Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Techno in der Zone

Von Onkel Rosebud

Kurze, klare Antwort: Gab‘ es nicht. Euer Onkel Rosebud. Aber halt, in der DDR gab es eine mittelmäßig interessante und in sich geschlossene Elektromusik-Szene, die mit Techno allerdings nichts zu tun hatte. Die Protagonisten hießen Hans-Hasso Stamer, Reinhard Lakomy, Rainer Oleak, Jürgen Ecke, Wolfgang Paulke, Jörn Kanitz, Julius Krebs sowie Pond (nicht die Psychedelic-Rock-Band aus Australien, dafür die mit dem veritablen Hit „Planetenwind“ von 1982) und fanden beim staatlichen Label Amiga in begrenzten Möglichkeiten Verbreitung. Zumeist waren das Hochschulabsolventen, die inspiriert durch Jean-Michel Jarre oder Tangerine Dream, anfingen Synthesizer zu malträtieren, um nicht zu sagen, ähnlich klingen zu wollen.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Ich such‘ die DDR und keiner weiß, wo sie ist

Von Onkel Rosebud

Eine der schillerndsten Figuren der musikalischen Subkultur der DDR war quasi ein Wessi namens Aljoscha Rompe (* 1947). 1980 beantragte und erhielt er einen Schweizer Pass, da sein leiblicher Vater Schweizer und auch seine Mutter durch Heirat Schweizer Staatsbürgerin geworden war. Mit 14 hatte er zwar den Personalausweis der DDR bekommen und wurde als sogenannter Doppelstaatler bei den Behörden geführt. Er war aber nie offiziell DDR-Staatsbürger. Die Reisefreiheit nutzte Aljoscha später immer wieder, um Instrumente und Ausrüstung aus West-Berlin in die DDR einzuführen. Sein Stiefvater Robert Rompe war als hochrangiger Wissenschafts-Funktionär und angesehener Professor für Physik Mitglied im Zentralkomitee der SED. Auch Aljoscha war vor seiner Musikkarriere als Physiker tätig, verbüßte aber schon 1978 eine dreimonatige Haftstrafe wegen der Mitarbeit an einer oppositionellen Publikation, die ihm den Startschuss für eine lange Beziehung mit der Stasi einbrockte, wobei er selbst nie zum IM wurde.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gegner Ich – flüstern & SCHREIEN

Von Onkel Rosebud

„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Love By Geyer – die coolste Musik der DDR

Von Onkel Rosebud

Die Berliner New-Romantic-Band „Die Vision“, die wegen Klang und Rhythmus englisch sang, ist meine Zweit-Lieblingsband aus dem Land, was es nicht mehr gibt. Weil am nahesten dran an Joy Division, obwohl ich den Ian-Curtis-Kosmos erst nach Songs wie „Love By Wire“ oder „After The Sunset“ kennengelernt habe.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Lutz Schramm – der John Peel des Ostens

Von Onkel Rosebud

Gleich vorab entschuldige ich mich für diese Überschrift. Was als Lob gemeint ist, Herr Schramm wäre damit nicht einverstanden. Weil John Peel eine Legende ist, an die er aus geopolitischen Gründen nicht heranreichen konnte, und weil in der Bezeichnung, „Irgendwas des Ostens“ gewesen zu sein, vielleicht auch eine Form der Verzwergung mitschwingt. Doch (denn das beste deutsche Wort ist für den Radio-DJ bestens genug), Lutz Schramm war der John Peel des Ostens, und ein größeres Kompliment fällt mir für den Menschen nicht ein, der uns auf den richtigen musikalischen Weg gebracht hat.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gute Ost-Bands – vom Staat geduldete Mainstream-Combos

Von Onkel Rosebud

Es gab auch ein paar halbwegs gute Bands im Osten. Viel zu wenige. Aber gut genug, um genügend Fans um sich zu scharen, so dass sie von den Apparatschiks trotz permanenter systemischer Kritik geduldet werden mussten. Es waren ganze drei: Silly, City und Pankow.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Scheiss Ost-Bands – vom Staat protegierte Mainstream-Combos

Von Onkel Rosebud

Hitparaden nach Verkaufszahlen – so wie wir sie aus der BRD und gesamtdeutsch seit 35 Jahren kennen – gab es in der DDR nicht. Das hatte vielerlei Gründe. Unter anderem war die Begrenzung des Rohmaterials Vinylacetat ein Grund, denn es wurden nicht von allen Platten die gleiche Stückzahl gepresst. Ein schönes Beispiel ist die Platte „Rock’n Roll Music“ von den Puhdys, die insgesamt eine Million Mal über den Ladentisch ging. Die „LP des Jahres“ 1988 mit dem Titel „I.L.D.“ von der Gruppe Rockhaus jedoch nur ca. zwanzigtausend Mal. Außerdem bekam nicht jeder Musiker die Gelegenheit, seine Lieder als Single zu veröffentlichen. Viele Songs wurden über das Radio zu Hits, denn sie wurden als Rundfunkproduktionen im Radio gespielt („Rundfunkauskopplungen“ statt „Singleauskopplungen“), aber nicht auf Platte (oder erst später) veröffentlicht. Da half man sich als Musikfreund mal schnell selbst, legte sich einen Kassetten-Recorder (z.B. „Sonett“, „SKR 700“ oder „Geracord“) zu und schnitt die Musik am Radio mit. Das ging auch ganz prima, denn im DDR-Rundfunk wurden die Lieder „mittschnittfreundlich“ ausgespielt. Das kennt man heute nicht mehr, denn jeder Radio-DJ sabbelt schon am Anfang des Liedes rein und tut das auch am Ende. Darum waren Verkaufszahlen nicht relevant, und die Leute, die sich Lieder am Radio mitgeschnitten haben, ließen sich nicht zählen. Und darum gab es im Radio und im Fernsehen Wertungssendungen wie z.B. „Tip-Disko“ und die „Beatkiste“ oder das „DT Metronom”. Aus allen Wertungssendungen wurden dann die „Hits des Jahres“ bzw. die „Jahreshitparade“ ermittelt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Ihr Leben – ein Kessel Buntes: Helga Hahnemann vs. Beppo Küster

Von Onkel Rosebud

In der DDR erreichten Helga Hahnemann und Beppo Küster im Laufe der 1980er-Jahre einen sehr hohen Bekanntheitsgrad, um das Wort Kultstatus zu vermeiden. Das lag insbesondere an zwei Liedern: „Jetzt kommt die Süße“ (1983) von der sozialistischen Stimmungskanone und Ulknudel schlechthin und „Absolute Stille“ (1984), das von einem TV- Clown im Nachthemd vorgetragen wurde. Nicht falsch verstehen. Die beiden waren im DDR-Fernsehen wirklich lustig und haben es in den besseren Momenten geschafft, die Bürger vor der Mattscheibe zum Nachdenken anzuregen. Und vor allem von Helga Hahnemann konnte man nicht genug kriegen, weil sie unter anderem als Synchronsprecherin in drei Olsenbande-Filmen der weiblichen Hauptfigur Yvonne ihre Stimme lieh. Wenn nämlich eines bei allem nicht schlecht war in der DDR, dann „unsere“ Olsenbande-Synchronisation.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): „Winter, Winter, warm anziehn; wann gibt es Grog mit Clysantin…

Von Onkel Rosebud

… Winter, Winter, tralala, ist nicht für die Liebe da“. Aus dem Song „Winterhit“ (1989) von der Spaß-Pop Band aus Potsdam. Und damit willkommen zu vierzehn Kolumnen-Folgen zur Aufarbeitung der musikalischen DDR-Vergangenheit meiner Freundin. Sie summt den Refrain dieses Smashers nämlich immer noch gern, wenn die Jahreszeit es hergibt und der erste Schnee gefallen ist. Dass er von einer Combo namens „Schabulke-Projekt“ ist, hat sie längst verdrängt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Was ist eigentlich mit Deutschrap passiert?

Von Onkel Rosebud

Seit dem Einsatz von Autotune interessiert sich meine Freundin nicht mehr für deutschen Hip Hop. Ihrer Meinung nach sollen die Pfeifen, die nicht singen können, nicht auch noch ein Tonhöhenkorrektursystem benutzen. Autotune sei Photoshop für die Stimme. Der „Cher-Effekt“ („Believe“, 1998, die Älteren werden sich erinnern) hat sich in der Populärmusik in den Nullerjahren breitgemacht. Und seit Deutschrap fester Bestandteil der Charts wurde, seit den 2010er-Jahren, ist auch der Cyborg-artige Klang der Protagonisten nicht mehr wegzudenken.

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