The Team II – Kasper Gaardsøe – D/DK/B/A + Edel.Motion 2018

Von Matthias Bosenick (27.11.2018)

Vielleicht sollte man für eine dritte Staffel der international produzierten Krimi-Serie „The Team“ nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Showrunner austauschen. Die Idee ist lobenswert: In Zeiten von Brexit, Nationalismus und Ausgrenzung die Stärken europäischer Zusammenschlüsse vermittels eines Krimis herausarbeiten. Wie in der ersten Staffel arbeiten – dieses Mal aber andere – Ermittler aus Deutschland, Belgien und Dänemark an einem Fall, der alle drei (und noch weitere) Länder betrifft; es geht natürlich um Flüchtlinge, Nazis und Terrorismus. Auf der Positivseite überzeugen manche interessante Figuren und aufgebrochene Rollenklischees, die andere Waagschale ziehen das schlechte Drehbuch und die gekünstelten Dialoge herunter. Dabei ist die Idee doch eigentlich gut.

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Nick Cave & The Bad Seeds – Distant Sky (Live In Copenhagen) EP – Bad Seed Ltd 2018

Von Matthias Bosenick (20.11.2018)

Da springt dem Nick-Cave-Fan doch glatt ein bisschen zu sehr der Kommerz ins Gesicht: Als Rückblick auf die jüngst absolvierte Tour und als Quasi-Soundtrack zum Konzertfilm „Distant Sky“ lässt der kleine Nick vier in Kopenhagen mitgeschnittene Songs auf Vinyl pressen und verkauft diese EP zum Preis einer LP. Nichts gegen die Lieder, aber da wäre das komplette Konzert auf Vinyl drin gewesen, insbesondere, wenn man hört, wie stark die leicht umformierten Bad Seeds die Klassiker inzwischen verändern, und dann hätte der Preis auch besser gepasst. Aber gut, der geneigte Fan erwirbt und sammelt, und wenigstens für die Musik lohnt es sich.

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Treedeon & The Moth – Live im Nexus in Braunschweig, 17. November 2018

Von Matthias Bosenick (18.11.2018)

Ein schönes Doppelpack an Sludge und Doom kredenzte da das Nexus: Treedeon und The Moth loteten die verschiedenen Enden der heruntergestimmten Gitarrenbrettskala aus. Während Treedeon quasi einmal am Stück in die Fresse hieben, schlugen The Moth eher von verschiedenen Seiten unvermittelt zu. Mit Yvonne Ducksworth stand bei Treedeon überdies eine verdiente Veteranin des Punkrock auf der Bühne: Sie war 25 Jahre lang Gesicht und Stimme von Jingo de Lunch.

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Leto (Лето) – Kirill Serebrennikow – RUS/F 2018

Von Matthias Bosenick (15.11.2018)

An diesem Film stimmt so gut wie alles. Bilder, Charaktere, Atmosphäre, Ideen, Erzähltempo, nun: Story, okay: Musik, historischer und kultureller Hintergrund – „Leto“ ist kunstvoll, unterhaltsam, lustig, fantasievoll, emotional, vernünftig, sympathisch, atemberaubend gut. Und trotz eher zurückhaltender politischer Haltung mittlerweile ein unfreiwilliges Politikum, da Regisseur Kirill Serebrennikow noch während der Dreharbeiten für die Veruntreuung von Staatsgeldern als Theaterregisseur verhaftet wurde. Der Film lehnt sich locker an den Biografien der Leningrader Musiker Mike Naumenko (Михаил „Майк“ Науменко) und Viktor Tsoi (Виктор Цой) an und erzählt – überwiegend in Schwarzweiß – von Rock in der Sowjetunion und Liebe in Muckerkreisen, bloß anders, als das jetzt klingen mag.

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Sir Collapse – Walk To The Moon – Sir Collapse 2018

Von Matthias Bosenick (12.11.2018)

Wer seine Digipak-CD mit einem persönlich adressierten handgeschriebenen Waschzettel versehen in den Briefkasten wirft, hat schon mal jede Aufmerksamkeit. Sir Collapse aus Neuss verdienen sie aber auch akustisch: Puren Noise machen sie indes nicht, sondern schwer abgehangenen Indie-Rock mit Stoner-Einschlag. Hier dienen Monster Magnet kaum weniger als Referenz als die Foo Fighters – nur dass Sir Collapse gottlob deutlich weniger angepasst und kommerziell sind. Ihre musikalische Wucht erzeugten sie, indem sie die Musik live im Studio einspielten. Klingt nicht nach einem Debüt, da steckt mehr drin.

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MARS./Trash On Mars – Benjamin Tuček – CZ 2018

Von Matthias Bosenick (11.1.2018)

Der philosophische und gesellschaftsanalytische Ansatz ist aller Ehren wert, doch gelingt es dem Drehbuch nicht, diese Ansätze schlüssig zu transportieren. „MARS.“ ist als Komödie gemeint, aber ohne Timing und stringente Orientierung. Über einige Stereotypen kommen die Figurenzeichnungen nicht hinaus, die Gags versanden im Marsstaub. Der auch noch wenig überzeugend dargestellt ist. Trotzdem bleibt einiges hängen, mit dem man sich noch einige Zeit später beschäftigt. Die Idee ist nicht doof, nur doof umgesetzt.

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Goscinny & Sempé – Der kleine Nick: Wie alles begann – Diogenes 2018

Von Matthias Bosenick (09.11.2018)

Erstaunlich, was vom kleinen Nick noch alles irgendwo auf Dachböden dümpelt, und noch erstaunlicher, wenn es sich dabei um bereits veröffentlichtes Material handelt, das selbst der noch lebende der beiden Erschaffer offenbar vergessen hat. Jedenfalls erinnerte sich Zeichner Jean-Jacques Sempé urplötzlich daran, dass die Prosafigur des kleinen Nicks eine Comicvorgeschichte hat, die er mit dem 1977 verstorbenen Texter René Goscinny Mitte der Fünfziger beinahe ein Jahr lang in einer Zeitung veröffentlichte, weit bevor das Duo daraus die bekannten Texte zauberte. Wie auch immer: Jetzt liegen diese Panels auch auf Deutsch vor und geben einen hübschen und humorvollen Einblick in die kreative Evolution des fidelen Kindes und in eine Gesellschaft, die sich seit einem halben Jahrhundert erschreckend wenig verändert hat.

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The Man Who Killed Don Quixote – Terry Gilliam – E/B/F/P/GB 2018

Von Matthias Bosenick (08.11.2018)

Da hat sich der Meister wohl etwas übernommen: Je nach Berichterstattung zwanzig oder dreißig Jahre lang arbeitet sich Terry Gilliam nun am Don-Quixote-Stoff ab, mit diversen Rück- und Fehlschlägen, und das Ergebnis, das man nun – in Braunschweig ausschließlich beim Filmfest, aber wenigstens immerhin – zu sehen bekommt, erweckt den Eindruck, der Regisseur musste sich am Ende sehr beeilen. Seine Handschrift ist zu selten wahrnehmbar, vieles wirkt zusammengeklebt, dabei lässt sich eine durchaus eigensinnige Herangehensweise an die Quixotische Doppelbödigkeit der Psyche mehr als nur erahnen, und die ist sogar so etwas wie brillant.

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Nicola Rollando e i Nuovi Disertori – Il Destino del Portiere – Meci 2018

Von Matthias Bosenick (07.11.2018)

Bei Airbnb finden sich doch auffällig häufig Gastgeber mit einer alternativen Lebenshaltung, offen, kulturell und politisch engagiert, freigiebig, gastfreundlich, neugierig. Der jüngste Urlaub in Sestri Levante bestätigte diesen Eindruck: Ein Angehöriger der Gastgeberschaft ist Mitglied der Band von Nicola Rollando, die nicht von ungefähr „die neuen Deserteure“ heißt. Mit ligurischer Folklore als musikalischer sowie dem Blickwinkel des Torwarts als inhaltlicher Grundlage befasst sich das Debüt-Album mit privatem wie weltpolitischem Geschehen. Zwischen wehmütigen Balladen lässt das Quartett Raum für ans Fröhliche grenzende Mitsingnummern – ein schöner Mix, unkitschig und reduziert, mitreißend und einnehmend.

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Tri Atma – Tri Atma – Sireena 1979/2018

Von Matthias Bosenick (06.11.2018)

Jens Fischer. Ein Name wie… nun: Fischer ist Gründungsmitglied von Tri Atma, der Indisch-Deutschen Kraut-Prog-Weltmusikcombo, und er war und spielt in diversen anderen Bands und für andere Leute – darunter Eberhard Schoener – seine Gitarre. Sireena veröffentlicht dieser Tage nun dieses Debüt neu und ermöglicht damit auf CD die Nach- oder Neuentdeckung dieses chilligen und krautigen Sitartrips, der jedem Afghanenshop gut zu Gesicht stünde. Übrigens: Gegründet haben Fischer und sein indischer Compagnon Asim Saha das Projekt Tri Atma in Hannover!

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