. Tolle Songs, nur viel zu glatt.

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Spear Of Destiny – Tontine – Eastersnow Recording 2018

Von Matthias Bosenick (30.0.52018)

Kirk Brandon ist unermüdlich. Seine Projekte und Bands führt er seit fast 40 Jahren, das neueste Album erscheint unter seinem populärsten Moniker Spear Of Destiny. Und es klingt wie einst im Mai: druckvolle, beinahe pathetische Rocksongs mit Brandons glockenhellen Gesang und einer Energie, als wäre es noch 1983. Sie werden ihn niemals lebend kriegen.

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Afsky – Sorg – Vendetta/Broken Silence 2018

Von Matthias Bosenick (29.05.2018)

Für die mondlosen Nächte muss ein Soloprojekt her: Deutlich persönlicher als mit seiner Hauptband Solbrud verarbeitet Sänger und Gitarrist Ole Luk aus Kopenhagen das, was ihn bewegt, mit Afsky. „Sorg“ stellt das erste volle Album dar, das zwar auf Black Metal basiert und damit die Nähe zu Solbrud belegt, indes eine andere musikalische Farbe und weit mehr Melancholie in sich trägt. Und Ausflüge abseits der Wege, in Richtung Doom und skandinavische Folklore etwa, letztere beigesteuert von der geistesverwandten Gastmusikerin Myrkur. So nahe liegen Freundschaften bisweilen.

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40 Jahre Jugendhaus Ost – Festival in Wolfsburg am 19. Mai 2018 – Mit u.a. Halle 54, Lemur, Indie.Disko.Gehn

Von Matthias Bosenick (20.05.2018)

Wolfsburg: Eine Stadt im Takt eines einzigen Industrieunternehmens. Anders als etwa Detroit oder Sheffield hat Wolfsburg nie eine eigenständige Musikszene hervorgebracht, die sich auf die Industrie bezog; eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Automobilfabrik gab und gibt es aber immer wieder, und das in den verschiedensten Genres. Diese begegneten sich bei der Feier zum 40. Geburtstag des selbstverwalteten Jugendhauses Ost, das eine Alternativfrequenz im Gleichtakt des Schichtsystems darstellt: linksalternativ, freidenkend, genrebündelnd, unkommerziell. Entsprechend lebendig, bunt und offen war die Geburtstagsfeier, mit Beiträgen unter anderem von Halle 54, Lemur und Indie.Disko.Gehn.

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Sun Ra: Space Is The Place – John Coney – USA 1972/74

Von Matthias Bosenick (18.05.2018)

Mit einer fragwürdigen Lösung antwortet der dem Freejazz zugerechnete Avantgardist Sun Ra auf den Umstand, dass Schwarze in den USA noch Anfang der Siebziger nicht gleichberechtigt sind: Festgemacht an der Tatsache, dass die NASA keine Schwarzen an ihren Raumfahrtprogrammen beteiligt, will er die schwarze Gemeinde kraft seiner Musik auf einen weißenfreien Planeten umsiedeln. Doch eine Art Mephisto, ein Schwarzer, der sich dem weißen System angepasst hat, hinterfragt Sun Ras Motivation. Eigentlich ist „Space Is The Place“ eine filmische Katastrophe, als Zeitdokument und als Anstoß zur gesellschaftspolitischen Diskussion ist er aber bestens geeignet. Jetzt dank Restauration (und wegen des Ausgangsmaterials in nur schlechter Qualität) erstmals in Deutschland im Kino, auf DVD hingegen nur gebraucht und unerschwinglich.

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#500: Hardy Crueger – Okergeschichten II – Hardy Crueger 2018

Von Matthias Bosenick (17.05.2018) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Der Krimi, die totgerittene Literaturgattung, möchte man meinen, angesichts des Bluttsunamis, der seit einigen Jahren ungebremst über die Leserschaft hereinbricht. Selbst die Variante der Krimis mit Lokalkolorit scheint ausgespült zu sein. Und doch, wie beim ebenso toten Rock’n’Roll liegt’s immer an dem, der die Welle surft, wie der Ritt gelingt, und der Braunschweiger Hardy Crueger weiß selbst bekannteste Surf-Tricks mit einer eigenen fesselnden Suspense-Note darzubieten. Und natürlich kriegt er den Leser vor Ort zusätzlich mit lokalem Bezug und dem „Da war ich auch schon mal“-Auskennertum.

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Manic Street Preachers – Resistance Is Futile – Smi Col/Sony 2018

Von Matthias Bosenick (16.05.2018)

Es ist erstaunlich, mit welcher scheinbaren Leichtigkeit die Manic Street Preachers ein- ums andere Album voller Ohrwürmer raushauen. Auch „Resistance Is Futile“ setzt sich sofort fest, im Ohr wie im Herzen. Vor lauter Zugänglichkeit kommen beim Hören glatt wehmütige Erinnerungen an Abba, und das, obwohl die Manics ihre Rockhärte nicht komplett hinter den großartigen Melodien verstecken. Ein Album wie ein Wunder.

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The Cure – Torn Down – Fiction/Polydor 2018

Von Matthias Bosenick (15.05.2018)

Für das Rerelease der Compilation „Mixed Up“ von 1990 nahm sich Robert Smith einige abseitige Stücke aus der fast 40jährigen Historie seiner Postpunk-Wave-Goth-Band The Cure vor und unterzog sie Neubearbeitungen nach seinem eigenen Geschmack. An dem darf man angesichts der Ergebnisse allerdings getrost zweifeln. Waren schon die vier Vorabsingles zum bis dato letzten Studioalbum „4:13 Dream“ fragwürdig instrumentiert, steht die Hoffnung, dass es sich beim angekündigten nächsten Album ebenso verhält wie bei jenem Vorgänger, dass nämlich die Songs dort dann doch wieder Atmosphäre, Tiefe und Wucht haben. „Torn Down“ ist leider weitgehend verzichtbar, als RSD-Edition im Doppel-Picture-Vinyl ist sie immerhin ansehnlich.

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