Gaston: Die Galerie der Katastrophen – Carlsen Verlag 2018

Von Matthias Bosenick (12.07.2018)

Zum 60. Geburtstag des 1957 von André Franquin ersonnenen Büroboten Gaston Lagaffe erschien im vergangenen Jahr ein Best-Of, dem nun eine Hommage folgt. Nicht die erste. 60 Zeichner, hauptsächlich Frankobelgier, arbeiten sich an dieser wichtigen Figur des frankobelgischen Funny-Comics ab; die eingereichten Würdigungen sind von entsprechend unterschiedlicher Ausrichtung und Qualität. Einige Zeichner und Autoren versuchen, der längst abgeschlossenen Reihe eine Episode im Sinne der Sache hinzuzufügen, manche verdrehen Inhalte, andere transferieren Gaston in andere, zumeist eigene Universen, und die sind – auch bei geringerer Qualität – am interessantesten. Franquin kopieren kann nämlich niemand.

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Spezial: Addicted Label aus Moskau

     

Von Matthias Bosenick (09.07.2018)

Was für ein Oeuvre! Ein Label für Psychedelic Rock, Stoner, Prog, Doom, Sludge, Ambient, Electronic, Musique Concrète, Jazz Punk, Hard Rock und mehr rief Anton Kitaev aus Moskau 2011 ins Leben. Damit die Musik mehr Gewicht bekommt als sein Verlag, gab er diesem keinen Namen, bezeichnet ihn höchstens als „Addicted Label“, denn irgendwie muss er damit ja in Erscheinung treten. So unterschiedlich die Musikrichtungen seines Katalogs auch sein mögen, eines eint sie und ist quasi Grundvoraussetzung dafür, von ihm aufgenommen zu werden: Unkommerziell muss es sein. Eine Auswahl.

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Stanley Kubrick – 2001: A Space Odyssey (Unrestored 70 mm) – USA/GB 1968

Von Matthias Bosenick (05.07.2018)

50 Jahre alt und bis heute nicht nur in seinem Genre ungeschlagen: „2001: A Space Odyssey“ übertrifft kein Science-Fiction-Film davor oder danach, nicht einmal die originale „Star Wars“-Trilogie, und auch sonst reichen kaum andere Filme an diese Klasse heran. Zum 50. Geburtstag kommt Stanley Kubricks Kunstwerk von den Original-Negativen kopiert als 70-Millimeter-Version erneut ins Kino, komplett ohne Überarbeitung, so authentisch wie nur möglich und inklusive der ursprünglichen „Intermission“. Ein Fest!

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Daniel. B. Prothese – HöllEKtroKraut/HellEctroKraut – db2fluctuation 2018

Von Matthias Bosenick (27.06.2018)

Was für ein Typ, dieser Daniel Bressanutti! Produktiv ohne Ende, man kann kaum erfassen, was sein jüngstes Werk ist, da gibt’s schon wieder zwei neue. Was allein in diesem halben Jahr schon herauskam: Nach der „Existance Oscillation (Possible) Future“-CD und der „Mutantenmaschine“-Kassette seines Projektes Nothing But Noise mit Dirk Bergen, der „CHZWaaR+ZMe+aaL”-Doppel-CD, dem „99.9“-Album mit Edwin Vanvinckenroye und der „DB+Tronics“-Kassette ist „HöllEKtroKraut/HellEctroKraut“ Bressanuttis 2018er-Version von Krautrock à la Can, Neu!, Cluster, Faust, Kraftwerk, Amon Düül II, Harmonia, Tangerine Dream, La Düsseldorf. Er hat gut zugehört damals, das ist unbestritten, und die schiere Kopie wäre langweilig, wenn er nicht seine Expertisen aus EBM-Zeiten mit Front 242 einfließen ließe. Gelungene Doppel-CD.

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Penner Badulzke – Punk der Woche – Penner Badulzke 2018

Von Matthias Bosenick (19.06.2018)

Im völlig durchkapitalisierten Sub- und Kulturbetrieb noch authentisch sein zu wollen, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Das Wolfsburger Punk-Trio Penner Badulzke nimmt diesen Kampf auf und die damit einhergehenden Paradoxa in Kauf. Nachzuhören auf dem im Eigenvertrieb veröffentlichten Debütalbum „Punk der Woche“, das ein Manifest des Scheiterns ist: unkommerziell schlecht und damit authentisch gespielt sowie ein als Anti-Kommerzpunk verkauftes Kommerzprodukt. So klingt es, wenn sich August Ferdinand Möbius im Grabe umdreht.

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Schrottgrenze – Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, in Braunschweig am 15. Juni 2018

Von Matthias Bosenick (17.06.2018)

Eine der schönsten Veranstaltungsreihen in Braunschweig ist das im jährlichen Wechsel mit Hannover ausgetragene Festival Theaterformen, insbesondere das musikalische Rahmenprogramm, das live und kostenlos am Rande des Theaterparks stattfindet. Die Atmosphäre ist heimelig, die Lage am Hang des Walls ist idyllisch, alles ist erleuchtet, man trifft sich ungezwungen mit Freunden und Fremden – da macht es auch nichts, wenn einem die Musik mal nicht so zusagt. Schrottgrenze machen widerstandslosen Rockpop für Teenager, haben aber wenigstens etwas zu sagen.

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Witthüser & Westrupp – Der Jesuspilz – Live! – Sireena 2018

Von Matthias Bosenick (13.06.2018)

Man muss wohl dabeigewesen sein oder noch heute gern Pilze essen, um das Werk von Bernd Witthüser und Walter Westrupp uneingeschränkt feiern zu können. Hervorgegangen aus der Essener Folkloreszene, schoben die Liedermacher ihre Lieder bald ins Psychedelische, musikalisch wie inhaltlich. Die Umdeutung der Bibel zum Brösel als göttlichem Funken war eine beinahe logische Konsequenz, der Erfolg dafür umso überraschender. Die Generalprobe zur Uraufführung dieses Evangeliums aus dem Jahr 1971 legt Sireena nun als Live-CD vor. Heute wundert man sich über diese Mischung aus Krautrock und Klimbim.

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Meat Beat Manifesto – Impossible Star – Flexidisc 2017/2018

Von Matthias Bosenick (11.06.2018)

Kaum zwei Alben im gleichen Sound, und doch immer am Sound wiedererkennbar: Das nicht mehr ganz so junge neue Album „Impossible Star“ zeigt Meat Beat Manifesto von einer rein elektronischen, beinahe klinischen Seite, inklusive der typischen zwischengestreuten Geräusche, mit denen Jack Dangers seine Arbeiten so gern anreichert. Man fühlt sich also in „Impossible Star“ sofort zu Hause, vermisst aber die guten analogen Instrumente und die wuchtigen Beats der jüngeren Zeiten. Egal, über 30 Jahre aktiv und immer noch relevant, einflussreich und unkopiert.

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Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropolitan Line – DTV 2018

Von Matthias Bosenick (08.06.2018)

Es wird unübersichtlich im Kosmos des zaubernden Polizisten Peter Grant, und das nicht nur inhaltlich: „Geister auf der Metropolitan Line“ (Original: „The Furthest Station“) ist nicht der siebte Band der schwarzhumorigen Urban-Fantasy-Krimi-Reihe „Die Flüsse von London“, sondern die erste von offenbar vier angekündigten Novellen abseits des Hauptstrangs. Verglichen mit den Bänden 4 und 6 zeigt sich, dass Verknappung dem Autoren guttut: Aaronovitch kommt schneller zur Sache und schweift nicht so langweilend ab. Ein leckerer Snack, der dafür allerdings viel zu teuer ist.

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Gerhard Seyfried – Zwille: The Law returns to Kreuzberg – Westend/fifty-fifty 2018

Von Matthias Bosenick (06.06.2018)

Der Vorausdenker hinkt hinterher: So gestrig wie in seinem neuen Comicband „Zwille: The Law returns to Kreuzberg“ war Zeichner Gerhard Seyfried noch nie. Er war seinerzeit stets linker als die taz und nimmt heute teilweise Standpunkte ein, die sein früheres Ich sicherlich als spießig aufgefasst hätte. Angesichts dieses Buches sieht man keinerlei Grund für Seyfried, die zeichnerische Untätigkeit nach acht Jahren Comicpause unterbrechen zu müssen; in seinem jüngsten Buch „Schilderguerilla“ von vor zwei Jahren zeigte er, dass er seinen Humor auch mit neuen gestalterischen Medien transportieren kann (er manipulierte Fotos von Schildern und veränderte so deren Inhalt). Sein Uraltpunk Zwille hätte indes gern in der Versenkung bleiben können, da führte der bereits ein lustiges Leben.

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