Cruenta Venganza – Legend – Cruenta Venganza/Bitume Prods 2025/2026

Von Matthias Bosenick (16.01.2026)

Das ist mal ein Konzept mit langem Atem, und beinahe ist es sogar ebenbürtig bemerkenswert wie die Mucke: Begleitmusik für die Filme um die Figur „Machete“ erstellt das Berliner Duo-Projekt Cruenta Venganza, folgerichtig auf Spanisch „Blutige Rache“ getauft, und zwar mit Death Metal. „Legend“ nun begleitet den fiktiven dritten Teil der Kinofilmreihe, „Machete Kills Again … In Space“. Könnte man als ein Scherzprojekt abtun, wäre die Musik nicht so geil ins Gesicht: Dieser Death Metal vereint noch so einige andere Auswüchse unter seinem Hut und gefällt auch ohne den vergnüglichen Hintergrund.

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Reichenhall – Motormorla – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (15.01.2026)

Die Geschichte hinter „Motormorla“, dem drölfzehnten Album der Berliner Band Reichenhall in gefühlt drei Komma neun Monaten, ist großartig: Bei der titelgebenden Kreatur handelt es sich nämlich um ein mystisches Wesen, das in einem ewigen Stau gefangen ist und über ein altes Autoradio Sounds, Stimmen und Geschichten der sich Vorbeiquälenden aufsaugt. Damit ist dieses Album eine Kombination aus Ambient, Krautrock, IDM, Hörspiel und Avantgarde-Experiment, das nicht nur am Rande der Kreuzung von A1 und A2 zu unterhalten weiß.

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Argus Megere – Cerburea apusului – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (14.01.2026)

Wenn Atmospheric Black Metal sich so verzweigt darstellt wie auf „Cerburea apusului“, „Das Leuchten des Sonnenuntergangs“, dem neuen Album der Band Argus Megere aus Timișoara in Transsilvanien, dann steht nicht zu befürchten, dass dem Genre die Puste ausgeht. Die Rumänen verbinden Alcest-Ruhe mit klassischer Black-Metal-Brutalität, Pop-Transparenz und Folklore-Elementen und versehen selbst die bösen Passagen noch mit herzerwärmender Schönheit. Nächstes Jahr wird die Band 30 Jahre alt, da steckt also eine Menge Erfahrung in diesem Album, und das hört man.

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Faz Waltz – Strike Ten – Head Perfume Records/Melody Bunker 2025

Von Matthias Bosenick (13.01.2026)

„Strike Ten“ ist tatsächlich bereits das zehnte Album der brennbaren Rock’n’Roll-Konservatoren Faz Waltz aus Cantù in Italien. Seit 2007 zieht das Trio, angeführt von Faz La Rocca, sein Konzept durch: pianogetriebener Rock’n‘Roll wie aus den Fünfzigern und Sechzigern, alle damaligen Spielarten abdeckend, bisweilen garagig übersteuert. Man wähnt sich auf Zeitreise: Der Geist von Tupelo weht über den Gewässern, der sämtlicher weiterer Rock’n’Roll-Erfinder hinterdrein.

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Juan Dahmen – Ad astra – Iapetus Media 2025

Von Matthias Bosenick (12.01.2026)

Da sitzt der Mann allein mit seiner Gitarre und einem Effektgerät in der Gegend herum, dehnt Töne ins Unendliche und macht daraus ein Album. „Ad astra“ nennt Juan Dahmen aus Albacete in Spanien sein neues Album, das komplett aus Ambient besteht, der gar keine Konturen mehr hat, sondern wie vertontes Licht klingt. Es ist wie die Reise in eine bessere Welt: Hier ist alles gut.

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Green Eyes Of Darkness – Fire Waves – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (08.12.2026)

„Symphonic Gothic Doom Metal“ steht auf der Schublade, in die Green Eyes Of Darkness ihr Debüt-Album „Fire Waves“ stecken. Reicht eigentlich schon, weiterskippen. Aber nee: Das Etikett verschweigt den Death Metal, der hier die Oberhand zu gewinnen sucht – zumindest eingangs. Über diverse weitere Metal- und andere Spielarten landet die personell offene Band aus Bukarest dann irgendwann doch beim Kitsch – und am Ende ist man froh, dasselbe erreicht zu haben.

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Tineke De Meyer – Inland Island – Antibody Label 2025

Von Matthias Bosenick (07.12.2026)

Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: „Inland Island“ braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. Eigentlich war „Inland Island“ eine von der Ghenter Künstlerin Tineke De Meyer konzipierte Mischung aus Performance und Installation, bei der eine Handvoll Menschen mit Kopfhörern um einen selbstleuchtenden Tisch herum saßen und den Anweisungen einer körperlosen Stimme folgten. Das kann die Hörerschaft nun tischlos mithilfe dieser Audiospur nachvollziehen, die die artifizielle Stimme und die kaum weniger virtuelle Musik des Duos Zonderwerk beinhaltet.

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Kwoon – Unplugged From The Moon – Kwoon 2025

Von Matthias Bosenick (05.12.2025)

Nach 20 Jahren Existenz darf man auch mal zurückblicken. Die Pariser Post-Rock-Band Kwoon unternimmt dies, indem sie ausgewählte Stücke ihrer Discographie in einer akustisch-reduzierten Version neu einspielt, kwasi: „Unplugged From The Moon“. Für die Hörenden, die die Originale nicht kennen, ist dies ein schöner Anlass, sich mal mit dem Oeuvre der Band zu befassen – oder einfach diese zehn melancholischen Chansons mit Akustikgitarre, Besenschlagzeug, Cello und entrückt-introvertiertem Gesang zur winterlichen Untermalung zu verwenden.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gegner Ich – flüstern & SCHREIEN

Von Onkel Rosebud

„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)

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Bruecken – Years That Answer – Moment Of Collapse Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.12.2025)

Ja, „Years That Answer“ trägt einige typische Aspekte von Post-Rock, die Eigen-Einteilung des Oldenburger Instrumental-Quintetts Bruecken trifft da grundsätzlich zu. Nur wissen auch Bruecken, dass dieses Genre allmählich so seine Abnutzungserscheinungen aufweist, und bringen es daher mit veränderter Rezeptur dar: mehr Metal, mehr Gravitation, mehr Bodenhaftung mithin, die der entrückten, emotionalen Schwerelosigkeit dieses Genres das nötige Gegengewicht verleiht. So hört man doch gern wieder hin.

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