Tineke De Meyer – Inland Island – Antibody Label 2025

Von Matthias Bosenick (07.12.2026)

Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: „Inland Island“ braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. Eigentlich war „Inland Island“ eine von der Ghenter Künstlerin Tineke De Meyer konzipierte Mischung aus Performance und Installation, bei der eine Handvoll Menschen mit Kopfhörern um einen selbstleuchtenden Tisch herum saßen und den Anweisungen einer körperlosen Stimme folgten. Das kann die Hörerschaft nun tischlos mithilfe dieser Audiospur nachvollziehen, die die artifizielle Stimme und die kaum weniger virtuelle Musik des Duos Zonderwerk beinhaltet.

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Kwoon – Unplugged From The Moon – Kwoon 2025

Von Matthias Bosenick (05.12.2025)

Nach 20 Jahren Existenz darf man auch mal zurückblicken. Die Pariser Post-Rock-Band Kwoon unternimmt dies, indem sie ausgewählte Stücke ihrer Discographie in einer akustisch-reduzierten Version neu einspielt, kwasi: „Unplugged From The Moon“. Für die Hörenden, die die Originale nicht kennen, ist dies ein schöner Anlass, sich mal mit dem Oeuvre der Band zu befassen – oder einfach diese zehn melancholischen Chansons mit Akustikgitarre, Besenschlagzeug, Cello und entrückt-introvertiertem Gesang zur winterlichen Untermalung zu verwenden.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gegner Ich – flüstern & SCHREIEN

Von Onkel Rosebud

„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)

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Bruecken – Years That Answer – Moment Of Collapse Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.12.2025)

Ja, „Years That Answer“ trägt einige typische Aspekte von Post-Rock, die Eigen-Einteilung des Oldenburger Instrumental-Quintetts Bruecken trifft da grundsätzlich zu. Nur wissen auch Bruecken, dass dieses Genre allmählich so seine Abnutzungserscheinungen aufweist, und bringen es daher mit veränderter Rezeptur dar: mehr Metal, mehr Gravitation, mehr Bodenhaftung mithin, die der entrückten, emotionalen Schwerelosigkeit dieses Genres das nötige Gegengewicht verleiht. So hört man doch gern wieder hin.

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The Imperial Mustard – Turn The Stone – SlagRec 2025

Von Matthias Bosenick (30.12.2025)

Wer braucht schon Kompositionen, wenn man ein schlüssiges Space-Kraut-Rock-Album wie „Turn The Stone“ auch schlichtweg im Studio vom Universum empfangen und direkt auf die Magnetspule bannen kann? Auf diese Weise verfährt die Rhein-Main-Band The Imperial Mustard seit 2011. So viel Erfahrung und Fachwissen aus allen möglichen Genres bringen die Musizierenden hier ein, dass man das Improvisierte nicht einmal ahnt.

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Aeon Temple – Resurfaced – Broken Music/Aeon Temple 2026

Von Matthias Bosenick (29.12.2025)

„Resurfaced“ klingt nicht nach Debüt, weder vom Titel her noch musikalisch. Ersteres trifft sogar ein Bisschen zu, denn das Quartett Aeon Temple gibt es schon seit einem Dutzend Jahren, und zehn Jahre vor diesem Debüt-Album erschien mit „Æon Temple“ bereits eine EP. Nun treten die Essener mit „Resurfaced“ an die Oberfläche – und kombinieren darauf bluesbasierten Stoner, kontemplativen Post-Rock und wuchtigen Metal. Das Tüpfelchen auf der schmackhaften Melange ist der Gesang von Claudia Weber.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Love By Geyer – die coolste Musik der DDR

Von Onkel Rosebud

Die Berliner New-Romantic-Band „Die Vision“, die wegen Klang und Rhythmus englisch sang, ist meine Zweit-Lieblingsband aus dem Land, was es nicht mehr gibt. Weil am nahesten dran an Joy Division, obwohl ich den Ian-Curtis-Kosmos erst nach Songs wie „Love By Wire“ oder „After The Sunset“ kennengelernt habe.

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Biohazard – Divided We Fall – BLKIIBLK Recordings 2025

Von Matthias Bosenick (22.12.2025)

Hand hoch, wer Biohazard überhaupt noch auf dem Schirm hatte! 13 Jahre vergingen seit dem letzten Studioalbum „Reborn In Defiance“, 20 seit dem vorletzten „Means To An End“, und plötzlich liegt „Divided We Fall“ vor und klingt, als wäre es immer noch 1992. Die Stärke der Brooklyner Hardcore-Band war seit jeher, dass sie sich nicht auf das Genre Hardcore beschränkte, sondern ebenso in Richtung Crossover aktiv war und die Härte und das Gniedeln des Metal zuließ. Tja, und so verhält es sich auch auf dem neuen Album, exakt so und nicht anders. Komisch: Es fällt schwer, das Album und die Band dafür Scheiße zu finden. „Divided We Fall“ geht in die Fresse, das gelingt Billy Graziadei, Evan Seinfeld, Bobby Hambel und Danny Schuler auch mit Ende 50 noch wie damals.

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Hum – … Three – Tonzonen Records 2025

Von Matthias Bosenick (17.12.2025)

Falsche Zahlenspielereien mit der Drei: Bei den Traveling Wilburys folgt „Vol. 3“ als zweites Album auf „Vol. 1“, die Violent Femmes nennen ihr viertes Album „3“, und Hum, Eigenschreibweise HUM, aus Frankfurt am Main bringen ihr zweites Album mit dem Titel „… Three“ heraus. Drei Beispiele, drei verschiedene Genres, denn Hum – überdies ein Trio – machen Stoner Rock, aber eben nicht nur, da stecken sicherlich drei Genres drin, mindestens. Zudem sind Hum keine Puristen und integrieren auch moderne Technik in ihre bewusstseinserweiternde abgedunkelte Gitarrenmusik, was jene ihrerseits erweitert.

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Moon’s Mallow – Live @ Resilienza – Moon’s Mallow 2025

Von Matthias Bosenick (16.12.2025)

Mit dieser Veröffentlichung ehrt Gioia Coppola seinen Freund Claudio Colaianni – davon ist zumindest auszugehen, denn vermerkt ist dies nicht. „Live @ Resilienza“ dürfte einer der ersten Auftritte sein, die Coppola mit seiner Band Moon’s Mallow ohne Colaianni bestritt. Hier bekommt der folkige, psychedelische Anti-Britpop der Band aus Bari eine ergänzende Unmittelbarkeit und Rauheit, die Songs springen einem auch aus der Konserve ins Gesicht, es ist, als sei man mittendrin.

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