Noema – Echoes Of Four – Perma F Music 2026

Von Matthias Bosenick (08.05.2026)

Wie aus einem experimentellen Ansatz eine EP wird: Für „Echoes Of Four“ riefen die beiden schwedischen New-Wave-Helden Leif Ekman und Hans Thunberg das Projekt Noema ins Leben. Sie erstellten auf Basis von vier Akkorden vier Tracks mit vier verschiedenen Stimmungen – oder „Gedanken“, „Sinnen“, was Noema aus dem Griechischen übersetzt heißt. Und in der Tat: Man hört die vier Akkorde jeweils heraus, und doch generieren die auf dieser Basis entstandenen Tracks vier unterschiedliche Gefühlslagen. Man lernt dazu und genießt.

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Draken – Here Be Draken – Dark Essence Records 2026

Von Matthias Bosenick (07.05.2026)

„Irgendwo zwischen Heavy Rock und Metal“ ordnet sich das norwegische Trio Draken selbst ein. Was erstmal unschöne Vorstellungen von drittklassigen Altstadtfestkapellen evoziert, entpuppt sich auf dem dritten Album „Here Be Draken“ als in die Fresse knallende Wundertüte an allen möglichen unbequemen Substilen im Bereich der genannten Genres. Mit solcher Musik hätte man wieder Bock auf Altstadtfeste. Merkwürdig überdies, dass hier in der Info der Trondheimer das Wort „progressiv“ fehlt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: What’s in your hee-aaad, in your hee-ee-ee-aaad – Dolores O’Riordan

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin hat ein besonderes Lied, welches sie über die ein oder andere Hügelkurve des Unglücks bringt. Es ist von der Band The Cranberries; es ist nicht die Hitsingle „Zombie“, sondern „Dreams“ von der Debüt-LP „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ (Island Records, 1993). Der Song handelt davon, sich zum ersten Mal wirklich verliebt zu fühlen, und ist eine klein bisschen schnulzige Pop-Perle. Geschrieben und stimmlich vorgetragen wird er von Dolores O’Riordan (1971-2018), die mal Irlands Vorzeige-Musikerin war und deren Umstände ihres plötzlichen Ablebens ziemlich merkwürdig sind.

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Der Finger – Telepathie – Der Finger 2026

Von Matthias Bosenick (06.05.2026)

Wenn der Krieg die Menschen zur Trennung zwingt und beispielsweise den Fortbestand eines gemeinsamen musikalischen Projektes unmöglich macht, kann man heutzutage dankbar sein, dass mindestens letzteres via Technik überwunden werden kann. Das Impro-Experimental-Duo Der Finger, eigentlich aus Russland, wurde getrennt – und entwickelte ein eigenwilliges Konzept, um über technische „Telepathie“ trotzdem ein gemeinsames Album erstellen zu können, gleichzeitig in Ghent und in Moskau. Die auf diese Weise entstandene Musik ist so herausfordernd wie die Umstände – und dient zudem als Grundlage für wissenschaftliche Betrachtungen.

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Atsuko Chiba – Atsuko Chiba – Mothland 2026

Von Matthias Bosenick (06.05.2026)

Wenn Atsuko Chiba aus Montréal ihr viertes Album „Atsuko Chiba“ nennen, heißt es dann wie die Band oder wie die Figur aus dem Anime „Paprika“, nach der die Band benannt ist? In gut einer halben Stunde breitet das Quintett eine Musik aus, die mit Indie-Rock irreführend bezeichnet wäre, da sie zwar mit Rock-Instrumenten erstellt ist, aber nicht so klingt. Das hier ist kunstvoll, unkonventionell, experimentell, aber immer schmeichelnd, eingängig, schön.

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808 State vs Humanoid – In Place Of Language – De:tuned 2026

Von Matthias Bosenick (05.05.2026)

Zurück in die Zukunft! Hier treffen zwei historische Gruppierungen des Acid House aufeinander, kurioserweise erstmals, obwohl sie beide aus Manchester sind: 808 State und Humanoid, also Graham Massey und Brian Dougans, also zusammen rund 40.000.000 Jahre Musikgeschichte, denn beide Beteiligten tobten sich in den zurückliegenden 40 Jahren auch in diversen Neben-, Haupt- und Sonderprojekten aus. Auf der EP „In Place Of Language“ machen sie: Acid House, als wäre es noch 1988, nur heute. Man kann ihnen nicht mal böse sein, schließlich gehören sie beide zu den Pionieren dieser Electro-Spielart. Und sie machen es gut.

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The Prestige – Isthmos – Banshies 2026

Von Matthias Bosenick (05.05.2026)

Das tut gut: Sobald The Prestige aus Paris ihr Gebrüll in wuchtige Gitarrengerölllandschaften betten, möchte man einstimmen und fühlt sich verstanden, gehört, vermittelt. Vermetalt beinahe, doch ist das eher dem Hardcore nahe, was die Franzosen auf ihrem dritten Album „Isthmos“ darbieten. Und zwar dem modernen Post-Hardcore, der sich nicht scheut, auf Scheuklappen zu verzichten, experimentelle Spielereien einzubauen und das Tempo zu drosseln. Neurosis, Converge, Post-Rock, das könnten so Eckpfeiler sein, und alles wäre noch besser, verzichtete das Quartett auf den gelegentlich hervorgebrachten klaren Metalcore-Gesang.

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Repetita Iuvant – 3+2 – Argonauta Records 2026

Von Matthias Bosenick (04.05.2026)

Wer Stress sucht, ist hier falsch, auch wenn das Instrumental-Trio Repetita Iuvant aus La Spezia im südlichen Ende Liguriens durchaus in der Lage ist, Lärm zu veranstalten. Komplett langsam ist das zweite Album „3+2“ und liegt musikalisch zwischen Bohren & der Club Of Gore, Psychedelik und My Bloody Valentine. Könnte man glatt als Post Rock auffassen, wenn es nicht wesentlich besser wäre als jener. Als Konzept für die Musik gilt: Wiederholung tot Not!

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Parallel Minds – Cairn – Parallel Minds 2026

Von Matthias Bosenick (04.05.2026)

Oh Gott, orchestraler Bombast-Progressive-Folk-Metal! Genau all das steckt auch in „Cairn“, dem vierten Album von Parallel Minds aus Frankreich. Irgendwo zwischen Nightwish-Kitsch und Death Metal gibt’s Augenblicke, in denen Devin Townsend anerkennend nickt, und die bettet die Band in Szenen aus theatralisch gereckten Fäusten, angenehmer Folklore und nackenstrapazierendem Groove-Metal ein. Dieser keltische Steinhügel steckt so sehr voller Ideen, dass man Schwierigkeiten hat, die für sich selbst anstrengenden rings um die ansprechenden auszuhalten.

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Christin Nichols – Christin Nichols – PIAS 2026

Von Guido Dörheide (02.05.2026)

Eigentlich wollte ich diesen Text in Anlehnung an einen ca. 30 Jahre alten Die-Sterne-Titel mit „Don’t scheiß auf deutsche Texte Vol. 1“ überschreiben, aber dann befürchtete ich a) dass das von der Künstlerin und ihrem aktuellen Album ablenken und b) denken machen könnte, dass „Deutsche Texte“ ein eigenes Musikgenre wäre, was es nicht ist, ebensowenig wie „Female Fronted [hier bitte ein Musikgenre einsetzen]“ – eine Schublade, in die Christin Nichols ebenfalls hineinpassen würde, wenn es sie denn gäbe. Aber es gibt sie nicht, glücklicherweise. Also die Schublade. Christin Nichols gibt es natürlich, und mit ihrem selbstbetitelten dritten Album macht sie ungerührt so weiter wie auf den beiden vorherigen:

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