Speaker Bite Me – Future Plans – Pony Rec. 2018

Von Matthias Bosenick (11.10.2018)

Zukunftspläne schmieden Speaker Bite Me auf ihrem ersten Album seit elf Jahren und blicken musikalisch doch recht häufig zurück: Die Ursprünge der dänischen Band liegen im noisigen Indie-Rock der Neunziger, der noch avantgardistisch war, bis ihn MTV und Majorlabels kommerzialisierten. Thematisch orientiert sich der Blick nach vorn indes an der Gegenwart, am weltpolitischen Geschehen nämlich, aus dem Speaker Bite Me eben „Future Plans“ ableiten. Dieses könnte, das schon mal vorab, zu den besten Alben des Jahres gehören.

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Autechre – NTS Sessions 1-4 – Warp 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

So geht das auch: Einfach mal acht Stunden Musik auf einen Schlag als ein Album herausbringen. Kann man machen, wenn man Autechre ist und böse Kritiker ohnehin behaupten, deren als IDM klassifizierte elektronische Fiepsmusik sei willkürlich und simpel. Ist sie natürlich nicht. Die Musik entstand an vier Abenden live im Internetradio und kommt nun nach dem Download auch auf acht CDs oder zwölf LPs heraus. Trotz aller Verschachtelungen überwiegt hier das Entspannende, was es nicht weniger spannend macht. Es als geschlossenes Album aufzufassen, fällt schwer, als Dokument ist es überwältigend und musikalisch so grandios, wie Autechre eben sind.

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Spiritualized – And Nothing Hurt – Bella Union 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

Ganz allein kriegt er’s auch hin: Aus Kostengründen ist das neue Album von Spiritualized mehr oder weniger ein Soloprojekt von Bandchef Jason Pierce. Weil er mal wieder Bock hatte, seine eigene Musik in Albumform zu bringen, macht er genau das, ein Album voll mit genau der Musik, die man unter Spiritualized erwartet – mit keiner Abweichung, keiner Neuerung, keinem Experiment. Was für ein experimentelles Projekt schon beinahe gewagt ist. „And Nothing Hurt“ ist in sich gut, Drogengospelspacerock auf hohem Niveau, aber komplett frei von Innovation. Aber das Cover ist schön!.

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John Doe – Strawberry Girl – John Doe 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Der erste neue Tonträger seit zehn Jahren ist nach dem selbstbetitelten Album eine EP mit vier Songs, auf der die Wolfsburger John Doe den Rock aus vielen Quellen in einen Fluss leiten und damit überraschen, dass sie bei allem Spaß an der Sache und aller Lustigkeit mancher Beteiligter auf eine Art und Weise erwachsener klingen, die beinahe beängstigt. Das Leben muss so einiges mitgebracht haben, das den Furor erweckte. Steht ihnen gut!

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Dan Scary – Zu wahr, um schön zu sein EP – Dan Scary 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Sein Album „Dunkelpunk aus Unterwelt“ ist noch nicht so lang auf dem Markt, da legt Dan Scary mit einer EP nach. Auf „Zu wahr, um schön zu sein“ vertieft er seinen Stil: elektronisch unterfütterter Punk, der den Gothic Rock der Achtziger zitiert, als Grundlage für seine politischen und kritischen Texte. Unglaublich, aber er scheint für diese EP nochmal einiges an Druck, Klarheit und Akkuratesse dazugewonnen zu haben – dabei sind die Songs selbst schon fünf Jahre alt.

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Movin In Stereo – My Dear Effigy – Movin In Stereo 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Eine Singalong-Schwedenpunk-EP warfen Movin In Stereo in den elektronischen Briefkasten. „My Dear Effigy“ hält alle Versprechen: druckvoller Powerpunk, kurzweiliger Skandinavienrock, bierseliger Pubrock, bis in alle Fugen ausproduziert, saftig, eingängig, vertraut. Den Live-Support für den früheren Turbonegro Hank von Hell haben sie sich zu Recht verdient. Wer voll auf diese Gute-Laune-Tüte steht, sei hierauf dringlichst hingewiesen; wer aber meint, ein Dutzend Platten dieser Art im Regal reichen aus, der hört halt woandershin.

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October Burns Black – Fault Line – Outland Media 2018

Von Matthias Bosenick (06.09.2018)

Man hat als Künstler alle Möglichkeiten der Welt offen, besonders, wenn man schon jahrzehntelang aktiv ist. Da schließen sich also diverse altgediente Mucker aus der Gruftiszene 2015 zur Band October Burns Black zusammen und spielen nun eine EP ein – die dem Genre Gothic Rock aber auch gar nichts hinzufügt. Sie können das sehr gut, was sie machen, okay, aber das hat man so oder so ähnlich bereits im Regal stehen, zigfach. Eine Enttäuschung auf hohem Niveau.

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Einstürzende Neubauten – Grundstück – Potomak/Indigo 2005/2018

Von Matthias Bosenick (03.09.2018)

Was soll man als Supporter davon halten? Mit einer Menge Geld, die weit über dem liegt, was man ansonsten für ein Album auszugeben bereit gewesen wäre, unterstützte man in den Nullerjahren die Einstürzenden Neubauten vorab darin, neue Alben zu produzieren. Der Erlös bestand daraus, Besitzer eines exklusiven Tonträgers zu sein. Diese Exklusivität beenden die Neubauten nun, indem sie das zweite Supporter-Album „Grundstück“ für den Handel neu veröffentlichen. Inklusive einer Bonus-DVD mit Material, das auch der Supporter noch nicht hat, ihn mithin zum erneuten Erwerb zwingt. Da vergisst man grollend, wie gut das Album eigentlich ist.

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Jimi Tenor – Order Of Nothingness – Philophon 2018

Von Matthias Bosenick (31.08.2018)

Noch so einer, der vom Plattenveröffentlichen nicht genug bekommen kann: Mit „Order Of Nothingness“ bildet Jimi Tenor das weite Spektrum seines künstlerischen Schaffens auf eine gute halbe Stunde komprimiert ab. Man hört also elektrischen Jazz und Afrobeat sowie alles, was sich dazwischen und miteinander kombinieren lässt. Einzig Housebeats wie bei seinem überraschenden Love-Parade-Hit „Take Me Baby“ kehren nicht in seinen Sound zurück. Müssen sie ja auch nicht, dafür ist der Finne viel zu freigeistig.

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Flix – Spirou Spezial: Spirou in Berlin – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (30.08.2018)

Für den Verlag ist die Kombination eine Goldgrube: Ein neuer Flix und ein neuer Spirou in einem Buch, das kann man prima als Hardcover veröffentlichen und teurer verkaufen als die anderen Bände der Reihe. Wert ist „Spirou in Berlin“ dies jedoch nur bedingt: Flix setzt die inzwischen 80 Jahre alten Vorlagen zwar gekonnt um, erzählt aber eine recht unaufregende Geschichte. Der abenteuerlustige Spionage-Page darf seinen Freund, den Grafen von Rummelsdorf, aus den Klauen der Stasi befreien – das macht er ungefähr so, wie es sich ein Laie auch ausgedacht hätte.

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