Green Eyes Of Darkness – Fire Waves – Loud Rage Music 2025

Von Matthias Bosenick (08.12.2026)

„Symphonic Gothic Doom Metal“ steht auf der Schublade, in die Green Eyes Of Darkness ihr Debüt-Album „Fire Waves“ stecken. Reicht eigentlich schon, weiterskippen. Aber nee: Das Etikett verschweigt den Death Metal, der hier die Oberhand zu gewinnen sucht – zumindest eingangs. Über diverse weitere Metal- und andere Spielarten landet die personell offene Band aus Bukarest dann irgendwann doch beim Kitsch – und am Ende ist man froh, dasselbe erreicht zu haben.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Ich such‘ die DDR und keiner weiß, wo sie ist

Von Onkel Rosebud

Eine der schillerndsten Figuren der musikalischen Subkultur der DDR war quasi ein Wessi namens Aljoscha Rompe (* 1947). 1980 beantragte und erhielt er einen Schweizer Pass, da sein leiblicher Vater Schweizer und auch seine Mutter durch Heirat Schweizer Staatsbürgerin geworden war. Mit 14 hatte er zwar den Personalausweis der DDR bekommen und wurde als sogenannter Doppelstaatler bei den Behörden geführt. Er war aber nie offiziell DDR-Staatsbürger. Die Reisefreiheit nutzte Aljoscha später immer wieder, um Instrumente und Ausrüstung aus West-Berlin in die DDR einzuführen. Sein Stiefvater Robert Rompe war als hochrangiger Wissenschafts-Funktionär und angesehener Professor für Physik Mitglied im Zentralkomitee der SED. Auch Aljoscha war vor seiner Musikkarriere als Physiker tätig, verbüßte aber schon 1978 eine dreimonatige Haftstrafe wegen der Mitarbeit an einer oppositionellen Publikation, die ihm den Startschuss für eine lange Beziehung mit der Stasi einbrockte, wobei er selbst nie zum IM wurde.

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Tineke De Meyer – Inland Island – Antibody Label 2025

Von Matthias Bosenick (07.12.2026)

Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: „Inland Island“ braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. Eigentlich war „Inland Island“ eine von der Ghenter Künstlerin Tineke De Meyer konzipierte Mischung aus Performance und Installation, bei der eine Handvoll Menschen mit Kopfhörern um einen selbstleuchtenden Tisch herum saßen und den Anweisungen einer körperlosen Stimme folgten. Das kann die Hörerschaft nun tischlos mithilfe dieser Audiospur nachvollziehen, die die artifizielle Stimme und die kaum weniger virtuelle Musik des Duos Zonderwerk beinhaltet.

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Bill Leeb – Machine Vision – Metropolis 2025

Von Matthias Bosenick (06.12.2026)

Ein erstes Solo-Album von Bill Leeb? War nicht „FLAvour Of The Weak“ von Front Line Assembly 1997 eigentlich bereits ein Solo-Album, nur unter seinem Namen? Schließlich ist er der Bandkopf, so sehr der vor 25 Jahren aus- und zwischenzeitig wieder eingestiegene Rhys Fulber als vollwertiges Mitglied gelten mag. Der trägt drei von fünf Remixen auf der Begleit-EP „Machine Vision“ bei und rückt diese 12“ dadurch wieder näher in Richtung dessen, was man von Front Line Assembly erwartet. Die anderen – wären teilweise nicht nötig gewesen. Es zeigt sich einmal mehr, dass der EBM-Electro-Erneuerer (von Industrial sprechen hier nur Nordamerikaner) aus Vancouver in jüngerer Zeit die Muse verlor.

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Kwoon – Unplugged From The Moon – Kwoon 2025

Von Matthias Bosenick (05.12.2025)

Nach 20 Jahren Existenz darf man auch mal zurückblicken. Die Pariser Post-Rock-Band Kwoon unternimmt dies, indem sie ausgewählte Stücke ihrer Discographie in einer akustisch-reduzierten Version neu einspielt, kwasi: „Unplugged From The Moon“. Für die Hörenden, die die Originale nicht kennen, ist dies ein schöner Anlass, sich mal mit dem Oeuvre der Band zu befassen – oder einfach diese zehn melancholischen Chansons mit Akustikgitarre, Besenschlagzeug, Cello und entrückt-introvertiertem Gesang zur winterlichen Untermalung zu verwenden.

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Stranger Things 5 – The Duffer Brothers – Netflix 2025/2026

Von Matthias Bosenick (02.01.2026)

Wer hätte das geahnt, dass es die Duffer Brothers hinbekommen, nach einer Dekade und Stunden an teils widersprüchlicher Handlung sowie einem qualitativen Wechselbad ein solch emotionales und dabei noch überzeugendes Finale hinzulegen. „Stranger Things“ hinterlässt ein aufgewühltes Publikum, so es denn dazu bereit ist, diese Serie als Märchen aufzufassen und die Ungereimtheiten einfach einzustecken. Mit diesem Finale machten die Duffers das Beste, das möglich war. Da kann man nur dankbar sein.

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Daniel.B. – Mandala 3/Mandala 4 – db2fluctuation 2025

Von Matthias Bosenick (02.01.2026)

Chillig ins neue Jahr: Mit zwei neuen Kapiteln setzt Daniel Bressanutti seine „Mandala“-Serie fort, mit der er Ambient-Tracks in die Welt setzt. Mutmaßlich generiert der Brüsseler sie alle mit analogen Synthies, zumindest haftet ihnen diese wärmende Zeitlosigkeit an. Das wären die besseren Kandidaten für den „Tron“-Soundtrack gewesen – und mit der Zugehörigkeit zu den EBM-Erfindern Front 242 hätte man mit Daniel.B. auch recht gut in Promotion gehen können.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne (DDR-Spezial): Gegner Ich – flüstern & SCHREIEN

Von Onkel Rosebud

„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)

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Bruecken – Years That Answer – Moment Of Collapse Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.12.2025)

Ja, „Years That Answer“ trägt einige typische Aspekte von Post-Rock, die Eigen-Einteilung des Oldenburger Instrumental-Quintetts Bruecken trifft da grundsätzlich zu. Nur wissen auch Bruecken, dass dieses Genre allmählich so seine Abnutzungserscheinungen aufweist, und bringen es daher mit veränderter Rezeptur dar: mehr Metal, mehr Gravitation, mehr Bodenhaftung mithin, die der entrückten, emotionalen Schwerelosigkeit dieses Genres das nötige Gegengewicht verleiht. So hört man doch gern wieder hin.

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The Imperial Mustard – Turn The Stone – SlagRec 2025

Von Matthias Bosenick (30.12.2025)

Wer braucht schon Kompositionen, wenn man ein schlüssiges Space-Kraut-Rock-Album wie „Turn The Stone“ auch schlichtweg im Studio vom Universum empfangen und direkt auf die Magnetspule bannen kann? Auf diese Weise verfährt die Rhein-Main-Band The Imperial Mustard seit 2011. So viel Erfahrung und Fachwissen aus allen möglichen Genres bringen die Musizierenden hier ein, dass man das Improvisierte nicht einmal ahnt.

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