зелёный дядя u сёрферы чёрной дыры – Восторг по октаве – Black Hole Surfers 2022

Von Matthias Bosenick (17.10.2022)

Die Black Holes Surfers und der Grüne Onkel haben „Freude an der Oktave“, zumindest bedeutet dies der Titel des Albums „Восторг по октаве“ von зелёный дядя u сёрферы чёрной дыры. Das mit dem Surfen meinen die drei bis fünf Musiker aus der russischen Millionenstadt Нижний Новгород (Nischni Nowgorod) tatsächlich ernst: Dem psychedelischen Potpourri alternativer Musikstile liegt der Geist des Sechziger-Surfrocks zugrunde. Die Musik mag so variantenreich wie die der Beach Boys sein, dafür ist sie schwerer: In Zeiten des Krieges lässt sich Unbeschwertheit nicht so einfach erhalten. Eine ungezügelte Kreativität indes sehr wohl: „Восторг по октаве“ plättet mit einer Vielzahl an Einfällen, mit denen die Band ihre Songs Haken schlagen lässt.

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The Cult – Under The Midnight Sun – Black Hill Records 2022

Von Guido Dörheide (15.10.2022)

Mochte ich The Cult hören, griff ich meistens zu der Singles-Zusammenstellung „Pure Cult“ aus dem Jahr 2000, die die Schaffensperiode von 1985 bis 1995 abdeckt. Und auf der kann man prima nachhören, wie sich The Cult ab „Sonic Temple“ (1989) vom anfänglichen Gothic Rock mit den wundervollen Melodien, von Ian Astbury immer mit einer Bandbreite von melancholisch-düster bis hin zu ekstatisch-hysterisch vorgetragen, mehr in Richtung düsterem Hardrock bis hin zu immer noch tollen, aber doch sehr stadionkompatiblem Rock entwickelt hat. Den Höhepunkt davon markiert für mich das 2013er-Album „Electric Peace“. Bereits mit der 2016er-Veröffentlichung „Hidden City“ bewegten sich The Cult wieder mehr in Richtung Gothic Rock, und heuer geht es mit „Under The Midnight Sun“ noch ein weiteres Stück zurück in die Anfangstage.

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Triangle Of Sadness – Ruben Östlund – S/GB/USA/F/GR/TR 2022

Von Matthias Bosenick (14.10.2022)

Dem Kapitalismus mit Karl Marx begegnen – und mit Schadenfreude: Episodenhaft setzt sich Ruben Östlund in „Triangle Of Sadness“ mit Leuten auseinander, die Geld haben. Er lässt sie zwischenmenschlich scheitern, sich normal großkotzig schlecht benehmen und sich an ihrer Gier erbrechen. Östlunds Humor ist tiefschwarz und entlarvend, nur hat er es in Sachen Drehbuch nicht so: Im letzten Drittel verliert er den Faden und wird fade. Dafür behält man jede Menge grandios böser Szenen im Kopf – allen voran einen Woody Harrelson als Kapitän, der physisch besoffen und inhaltlich nüchtern des Kaisers neue Kleider benennt.

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Old Town Crier – You – Jim Lough 2022

Von Matthias Bosenick (13.10.2022)

Alt.-Country steht als eines von vielen Etiketten auf dem Minialbum „You“ von Old Town Crier, dem Solo-Projekt des Multiinstrumentalisten Jim Lough, der mit dieser EP drei demokratische US-Politiker bei den Mid-Term-Elections unterstützen will. In den fünf Pop-Perlen liegt noch viel mehr: Der unterschwellige Fuzz und die Rotzigkeit von 60s-Garage-Rock etwa, die balladeske Melodieseligkeit weit gefasster Gesten, der Galopp des Punkrock, 50s-Verve. Abgesehen davon, dass man es mit knapp einer Viertelstunde klasse Musik zu tun hat, ist es nicht nur derzeit überall notwendig, Demokraten zu unterstützen.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Die Wege des Herrn – Beten ist besser als Sex

Von Onkel Rosebud

In der religiösen Pfarrer-Familiengeschichte aus Dänemark geht’s um Glaube und Gott sowie maskuline Konflikte. Damit die Nicht-Christen auch am Ball bleiben, wird auch viel gevögelt. Johannes, der dominierende, alkoholkranke Vater, treibt‘s mit seiner Frau und Ursula, der Geliebten aus der Pfarrei. Elisabeth, die spirituelle Mutter, entdeckt ihre Bisexualität und wird regelmäßig von der norwegischen Untermieterin Liv vernascht. Sohnemann Nummer eins, das schwarze Schaf Christian, pendelt aus Sicht der Penetration zwischen Amira und Nara. August, der hauptdarstellende Drama-Sohn und auch Pfarrer, missioniert in Stellung gerne mal Emilie, seine Frau, die dann später mit ihrem Arbeitskollegen …

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Goatwhore – Angels Hung From The Arches Of Heaven – Metal Blade Records 2022

Von Guido Dörheide (10.10.2022)

Was hatte ich jüngst noch über erste Songs auf Alben geschrieben? Entweder fast an Stille grenzendes Instrumentalintro oder gleich losballern? Goatwhore haben sich für Ersteres entschieden und das von mir überaus geschätzte laut.de hat dieses Intro a) als „komplett überflüssig“ und b) als „die letzte Chance zur Flucht“ bezeichnet. Zweiteres unterschreibe ich blind und lege gerne noch sowas wie „die Ruhe vor dem Sturm“ nach. Mit „Born Of Satans Flesh“ haut die wunderbare Kapelle aus New Orleans dann auch gleich so nachhaltig auf die 12 (und 12 ist mehr als 10, sogar mehr als 11!), dass man gar nicht mehr fragen mag, wo Bartel den Most herholt. Hauptsache, er holt ihn, und wenn nicht er, dann nehmen Goatwhore den sprichwörtlichen Korb in die Hand und rennen los. Egal wohin, Hauptsache, es tut weh.

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Pixies – Doggerel – Infectious Music 2022

Von Guido Dörheide (10.10.2022)

Dies ist ein Lied über etwas dort. Da ist etwas dort über dieses Lied. Subbachultcha. Hätte mir jemand sammama 2014, als das erste Pixies-Reunion-Album „Indie Cindy“ erschien, gesagt, dass ich dereinst im Zusammenhang mit einem neuen Werk der legendären Pixies auf die Großtaten des 1991er-Abschiedsalbums „Trompe le monde“ referenzieren würde, ohne mich dabei schlecht zu fühlen, ich hätte ihn oder sie a) mit der sprichwörtlichen rhetorischen Wasserwaage vom Hofe gejagt, b) ihn/sie mit derselben im Anschlag noch um einige Häuserblocks gejagt und c) gesagt: „Hömma“, und gemeint: „Hömma auf. Die Pixies sind Geschichte und hätten sich nimmermehr reunifizieren dürfen. Wenn wir die Stimme von Black Francis hören wollen, können wir die Alben von Frank Black erwerben und nebenbei Morrissey hören, die Smiths werden sich ja auch nicht mehr wieder neu zusammentun.“ Nun ist 2022, besagte Wasserwaage ist Geschichte, die Smiths gibt es glücklicherweise immer noch nicht wieder, Frank Blacks Soloalben langweilen und die Pixies haben eine neue Langrille am Start. Kann ja nur wieder nichts werden. Und der überaus gestrenge Herausgeber erwartet einen Verriss – oisdann, gemmas o!

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Nuit D‘Encre – De l‘autre côté – Bitume Prods 2022

Von Matthias Bosenick (10.10.2022)

Fett, groovig, athmosphärisch, abwechslungsreich zwischen Doom, Sludge, Post und Groove Metal herumriffend – und fast alles von nur einer einzelnen Person eingespielt? Hinter Nuit D‘Encre aus Paris steckt jemand namens François „Franswa“ Felt, der mit „De l‘autre Côté“ sein zweites Album unter diesem Projektnamen präsentiert. Seine Variante von niedrigtourigem Metal kommt ohne Gesang aus, und der fehlt auch kein Bisschen, schließlich weiß der Multiinstrumentalist mit seinem Instrumentarium effektvoll umzugehen. Und auch wenn der Bandname, also ungefähr „tintendunkle Nacht“, oberflächlich ganz gut passt, straft die Musik den Musiker im Detail Lügen: Hier funkeln die Sterne, nicht zu knapp!

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Justified – Wir haben zusammen Kohle geschürft

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin mag den Schauspieler Jacob Pitts. Dieser wiederum ist recht menschenscheu und deshalb kennt ihn kaum jemand, hätte er nicht eine Nebenrolle als Deputy U.S. Marshal Tim Gutterson in „Justified“ gehabt. Er spielt einen sardonischen ehemaligen Army-Scharfschützen, der für jedes Ziel immer „das passende Objektiv“ dabei hat und auch trifft. Und meine Freundin mag es, wenn er das ganz große Teleobjektiv auspackt …

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Shtisel – Ein Fest für Misophoniker

Von Onkel Rosebud

Misophonie in Verbindung mit Nahrungsaufnahme ist der Ekel auf die Geräusche dabei, eine Empfindlichkeit auf Schmatzen, Kauen mit offenem Mund, lautes Würge-Schlucken, Nase hochziehen und wiederholtes Klicken der Zähne beim Essen – und der Klassiker: Reden mit vollem Mund. Also all‘ das, was Eltern ihren Kindern am Tisch heutzutage bewusst oder unterbewusst vermitteln, neben „Nimm die Ellenbogen vom Tisch“ oder „Zieh‘ die Hausschuhe an“.

Die israelische Drama-Serie „Shtisel“ (3 Staffeln 2013 bis 2021) ist ein vier Generationen umfassendes Familiendrama, dass im Milieu ultraorthodoxer Juden in Ge‘ula, einem Stadtviertel von Jerusalem, spielt. Es wird nicht nur ständig geraucht, sondern auch sehr oft gegessen. Beim ungeliebten sonntäglichen Suppe-Essen werden die Probleme der einzelnen Familienmitglieder ausgekippt. Dazu schlürft Shulem Shtisel, der Patriarch, sehr laut bis an die Grenze der Unerträglichkeit. Wenn er den obligatorischen Essig-Gurken-Salat katscht und dabei seinen Spätgeborenen, Akiva Shtisel, runtermacht, dann stehen einem die Nackenhaare zu Berge. Trotzdem die Sprache der Serie fast ausschließlich Hebräisch oder Jiddisch ist, und nur Untertitel einem erschließen, worum es inhaltlich geht, hält man die Misophonie aus, weil alles drin ist in der Serie, was ein gutes Familiendrama ausmacht: Liebe, Eifersucht, Geborgenheit, Aufopferung, Verlust, Angst, Untreue, Rebellion, Coming of Age, Abtreibung, Inzest, Vater-Sohn-, Mutter-Tochter- oder Bruder-Bruder-Kampf.

Neu auf KrautNick ist fortan die Kolumne „Was meine Freundin gerne …“ von Onkel Rosebud. Das diesem Titel folgende Verb ist alternierend „sieht“ oder „hört“, je nachdem, mit welchem Thema sich Onkel Rosebuds Freundin gerade befasst, also Bewegtbilder in TV-Sendungen, Streamingangeboten, DVD-Boxen oder eben Musik in allen Erscheinungsformen – Onkel Rosebud protokolliert es und lässt uns daran teilhaben.

Onkel Rosebud mag auf KrautNick neu sein, aber seine Kolumne ist es nicht: Zwischen 1995 und 2004 veröffentlichte er „Was meine Freundin gerne hört“ in der Dresdner Studentenzeitung „ad-rem“, mit einer Reichweite von 30.000 gedruckten Exemplaren und einer kaum weniger großen Fangemeinde. Nun kommt er nicht einfach zu KrautNick, sondern KrautNick kommt zu ihm: Onkel Rosebud trug – wie auch Matthias Bosenick und Guido Dörheide – bei beiden bisherigen Ausgaben der geplanten Buchtrilogie „Ich liebe Musik“ Texte bei, ist mit den beiden Schreibern mithin seit 1999 verbunden. Umso mehr freut es KrautNick, ihm diese Zusammenarbeit anbieten zu dürfen und künftig von Onkel Rosebud erzählt zu bekommen, was seine Freundin so gerade sieht. Oder hört.

Der erste Teil von „Ich liebe Musik“ ist bedauerlicherweise vergriffen, aber Vol. 2 ist nach wie vor im Windlustverlag von René Seim erhältlich! [07.10.2022, Red.]

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