De Staat – De Staat – V2 2026

Von Matthias Bosenick (22.09.2026)

20 Jahre De Staat! Das feiert die Band aus Nijmegen mit ihrem siebten Studioalbum, einem Konzeptalbum, das sie nach sich selbst benennt und das sowohl folglich als auch thematisch passend „De Staat“ heißt. In Zeiten globaler Katastrophen jeglicher Art fällt die ironische Betrachtung aller Umstände hier ernsthafter aus. Der von tiefen Synthies getriebene Indierock des Quintetts bekommt eine soulige Schlagseite und musikalisch sehr viele Fassetten. Damit sperren sich De Staat wie immer dagegen, einer Schublade zugeordnet zu werden, und das auf einem sogar stetig wachsenden Niveau.

Weiterlesen →

Exp – Exp – Reptilian Records 2026

Von Matthias Bosenick (21.09.2026)

Wenn man zu Betriebszeiten einer Band bereits eine Art Kultstatus innerhalb seiner Fangemeinde einnimmt, ist es vielleicht das Beste, einfach aufzuhören, neue Projekte zu gründen und damit potentiellen Enttäuschungen vorzugreifen. Bei Fugazi klappt das vorzüglich, bei Cop Shoot Cop ebenso, und so kann jeder Beteiligter in neuen Bands nach Belieben das machen, was den Ruf der vermeintlichen Kultband möglicherweise angekratzt hätte. Bei Exp (oder EXP) handelt es sich um ein weiteres dieser Projekte aus New York, an denen versierte Leute aus dem weiten Feld des Noise Rock beteiligt sind. Schwierig zu googlen, das Debüt heißt wie die Band – und die Musik ist definitiv ungewöhnlich, weil zunächst unerwartet gewöhnlich.

Weiterlesen →

Miscreance – Reminiscence – Season Of Mist 2026

Von Matthias Bosenick (10.09.2026)

Ist das wirklich Miscerance, was man da auflegt? Die Venezianer sind bekannt für ihren Oldschool-Death-Metal, da startet das zweite Album „Reminiscence“ plötzlich mit klarer melodiöser Gitarre oder so etwas und Bongos, als wäre man bei … Sepultura? Keine Angst, man bekommt, was man erhofft, aber glücklicherweise noch einiges oben drauf. Eine schöne Entwicklung, man hört, dass das Quartett auf seinen Touren einiges weiterentwickelt hat.

Weiterlesen →

Massive Attack & Tom Waits – Boots On The Ground – Play It Again Sam 2026

Von Matthias Bosenick (07.09.2026)

„Boots On The Ground“ ist mehr Tom Waits als Massive Attack, da ordnen sich die tonangebenden Bristoler dem wutknurrenden Kalifornier musikalisch unter. Eine Sensation ist dieser gemeinsame Track nach jahrelanger Pause auf beiden Seiten, inhaltlich erfüllt er die Parameter eines Protestsongs, musikalisch ist er eher durchschnittlich. Die Vinyl-B-Seite nimmt ein Spoken-Word-Track von Waits ein, der das Thema vertieft. Interessanterweise sind beide Tracks exakt 4:21 Minuten lang.

Weiterlesen →

Man & Machine – Earthman – Fruits De Mer Records 2026

Von Matthias Bosenick (18.08.2026)

Völlig von der Erde genommen spielt Tom Roche aus Schottland mit Freunden als Man & Machine einige Songs ein und lässt sie jetzt von Fruits De Mer Records als farbenfrohe 10“ zusammentragen. „Earthman“ ist diese Sammlung wert: Die Band musiziert leise, zurückhaltend, behutsam und kuschelig. Wobei dem Kuscheln hier unterschwellig etwas innewohnt, das ein Fluchtimpuls sein könnte, weg von der Erde in ein besseres Leben.

Weiterlesen →

Primus – A Handful Of Nuggs – Prawnsong/ATO Records 2026

Von Matthias Bosenick (05.08.2026)

Was vom Thrash Metal übrig blieb: Primus aus der Bay Area bündeln zwei neue Sogs und die beiden Stücke der 7“ „Little Lord Fentanyl“ auf einer goldenen 12“ und nennen das treffend „A Handful Of Nuggs“. Der frickelig-zackige Funk Metal der Anfangstage ist längst wuchtiger und dunkler geworden, ohne an Spielfreude einzubüßen. Enthalten sind hier überdies: „Holy Diver“ und Maynard James Keenan.

Weiterlesen →

PigFace with Genesis P-Orridge – Howler: An English Breakfast – Overdrive Records/PPIM 2026

Von Matthias Bosenick (06.07.2026)

Vorsicht: Sammler sämtlicher Alben von Pigface haben diese Musik bereits, nämlich auf der zweiten CD des vierten Albums „A New High In Low“. Nicht indes haben sie sie auf Vinyl, schon gar nicht im launigen Splatter. Ansonsten lässt sich zu „Howler: An English Breakfast“ feststellen, dass eine Impro-Session mit dem bekloppten Genesis P-Orridge immerhin chilligen Dub ergibt, über den ein Kasper quasselt. Freunde von Mick Harris (Napalm Death, Scorn) dürfen sich über dessen Beteiligung an der Session freuen.

Weiterlesen →

Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometime – Capitol/EMI 2026

Von Matthias Bosenick (03.07.2026)

Was macht Beck Hansen eigentlich heute? 2019 erschien sein letztes Album „Hyperspace“, auf dem der vormalige Slacker den Hyperpop austestete, und seitdem ist Ruhe. Kurioserweise fällt dies mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem er klarstellte, dass er – Gott sei’s gepriesen! – längst kein Scientologe mehr ist. „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ ist eine Sammlung von Raritäten, die er für Film, Funk und Fernsehen erstellte und auf rotem Vinyl als Album anbietet. Soft geht’s zu, viele Oldschool-Schlager-Cover, und es fällt einem irgendwie leicht, sich mit dem latent knödeligen Beck auf die Chaiselongue zu kuscheln. Teuer ist’s: Mehr als einen Euro pro Minute. Aber das ist es wert.

Weiterlesen →

Vanessa Van Basten – Yes – Subsound Records 2026

Von Matthias Bosenick (17.06.2026)

Etwas Neues von Vanessa Van Basten! Das letzte Lebenszeichen war 2015 die orangefarbene 10“ mit verstonerten The-Cure-Coverversionen, die „Disintegration EP“, und bei Lichte betrachtet, klingt die auch auf „Yes“ an, dem neuen, erst dritten Album. Dabei lässt sich die Musik des Genueser Duos eigentlich gar nicht so leicht einsortieren: melancholischer Post Rock, Shoegaze, Experimentalmusik, Sludge Metal, Folk, Ambient, Stoner Rock, Downbeat-Electro, eigentlich kaum Wave Rock, aber mit dem abgedunkelten Gestus als Bezeichnung durchaus angemessen. Willkommen zurück, Vanessa Van Basten!

Weiterlesen →

Tamikrest – Assikel – Glitterbeat 2026

Von Matthias Bosenick (04.06.2026)

Die Musik der Wüstenbluesrocker Tamikrest (ⵜⵎⴾⵔⵙⵜ), ehedem aus Mali, aus politischen Gründen seit über 15 Jahren in Europa beheimatet, ist schon lang kein reiner Wüstenbluesrock mehr. Das liegt sicherlich an der langen Zeit, die die Musiker Einflüssen ausgesetzt sind, die die Grenzen ihrer Tuareg-Traditionen weit überschreiten, sowie daran, dass die Band inzwischen auch Musizierende unterstützen, die aus anderen Gegenden dazustießen. „Assikel“, „Reise“, Studioalbum Nummer sechs, bündelt die diversen Erfahrungen zu einer Musik, die vertraut und exotisch, beruhigend und aufmunternd ist.

Weiterlesen →