Von Matthias Bosenick (04.12.2024)
Oh Gott, dieser Satan! Als Ergebnis der Idee, Black Metal mit Disco zu kombinieren, stellt Schlagzeuger Dirt Boucher aus Pennsylvania sein Solo-Projekt Xoltergeist vor, an dessen selbstbetitelten Album sein Freund Srogi Mroczek maßgeblich mitarbeitete. „Xoltergeist“ ist eine Sammlung schneller Skizzen, die die beiden im Studio anfertigten, rauh, ruppig, rotzig, und eigentlich weder Black Metal noch Disco. Der repetitive Beat war Boucher wichtig, die Gitarren dazu kommen eher aus der Garage als aus der Hölle. Das ist schon eher etwas für die Spaßschublade, in besser ausgearbeitet wären diese Kleinode respektabler ausgefallen.
Neon Nightmare – Faded Dream – 20 Buck Spin 2024
Von Guido Dörheide (03.12.2024)
„Also meins ist es nicht, es muss Deins sein“, sagte die Liebste, als ich neulich am Frühstückstisch „Faded Dream“ von Neon Nightmare einlegte und wir den ersten Klängen des Albums lauschten. Der Opener „Higher Calling“ beginnt nämlich mit einem täuschend echten Telefonvibrieren und merkwürdigen Geräuschen. Damit gemahnt der Einstieg in das Debütalbum von Neon Nightmare an das 1996er Meisterwerk „October Rust“ von Type O Negative und – Bingo! – genau dieses Album nennt Nate Garrett, der Mann hinter Neon Nightmare, als dasjenige Type-O-Negative-Album, das seinen musikalischen Werdegang am meisten geprägt hat (nachzulesen auf metal.de in der Rubrik „Die persönliche Top 10 von…“). Garrett betreibt hauptberuflich die Band Spirit Adrift, mit der er vor acht Jahren mal mit Doom mit durchaus Melvins-Ähnlichkeit begonnen hat und sich im Laufe der Jahre zu einer Mischung aus klassischem Heavy Metal, Stoner, Doom und härterem Bluesrock hingearbeitet hat, der mich gesanglich bisweilen an die von mir über alle Maßen geschätzten Mastodon erinnert.
WeiterlesenJisei – Jisei – Cold Smoke Records 2024
Von Matthias Bosenick (03.12.2024)
Sobald man liest, Bertrand Pot, der einzige Kopf hinter dem Projektnamen Jisei, habe die Bedeutung des gleichnamigen japanischen Konzeptes in Musik umsetzen wollen, nämlich, eine letzte Nachricht kurz vor dem Suizid oder absehbaren Ableben, erwartet man von der selbstbetitelten Debüt-EP etwas andere Musik – schwermütig ist sie, aber nicht so düster. Kalte Elektronik bestimmt den letzten Gruß an die Hinterbliebenen, fanfarenartige Soundscapes, minimalistische Beats, ein Synthie-Ausflug ins All, in andere Welten mithin. Das Finale gerät sogar überraschend freundlich.
Ektör – Ektöristan – Bitume Prods 2024
Von Matthias Bosenick (02.12.2024)
Die Musik auf dem Debüt „Ektöristan“ klingt ganz anders, als es der Bandname Ektör erwarten lässt: Hat sich was mit gruseligem Gruftmetal, das hier ist Avantgarde-Rockmusik, ernsthaft verspielt, mit einem Auge auf den Sound von Sleepytime Gorilla Museum oder Magma, einem weiteren in Richtung Drum And Bass, mit ganz viel Jazz, Experiment, Neoklassik und Rockmusik für Leute, denen Classic Rock deutlich zu unterkomplex ist. Dem Genuss dieses Albums zugute kommt, dass die Band aus Bordeaux bei allem Spaß am Anderssein die Zugänglichkeit nicht außer Acht lässt. Eine vielseitige Reise, bei der jeder Blick um die nächste Ecke aufs Neue beeindruckt.
Saltburn – Music From The Motion Picture – Polydor/Casablanca 2024

Von Matthias Bosenick (28.11.2024)
Dieses Album kauft man ausschließlich wegen der Darreichungsform, nicht wegen der Musik: Zwischen zwei zusammengeklebten transparenten Vinyl-Seiten blubbert eine Flüssigkeit, das Label ist wie ein Abfluss gestaltet. Das kommt in die Sammlung der Vinyl-Obskuritäten! Denn die Musik darauf, Songs aus dem Film „Saltburn“ aus dem Jahr 2023, besteht aus einigen genrefluiden Indie- und Pop-Hits ab den Nullern und zweien aus den Neunzigern. Was man davon mag, hat man bereits, und das ist der geringste Anteil der Songs. Aber das Vinyl ist so schön psychedelisch!
Mercury Rev – Born Horses – Bella Union 2024
Von Matthias Bosenick (28.11.2024)
Da hat sich dann doch etwas getan bei den New Yorkern Mercury Rev, seit die früheren Noiserocker und späteren Dreampopper um 2008 herum ihren Exklusivitätsbonus mit dem zerfahrenen, uninspirierten Doppel-Album „Snowflake Midnight/Strange Attractor“ verspielten. Da dauerte es sieben Jahre bis zum nächsten Versuch, mit dem zumindest ganz netten „The Light In You“ hatte man 2015 schon gar nicht mehr gerechnet. Abgesehen von der Cover-Platte „Bobbie Gentry’s The Delta Sweete Revisited“ ist „Born Horses“ nun das erste Studioalbum mit neuen eigenen Songs seitdem. Es scheint, als hätte sich die Band um Grasshopper und Jonathan Donahue ihrer selbst besonnen, denn obschon die Songs weitgehend verträumt erscheinen, sind sie keine Selbstkopie mehr, und außerdem finden Mercury Rev am Ende sogar das Uptempo wieder. Das ging gerade nochmal gut!
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Ende gut, alles gut – oder auch nicht
Von Onkel Rosebud
Das Serienfinale von „Game Of Thrones“ ist mittlerweile über fünf Jahre her und meiner Freundin erging es wie den meisten Fans der Serie: Sie hat ihren Frieden mit dem unausgegorenen Ende geschlossen. Trotzdem lässt sie die Sache nicht los und sie verfolgt, wie George R. R. Martin diese Aufgabe in den letzten beiden Büchern der Reihe bewältigt. Dann wird es nämlich einen offiziellen alternativen Abschluss der Geschichte geben und sie fragt sich jetzt schon, welche Version nun die bessere ist.
WeiterlesenDzuszanD ft. Redink – Disintegrating Brutality – Dzuszan Bad 2024
Von Matthias Bosenick (27.11.2024)
Was beginnt wie eine formlose Industrial-Variante, schwingt sofort in eine improvisierte, freie Rockmusik über. Dabei behält das Krakauer Trio durchaus vertraute Strukturen bei, etwa einen nachvollziehbaren Rhythmus und fragmentarische Melodien, formt drumherum aber eindeutig eigensinnige Sounds und Varianten dessen, was man üblicherweise unter Rockmusik versteht. Die 40 Minuten von „Disintegrating Brutality“ erscheinen unter dem Projektnamen DzuszanD ft. Redink, die Besetzung der bisher sechs Veröffentlichungen auf Bandcamp unterscheidet sich je nach Bandbenennung. Einen Zugang zu finden zu dieser Art dekonstruktivistischer Musik ist gar nicht so schwer, wie es den Anschein hat.
Sacred Buzz – Radio Radiation EP – Fuzzed Up/Astromoon Records 2024
Von Matthias Bosenick (27.11.2024)
Hier ist sie nun also, die angekündigte EP zur 7“ mit demselben Titel, „Radio Radiation“, des von Berlin aus agierenden Quartetts Sacred Buzz. Die beiden Vinyl-Tracks sind mit drauf, dazu vier neue, die sich allesamt in einer wie in den Sechzigern ausgestatteten Garage wohlfühlen, mit Verzerrer und mit Orgel, mit Psychedelik und mit fuzzy Rock’n’Roll. Und alles live im Studio eingespielt.
Julius Lind – Lights – Kapitän Platte 2024
Von Matthias Bosenick (26.11.2024)
Da mag einer die Neunziger, die von den Sechzigern inspiriert waren: „Lights“, das Solo-Debüt des norwegischen Bassisten Julius Lind, klingt wie die tanzbaren Indiebands aus England oder Schottland, die zu tief am Plattenregal ihrer psychedelischen Eltern geschnüffelt hatten. Mit seinem zwei Mitstreitenden erzeugt Lind ein Gefühl für Madchester und Fußspitzengucken, an dem man während des ausgelassenen Herumtanzens seine Freude hat, herauszuhören, wovon genau er sich wohl gerade inspirieren ließ. Der Vorteil des Trios: Dabei bleibt es nicht, die acht Songs entwickeln einen eigenen Vollrausch.









