Von Matthias Bosenick (02.04.2026)
Wer sich auf The Notwist aus Weilheim einlässt, begibt sich seit 37 Jahren mit jedem neuen Album auf eine Reise ins Ungewisse, die aber garantiert gut ausgeht: Für „News From Planet Zombie“ veränderte die Mehr-als-nur-Indierockband die Ausgangsvoraussetzungen bei der Aufnahme, indem die Band das Album mit Gästen live einspielte, und zwar nicht in einem Studio, sondern an einem Kulturort in München, dem Import Export. Nicht nur damit knüpft dieses Album an den ersten großen Hit „12“ von vor 31 Jahren an: Es fällt außerdem weit weniger elektronisch aus als die Alben dazwischen, sondern hat wieder den warmen Sound des Handgemachten.
Archiv der Kategorie: Vinyl
Glimmen – Quatre – Soutrane Recording Company/Schneider Collaborations 2026
Von Matthias Bosenick (31.3.2026)
Spanisch für Anfänger: Nach „Dos“ kommt „Quatre“, klar! Aber nur, weil das kontinenteübergreifende Experimentalduo Glimmen zwischenzeitig mit dem anderen Experimentalduo Drazek Fuscaldo zusammenarbeitete. Ein Duo indes waren Glimmen lediglich auf dem selbstbetitelten Debüt, für „Quatre“ erweitern sie das Personal nochmal – und erzeugen mit jazzigem Instrumentarium Drones mit Unrhythmen, die ihre Hörerschaft in unterschiedliche Stimmungen versetzen. Ein ergreifender Rausch.
Steve Albini Spezial: Killing Joke und Fugazi – Albini-Demos – 2026
Von Matthias Bosenick (26.03.2026)
Die Relevanz Steve Albinis für den Noiserock ist unabschätzbar, und selbst über dieses schmale Genre hinaus hinterließ der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. Einige erblicken erst posthum – er verstarb 2024 – das offizielle Licht der Welt, zwei aus anderen Genres als dem Noiserock dieser Tage parallel: Interims-Drummer Martin Atkins bringt die „Black Cassette“ der Post-Punks Killing Joke mit einigen Live-Aufnahmen auf der B-Seite als „Extremities: The Albini Demos And Live Beginnings ‘88“ auf Vinyl heraus, die Post-Hardcorer Fugazi reichen ihr späteres Album „In On The Kill Taker“ rein digital als „Albini Sessions (Benefit For Letters Charity)“ nach. Beide Aufnahmen entstanden in Chicago bei Albini.
Jomi – Den kærlighed – Glorious Records 2026
Von Matthias Bosenick (26.02.2026)
Was aus dem Noiserock alles so werden kann: Seit einigen Veröffentlichungen rückt die Kopenhagenerin Jomi, nunmehr ohne den Zusatz Massage, eigentlich Signe Høirup Wille-Jørgensen und ehedem Stimme von Speaker Bite Me, ihre Solo-Aktivitäten in Richtung Jazz. „Den kærlighed“, „Diese Liebe“, ist die dritte Veröffentlichung seit 2021, auf der sie fein ziselierte, wunderschöne, kontemplative bis kraftstrotzende Popmusik macht, die sehr starke Jazz-Anleihen hat. Man ist sofort gefangen von diesen 13 Stücken und Jomis Stimme.
Teen Prime – No. 6 (Split with Disonancia Expansiva)/No. 11 – Teen Prime 2026
Von Matthias Bosenick (23.02.2026)
Nach „Let’s Just Werewolf Them“ fällt das Duo Teen Prime in seiner Veröffentlichungsbenennung endlich wieder in die eigene Tradition zurück und nummeriert durch, was so herauskommt: Mit „No. 11“ gibt’s eine neue LP – und mit „No. 6“ füllen Sebastian Fäth und Jörg A. Schneider endlich die klaffende Lücke in der Reihenfolge, und zwar, indem sie es als Split-Tape mit Disonancia Espansiva aus Benicarló in Spanien, auf halber Strecke zwischen Barcelona und Valencia gelegen, herausbringen. Auf beide Projekte lässt sich das Etikett Impro-Noise-Jazz anheften.
Yo La Tengo – Old Joy – Mississippi Recods 2025
Von Matthias Bosenick (18.02.2026)
Knapp zehn Jahre nach dem Film gibt’s jetzt den instrumentalen Soundtrack zu „Old Joy“, quasi live eingespielt von der Indierock-Instanz Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey, plus Gitarrist Smokey Hormel. Zumindest erstmals separat und auf Vinyl, denn die Tracks waren – in kürzerer Fassung – bereits 2008 auf der Soundtrack-Sammlung „They Shoot, We Score“ zu haben. Aber pinkes transparentes Vinyl kickt einfach mehr.
The Wedding Present – Maxi – Clue Records 2025
Von Matthias Bosenick (20.01.2026)
Nach „Mini“ kommt „Maxi“, was hier doppelt zutrifft: The Wedding Present veröffentlichen ihre neuesten sechs Songs als 10“. Nach dem Mammutwerk „24 Songs“ sei es den englischen Indierock-Veteranen gegönnt, sich zu reduzieren – eine tolle Platte ist es ja trotzdem geworden. Quasi das Geschenk zum 40. Geburtstag der Band, aus deren Gründungszeit längst nur noch George Best, äh: Sänger und Gitarrist David Gedge übrig ist. Den Spirit, der The Wedding Present ausmacht, bleibt aber in jeder Besetzung erhalten.
Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025
Von Matthias Bosenick (13.01.2026)
„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.
Bill Leeb – Machine Vision – Metropolis 2025
Von Matthias Bosenick (06.12.2026)
Ein erstes Solo-Album von Bill Leeb? War nicht „FLAvour Of The Weak“ von Front Line Assembly 1997 eigentlich bereits ein Solo-Album, nur unter seinem Namen? Schließlich ist er der Bandkopf, so sehr der vor 25 Jahren aus- und zwischenzeitig wieder eingestiegene Rhys Fulber als vollwertiges Mitglied gelten mag. Der trägt drei von fünf Remixen auf der Begleit-EP „Machine Vision“ bei und rückt diese 12“ dadurch wieder näher in Richtung dessen, was man von Front Line Assembly erwartet. Die anderen – wären teilweise nicht nötig gewesen. Es zeigt sich einmal mehr, dass der EBM-Electro-Erneuerer (von Industrial sprechen hier nur Nordamerikaner) aus Vancouver in jüngerer Zeit die Muse verlor.
The Notwist – Magnificent Fall – Alien Transistor 2025
Von Matthias Bosenick (29.12.2025)
Nur wenige Wochen vor ihrem neuen Studioalbum „News From Planet Zombie“ kompilieren die wandlungsfähigen Weilheimer The Notwist einige seit 2002 erschienene B-Seiten, Remixe und Raritäten auf der dreiseitig bespielten chilligen Doppel-LP „Magnificent Fall“. IDM, Ambient, Shoegaze, Neoklassik, Hip Hop, Jazz: Sag es, es ist drauf, bis auf den alten Kumpel Hardcore, und immer eins besser als bei anderen. Vollständig natürlich auch nicht, aber es erfreut die Sammelnden.












