The Perc Meets The Hidden Gentleman & The Lavender Orchestra – Praha – Tribal Stomp/Shack Media 2018

Von Matthias Bosenick (17.12.2017)

Der ansonsten den angenehm in Schieflage geratenen Indierock mit Wavewurzeln bevorzugende Perc mit seinem Hidden Gentleman untermauert den Ruf seiner Vielseitigkeit mit dieser Live-CD: Mitgeschnitten bereits vor 25 Jahren, dringt hier die Vorliebe der beiden Hauptmusiker für progressiven und krautigen Rock deutlich durch. Auf seinem eigenen Label bringt Perc Tom Redecker dieses ursprüngliche Bootleg jetzt mit einem Song mehr und digital überarbeitet neu unter die Leute. Zu Recht!

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U2 – Songs Of Experience – Island 2017

Von Matthias Bosenick (15.12.2017)

Das Radio ist das offenkundige Ziel, das U2 mit „Songs Of Experience“ anstreben, wie schon mit dem Vorgänger „Songs Of Innocence“ und seinerzeit mit dem inzwischen beinahe volljährigen „All That You Can‘t Leave Behind“. An sich haben es die Rock‘n‘Roll-Multimillionäre nicht nötig, sich musikalisch anzubiedern, weil längst mehr als ausgebbar Schäfchen im Trockenen (und moralisch Verwerflichen). Die Nummer Sicher steht ihnen einfach nicht, der Eigensinn fehlt hier nahezu vollkommen. Keine Linie auf dem Horizont.

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Nine Inch Nails – Not The Actual Events/Add Violence – The Null Corporation 2017

Von Matthias Bosenick (04.12.2017)

Zwei EPs zum Preis von und in der Spielzeit eines Albums: Trent Reznor macht die jüngsten Vinyl-Veröffentlichungen seines dem US-Industrial zugeordneten Hauptprojektes Nine Inch Nails jetzt auch für Europäer physisch zugänglich, wenn auch lediglich als CDs. Hier bekommt man alles, was man kennt. Und das ist genau das Problem. Ist ja alles recht nett und niveauvoll zusammengetackert, aber mit Blick auf das vor allem schon länger zurückliegende Werk ohne Innovationen. Und ohne den emotionalen und narrativen Zusammenhalt, den Alben wie „The Fragile“ und besonders „The Downward Spiral“ so exorbitant gut machten.

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Goethes Erben – Lazarus – Dryland Records 2017

Von Matthias Bosenick (14.11.2017)

Schön, dass Erwachsene zum Meinungswechsel in der Lage sind: Unter anderem als Reaktion auf illegale Downloads und entgangene Umsätze legte Oswald Henke vor zwölf Jahren seine Goethes Erben auf Eis und wies sämtliche künftige Tonträgerveröffentlichungen als utopisch von sich, inzwischen lässt er beides wieder zu. Die jüngste Veröffentlichung seiner neu besetzt reanimierten Neue-Deutsche-Todeskunst-Band ist eine 12“ mit zwei Stücken, ein sehr kraftvolles zur politischen Lage und eines ohne das Trademark, für das man die Band vor über 25 Jahren ins Herz schloss. Bonus: Die anschaulichen optischen Gimmicks kann man nicht downloaden.

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The Blow Monkeys – The Wild River – Monks Road Records 2017

Von Matthias Bosenick (10.11.2017)

Trotz einiger Hits in den Achtzigern erinnert sich fast niemand an die Blow Monkeys. „The Wild River“ ist dabei nicht einmal eine Comebackplatte, die erschien bereits vor fast zehn Jahren, seitdem sind sie kontinuierlich aktiv, unbeachtet von den Massen. Musikalisch schließt „The Wild River“ dabei nicht an die einstigen Erfolge an, nicht einmal an die jüngeren, etwas rockigeren Alben, sondern eher an das Solodebüt des Sängers Dr. Robert, „Realms Of Gold“ von vor 23 Jahren: an Erwachsene gerichtete soulige Midtempo-Popmusik mit Folkeinschlag und Saxophon. Ohne die Stimme von Dr. Robert wäre das sicherlich nicht halb so goutierbar.

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Kiev Stingl – Hart wie Mozart/Ich wünsch den Deutschen alles Gute – Sireena 2017

Von Matthias Bosenick (06.11.2017)

Kiev Stingl hat schlechte Laune und in Achim Reichel einen versierten Mann an der Seite, der seine Grantigkeit in Musik fassen lässt. Vier Alben nahm der Hamburger zwischen 1975 und 1989 auf, die beiden mittleren – „Hart wie Mozart“ (1979) und „Ich wünsch den Deutschen alles Gute“ (1981) – veröffentlicht Sireena Records jetzt kurz nach dem Debüt „Teuflisch“ ebenfalls auf CD. Erwartet man bei einem Protegé wie Reichel einen Sound zwischen Beat und Psychedelik, wundert man sich doch über die Songs, die vielmehr an Postpunk oder gar Wave Rock anlehnen. Dabei ging es bei den Alben hauptsächlich darum, den an die US-Beatpoeten angelehnten Texte Stingls ein musikalisches Gewandt zu verpassen. Eine gelungene Kombination.

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The Square – Ruben Östlund – S/D/DK/F 2017

Von Matthias Bosenick (06.11.2017)

Dieser Film wirkt in der Nachbetrachtung eindrucksvoller als in der Betrachtung. Fast zweieinhalb Stunden kaum Handlung, einige filmische Ästhetik und grandiose Spitzen gegen die westliche Gesellschaft fordern das Sitzfleisch heraus, belohnen aber mit Erkenntnissen, die man als kritischer Beobachter gern abnickt und die man in dem doch weitaus komplexeren Drehbuch ausmacht, das man erst rückblickend würdig erfasst. Anhand des zeitgenössischen Kunstbetriebs entblößt der Schwede Ruben Östlund hier das egozentrierte Individualverhalten des ursprünglich einmal sozialen Wesens Mensch. An vielen Stellen hätte man sich indes Straffungen gewünscht, der Wucht der Inhalte zum Vorteil.

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Stranger Things 2 – The Duffer Brothers – Netflix 2017

Von Matthias Bosenick (06.11.2017)

Die ersten zwei Drittel der zweiten Staffel von „Stranger Things“ knüpfen mitreißend an das Überraschungsdebüt der Duffer Brothers an, dann steigt ihnen plötzlich das Konzept zu Kopfe. Der Schluss zieht die Freude an der liebevollen Achtziger-Geschichte mit den überzeugenden Charakteren ins Beliebige, in den Zitatetrash, dem die Geschichte zu folgen hat, anstatt umgekehrt. Unter diesem Umständen hält sich die Vorfreude auf die dritte Staffel leider in Grenzen.

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Renatus Töpke & Patrick Schmitz – Wer malen will, muss voll aufdrehen – Verlag Andreas Reiffer 2017

Von Matthias Bosenick (28.10.2017) | Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Teil drei der sehr speziellen Malbuchreihe: Schallplattencover aus Heavy Metal, Rock und sonstigen gitarrenbetonten Musikgenres um ihre Farben beraubt als schwarzweißlinierte Grundlage fürs eigene Kolorieren. Das Konzept trägt immer noch: Hier sind gemeinsames Gestalten zwischen Eltern und Nachwuchs ebenso möglich wie das Erweitern des musikalischen Horizonts, da kaum jeder sämtliche ausgewählten Alben kennen dürfte. Größter Coup ist wohl, dass das Debüt „Tale Of Goblins‘ Breed“ von Salem‘s Law enthalten ist, der Band mit dem Braunschweiger Schriftsteller Frank Schäfer.

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Myrkur – Mareridt – Relapse 2017

Von Matthias Bosenick (27.10.2017)

Auf zum nächsten Entwicklungsschritt: Machte Amalie Bruun 2014 noch damit Furore, dass die einstige Popsängerin (einst Minks und Ex Cops) sich unter dem Namen Myrkur als Ein-Frau-Black-Metal-Projekt etablieren wollte, was in traditionellen BM-Kreisen auf erwartbaren Widerstand stieß, aufgeschlossene Hörer aber nicht nur aufhorchen ließ, und stieß sie ihr gewonnenes Publikum später mit einer sakral anmutenden Live-EP vor den Kopf, integriert sie nun auf ihrem zweiten vollwertigen Album „Mareridt“ folkloristische Elemente in ihren Sound, die deutsche Gruftis an Mittelalterbands erinnern könnten, aber selbstredend von höherer Qualität sind. Dieser postmoderne Black Metal erstaunt immer wieder.

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