Alien Sex Fiend – Possessed – Cherry Red 2018

Von Matthias Bosenick (03.01.2019)

Den Sound der Snare kennen wir seit 35 Jahren, ansonsten liefern Alien Sex Fiend mit „Possessed“ ein Album ab, mit dem wohl weder Fans noch Skeptiker gerechnet hätten. Am ehesten noch scheint es an „Open Head Surgery“ anzuschließen, und das war 1992 schon reichlich umstritten; die Songs tragen heute endlich wieder Strukturen, also diese undefinierte Abfolge von irgendetwas wie Strophe kombiniert mit etwas Wiedererkennbarem, das keinen klassischen Popkonzepten folgt, und die an Unhörbarkeit grenzenden Technik-Experimente der jüngeren Vergangenheit sind gottlob ebendies. Nie klangen die Batcave-Helden erwachsener als hier, nie uneindeutiger einem Genre zuzuordnen: Goth-Rock ist dies nicht, Pop sowieso nicht, kein Dark Ambient, noch am ehesten elektrorockende psychedelische Avantgarde. Grandios! Aber mit einem unschönen Verkaufskniff.

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Sun Temple Circus – Sun Temple Circus – Tribal Stomp/Cargo 2018

Von Matthias Bosenick (02.01.2019)

Sun Temple Circus? Nie gehört. Und es dauert auch bis mitten ins zweite Stück, bis man den Aha-Effekt hat: Das dunkle Gegrummel, das da der Gesang ist, kommt doch von Tom Redecker! Noch ein Projekt also von „The Perc“, dieses Mal ein Live-Album, das deutlich an die Zeit der Krautrocker erinnert, seine besten Musikerfreunde teilhaben lässt und dem Zuhörer das Gefühl vermittelt, den Künstlern beim Jammen zuhören zu dürfen. Das ist als kreative Analyse spannend, musikalisch ist es indes so verstiegen wie auch der landläufige echte Krautrock. Egal, das groovt an den meisten Stellen, und die Sitar von Harry Payuta haut sowieso alles raus. So zeitlos wie aus der Zeit gefallen.

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Laibach – The Sound Of Music – Mute 2018

Von Matthias Bosenick (28.12.2018)

Was für eine Entwicklung: Wie aus der stumpf-martialischen Electro-Krawall-Combo eine rücksichtsvoll agierende Politgruppe wurde. Laibach liefern mit ihrer Version des Musical-Soundtracks „The Sound Of Music“ quasi den Soundtrack zu ihrer eigenen Dokumentation „Liberation Day“, die davon handelte, wie die Band, die einst von Slowenien aus loszog, autoritäre Regimes ironisch zu kopieren und sie damit bloßzustellen, ins autoritäre Nordkorea reiste, um dort überraschend rücksichtsvoll als erste Band aus dem Westen (und das als Band aus dem früheren Ostblock!) ein Konzert zu geben. Das Alpenmusical „The Sound Of Music“ stellt dabei den Score zu einem Nordkoreanischen Lieblingsfilm dar, dem sich Laibach ebenso behutsam nähern wie der Bevölkerung vor Ort. Respekt!

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Auslöschung (Annihilation) – Alex Garland – USA 2018

Von Matthias Bosenick (27.12.2018)

„2001: A Space Odyssey“ im Wald von „Blair Witch Project“: Wie eine unbestimmte außerirdische Macht da an irgendeinem Strand die Evolution manipuliert, lehrt eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen das Fürchten. Alex Garland erzählt diese bisweilen etwas konstruiert wirkende Dezimierungsgeschichte entspannt und ergreifend, schmückt sie mit ansehnlichen Bildern und vermeidet Kleistermucke. Hübscher Film, der sich sicherlich auch auf der Leinwand gut gemacht hätte, besonders der Flug in den Monolithen, ähm: der Blick in den Klon sowie die dezidiert gesetzten Sequenzen mit mutierten Angreifern im Regenbogenwald des Grauens.

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Soulfly – Ritual – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (19.12.2018)

Maxe hat schlechte Laune. Wie immer. Und schon zum XI. Mal unter dem Namen Soulfly, macht bei 20 Jahren Bandgeschichte im Schnitt alle zwei Jahre ein neues Brett. Wenn man ehrlich ist, muss man zugeben, dass die nicht alle so richtig doll unterscheidbar sind, aber druckvoll in die Fresse gibt’s jedes Mal mit Garantie und dieses Mal deutlicher vernehmbar Spaß an der Sache. Und irgendwelche kleinen Gimmicks fallen Max Cavalera auch immer ein. Brasilianische Tribals sind jetzt zwar auch nicht mehr so die Neuerung, aber ein Saxophon zum Beispiel ist im Metal doch eher selten zu hören, da sind Flamencogitarre und Flöte schon beinahe gewöhnlich gegen. Ein Gruß an Lemmy steckt übrigens auch mit drin, im „Ritual“.

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Oak – False Memory Archive – Karisma Records 2018

Von Matthias Bosenick (18.12.2018)

Warmweicher Progpop ertönt vom zweiten Album der norwegischen Band mit dem verwechselbaren Namen Oak. Unaufgeregt, und doch aufregend, gemessenen Schrittes, aber immer spannend, latent komplex, dabei überraschend eingängig: „False Memory Archive“ überzeugt auf ganzer Linie. Überraschend kerzenhelle Entdeckung für die dunklen, kalten Monate.

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Marcel Pollex – Wenn ihr nicht aufhört, auf meinen Gefühlen rumzutrampeln, rufe ich die Polizei – Marcel Pollex 2018

Von Matthias Bosenick (17.12.2018)

Der Titel dieses Hörbuchs ist programmatisch (und im Original in der Interpunktion fehlerhaft): Marcel Pollex fühlt sich vom Rest der Menschheit genervt und wehrt sich gegen diese Zumutungen mit seinen hundsgemeinen Texten. Für gute Haare, die er lassen könnte, findet er keine Ausnahmen, und schafft Projektionsflächen für jeden, was unter Umständen auch mal für Schmerzen beim Hörer sorgen kann. Nicht nur deshalb bleibt so manches Lachen im Halse stecken, denn viel zu oft muss man ihm Recht geben, auch, wenn man nicht auf der selben Seite steht wie er. Den Ruf nach Ordnungshütern indes, diese Drohung nimmt man ihm nicht ab. An denen fände er doch nur wieder etwas auszusetzen.

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Die Brücke IV (Broen/Bron IIII) – Edel:Motion 2018

Von Matthias Bosenick (13.12.2018)

So findet nun leider diese formidable Thrillerserie ein Ende, die Vorlage für Remakes rund um den Globus war: In der vierten und finalen Staffel der Dänisch-Schwedischen Koproduktion treffen die autistische Saga Norén aus Malmö und der Junkie Henrik Sabroe aus Kopenhagen zum zweiten Mal aufeinander, um beide Länder betreffende Morde aufzuklären. Schöne Bilder, vielschichtige Figuren, Düsternis und Einblicke ins Leben der nordischen Nachbarn machen diese Serie so reizvoll. Ihr Ende bedauert man daher und sieht gnädig über die Schwächen in diesem der Serie angemessenen Finale hinweg.

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The House That Jack Built – Lars von Trier – DK/S/D/F 2018

Von Matthias Bosenick (12.12.2018)

Wenn Lars von Trier einen Serienmörderfilm dreht, kommt dabei bei Weitem kein Genrefilm heraus – so gut sollte man den Mann inzwischen kennen. „The House That Jack Built“ greift die Struktur des Vorgängers „Nymp()maniac“ auf: Was dort der Porno war, ist hier eben der Serienkiller, an dessen Geschichte entlang von Trier Themen aus dem Fachbereichen Soziologie, Psychologie, Architektur, Religion, Kunst, Philosophie, Önologie und Jagd abhandelt. Das blutrünstige Monster bietet hier die Vorlagen für das Bildungskino – und natürlich trotzdem einen guten Grund für den Dänen, zu provozieren. Auch das ist typisch für von Trier. Zweieinhalb Stunden Film ohne Langeweile, mit Inhalt und trotz aller Begeisterung ohne den Wunsch, sich ihnen zwingend noch einmal auszusetzen.

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Thom Yorke – Suspiria – XL/Beggars/Indigo 2018

Von Matthias Bosenick (06.12.2018)

Schwierig, den Soundtrack zu einem Film zu beurteilen, den man nie gesehen hat, und der auch noch ein Remake eines Films ist, den man auch nie gesehen hat, und dessen Musik sich an dem Original-Score orientiert, den man auch noch nie gehört hat. Heißt: Man hört „Suspiria“ einfach mal als Thom-Yorke-Album mit dem Wissen im Hinterkopf, es mit Horrorfilmmusik zu tun zu haben. Das funktioniert sehr gut: Die Post-Neunziger-Radiohead sind allgegenwärtig, Yorke wimmert wie gewohnt und die scheinbar elektronische und durchgehend recht progressive Mucke erzeugt beklemmende Gefühle. Hexerei!

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