Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Über die inflationäre Verwendung des Begriffes „Nazi“

Von Onkel Rosebud

Neulich luden meine Freundin und ich zum Dinner und der Besuch verstieß gegen Regel-Nummer-Eins: Tisch und Küche wird von dem gesäubert, dem sie gehört. Als sich die Freundin eines Freundes daran machte, die Spülmaschine einzuräumen, bemerkte sie, wie fein geordnet die Essgeräte einsortiert waren. Daraufhin erklärte meine Freundin ihr etwas neurotisches Verständnis von Ordnung im Spüli-Besteckfach und erntete die Bezeichnung „Spülmaschinen-Nazi“. Anfangs lachte ich mit, aber es war eher die Sorte, die im Halse stecken bleibt, weil es meiner Freundin sichtlich nahe ging. Sie schaute wie ein Hamster in Panik. Ich fragte mich, ist irgendwas mit „Nazi“ genannt zu werden eine Beleidigung?

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Buy Jupiter – Earth – Buy Jupiter 2026

Von Matthias Bosenick (10.06.2026)

Eindeutig: Buy Jupiter kennen Meshuggah, das lässt sich auf dem Debüt- Album „Earth“ aus dem Stand ermitteln. Gottlob hat die Band aus Lyon mehr auf der Pfanne, zum Beispiel den Hardcore, den man hier mit etwas Spielraum auch als Metalcore auffassen könnte, sowie komplett sanfte Seiten. Doch insgesamt sind die Tracks auf eine brutale Weise progressiv (und auf eine progressive Weise brutal), das lässt das Haupt-Merkmal Djent durchaus anbringen.

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Hans Hjelm – The Night Electronic – Kungens Ljud & Bild 2026

Von Matthias Bosenick (10.06.2026)

Sein neues Album „The Night Electronic“ – eine Neubearbeitung früherer Stücke – steckt der Schwede Hans Hjelm bei Progressive Rock und Art Rock in die Schubfächer, und wenn das hier Prog sein soll, dann wird es umgehend Zeit, Fan zu werden. Vielmehr trifft nämlich der Albumtitel zu: Dunkelheit und trippige Elektronik bestimmen den Sound, garniert mit Gesang von Hildur Ottilia und ein Bisschen auch von Viktor Westerlund. Der Stockholmer Hjelm ist wieder so einer, der sich nix um Genrezuschreibungen schert und einfach überzeugend zusammenbringt, worauf er Bock hat.

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Mess Out – We Will Set This Place On Fire – Mess Out 2026

Von Matthias Bosenick (09.06.2026)

Ganz unbekümmert vermengen Mess Out aus Lyon einfach mal so ziemlich alles, was sie in die Finger bekommen können, von Heavy Metal über Punk und Rap bis Rock, und machen daraus eine Art Crossover, wie man ihn aus den späten Neunzigern in Erinnerung hat, frei von Grenzen, alles ist möglich – alles, bis auf eine tatsächliche Neuerfindung von irgendwas. Die Energie stimmt, das kann man prima seinen Nachkommen empfehlen, falls die mal wissen wollen, wie man so als junger Mensch vor 25 Jahren musikalisch auf die Kacke gehauen hat. Ansonsten bleibt „We Will Set This Place On Fire“ eher innovationsfrei und egal.

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Gli Alberi – Maturafine – Masked Dead Records 2026

Von Matthias Bosenick (09.06.2026)

Aus drei mach fünf: Für ihr drittes Album „Maturafine“ erweiterte sich die Turiner Band Gli Alberi – Die Bäume – zur Quintettgröße, jetzt mit festem Schlagzeuger und mit einer zusätzlichen Sängerin. Die übernimmt mit annähernd klassischer Anmutung im Duett mit einem schreienden bis growlenden Kollegen die Stimmbeiträge, um diesen progressiven Metal zu garnieren. Als ambitioniert lässt sich das durchaus auffassen, allein – so richtig packt es als Ganzes leider nicht.

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Stick Men – 20260403 Elkton Music Hall, Elkton, MD – Iapetus Media 2026

Von Matthias Bosenick (08.06.2026)

Als Dankeschön dafür, den Newsletter abonniert zu haben, verschenken die Stick Men den mehr als anderthalbstündigen Livemitschnitt „20260403 Elkton Music Hall, Elkton, MD“; alle anderen dürfen ihn selbstredend regulär erwerben. Den Progrock hört man hier hautnah heraus: ausufernd, verschachtelt, komplex, frickelig und doch eingängig genug verzaubert das Trio sein Publikum, das auch hörbar angetan ist. Man wähnt sich auch beim Hören der Konserve hautnah mittendrin.

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Schizo Fun Addict – Desolate Ecstasy – Fruits de Mer Records 2026

Von Matthias Bosenick (08.06.2026)

Da geht die Sonne auf – zumindest temporär, denn da steckt doch weit mehr Dunkelheit in „Desolate Ecstasy“, dem neuen Album von Schizo Fun Addict. Ungefähr so wie der Bandname gestaltet sich auch die Musik des Quintetts aus New Jersey: Licht und Schatten bilden eine Einheit, Psychedelik, Pop, Fuzz, Wave und Kraut landen in einem Hut, und bei aller Vielfalt liegt kein Druck auf den Musizierenden, der Sound ist leicht, auch wenn er angerauht ist. An dieser Tränke finden viele Individuen ihr Labsal.

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The Dharma Chain – Some Kind Of Pure State – Spinda Records 2026

Von Matthias Bosenick (05.06.2026)

Unangepasst, keinen Trends folgend und nicht mal die eigenen Genreetiketten erfüllend: The Dharma Chain veröffentlichen mit ihrem zweiten Album „Some Kind Of Pure State“ ein Loblied auf den unkommerziellen Indie-Geist. Grundsätzlich machen die australischen Berliner eine Art Rockmusik, bewegen sich dabei dicht am Wave, erinnern nicht selten an die Cranes und sind auf eine zurückhaltende Art dynamisch. Wer mag, darf die von der Band genannten Genres gern zu ermitteln versuchen – aber Vorsicht, die Freude an dem Album lenkt davon ab.

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Tamikrest – Assikel – Glitterbeat 2026

Von Matthias Bosenick (04.06.2026)

Die Musik der Wüstenbluesrocker Tamikrest (ⵜⵎⴾⵔⵙⵜ), ehedem aus Mali, aus politischen Gründen seit über 15 Jahren in Europa beheimatet, ist schon lang kein reiner Wüstenbluesrock mehr. Das liegt sicherlich an der langen Zeit, die die Musiker Einflüssen ausgesetzt sind, die die Grenzen ihrer Tuareg-Traditionen weit überschreiten, sowie daran, dass die Band inzwischen auch Musizierende unterstützen, die aus anderen Gegenden dazustießen. „Assikel“, „Reise“, Studioalbum Nummer sechs, bündelt die diversen Erfahrungen zu einer Musik, die vertraut und exotisch, beruhigend und aufmunternd ist.

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Patrick Dorobisz – Narvik (Symphonic Interactions) – Atypeek Music 2026

Von Matthias Bosenick (04.06.2026)

Eine europäische Antifa-EP: Ein Franzose mit polnischen Wurzeln verarbeitet den ersten gemeinsamen Sieg der Alliierten gegen die Nazis im Frühjahr 1940 in der Schlacht bei Narvik in Norwegen mit seinen musikalischen Mitteln. Heißt: Patrick Dorobisz aus Lille komponiert minimal-neoklassische Elektronik über die Erlebnisse seines Vaters in „Narvik (Symphonic Interactions)“ und erstellt daraus zwei zehnminütige Instrumentalstücke. Künstlich, aber trotzdem da: Neoklassik-Antifa!

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