Jomi – Den kærlighed – Glorious Records 2026

Von Matthias Bosenick (26.02.2026)

Was aus dem Noiserock alles so werden kann: Seit einigen Veröffentlichungen rückt die Kopenhagenerin Jomi, nunmehr ohne den Zusatz Massage, eigentlich Signe Høirup Wille-Jørgensen und ehedem Stimme von Speaker Bite Me, ihre Solo-Aktivitäten in Richtung Jazz. „Den kærlighed“, „Diese Liebe“, ist die dritte Veröffentlichung seit 2021, auf der sie fein ziselierte, wunderschöne, kontemplative bis kraftstrotzende Popmusik macht, die sehr starke Jazz-Anleihen hat. Man ist sofort gefangen von diesen 13 Stücken und Jomis Stimme.

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Teen Prime – No. 6 (Split with Disonancia Expansiva)/No. 11 – Teen Prime 2026

Von Matthias Bosenick (23.02.2026)

Nach „Let’s Just Werewolf Them“ fällt das Duo Teen Prime in seiner Veröffentlichungsbenennung endlich wieder in die eigene Tradition zurück und nummeriert durch, was so herauskommt: Mit „No. 11“ gibt’s eine neue LP – und mit „No. 6“ füllen Sebastian Fäth und Jörg A. Schneider endlich die klaffende Lücke in der Reihenfolge, und zwar, indem sie es als Split-Tape mit Disonancia Espansiva aus Benicarló in Spanien, auf halber Strecke zwischen Barcelona und Valencia gelegen, herausbringen. Auf beide Projekte lässt sich das Etikett Impro-Noise-Jazz anheften.

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Yo La Tengo – Old Joy – Mississippi Recods 2025

Von Matthias Bosenick (18.02.2026)

Knapp zehn Jahre nach dem Film gibt’s jetzt den instrumentalen Soundtrack zu „Old Joy“, quasi live eingespielt von der Indierock-Instanz Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey, plus Gitarrist Smokey Hormel. Zumindest erstmals separat und auf Vinyl, denn die Tracks waren – in kürzerer Fassung – bereits 2008 auf der Soundtrack-Sammlung „They Shoot, We Score“ zu haben. Aber pinkes transparentes Vinyl kickt einfach mehr.

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The Wedding Present – Maxi – Clue Records 2025

Von Matthias Bosenick (20.01.2026)

Nach „Mini“ kommt „Maxi“, was hier doppelt zutrifft: The Wedding Present veröffentlichen ihre neuesten sechs Songs als 10“. Nach dem Mammutwerk „24 Songs“ sei es den englischen Indierock-Veteranen gegönnt, sich zu reduzieren – eine tolle Platte ist es ja trotzdem geworden. Quasi das Geschenk zum 40. Geburtstag der Band, aus deren Gründungszeit längst nur noch George Best, äh: Sänger und Gitarrist David Gedge übrig ist. Den Spirit, der The Wedding Present ausmacht, bleibt aber in jeder Besetzung erhalten.

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Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025

Von Matthias Bosenick (13.01.2026)

„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.

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Bill Leeb – Machine Vision – Metropolis 2025

Von Matthias Bosenick (06.12.2026)

Ein erstes Solo-Album von Bill Leeb? War nicht „FLAvour Of The Weak“ von Front Line Assembly 1997 eigentlich bereits ein Solo-Album, nur unter seinem Namen? Schließlich ist er der Bandkopf, so sehr der vor 25 Jahren aus- und zwischenzeitig wieder eingestiegene Rhys Fulber als vollwertiges Mitglied gelten mag. Der trägt drei von fünf Remixen auf der Begleit-EP „Machine Vision“ bei und rückt diese 12“ dadurch wieder näher in Richtung dessen, was man von Front Line Assembly erwartet. Die anderen – wären teilweise nicht nötig gewesen. Es zeigt sich einmal mehr, dass der EBM-Electro-Erneuerer (von Industrial sprechen hier nur Nordamerikaner) aus Vancouver in jüngerer Zeit die Muse verlor.

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The Notwist – Magnificent Fall – Alien Transistor 2025

Von Matthias Bosenick (29.12.2025)

Nur wenige Wochen vor ihrem neuen Studioalbum „News From Planet Zombie“ kompilieren die wandlungsfähigen Weilheimer The Notwist einige seit 2002 erschienene B-Seiten, Remixe und Raritäten auf der dreiseitig bespielten chilligen Doppel-LP „Magnificent Fall“. IDM, Ambient, Shoegaze, Neoklassik, Hip Hop, Jazz: Sag es, es ist drauf, bis auf den alten Kumpel Hardcore, und immer eins besser als bei anderen. Vollständig natürlich auch nicht, aber es erfreut die Sammelnden.

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Jim Jarmusch & Anika – Father Mother Sister Brother – Sacred Bones Records 2025

Von Matthias Bosenick (04.12.2025)

Wesentlich ruhiger als die Soundtracks, die Regisseur und Sqürl-Bandmitglied Jim Jarmusch für seine früheren Filme machte, ist der zum nächsten Film „Father Mother Sister Brother“, den der Gitarrist mit der Berliner Musikerin und Sängerin Anika aufnahm. Auf die Drones, wie er sie auch gern und grandios mit Jozef van Wissem erzeugt, verzichtet er hier, stattdessen verfällt er maximal auf minimale Soundscapes, auf mitternächtlichen Jazz, auf Ambient. Tom Waits, einer der Hauptdarsteller jenes Films, ist leider nicht zu hören.

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Kackschlacht – Kackschlacht – Kackschlacht 2025

Von Matthias Bosenick (02.12.2025)

„Endlich alt“, aber trotzdem Punkrock: 14 Songs in gerade 22 Minuten, so geht das auch dann, wenn man die wilden Jahre hinter sich hat, mitten im Leben steht, gewisse Verhaltensweisen einer Gesundheitsförderung unterwirft und die Welt trotzdem nach wie vor Scheiße findet. Wie wenig Bass man braucht, um druckvolle Stromgitarrenmusik hinzubekommen, belegt das ehedem von Braunschweig aus, nun über zwei Bundesländer verteilt agierende Brüderpaar Kackschlacht auf seiner fünften selbstbetitelten Vinylveröffentlichung. Hier gibt’s Power, Melodien, Hymnen, Tempo, Experimente, Party – und Ernüchterung.

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Die drei ???: Gruselige Weihnacht überall – Europa/Sony 2025

Von Matthias Bosenick (27.11.2025)

Die Hörspielumsetzung des Adventskalenders „Gruselige Weihnacht überall“ wird ja einigermaßen überschattet von den vielen Pannen, die sich das Label Europa mit den Drei Fragezeichen erlaubt. Dabei tritt etwas in den Hintergrund, dass die Geschichte auch noch reichlich langatmig erzählt ist. Drei Stunden sind für diesen Fall einfach zwei zu viel – zumal sich die Inszenierung der Hörspiele ja in den zurückliegenden 25 Jahren von der Action aufs Gelaber verlegte. Während man dieses Hörspiel nun als Einschlafhilfe nutzt, kommt man gar nicht dazu, herauszufinden, ob sich darin nicht vielleicht sogar ein spannender Fall versteckt.

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