Soldout – Pull Down – Music-Records 2023

Von Matthias Bosenick (24.11.2023)

Mit „Si vous pensez que vous êtes trop vieux pour faire du Rock … alors vous l’êtes!“ zitieren Souldout, Eigenschreibweise SoldouT, aus Petite-Rosselle in Frankreich den Herrn Lemmy Kilmister, und deshalb rasieren sich die drei bis vier Männer kurzerhand Iros, kleiden sich in Denim und Leder und werfen mit „Pull Down“ ein Heavy-Rock-Debütalbum in den Ring, das das Ohrenmerk eher auf Spielfreude lenkt als auf Innovation, und genau deshalb ist das auch völlig in Ordnung so. Man hört die Einflüsse heraus, etwas unmetallisch gespielte frühe Metallica, etwas dreckigen Rock’n’Roll von Motörhead, den Riffrock von AC/DC, den Bluesrock von Rose Tattoo. „Pull Down“ groovt und rockt, kann man sich live in der Hardrock-Kaschemme um die Ecke bestens vorstellen.

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Simple Minds – New Gold Dream: Live From Paisley Abbey – BMG 2023

Von Matthias Bosenick (23.11.2023)

Welche Aussage ist besser: „Live klingt es exakt wie auf dem Album“ oder „Live ist es komplett anders als das Album“? Das hängt von der Vorlage ab: Wenn Yo La Tengo oder Sonic Youth ihre komplizierten Lärmsounds live werkgenau und verlustfrei reproduziert bekommen, kann man nur staunen. Wenn dies bei The Faint geschieht, glaubt man an Vollplayback. Und der Nutzen, einen Liveauftritt als Konserve zu Hause zu haben? Ist eigentlich nur gegeben, wenn es einen künstlerischen Mehrwehrt zu belauschen gibt. Die Simple Minds reproduzieren „New Gold Dream (81-82-83-84)“, ihren Scheitelpunkt zwischen elektronisch-monotonem Untergrund-Punk und Stadion-Rock, 40 Jahre später in veränderter Besetzung – nur Sänger Jim Kerr und Gitarrist Charles „Charlie“ Burchill sind auf beiden Alben zu hören – und veröffentlichen den Mitschnitt aus der Paisley-Abbey-Kapelle als Tonträger. Der ist acht Sekunden kürzer als das Original, weicht in Details von der Vorlage ab und klingt natürlich abgeklärter als die jugendliche Vorlage.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Epic-Fails – Musikwünsche an den DJ – Folge 1

Von Onkel Rosebud

Wie im Verlauf dieser kolumnistischen Retrospektive einer jahrzehntelangen DJ-Karriere schon das eine oder andere Mal durchsickerte, ist dem Autor Misanthropie nicht ganz fremd. Nun liegen bei mir nicht Bücher von Thomas Jelinek und Elfriede Bernhard auf dem Nachttisch, dafür von Max Goldt oder Peter Stamm. Von Ersterem ist aus dem Buch „Quitten“, Kapitel „Alte Pilze“, Vers „Hyppytyyny Huomiseksi“, überliefert, dass ein DJ maximal herausgefordert und erniedrigt werden kann, wenn man sich bei ihm Billy Joel mit dem Song „Uptown Girl“ wünscht. Ich habe sofort verstanden, was mein großes Vorbild, Onkel Max, bekannt für seine Kolumnen in „Ich und mein Staubsauger“, dann in der „Titanic“ und natürlich als Frontmann der besten NDW-Band der Welt, Foyer des Arts, damit meint: Der Schallplattenunterhalter, der dieses Lied spielt, wird einsam sterben.

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Anuseye – Right Place, Wrong Time – Go Down Records/Vincebus Eruptum 2023

Von Matthias Bosenick (22.11.2023)

Geil, geht gleich los mit einem Bass-E-Gitarre-Groove, wie man ihn sich mitreißender im psychedelischen Stoner-Rock-Bereich nicht ausmalen kann: Mit „Right Place, Wrong Time“ holen Anuseye aus Bari den Kiffermuckefan nicht nur da ab, wo er steht, sondern bringen ihn auch da hin, wo er hingehört: in erweiterte Zustände, aber mit Feuer nicht nur am Ende des Joints, sondern auch unterm Hintern. Es braucht vier Songs, um erstmals in zugedröhnt-taumelige Sphären abzudriften, und fünf, um sich mal vor dem Kühlschrank herumlungernd auszuruhen, ansonsten mostet das Quartett meistens mächtig vorwärts. Auch wenn Anuseye dem Genre treu dienlich sind, hört man sie immer heraus; liege es an Claudio Colaiannis zurückgelehntem Gesang, an den ungewöhnlichen Akkordfolgen oder an den immerhin noch dezent eingestreuten Experimenten. Das Vinyl ist türkis, die drei fehlenden Songs der Streaming-Variante dieser wechselvollen Reise um die Welt gibt’s im Download obendrauf.

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The Kinks – The Journey, Pt. 1 & 2 – BMG 2023

Von Guido Dörheide (22.11.2023)

„The Journey, Pt. 1“ (bereits im März erschienen) und „Pt. 2“ stellen mit insgesamt 70 Songs und über dreieinhalb Stunden Gesamtspielzeit alle bisherigen Greatest-Hits-Kompilationsalben der großartigen Band [The Kinks, Anm. d. Hrsgbr.] in den Schatten und sind darüber hinaus liebevoll remastered. Und bei „Lola“ heißt es auch „Coca Cola“ anstatt „Cherry Cola“, halt wie es sich gehört.

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DogMan – Luc Besson – F 2023

Von Matthias Bosenick (21.11.2023)

Nach rund 25 Jahren mal wieder ein guckbarer Film von Luc Besson! Damit war nicht zu rechnen, aber sein „DogMan“ unterhält gut und überrascht positiv. Um die Geschichte eines Mannes zu erzählen, dessen Freundeskreis aus – realen, nicht CGI-generierten! – Hunden besteht, greift er auf verschiedene Genres zurück, die jeweils einen Aspekt der biografischen Eckpunkte seiner Hauptfigur Douglas abdecken. Die Abstriche bei Plotholes und dem verpuffenden Ende nimmt man in Kauf, denn der Rest ist angenehme Kinounterhaltung.

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Treebeard – Nostalgia – Bird’s Robe Records 2023

Von Matthias Bosenick (20.11.2023)

Die Neigung zu Alcest klingt auf dem Debütalbum „Nostalgia“ des australischen Quartetts Treebeard an: Atmosphärischer Lärm, flirrende Gitarren, sehnsuchtsvolle Harmonien, der Blick auf die eigenen Schuhe gerichtet. Doch weil es Alcest ja schon gibt, reichern Treebeard ihren Post-Rock mit anderen Elementen an: etwas Doom, heavy groovende Riffs, dreckigen Rock’n’Roll, Psychedelik, analoger Ambient, und nichts davon in reiner Lehre, alles eingebunden in den Post-Metal, Post-Rock, verwebt, vermengt, erweitert. Dunkelheit und Hoffnung liegen hier beieinander, die weitgehend instrumentale Musik greift aus dem Abgrund heraus nach dem Himmel. Wehmut und, ja, „Nostalgia“ bestimmt auch. Bird’s Robe Records bringt das zwei Jahre alte Album der Band aus Melbourne jetzt kurz vor der Veröffentlichung des Nachfolgers auch international auf den Markt. Eine Entdeckung!

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Dolly Parton – Rockstar – Butterfly Records 2023

Von Guido Dörheide (19.11.2023)

Ich gebe ja gerne zu, dass ich mir jedes Mal von Neuem auf die Füße sabbere, wenn Dolly Parton mal wieder ein neues Album unter die Leute schmeißt – aber so gespannt wie dieses Mal war ich noch nie: Parton, mittlerweile 77 Jahre alt und seit nunmehr deutlich über 50 Jahren im Musikgeschäft tätig, wurde 2022 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen, ohne auch nur ein einziges Rock-Album aufgenommen zu haben, und tritt nun heuer an, das zu ändern. Und wie.

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Der Erfinder der Hook-Line oder Wie ich nicht Mittelstreckenläufer wurde. Peter Hook & The Light, „Substance 35th Anniversary“-Tour Live in der Reithalle, Dresden, 17. November 2023

Von Onkel Rosebud (17.11.2023)

Es kommt eigentlich nicht vor, dass ich Bammel vor einem Konzert habe. Bei Peter Hook, Mitbegründer von Joy Division und New Order, mache ich eine Ausnahme, denn er hat sich mit Band angesagt, um Songs von ebendiesen, meinen Ikonen der Popkultur, vorzutragen. Die Erwartungshaltung ist riesig und was wird das emotional mit mir machen? Joy Division waren das größte Versprechen der Musikgeschichte. Hauptsächlich wegen Ian Curtis‘ Bariton, der den depressiven Charakter der Musik, die die Band unverwechselbar machte, maßgeblich prägte. Peter Hook bediente damals den Bass. Sein Instrument wurde in den Songs oft als melodieführend eingesetzt. Er spielte auf den hohen Saiten und erzeugte diesen „Heavy-Chorus-Effekt“, die nach ihm benannte sogenannte „Hook-Line“. Dachte ich lange.

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Hence Confetti – Hence Confetti – Bird’s Robe Records 2023

Von Matthias Bosenick (17.11.2023)

Noch so ein Beispiel dafür, wie man die Corona-Isolation positiv nutzen konnte: Das Trio Hence Confetti aus Bathurst in Australien schloss sich während der Pandemie zusammen und nahm die selbstbetitelte EP isoliert voneinander auf. Kann man sich kaum vorstellen, so fein ausgearbeitet, die dieser progressive Metal hier ausfällt: Sehr viele atmosphärische Passagen, brettharter Djent, nackenbrecherischer Groove, viele nicht erwartbare Details. Ein respektabler Auftakt.

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