Von Matthias Bosenick (06.07.2026)
Vorsicht: Sammler sämtlicher Alben von Pigface haben diese Musik bereits, nämlich auf der zweiten CD des vierten Albums „A New High In Low“. Nicht indes haben sie sie auf Vinyl, schon gar nicht im launigen Splatter. Ansonsten lässt sich zu „Howler: An English Breakfast“ feststellen, dass eine Impro-Session mit dem bekloppten Genesis P-Orridge immerhin chilligen Dub ergibt, über den ein Kasper quasselt. Freunde von Mick Harris (Napalm Death, Scorn) dürfen sich über dessen Beteiligung an der Session freuen.
Archiv der Kategorie: Vinyl
Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometime – Capitol/EMI 2026
Von Matthias Bosenick (03.07.2026)
Was macht Beck Hansen eigentlich heute? 2019 erschien sein letztes Album „Hyperspace“, auf dem der vormalige Slacker den Hyperpop austestete, und seitdem ist Ruhe. Kurioserweise fällt dies mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem er klarstellte, dass er – Gott sei’s gepriesen! – längst kein Scientologe mehr ist. „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ ist eine Sammlung von Raritäten, die er für Film, Funk und Fernsehen erstellte und auf rotem Vinyl als Album anbietet. Soft geht’s zu, viele Oldschool-Schlager-Cover, und es fällt einem irgendwie leicht, sich mit dem latent knödeligen Beck auf die Chaiselongue zu kuscheln. Teuer ist’s: Mehr als einen Euro pro Minute. Aber das ist es wert.
Vanessa Van Basten – Yes – Subsound Records 2026
Von Matthias Bosenick (17.06.2026)
Etwas Neues von Vanessa Van Basten! Das letzte Lebenszeichen war 2015 die orangefarbene 10“ mit verstonerten The-Cure-Coverversionen, die „Disintegration EP“, und bei Lichte betrachtet, klingt die auch auf „Yes“ an, dem neuen, erst dritten Album. Dabei lässt sich die Musik des Genueser Duos eigentlich gar nicht so leicht einsortieren: melancholischer Post Rock, Shoegaze, Experimentalmusik, Sludge Metal, Folk, Ambient, Stoner Rock, Downbeat-Electro, eigentlich kaum Wave Rock, aber mit dem abgedunkelten Gestus als Bezeichnung durchaus angemessen. Willkommen zurück, Vanessa Van Basten!
Tamikrest – Assikel – Glitterbeat 2026
Von Matthias Bosenick (04.06.2026)
Die Musik der Wüstenbluesrocker Tamikrest (ⵜⵎⴾⵔⵙⵜ), ehedem aus Mali, aus politischen Gründen seit über 15 Jahren in Europa beheimatet, ist schon lang kein reiner Wüstenbluesrock mehr. Das liegt sicherlich an der langen Zeit, die die Musiker Einflüssen ausgesetzt sind, die die Grenzen ihrer Tuareg-Traditionen weit überschreiten, sowie daran, dass die Band inzwischen auch Musizierende unterstützen, die aus anderen Gegenden dazustießen. „Assikel“, „Reise“, Studioalbum Nummer sechs, bündelt die diversen Erfahrungen zu einer Musik, die vertraut und exotisch, beruhigend und aufmunternd ist.
808 State vs Humanoid – In Place Of Language – De:tuned 2026
Von Matthias Bosenick (05.05.2026)
Zurück in die Zukunft! Hier treffen zwei historische Gruppierungen des Acid House aufeinander, kurioserweise erstmals, obwohl sie beide aus Manchester sind: 808 State und Humanoid, also Graham Massey und Brian Dougans, also zusammen rund 40.000.000 Jahre Musikgeschichte, denn beide Beteiligten tobten sich in den zurückliegenden 40 Jahren auch in diversen Neben-, Haupt- und Sonderprojekten aus. Auf der EP „In Place Of Language“ machen sie: Acid House, als wäre es noch 1988, nur heute. Man kann ihnen nicht mal böse sein, schließlich gehören sie beide zu den Pionieren dieser Electro-Spielart. Und sie machen es gut.
The Notwist – News From Planet Zombie – Morr Music 2026
Von Matthias Bosenick (02.04.2026)
Wer sich auf The Notwist aus Weilheim einlässt, begibt sich seit 37 Jahren mit jedem neuen Album auf eine Reise ins Ungewisse, die aber garantiert gut ausgeht: Für „News From Planet Zombie“ veränderte die Mehr-als-nur-Indierockband die Ausgangsvoraussetzungen bei der Aufnahme, indem die Band das Album mit Gästen live einspielte, und zwar nicht in einem Studio, sondern an einem Kulturort in München, dem Import Export. Nicht nur damit knüpft dieses Album an den ersten großen Hit „12“ von vor 31 Jahren an: Es fällt außerdem weit weniger elektronisch aus als die Alben dazwischen, sondern hat wieder den warmen Sound des Handgemachten.
Glimmen – Quatre – Soutrane Recording Company/Schneider Collaborations 2026
Von Matthias Bosenick (31.3.2026)
Spanisch für Anfänger: Nach „Dos“ kommt „Quatre“, klar! Aber nur, weil das kontinenteübergreifende Experimentalduo Glimmen zwischenzeitig mit dem anderen Experimentalduo Drazek Fuscaldo zusammenarbeitete. Ein Duo indes waren Glimmen lediglich auf dem selbstbetitelten Debüt, für „Quatre“ erweitern sie das Personal nochmal – und erzeugen mit jazzigem Instrumentarium Drones mit Unrhythmen, die ihre Hörerschaft in unterschiedliche Stimmungen versetzen. Ein ergreifender Rausch.
Steve Albini Spezial: Killing Joke und Fugazi – Albini-Demos – 2026
Von Matthias Bosenick (26.03.2026)
Die Relevanz Steve Albinis für den Noiserock ist unabschätzbar, und selbst über dieses schmale Genre hinaus hinterließ der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. Einige erblicken erst posthum – er verstarb 2024 – das offizielle Licht der Welt, zwei aus anderen Genres als dem Noiserock dieser Tage parallel: Interims-Drummer Martin Atkins bringt die „Black Cassette“ der Post-Punks Killing Joke mit einigen Live-Aufnahmen auf der B-Seite als „Extremities: The Albini Demos And Live Beginnings ‘88“ auf Vinyl heraus, die Post-Hardcorer Fugazi reichen ihr späteres Album „In On The Kill Taker“ rein digital als „Albini Sessions (Benefit For Letters Charity)“ nach. Beide Aufnahmen entstanden in Chicago bei Albini.
Jomi – Den kærlighed – Glorious Records 2026
Von Matthias Bosenick (26.02.2026)
Was aus dem Noiserock alles so werden kann: Seit einigen Veröffentlichungen rückt die Kopenhagenerin Jomi, nunmehr ohne den Zusatz Massage, eigentlich Signe Høirup Wille-Jørgensen und ehedem Stimme von Speaker Bite Me, ihre Solo-Aktivitäten in Richtung Jazz. „Den kærlighed“, „Diese Liebe“, ist die dritte Veröffentlichung seit 2021, auf der sie fein ziselierte, wunderschöne, kontemplative bis kraftstrotzende Popmusik macht, die sehr starke Jazz-Anleihen hat. Man ist sofort gefangen von diesen 13 Stücken und Jomis Stimme.
Teen Prime – No. 6 (Split with Disonancia Expansiva)/No. 11 – Teen Prime 2026
Von Matthias Bosenick (23.02.2026)
Nach „Let’s Just Werewolf Them“ fällt das Duo Teen Prime in seiner Veröffentlichungsbenennung endlich wieder in die eigene Tradition zurück und nummeriert durch, was so herauskommt: Mit „No. 11“ gibt’s eine neue LP – und mit „No. 6“ füllen Sebastian Fäth und Jörg A. Schneider endlich die klaffende Lücke in der Reihenfolge, und zwar, indem sie es als Split-Tape mit Disonancia Espansiva aus Benicarló in Spanien, auf halber Strecke zwischen Barcelona und Valencia gelegen, herausbringen. Auf beide Projekte lässt sich das Etikett Impro-Noise-Jazz anheften.












