Martina Verhoeven Quintet – Indicator Light: Live at Paradox 2023 – A New Wave Of Jazz 2024

Von Matthias Bosenick (30.01.2025)

Wo treibt sich das Antwerpener Wunderkind Dirk Serries denn noch überall herum? Im Free-Jazz-Projekt Martina Verhoeven Quintet zum Beispiel, wie kommt er dazu? Ah – er ist mit der Bandleaderin verheiratet, so kommt der Ambient-, Drone- und Proggitarrist also in den Jazz. „Indicator Light“ ist eine dreiviertelstündige Live-Improvisation, die den herkömmlichen Musikstrukturen so gut wie alles wegnimmt und eine dennoch hörbare Kakophonie errichtet, mit Schlagzeug, Piano, Saxophon, Kontrabass und eben Gitarre. Ornette Coleman grinst sich eins.

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LLL – Shaping Colours – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (27.01.2025)

Drei Musiker, die noch nie miteinander musiziert haben, stehen zusammen auf einer Bühne, improvisieren an ihren Hauptinstrumenten herum und wissen, dass ihr Auftritt für eine Veröffentlichung mitgeschnitten wird. Hört man sich das daraus hervorgehende Album „Shaping Colours“ an, kann man sich das gar nicht vorstellen. Die vor einem Jahr in Mailand entstandene Musik ist langsam, dunkel, weitgehend beatlos, ambientartig, jazzig, neoklassich, experimentell und gleichzeitig herausfordernd und chillig. LLL nennen sich die drei deshalb, weil alle Vornamen mit jenem Buchstaben beginnen (und nicht etwa wegen Lucius et Licinius et Lucullus): Lorenzo Feliciati, Luca Calabrese und Luca Formentini.

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Marla van Horn – Retrospection – Slithering Black Records 2024

Von Matthias Bosenick (15.01.2025)

Kann man sich beim ersten Anhören gar nicht so recht vorstellen, dass es bei der Musik von Marla van Horn immerzu um so Dunkelheiten geht, Blut, Rost, Hades, Tod und Verderben – so ätherisch, wie die polnische Designerin zu fragilen Soundscapes haucht. Na ja gut, okay, die Soundscapes sind schon reichlich dunkel, obschon beim ersten Eindruck etwas Sakrales mitschwingt. Aber dann dringen gelegentlich so beklemmende Elemente in ihre Choräle ein, da weiß man: So richtig auf der Sonnenseite steht die Künstlerin dann eher doch nicht. Für das Label Stlithering Black Records stellte Marla von Horn eine „Retrospection“ mit neun Tracks aus den zurückliegenden vier Jahren zusammen.

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Super Florence Jam – 60 Big Ones – Bird’s Robe Records 2024

Von Matthias Bosenick (09.12.2024)

Zwölf Jahre nach den Aufnahmen erblickt diese dritte und letzte EP des Quartetts Super Florence Jam – in Eigenschreibweise: super FLORENCE jam – aus Sydney das Licht der Öffentlichkeit. Sechs Songs, die laut Band allesamt zehnmal größer sind als andere, sollen also „60 Big Ones“ ergeben – und sind doch nur typischer Nuller-Indie-Poprock, mit bisweilen eindeutig benennbaren Einflüssen und einem rotzigen Power-Gebaren. Man wundert sich, dass die Veröffentlichung so lang dauerte, schließlich besteht die Hälfte der Band aus den Gründern des Labels Bird’s Robe Records. Selbstbewusstsein haben die vier auf jeden Fall!

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Jisei – Jisei – Cold Smoke Records 2024

Von Matthias Bosenick (03.12.2024)

Sobald man liest, Bertrand Pot, der einzige Kopf hinter dem Projektnamen Jisei, habe die Bedeutung des gleichnamigen japanischen Konzeptes in Musik umsetzen wollen, nämlich, eine letzte Nachricht kurz vor dem Suizid oder absehbaren Ableben, erwartet man von der selbstbetitelten Debüt-EP etwas andere Musik – schwermütig ist sie, aber nicht so düster. Kalte Elektronik bestimmt den letzten Gruß an die Hinterbliebenen, fanfarenartige Soundscapes, minimalistische Beats, ein Synthie-Ausflug ins All, in andere Welten mithin. Das Finale gerät sogar überraschend freundlich.

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Sacred Buzz – Radio Radiation EP – Fuzzed Up/Astromoon Records 2024

Von Matthias Bosenick (27.11.2024)

Hier ist sie nun also, die angekündigte EP zur 7“ mit demselben Titel, „Radio Radiation“, des von Berlin aus agierenden Quartetts Sacred Buzz. Die beiden Vinyl-Tracks sind mit drauf, dazu vier neue, die sich allesamt in einer wie in den Sechzigern ausgestatteten Garage wohlfühlen, mit Verzerrer und mit Orgel, mit Psychedelik und mit fuzzy Rock’n’Roll. Und alles live im Studio eingespielt.

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OWD – Four – Antibody Label 2024

Von Matthias Bosenick (20.11.2024)

Die Vier steht im Zentrum der ersten EP, die der Brüsseler Sylvain Oswald Derez unter seinem Alias OWD veröffentlicht: „Four“ heißt sie, vier Stücke sind drauf und alle Tracks sind mit vierbuchstabigen Wörtern betitelt. Laut Info macht Derez Techno, doch sollte man sich da nicht ins Bockshorn jagen lassen: Davon ist „Four“ sehr weit weg. Rhythm’n’Noise, Glitch, Drone, IDM, der junge Tüftler tobt sich in Bereichen aus, die nicht eben mehrheitsfähig sind. Und das macht er auch noch gut.

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Anthony Miller – Cyanotypes EP – Mill Hill Records 2024

Von Matthias Bosenick (18.11.2024)

Schalt dein Radio ein: Drei entspannte Songs kredenzt Anthony Miller auf seiner jüngsten EP „Cyanotypes“, klassisch eingeleitet durch ein Intro mit einer Anmoderation wie im Radio. Seine Musik dürfte weitestgehend im nordamerikanischen Folk angesiedelt sein, jedoch nur so weit, dass er dabei Klischees umgeht und seinem Wohlklang eine Basis immerhin auf Holzinstrumenten gibt. Man hört ein Banjo, ja, jedoch unaufdringlich, songdienlich. Cello, Schlagzeug, Akustikgitarre, Chorgesang, die Welt des Gifhorners ist warm, weich, umfangend, kitschfrei.

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Durchströmungen III: Magnetschweben – Separated Beats 2024

Von Matthias Bosenick (22.10.2024)

Ben Bekeschus dreht auf: Den dritten Teil seiner Compilation-Reihe „Durchströmungen“ mit dem Titel „Magnetschweben“ versieht der vielseitige Berliner Electro-Bastler mit einer Steigungskurve, die von ruhigem, chilligem Ambient aus die Bandbreite seines Spektrums abbildet, an Energie zulegt und über Minimal Electro, Downbeat und Hip Hop bei Big Beat und Techno landet. Als Basis dient ihm dieses Mal, wie beim ersten Teil, sein Alias Aus.Gleich, dem er eigene Tracks sowie Remixe anderer Künstler widmet. Ein Weckruf mit achtzigminütigem Anlauf!

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Chaos Shrine – Shadows Of The Invisible – EEEE 2024

Von Matthias Bosenick (17.10.2024)

Zwei unveröffentlichte Songs und einen Remix kombiniert das Turiner Duo Chaos Shrine, bestehend aus dem klassisch ausgebildeten Komponisten Andrea Cauduro und dem Expermentalmusiker Paul Beauchamp, zu einer EP, bevor es sich an das zweite Album macht: „Shadows Of The Invisible“ ist ein feiner Titel für diese Art von abstrakter Musik, die man leicht in die Industrial-Schublade legen kann, obwohl die viel zu eng für die Musik hier ist. Die beiden ersten Tracks sind überraschend rhythmisch, das Wort Remix hingegen blendet die Erwartungen, denn tanzbar ist der Bonus-Track mitnichten. Rework passt da als Bezeichnung viel besser.

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