Von Matthias Bosenick (16.10.2023)
„Motion in the ocean / oooh-aaah!“ Mit den B-52’s hat das westnorwegische Projekt Ocean Of Lotion abseits der Phonetik indes nichts zu tun. Die Band aus Bergen wagt zwar auf ihrem zweiten Album „LouiLouiLoui“ einen Blick zurück in die Achtziger, aber in die synthetisch grundierten federleichten. Ein Bisschen Aneka, ein Bisschen Fancy, ein Bisschen Grauzone, ein Bisschen Queen, mit etwas E-Gitarre, ab und zu ein Saxophonsolo, zweistimmiger Gesang, instant Ohrwurmgarantie, hedonistische Gute-Laune-Brausepulver-UFOs und „Cats In Space On Synthesizers“. Noch Fragen?
Archiv des Autors: Van Bauseneick
Alkaloid – Numen – Season Of Mist 2023
Von Guido Dörheide (15.10.203)
Extreme Metal aus Deutschland ist manchmal schon sehr extrem und manchmal auch einzigartig. Wir erinnern uns an Necrophagist, auf deren drittes Album wir seit 2004 warten wie dereinst auf eine weitere musikalische Äußerung von Syd Barrett, und an die immer noch aktiven Obscura, die uns seit ebendiesem 2004 mit immer weiteren tollen Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Technical Death Metal begeistern.
Alkaloid ist eine deutsche Extreme-Metal-Supergroup, die 2015 mit „The Malkuth Grimoire“ für Aufsehen gesorgt hat und die ihren exzellenten Ruf 2018 mit „Liquid Anatomy“ weiter festigen konnte. Wer sind nun diese „Alkaloid“? Es handelt sich um niemand Geringere als Hannes Grossmann (dr), Ex-Obscura, Ex-Blotted-Science (zusammen mit Ron Jarzombek, DEM Ron Jarzombek von Watchtower und Spastic Inc. [NIIEEMALS zu verwechseln mit Mono Inc.] UND Alex Webster von (!!!!) Cannibal Corpse), Christian Münzner (git) (Ex-Obscura, Ex-Spawn-Of-Possession, Ex-Necrophagist), Linus Klausenitzer (b) (Ex-Obscura) sowie Morean (voc, git) am Gesang und der Gitarre. Alkaloid klingt also zunächst von der Papierform mal etwas Obscura-lastig, aber so hören sie sich nicht an. Münzner ist einer DER deutschen Extreme-Metal-Gitarristen, und Hannes Grossmann ist in etwa Münzners Entsprechung als Schlagzeuger. Beide haben Soloalben herausgebracht, auf denen man sich von ihrer Fähigkeit als Bandleader überzeugen kann, und mit Linus Klausenitzer haben beide bei „Eternity’s End“ zusammengespielt. Eine illustre Runde nicht ganz so alter Männer also, die hier bei Alkaloid versammelt ist.
WeiterlesenCannibal Corpse – Chaos Horrific – Metal Blade Records 2023
Von Guido Dörheide (14.10.2023)
Seit nun schon sagen wir mal 1988 gibt es Cannibal Corpse, seit 1991 machen sie Alben, zunächst mit Chris Barnes als Sänger (jetzt SFU – Sachen für Unterwegs Six Feet Under), wir erinnern uns an wunderbar geschmackvolle und dezente Kleinodien wie „Hammer Smashed Face“, „I Cum Blood“ oder „Fucked With A Knife“ – nicht nur Tipper Gore (hihi, die muss mit DEM Nachnamen ausgerechnet rumpupen, wenn es um blutrünstige Lyrik und geschmackloses Album-Artwork geht), sondern auch Christa Jenal aus dem Saarland waren empört und in Deutschland konnte lange Jahre kein CC-Album mit dem Originalcover erscheinen – und seit nun auch schon 1995 ist der stiernackige Erzsympath George „Corpsegrinder“ Fisher Sänger bei Cannibal Corpse. Er klingt nicht weniger brachial als sein Vorgänger, aber irgendwie berechenbarer, bodenständiger und vor allem (OK, eventuell ist das der sich wandelnden Produktion der CC-Alben zu verdanken) auch hörbarer.
WeiterlesenSulphur Aeon – Seven Crowns And Seven Seals – Ván Records 2023
Von Guido Dörheide (13.10.2023)
Zinker? Baxxter? Kerkeling? Nein, meine Damen und Herren, verehrte Lesende: Die Rede ist von H.P. Lovecraft, heuer nun schon zum zweiten Mal innerhalb von nur zwei Tagen. Nicht nur die französische Post-Black-Metal-Band Blut aus Nord beruft sich auf den großen Literaten, sondern auch die nordrheinwestfälische Blackened-Death-Metal-Institution Sulphur Aeon, deren neues Werk „Seven Crowns And Seven Seals“ (nicht zu verwechseln mit „Seven Brides For Seven Brothers“) ein schleimiges Schlabbermonster auf dem überaus geschmack- und stimmungsvollen Cover trägt, das geradewegs den Erzählungen über den Cthulhu-Mythos entsprungen zu sein scheint.
Weiterlesen100 Guitares Sur Un Bateau Ivre – Bateau Ivre – Daaganda Records 2023
Von Matthias Bosenick (13.10.2023)
Es sind sogar 117 elektrifizierte Gitarren, die an diesem Projekt beteiligt sind, und man muss in der Tat darüber lesen, bevor man sich das Album anhört, weil man sonst nicht erfasst bekommt, was man sich da gerade vor Ohren führt. Zwar steht „Bateau Ivre“ auch für sich allein als angenehm goutierbares musikalisches Experiment da, doch bekommt es mit den Hintergrundinfos mehr Seegang: Hinter 100 Guitares Sur Un Bateau Ivre, kurz GSUBI, steht Projektleiter Gilles Laval, der seine Wurzeln in der Punkszene von Lyon hat und seit 2017 für diese Vertonung des Gedichtes „Das trunkene Schiff“ von Arthur Rimbaud durch mehrere französische Städte zog und mit lokalen und ihn begleitenden E-Gitarristen die turbulente Ozeanreise des bedichteten Wassergefährtes nachzeichnete. Das nach dem Gedicht „Bateau Ivre“ benannte Album, das nun als ein Ergebnis vorliegt, ist überraschend ausdifferenziert: 100 Gitarren auf einmal wären Soundbrei, und den gibt es hier nicht. Herkömmliche Rockmusik indes auch nicht, und hier steigt man gern ins Saufboot ein, wohl wissend, dass es in den finsteren Abgrund geht.
Blut aus Nord – Disharmonium – Nahab – Debemur Morti Productions 2023
Von Guido Dörheide (12.10.2023)
„The oldest and strongest emotion of mankind is fear, and the oldest and strongest kind of fear is fear of the unknown“. Sagt H.P. Lovecraft, und der weiß bekanntlich, wovon er spricht. Die französische Post-Black-Metal-Band Blut aus Nord tut, was sie kann, um Lovecrafts Worten Gewicht zu verleihen. Und diese Band kann viel. Zuvorderallererst mal schöne Albencover gestalten. „Das sieht aus wie die Horrorfilme, die ich immer ansehe“, sagte die Liebste gerade noch per Sprachnachricht, und Recht hat sie. Bereits mit dem Coverartwork sorgen Blut aus Nord für eine ganz bestimmte Stimmung, und dem setzen sie durch die Musik noch eine Krone auf (oder machen einen Knopf dran, wie mein Chef immer sagt). Ich will mich deshalb auch gar nicht groß über die lovecraftschen Themen, die Blut aus Nord immer wieder thematisieren, auslassen – denn davon verstehe ich zu wenig – sondern lieber von den düsteren Stimmungen schwärmen, die diese Band heraufzubeschwören in der Lage ist.
WeiterlesenSigur Rós – Átta – Krúnk 2023
Von Matthias Bosenick (12.10.2023)
„Ata, Ata, Ata / In die Kneipe geht der Vatter“, zitierten einst Studio Braun einen Fünfziger-Jahre-Beischlafverweigerungswitz, und der hat rein gar nichts mit „Átta“ zu tun, dem nach zehn Jahren Pause nunmehr achten („Átta“, Isländisch für acht, juhihu!) Album der isländischen Eskapismus-Postrocker Sigur Rós. „Juhihu“, kopfsingt Jónsi in beatlosen Watteräumen, und man stellt fest, dass man dem inzwischen reichlich entwachsen ist, was einem noch vor 20 Jahren so musikalisch die Seele streichelte. Hohe Töne machen glücklich, heißt es, das mag für einige Leute zutreffen, anderen hingegen gehen sie vielmehr auf die Nerven, und selbst als jahrzehntelanger Fan stellt man fest, dass man längst zur zweiten Kategorie gehört.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Endlich Witwer – Joachim Król kann auch weiterhin a-a-anders
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin sieht sich zu älteren Männern vom Schlag des Schauspielers Joachim Król hingezogen. Vor einigen Jahren sind wir extra nach Lappland an den See gefahren, um die Szene aus dem Film „Zugvögel … Einmal nach Inari“ (1998) nachzustellen, wo der von ihm gespielte Protagonist Hannes Weber im Rahmen des internationalen Fahrplan-Wettbewerbs am Zielort aus dem Bus steigt. Aber eigentlich beruht unser Kult für Joachim Günther Król aus Herne auf dem „Ostern“ (Western in die andere Richtung) „Wir können auch anders“ aus dem Jahr 1993. Er spielt darin einen westdeutschen Analphabeten Rudi „Kipp“ Kipp, der mit seinem Bruder „Most“ (Horst Krause) in einem Hanomag L 28 nach Wendelohe in MeckPomn fährt, um das Erbe der Großmutter anzutreten. Durch naiv-unbedachtes Verhalten kommt es zu den merkwürdigsten Verwicklungen voller unterschwelliger Komik. Regisseur Detlev Buck gab damals die Bewerbung ab, die deutsche Lücke zwischen Aki Kaurismäki und Quentin Tarantino zu füllen. Daraus wurde zwar leider nix (Stichwort fünf Bibi’n’Tina-Filme), aber wir guckten seitdem jeden Film, den wir in die Finger kriegen konnten, wenn Joachim Król mitspielt.
WeiterlesenBaroness – STONE – Abraxan Hymns 2023
Von Guido Dörheide (11.10.2023)
Geht es Ihnen auch so wie mir, dass Sie fortwährend Begriffe miteinander verwechseln, die Dinge beschreiben, die vollkommen verschieden voneinander aussehen? Oldenburg und Osnabrück, Weihnacht und Wehrmacht, Mastodon und Baroness? Nun, seien Sie völlig unbesorgt – sowas ist völlig normal und absolut kein Anzeichen einer Störung nach ICD 11. Was letztere beide betrifft, haben sie immerhin gemeinsam, dass es sich sowohl bei Mastodon als auch bei Baroness um Progressive-Metal-Bands handelt, die in Georgia beheimatet sind (Erstere in Atlanta, Zweitere in Savannah) und die Teile ihrer Wurzeln im Sludge haben und die bei mir wohl genau deshalb ähnliche Gefühle beim Hören ihrer Alben hervorrufen.
Sowohl bei Mastodon als auch bei Baroness fiebere ich jeder neuen Veröffentlichung immer schon Monate im Voraus gespannt entgegen – wohl wissend, dass eine Enttäuschung ausgeschlossen sein wird. Und so übererfüllt auch „STONE“, das neue Album von Baroness, meine Erwartungen um ein Vielfaches.
WeiterlesenHeatmiser – The Music Of Heatmiser – Third Man Records 2023
Von Guido Dörheide (10.10.2023)
Wir alle kennen dieses Meme (mir ist gerade so, als hätte ich erst unlängst einen Beitrag ganz ähnlich begonnen) – also dieses Meme mit der Katze und dem Text „Die Katze ging gerade rüber zu dem HomePod mini auf meinem Schreibtisch und miaute es an, und Siri sagte ‚Natürlich ist hier etwas Musik für Dich‘ und die Katze hockte sich auf die Fensterbank, Garbage und Elliott Smith hörend. Ich möchte nur wissen, wie lange das schon so lief.“
Bevor ich dieses Meme zum ersten Mal sah, hatte ich mich noch nie mit Elliott Smith beschäftigt, aber seitdem finde ich seine Musik großartig. Smith, der ungefähr genau vor 20 Jahren, am 21. Oktober 2003, unter nicht komplett geklärten Umständen, höchstwahrscheinlich aber durch Suizid, starb, spielte vor seiner Solokarriere in der Band Heatmiser aus Portland, Oregon. Sein Solowerk war hauptsächlich von melancholischem Indie-Folk geprägt, Heatmiser hingegen spielten leicht vom Hardcore beeinflussten Indie-Rock. In der Visions wurde die Musik der Band Mitte der 90er als „eine Symbiose aus den Beatles und Sebadoh“ bezeichnet – sehr schön, dass Sebadoh neben den Beatles als Referenz herangezogen wurden, und sehr schön, dass Sebadoh überhaupt als Referenz herangezogen wurden, hatte ich doch schon befürchtet, die Band wäre inzwischen zu Unrecht vergessen.
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