The Black YO)))GA Meditation Ensemble – Earth Portals – The Innervenus Music Collective 2017

Von Matthias Bosenick (17.10.2017)

Yogamusik für Leute, die bei Yogamusik aggressiv werden: Auf seinem zweiten Album verfeinert das Black YO)))GA Meditation Ensemble seine Herangehensweise an Soundscapes für Yogarituale. Hatte „Asanas Ritual, Vol. 1“ noch den Aufbau, der dem Titel folgte, erscheint „Earth Portals“ eher wie eine Experimentiergelegenheit für die Musiker. Entspannavantgarde quasi, mit Dröhnen, Lärm, dunklen Flächen, Hallchören, Geschepper, bedrohlicher Stimmung und erheblichem Gruselfaktor. Sowas kriegen Gruftbands nicht mehr hin. Funktioniert auch abseits der Yogamatte.

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Grass Harp: Cosmic Voyage – Live im Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg am 14. Oktober 2017

Von Matthias Bosenick (16.10.2017)

Ist das wirklich schon fast neun Jahre her? Seit Silvester 2008 gaben die ursprünglich Velpker Psychedeliker Grass Harp keinen Gig mehr in Wolfsburg (und auch sonst fast nirgendwo). Das angenehm würdevoll gereifte Quintett spielte Hits aus allen Schaffensperioden, also vom frühen Riffrock über den Fields-versetzten Stoner bis zur freakigen Disco. Wiederhören machte Freude, das Wiedersehen im Publikum aber auch. Unklar, was überwog. Ein schöner Abend, der alle Erwartungen erfüllte, es dabei aber auch beließ.

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Cryptic Brood – Brain Eater – Xtreem Music 2017

Von Matthias Bosenick (07.10.2017)

Zu dritt solch ein Spektakel veranstalten, herrlich! Cryptic Broods Variante von Metal vereint virtuos das Schnelle des Thrash, das Tiefe des Doom, das Schleppende des Sludge und den Spaß des Splatterfilms. Und wenn der Titel „Brain Eater“ hundertmal nach böse und blutrünstig klingt, man hört es dem Trio an, dass es eine Riesenfreude daran hatte, das Album einzuspielen. Das funktioniert, weil Cryptic Brood ihre Sache trotzdem ernstnehmen und die Musik schlüssig variantenreich im Sinne des Genres (oder besser: der Genres, eines allein reicht nicht) darbieten. Da bleiben keine Wünsche offen.

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LCD Soundsystem – American Dream – DFA/Sony 2017

Von Matthias Bosenick (05.10.2017)

Das war ein Abschied mit eingebauter Auferstehung, wenn man mal ehrlich ist: Die Wiederkunft von LCD Soundsystem war absehbar. Und selten sehnte man ein Comeback überhaupt herbei, schon gar nicht so innig wie das von James Murphy und Konsorten. „American Dream“ hat alles, was man an LCD Soundsystem liebt, und sogar noch viel viel mehr. Hier hat der Pop die Dunkelheit der wavigen Achtziger, die Disco die Virilität der funkigen Siebziger, die Komposition die Tiefe und Komplexität der intellektuellen Kunst und der Sound die Atmosphäre der tiefgründigen Seele. Unter allem liegt ein fordernder Groove. Hier tanzt man sich schlau.

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Der Weg einer Freiheit – Finisterre – Season Of Mist 2017

Von Matthias Bosenick (19.09.2017)

Es ist fast ein innerer Zwang, der einen dazu treibt, „Finisterre“ immer und immer wieder zu hören. Der Weg einer Freiheit schlagen einen anderen Weg im modernen Black Metal ein als die Blackgazer: Bei ihnen dominiert die Härte über die reine Soundfläche, „Finisterre“ geht unablässig mitten ins Gesicht. Die Kunst besteht darin, trotzdem atmosphärisch, melodiös und progressiv zu sein. Es gibt also nett in die Fresse. Auch, wenn‘s ums Ende der Welt geht.

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F.S.K. – Ein Haufen Scheiss und ein zertrümmertes Klavier – Martin Hossbach/Kompakt 2017

Von Matthias Bosenick (18.09.2017)

Industrial Free Jazz Indierock Disco Ambient? Das alles in einem dreiviertelstündigen Track, auf zwei LP-Seiten aufgeteilt, servieren F.S.K., die Avantgardeinstitution aus München seit 37 Jahren. Im gemächlichen Midtempo, das zum Kopfnicken eher verführt als zum Abhotten, ackert sich das Quintett entspannt durch einen Querschnitt seiner Möglichkeiten. Wie so oft bei der Avantgarde erstaunt auch hier, wie eingängig das Experiment sein kann.

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Roberta Bergmann – Braunschweig: Das Aus- und Weitermalbuch – Verlag Andreas Reiffer 2017

Von Matthias Bosenick (14.09.2017) / Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Zwei erste Gedanken: Schon wieder ein Malbuch? Und: ausgerechnet über Braunschweig? Malbücher sind seit Jahren ein Trend und das Stadtmarketing ist wohl Wunschleser, denkt man – vor dem Blättern. Danach ist alles anders: Ein „Aus- und Weitermalbuch“ konzipierte Tatendrang-Designerin Roberta Bergmann, sie ließ inmitten der noch farblosen Attraktionen Leerstellen, die der Nutzer selbst zu füllen hat. Der Stadt ringt sie und dem Nutzer verlangt sie damit neue Perspektiven ab. Das macht das Heftlein für mehr als Kinder und entfernt lebende Verwandte attraktiv. Und lustig.

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Therapy? – Communion: Live At The Union Chapel – Therapy? 2017

Von Matthias Bosenick (13.09.2017)

Ein zweigleisiges Schwert, das Therapy? hier zücken: Sie feiern ihre eigene Jugend, indem sie alte Songs zelebrieren, und tun dies in neuen Versionen, akustischen nämlich. Da kommen beide Gefühle auf: Nostalgie und Ausverkauf. Die Songs sind gut, die Darreichungsform indes ist nicht immer angemessen. Das Geheminsvoll-Düstere der frühen Songs geht verloren, das Singalong hat einen faden Beigeschmack, und doch strahlen die Stücke eine vertraute Kraft aus, für die man die Nordiren seinerzeit zu lieben lernte. Sie werden alt? Oder man selbst?

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Human – Human – Sireena/Broken Silence 2017

Von Matthias Bosenick (12.09.2017)

Unter dem formidabel googlebaren Namen Human taten sich Vater und Sohn Hönig aus Hagen zusammen: Ein Krautrock-NDW-Gitarren-Veteran sowie ein Beatproduzent und Gastgitarrist bei Rappern. Liest sich seltsam, aber in dieser Kombination dominiert keine von beiden Prägungen, und das macht „Human“ wieder interessant. Es ist noch nicht einmal ein irgendwie gitarrenlastiges Album geworden. So richtig rockig wird es erst im dritten Track, vielmehr erzeugen die beiden Hönigs flächige Räume, in denen sie sich gegenseitig unaufgeregt, untertourig und repetetiv agieren lassen. Mit gelegentlichen Ausflügen ins All.

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Solbrud – Vemod – Vendetta Records 2017

Von Matthias Bosenick (04.09.2017)

Wenn die ersten zweieinhalb Minuten aus dunklem, klaren Gitarrenplingpling bestehen und man sich im Anlauf auf ein Gothic-Album wähnt, wenn die volle Instrumentierung dann das Genregefühl nicht wesentlich verändert, trotz malmendem Sounds, wenn es weitere zwei Minuten braucht, bis endlich das Tempo der Bassdrum anzieht: Dann steckt man mitten im modernen Black Metal und im dritten Album der jungen Dänischen Band Solbrud. Hier geht es nicht um Brutalität der Brutalität wegen, hier geht es um Atmosphären und Groove, ums Fallenlassen und ums Wegdriften. Hier geht man auf im geordneten Lärm. Vier neue Stücke, die Solbruds Größe untermauern.

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