Gusgus – Lies Are More Flexible – No Paper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.03.2018)

Das jüngste Album des isländischen Deep-House-Soul-Projekts Gusgus bedeutet erstmals seit elf Jahren beständiger Horizonterweiterung einen Stillstand. „Lies Are More Flexible“ verwaltet das herausragende musikalische Schaffen, ohne ihm Neues hinzuzufügen. Im Vergleich zur bisherigen Entwicklung wirkt dieses Album daher beinahe wie ein Schrumpfen und birgt den Ansatz von Enttäuschung. Aber bei der Qualität, die man dennoch vorgesetzt bekommt, ist die nicht angebracht. Chillig clubben geht trotzdem, zu Hause genießen auch und dabei Auto fahren sowieso.

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Arthur & Claire – Miguel Alexandre – D/A/NL 2017

Von Matthias Bosenick (14.03.2018)

Ein Titel (und ein Soundtrack) wie von Woody Allen, eine Zusammenkunft wie in „Lost In Translation“, ein Abgang, der an „Love Story“ erinnert, und ein Hauptdarsteller, der sein Hauptbetätigungsfeld als Kabarettist hier zugunsten des hervorragenden Gesamtergebnisses zurückfährt: Das ist „Arthur & Claire“ mit Josef Hader. In Amsterdam halten sich zwei Suizidgefährdete davon ab, ihr Vorhaben umzusetzen; Tragik und Komik in dieser Zusammenkunft sind sehr wienerisch, die Handlung fußt auf Dialogen, die Entwicklung rührt an. Nach „Wilde Maus“ wieder ein gelungener Film mit Hader. Und wie!

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José Munuera – Spirou präsentiert: Zyklotrop (1): Die Tochter des Z – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (01.03.2018)

Der beste der jüngeren Serienautoren wurde leider gekickt, weil die Entscheider anderer qualitativer Meinung waren, aber für den jüngsten Spin-Off der 80 Jahre alten Serie „Spirou“ kehrt José Munuera als Autor und Zeichner nun zurück ins Ensemble. Die neue Reihe „Spirou präsentiert“ wirft – hier ganz ohne die Serienhelden – Schlaglichter auf Nebenfiguren des ausufernden Universums, den Auftakt macht des Grafen von Rummelsdorfs Counterpart Zyklotrop. Ihm stellt Munuera eine schlagkräftige Tochter zur Seite. Zwar ist die Geschichte selbst recht geradlinig, aber die sich darin offenbarenden Hintergründe laden zum Psycholigisieren des unangenehmen Trottelschurken ein.

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Project Pitchfork – Akkretion – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (27.02.2018)

Album Nummer… so ca. 18, oder? Ohne Livealben, Minialben und Compilations. Und dann auch noch als Auftakt einer Trilogie. Da hat sich der Peter Spilles aber ordentlich etwas vorgenommen! So richtig Vorfreude auf die nächsten beiden Teile macht „Akkretion“ indes nicht, setzt aber die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre fort: Bestandsschutz mit der Tendenz zum Schlager. Und das war mal eine Electro-Gothic-Band, die sich von Helden wie Skinny Puppy beeinflussen ließ (damals hießen sie noch recht eindeutig Demoniac Puppets) und mit ihrem spröden Sound und einer immanenten Dunkelheit Energien zwischen Beklemmung und Aggression transportierte, bei dezidiert mitgelieferten schönen Melodien. Diese Kunst lässt Spilles leider fahren und konzentriert sich auf die Leute, die von Graf Unheilig sitzen gelassen werden und neues Futter suchen.

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Dirtmusic – Bu Bir Ruya – Glitterbeat 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2018)

Missmutig schieben Dirtmusic ihren hypnotischen Blues von der Wüste in den Orient. Obgleich das eigens zum Trio aufgestockte Rest-Duo aus Chris Eckman und Hugo Race dieses Mal mit Murat Ertel einen türkischen Psychedeliker an Bord hat, klingt die Musik bei aller Uferlosigkeit (und Großartigkeit!) nicht eben nach Lebensfreude. Kein Wunder angesichts der Themen: Es geht um die Festung Europa und das Verhalten des Westens gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der musikalischen Qualität: Spaß macht „Bu Bir Ruya“ nicht gerade. Und das soll es ja auch nicht.

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Das Vollplaybacktheater: Die drei Fragezeichen und das Gespensterschloss (Schloss mit lustig: 20 Jahre VPT) – Live im CongressPark Wolfsburg, 15. Februar 2018

Von Matthias Bosenick (16.02.2018)

Ist das schon wieder so lang her? Vor sechs Jahren die Abschiedstour, jetzt das Zwanzigjährige? Man kann sich ein Leben ohne das Wuppertaler Vollplaybacktheater gar nicht mehr vorstellen. Eine Alternative existiert nicht, das ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal der Gruppe. Die Jungs und Mädels geben dem Kopfkino ein Gesicht: Niemand kann mehr Die drei Fragezeichen hören, ohne konkrete Vorstellungen davon zu haben, wie Justus, Peter und Bob aussehen – nämlich genau so, wie sie das Vollplaybacktheater personifiziert. Ihr Wiegenfest begehen die Mundtoten mit einer Wiederaufführung ihres 2005er-Sujets, jedoch und gottlob geremixt: „Das Gespensterschloss“ lehrt den vollen Saal das Fürchten. Na, eher das Lachen und Staunen.

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Machine Head – Catharsis – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (05.02.2018)

Was zum Henker…? Auf ihrem neunten Album greifen Machine Head auf die musikalisch schlimmste Zeit ihrer Existenz zurück: die gutverkäufliche, aber kreativ minderwertige NuMetal-Phase zum Jahrtausendwechsel. Statt dem geradlinigen Thrash der ersten beiden und dem progressiven Thrash der zurückliegenden vier Alben gibt’s jetzt wieder gitarrenlastige Popsongs zum Mithüpfen. Und Singalong-Punkrock. Und Powerballaden. Damit keiner sagen kann, es gäbe nichts Neues im Universum der Kalifornier. Wenn das „Catharsis“ ist, hätte man da gern drauf verzichtet. Gut ist immerhin die limitierte Live-DVD als Bonus: Die zeigt, wofür man die Band liebt.

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Lukas Adolphi (Hg.) – Die cops ham mein handy – Lukas Adolphi 2017

Von Matthias Bosenick (02.02.2018)

Nur höchst selten bekommt ein Bestohlener jemals sein Eigentum zurück. Der Leipziger Designer Lukas Adolphi hatte das Glück, sein geklautes Mobiltelefon nach einiger Zeit von der Polizei wieder ausgehändigt zu bekommen. Inklusive eines zweiwöchigen SMS-Verlaufs des Diebes, und den veröffentlicht Adolphi nun sieben Jahre später als Büchlein. Der naturgemäß lückenhafte Gesprächsverlauf eines Schülers mit Freunden und Freundinnen gibt einen Einblick in eine befremdliche Lebensmoral, der man nicht ausgeliefert sein möchte: Die Shakespearschen Verstrickungen lesen sich zwar unterhaltsam, aber die unreflektierte Lebensweise macht Angst. „Die cops ham mein handy“ ist eine Sozialstudie, von der man hofft, dass sie ein Fake ist.

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Cavalera Conspiracy – Psychosis – Napalm Records 2017

Von Matthias Bosenick (31.01.2018)

Sieht so aus, klingt aber nicht so: Vom Tribal-Metal der alten „Roots”-Zeiten mit Sepultura, an denen beide Cavalera-Brüder Max und Igor vor 21 Jahren so erfolgreich beteiligt waren, ist auf dem vierten gemeinsamen Album der Conspiracy nichts zu hören. Aber auch vom eingängigen Thrash nicht: Sperrig ist wohl das Wort, das „Psychosis“ noch am besten trifft; Eingängigkeit stand auf der Agenda nicht so weit oben wie Brutalität. Dennoch klingt das Ergebnis nicht wie ein dumpfer Schlag ins Gesicht, sondern trifft eher den Bereich dahinter.

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Martin McDonagh – GB/USA 2017

Von Matthias Bosenick (30.01.2018)

Das Hollywood mit Filmen, die außergewöhnliche Geschichten erzählen, und nicht mit Special Effects davon ablenken, dass es keine Geschichte gibt, existiert ja doch noch! Zumindest, wenn man Europäer machen lässt. Der britische Ire Martin McDonagh erzählt von einer verbitterten Mutter, die in einem Nest in den USA auf die Aufklärung des Mordes an ihrer Tochter drängt und mit einem ungewöhnlichen Mittel eine Reihe unerwartbarer Ereignisse auslöst. Nicht nur Hauptdarstellerin Frances McDormand lässt das schwarzhumorige Drama „Three Billboards“ wie ein Werk der Coen-Brüder erscheinen.

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