Father Mother Sister Brother – Jim Jarmusch – USA 2024

Von Matthias Bosenick (11.03.2026)

Puh, das ging gerade nochmal gut: Obwohl „Father Mother Sister Brother“ nicht der beste Film von Jim Jarmusch ist, macht er den unseligen „The Dead Don’t Die“ gottlob vergessen. Drei Episoden, in denen Jarmusch eine Handvoll Stars interfamiliäre Sprachlosigkeiten ausleben lässt: Zwar bleibt der Humor hier etwas bemüht, doch gehen die unausgesprochenen Spannungen sehr an Herz und Nerven. Und die Darstellenden sind einfach grandios.

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CBGB: A New York City Soundtrack 1975-1986 – Cherry Red 2026

Von Matthias Bosenick (11.03.2026)

Hier ist alles drin, außer Country, Blue Grass, Blues oder Unfug, und auch fast alle Bands und Musizierenden, an die man beim Schlagwort CBGB sofort denkt: Patti Smith, Ramones, Blondie, Television, Talking Heads, Suicide, James Chance, Richard Hell & The Voidoids, dazu viele, mit denen man vielleicht nicht rechnete, wie Ritual Tension, Minor Threat, The Lounge Lizards, Bad Brains, The Cramps, Beastie Boys, Sonic Youth, Mink DeVille, und stapelweise Musik, die man vermutlich noch nie gehört hat – und das von unterschiedlicher Anmutung, aber mit enormem historischen Wert und irgendwo zwischen Punkrock, Psychedelic, Hardcore, Garage, No Wave, Pop, Noiserock, Vaudeville, Rock’n’Roll, Experiment und, naja: Blues eben auch. 101 Songs auf vier CDs, einige nie zuvor auf CD erhältlich, einige gänzlich unveröffentlicht. Eine Fund-, eine Goldgrube.

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Schneider | N – The Rincon Pio Sound – Mörtel Sounds 2026

Von Matthias Bosenick (10.03.2026)

Im Anschluss an ihre gemeinsame Tour durch Spanien setzten sich Gitarrist Hellmut Neidhardt alias N und Schlagzeuger Jörg A. Schneider im vergangenen Jahr in Madrid in ein Studio und improvisierten gleich zwei neue Alben. Das erste davon erscheint als „The Rincon Pio Sound“ bei Mörtel Sounds auf Kassette, das zweite soll als Schallplatte bei Schneider herauskommen, zwar mit anderen Tracks aus der selben Session, aber mit identischem Titel. Zu hören gibt es hier nun durch einen nebligen Wald irrlichternde Gitarrendrones und als Schlagzeug die Bäume dazu, die unsortiert im Weg herumstehen. Man verirrt sich, möchte auch gar nicht wieder raus – und landet unversehens in einer Lärmfabrik. Und ganz am Schluss in einem geraden Rhythmus!

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Clâm – Clâm – Clâm 2026

Von Matthias Bosenick (09.03.2026)

Eine Muschel mit Dach macht sich von Frankfurt am Main aus aus, in Sachen psychedelischer Rockmusik neue Pflöcke zu setzen: Clâm nennt sich das international besetzte Quartett, „Clâm“ heißt auch das Debütalbum. Laut info möchte die Band darauf Heavy Psych, Disco und Ambient verschmelzen, doch die Wahrheit ist viel schöner: hypnotische Fuzz-Folklore zwischen den Cowboy Junkies und den Fleetwood Mac der Siebziger, zwischen entspannt und treibend, schlüssig vereint unter einem Dach.

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Jill Scott – To Whom This May Concern – Blues Babe Records/Human Re Sources/The Orchard 2026

Von Guido Dörheide (07.03.2026)

Who is Jill Scott? Ja verdammt, das habe ich Banause mich gefragt, als ich vom aktuellen Album der Neo-Soul-Interpretin aus Philadelphia, PA, las. Und „Who Is Jill Scott?“ lautet auch der Titel von Jill Scotts erstem Album aus dem Jahr 2000. Mit Neo-Soul konnte ich bisher nicht viel anfangen, zwar feierte ich Erykah Badu in ihrer Rolle als Queen Moussette in „Blues Brothers 2000“, aber mit ihrer Musik bin ich trotz aller ihrer Großartigkeit nie so recht warm geworden. Und so nimmt es nicht wunder, dass ich auch mit dem Werk der Jill Scott bislang nicht vertraut war, zumal ihr vorletztes Album „Woman“ auch schon wieder neun Jahre zurückliegt. Durch euphorische Besprechungen in der Tagespresse darauf aufmerksam geworden, habe ich mit nun mal mit „To Whom This May Concern“ beschäftigt und bin begeistert, wenn nicht gar überzeugt.

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KMFDM – Enemy – Metropolis 2026

Von Guido Dörheide (06.03.2026)

KMFDM sind seit 1984 immer eine Bank – ähnlich eines Uhrwerks (Jahaa – hihi, mit „Bank“ und „Uhrwerk“ gleich zwei Schweiz-Metaphern im ersten Satz untergebracht, und das bei einer deutschen Band, die lange Jahre von den USA aus operierten) veröffentlichen sie alle zwei bis drei Jahre ein – meistens mit einem fünfbuchstabigen Titel und einem von Aidan Hughes gestalteten Comic-Cover versehenes – neues Album, auf dem sie harte Elektronik mit harten Gitarren kombinieren und somit den Industrial Rock (bzw. auch den Industrial Metal) wenn nicht be-, dann zumindest mitbegründeten.

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Sönma – Biotransference – Sönma 2026

Von Matthias Bosenick (06.03.2026)

Schwer, dunkel, schmerzhaft, brutal, nihilistisch – wow: Die EP „Biotransference“ ist das erste Lebenszeichen des Duos Sönma aus Weliki Nowgorod (Вели́кий Но́вгород) seit fünf Jahren, und es haut einem bösen dunklen Doom um die Ohren. Freude am Leben ist die Sache der beiden Musiker nicht, und das kann man ja durchaus nachvollziehen.

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Magnify The Sound – Searching For A Quiet Place – Crispin Glover Records 2026

Von Matthias Bosenick (06.03.2026)

Da sich das für sein zweites Album „Searching For A Quiet Place“ zum Quartett herangewachsene Trondheimer Duo Magnify The Sound angenehmerweise keiner konkreten Kategorie zuordnen lässt, hilft nur eins: Man nennt seine Musik „experimentell“. Mit Gitarre, Geige, Schlagzeug und textlosem Gesang improvisieren die vier Norwegenden kunstvolle und entspannte Soundlandschaften zwischen hypnotischer Trance und verhuschtem Ambient. Als brächten Dead Can Dance und Sigur Rós eine Split-LP heraus, die sie vorher durch einen Gartenhäcksler drückten.

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