Daniel .B. Prothèse – CHZwaar​+​zMe​+​aal/Daniel .B. Prothèse vs Edwin Vanvinckenroye – 99.9 – Alfa Matrix 2017

Von Matthias Bosenick (29.01.2018)

Faulheit ist das Letzte, das man Daniel Bressanutti unterstellen kann. Noch kurz vor Jahreswechsel legte er unter seinem Projektnamen Prothèse zwei Veröffentlichungen vor (und mit Nothing But Noise auch noch zwei bis fünf); die Unterschiede machen sich in den Kollaborationen zwar deutlich bemerkbar, Bressanuttis Handschrift indes dringt überall durch. Ist das Solo-Album „CHZwaar​+​zMe​+​aal“ noch typisch von Bressanuttis rhythmischer Eiseskälte geprägt, dringt aus „99.9“ die Wärme von Edwin Vanvinckenroyes Geige. Das ist damit auch das spannendere der beiden neuen Prothèse-Werke.

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The Mission – Bending The Arc – Live Here Now/Eyes Wide Shut Recordings 2017

Von Matthias Bosenick (25.01.2018)

Für ein kleines, ausgewähltes Publikum, das auf dem Cover sogar komplett namentlich aufgelistet ist, spielten The Mission in Quartettbesetzung live im Studio eine Best-Of aus ihrem dreißigjährigen Bestehen ein. Schon wieder Best-Of und Live von der bereits zweimal aufgelösten und wiedervereinigten Goth-Rock-Band? Ja, doch in einem anderen Sound: trocken, knackig, reduziert, nach vorn gehend und voller Spielfreude. Kann man sich zulegen, wenn man Lust auf Varianten dessen hat, was man an The Mission so mag. Davon gibt’s ja genug.

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Anne Clark: I’ll Walk Out Into Tomorrow – Claus Withopf – D 2018

Von Matthias Bosenick (20.01.2018)

Zehn Jahre lang, so kolportiert es die Info, begleitete Regisseur Claus Withopf die musikalische Poetin Anne Clark. Sein Film „I’ll Walk Out Into Tomorrow“ hat also das Potential, der Künstlerin so nahe zu kommen, wie sie es in den 35 Jahren ihrer Karriere so gut wie niemandem gewährte. Woran auch immer es liegt: Das Experiment geht gnadenlos schief. Der Fan gewinnt ein halbes Dutzend neue Erkenntnisse und der Nichtauskenner nicht wesentlich mehr. Was ist der Grund, hat der Regisseur keine Ahnung von seinem Job oder lässt die Porträtierte nicht mehr als das Bisschen zu?

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Your Name. (君の名は。, Kimi no na wa.) – Makoto Shinkai – J 2016

Von Matthias Bosenick (19.01.2018)

Das Kino, der Ort für fesselnde Geschichten und epische Bilder: Es existiert ja doch noch, in diesem Falle belegt dies ein Film aus Japan. Der Anime „Your Name.“ (stets mit Punkt) wirft mit einer in Japan offenbar nicht ungewöhnlichen geschlechterübergreifenden Körpertauschgeschichte zunächst Fragen auf, deren Antworten in verblüffende Dimensionen führen. Mit den diese Geschichte erzählenden Bildern schafft Makoto Shinkai in Kooperation mit dem Studio CoMix Wave Films eine zusätzliche verblüffende Dimension. Berauschend!

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Collapse Under The Empire – The Fallen Ones – Moment Of Collapse/Finaltunes 2017

Von Matthias Bosenick (17.01.2018)

So ganz der riesengroße Wurf wie erhofft ist „The Fallen Ones“ nicht, da waren die Erwartungen vielleicht zu enorm. Doch das ist Jammern über den Kronen: Das Album spielt mit großen Gesten und Gefühlen, was mitreißt, sofern man sich darauf einlassen kann; der instrumentale Post-Rock, für den das Duo aus Hamburg eigentlich steht, ist hier noch eine Spur elektronischer ausgefallen als zuvor. Es gibt also eine Entwicklung auf musikalischer Ebene, auf Emotionaler ist alles wie gehabt. Diese leicht manipulative Stimmung ist nichts für alle Tage, für ausgewählte aber ist es schön.

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Turk & Zidrou – Percy Pickwick 24: Just Married – Toonfish 2018

Von Matthias Bosenick (07.01.2018)

Was für ein Mist! Rassistisch, sexistisch, homophob, dazu die Abwesenheit einer Story und flache Gags, den eingangs genannten Eigenschaften zufolge meistens stereotyp und klischeehaft. Das ist trotz einiger vorangegangener Schwächen in den zurückliegenden 23 Büchern aus fast 60 Jahren der schlimme Tiefpunkt der ansonsten großartigen Serie. Man kann sich nur wundern, was den frisch hinzugezogenen Texter Zidrou da geritten hat, sich so einen Schwachsinn einfallen zu lassen. Dabei stammt eines der besten Spirou-Sonderabenteuer von ihm: „Das Licht von Borneo“, poetisch, kunstvoll, zeitkritisch, opulent. Dagegen der englische Detektiv: am anderen Ende der Skala.

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Dan Scary – Dunkelpunk aus Unterwelt – Dan Scary 2017

Von Matthias Bosenick (03.01.2018)

Als sein Debüt gilt Dan Scarys „Dunkelpunk aus Unterwelt“, nach drei „Als ich aufhörte zu schweigen“-CDrs und einigen EPs als Downloads. Auf den größtenteils neuen elf Stücken verfeinert der Wolfsburger Sologruftpunk seinen eingeschlagenen Stil: Von dunklen Goth-Synth-Bands beeinflusster Gesellschaftskritikpunk mit linker Haltung. Musikalisch also aus der Zeit gefallen, inhaltlich indes äußerst nah am Geschehen. Und: Keine Fröhlichkeit bedeutet nicht, dass hier das Gejammer dominiert; mitnichten, es geht zur Sache, aber mit geballter Faust und Wut nicht nur im Bauch. Und Ohrwürmern.

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a-ha – MTV Unplugged: Summer Solstice – We Love Music/Universal 2017

Von Matthias Bosenick (21.12.2017)

Nach der zweiten Reunion würdigt die alte Dame MTV, die ihren Status als Musikfernsehsender zurzeit zurückerobern will, Norwegens größte Popband a-ha mit einem Auftritt in der Markenreihe Unplugged. Fast zwei Stunden lang spielt sich das Trio mit Anhang durch 33 Jahre Existenz seit „Take On Me“, inklusive exklusiver neuer Songs. Morten Harkets Stimme sitzt bis in höchste Höhen, der unscheinbare Hauptsongschreiber Pål Waaktaar-Savoy klimpert unscheinbar auf der Akustischen und der Sidekick Magne Furuholmen gibt den Konferencier. Die Musik erhält akustisch bisweilen eine unerwartete Portion Würde, jedoch können die drei Streicherinnen nicht die opulenten Flächen mancher Originale rekonstruieren. Gediegene Interpretationen des qualitativ zwar wechselvollen, zumeist aber großartigen Oeuvres.

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Tauber/Wiegand/Menger/Beckmann – Die Drei Fragezeichen und das Dorf der Teufel – Franckh Kosmos 2017

Von Matthias Bosenick (20.12.2017)

Deutlich besser als der erste Versuch, aus der Geldmaschine Die Drei Fragezeichen noch das Medium Comic/Graphic Novel zu pressen: Die Zeichner und Autoren Christopher Tauber, Asja Wiegand, Ivar Leon Menger und John Beckmann verfeinern den Strich und nutzen das Medium effektiver aus. Bei allem Kommerz und Qualitätsabfall, den die Serie in den vergangenen Jahren zu erdulden hat, ist dies ein kleiner Lichtblick.

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Lutter: Die Gesamtedition – ZDF 2017

Von Matthias Bosenick (18.12.2017)

Ein Sozialromantiker sei Kommissar Lutter aus Essen, sagt ihm einer seiner Kontrahenten in der zweiten von sechs Episoden dieser Krimiserie, die das ZDF vor zehn Jahren startete. Anders gesagt: Hier schlägt Sozialdavid in allen Fällen den Geldgoliath. Das Ruhrgebiet mit seiner Hauptstadt Essen ist hier mehr als nur Kulisse, die Figuren sind sympathisch, die Fälle weitgehend komplex, Joachim Król als Pottcolumbo ist ein Vergnügen – da sieht man gern über manch deutsche TV-typische Untiefe hinweg.

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