Liegengeblieben! (10)

Von Chrisz Meier (23.06.2026)

Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem Bürgerradio in Südwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt ständig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand kümmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der Plattenfirma, auf der die jeweilige Band stets als die Neuerfinder der Musik gepriesen wird, in einer schmucklosen Ablage, beschriftet mit „Zum Mitnehmen“. Einige der bei dem Sender ehrenamtlich Tätigen, Betreiber ihrer eigenen Radioshows, bedienen sich daraus, vieles bleibt aber dennoch liegen. Diese Liegengebliebenen durchforste ich in unregelmäßigen Abständen, immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen – nicht zuletzt deswegen, weil ich, selbst Teil einer Band, der keinerlei Beachtung entgegengebracht wird, es ungerecht finde, diese mit viel Herzblut und Zeit hergestellte Musik einfach zu ignorieren.

Also werde ich an dieser Stelle hin und wieder ein paar dieser Liegengebliebenen vorstellen. Und ja, dieser Text steht am Anfang jeden Teils dieser Reihe. Der letzte Beitrag ist nämlich schon vier Monate alt und niemand guckt nach „älteren Beiträgen“, oder?

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Through The Fractures – Beyond The Scars – Through The Fractures 2026

Von Matthias Bosenick (23.06.2026)

Den für den Metalcore üblichen klaren Gesang bringen Through The Fracturss erst im dritgen Track ihres Debütalbums „Beyond The Scars“ ein, ansonsten kombiniert die Band aus Frankreich das Gebrüll vom Hardcore mit dem Sound diverser Metal-Subgenres, wie Post Black, Djent oder Death. Auf weiten Strecken hört man also dichten Lärm, durchsetzt mit heruntergebrochenen Passagen. Gut, dass sie den Metalcore weit nach hinten stellen, der hätte diesem Album nur geschadet.

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Petrolio – Club Atletico Voces Y Gritos – Petrolio 2026

Von Matthias Bosenick (23.06.2026)

Fünf lange Tracks mit fünf Gästen sammelt Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio auf dem neuen Album „Club Atletico Voces Y Grita“ zusammen. Vier der fünf Stimmbeitragenden sind Frauen. Kombiniert mit den düsteren synthetischen Soundscapes und den wenigen, dann langsamen Beats ergibt dies eine dem Industrial nahe Ritualmusik, einen zerbrochenen Dreampop, verdunkelte Sakralgesänge.

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Godes Yrre – Feelings Can Burn You – Godes Yrre 2025/Bitume Prods 2026

Von Matthias Bosenick (19.06.2026)

Es ist, als beobachtete man einen Haubentaucher: Er schwimmt vor einem, taucht ab und tritt ewig später an einer völlig anderen Stelle des Teiches wieder an die Oberfläche. Der Kubanische Multiinstrumentalist Abel Oliva hob 1994 für ein Demo das Projekt Godes Yrre aus der Taufe, verschwand sofort und trat erst 2017 in Zürich wieder in Erscheinung. Nach diversen Alben erschien im vergangenen Jahr „Feelings Can Burn You“, das wiederum drei mit zahlreichen Gästen eingespielte EPs vereint und das das Label Bitume Prods nun physisch unter die Leute bringt. Olivas Gothic-Doom hat Merkmale, die das Genre sprengen – um eine merkwürdige gute Laune, wie bei Rob Zombie.

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Front 242 – Black Out – Alfa Matrix 2026

Von Matthias Bosenick (19.06.2026)

Einmal noch die Hütte anzünden, bevor es in den Live-Ruhestand geht. Einen letztgültigen Abschied nehmen die EBM-Erfinder Front 242 noch nicht, lassen aber offen, was das zu bedeuten hat. Selbst längst alte Belgier, fackelten sie am 25. Januar 2025 im Ancienne Belgique zu Brüssel ein Hitfeuerwerk ab, das ihre 40 Jahre währende Existenz abdeckt, inklusive dreier bislang unveröffentlichter Stücke, die es auf dem in diversen Formaten vorliegenden Mitschnitt „Black Out“ zu haben gibt. Die neuen Songs machen Lust auf mehr – aber wie gesagt: Wer weiß, was das Nicht-Ende der Band für Folgen haben wird. Feuer haben sie jedenfalls noch hinreichend.

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Durchströmungen 5: Stromschnellen – Separated Beats 2026

Von Matthias Bosenick (18.06.2026)

Zum fünften Mal wechselt Benjamin „Ben“ Bekeschus seine Aliasse, um eine Schein-Compilation unter dem Titel „Durchströmungen“ zu erstellen. Die „Stromschnellen“ führen vorbei an Dub, Trance, House und Techno und legen im Verlaufe an Tempo und Energie zu. Um wieder runterzukommen, empfiehlt es sich, das Album einfach rückwärts zu hören. Die „Stromschnellen“ machen, wie die anderen vier Teile, auch außerhalb von Clubs gute Laune.

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Dirk Serries & Asmus Tietchens – Die Regeninsel – Attenuation Circuit 2026

Von Matthias Bosenick (18.06.2026)

Der Titel „Die Regeninsel“ klingt romantischer als die Musik, die sich auf dem so benannten Album findet. Dronemeister Dirk Serries und Soundavantgardist Asmus Tietchens verbrüdern sich zum sechsten Mal, um auf der Gitarre generierte Geräusche in Soundscapes, Ambient, Drones und weiteres Kopfkino zu verbiegen. Für jedes ihrer gemeinsamen Alben wandten sie eine andere Herangehensweise an, dieses Mal manipulierte Tietchens die von Serries an diversen Effektgeräten erzeugten Gitarrensounds zu unheimlichen Wetterlagen. Nach Gitarre indes klingt hier gar nichts mehr – so geht das, wenn zwei Zauberer zusammenkommen.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Tierhorror – „Bloody Milk“ vs. „Orca, der Killerwal“

Von Onkel Rosebud

Warum hat man mehr Mitleid, wenn im Film ein Tier stirbt, als ein Mensch? Meine Freundin meint, das sei Unsinn, ich würde mir das nur einreden. Auch das Wort Misanthropiefiel. Dann schauten wir „Bloody Milk“ und heulten zusammen bei der Abschluss-Szene Rotz und Wasser.

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Vanessa Van Basten – Yes – Subsound Records 2026

Von Matthias Bosenick (17.06.2026)

Etwas Neues von Vanessa Van Basten! Das letzte Lebenszeichen war 2015 die orangefarbene 10“ mit verstonerten The-Cure-Coverversionen, die „Disintegration EP“, und bei Lichte betrachtet, klingt die auch auf „Yes“ an, dem neuen, erst dritten Album. Dabei lässt sich die Musik des Genueser Duos eigentlich gar nicht so leicht einsortieren: melancholischer Post Rock, Shoegaze, Experimentalmusik, Sludge Metal, Folk, Ambient, Stoner Rock, Downbeat-Electro, eigentlich kaum Wave Rock, aber mit dem abgedunkelten Gestus als Bezeichnung durchaus angemessen. Willkommen zurück, Vanessa Van Basten!

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Nine Inch Nails – Tron Ares: Divergence/Nine Inch Noize – The Null Corporation/Interscope/Walt Disney Records 2026

Von Matthias Bosenick (17.06.2026)

Merkwürdig, woran liegt es? Am fehlenden Druck, weil die Musik dieses Mal nicht explizit in einem Disney-Film verwendet werden muss? Daran, dass andere Leute bessere Ideen davon haben, wie Musik der Nine Inch Nails im Jahre 2026 klingen könnte? Wie auch immer: Die Remix-Version „Divergence“ des Soundtracks zu „Tron: Ares“ fällt um ein Vielfaches besser aus als die reguläre Variante. Der zweite gemutmaßte Aspekt indes trifft nicht grundsätzlich zu: Die als „Nine Inch Noize“ veröffentlichten Versionen von Nine-Inch-Nails-Tracks im Kleid von Boys Noize haben eher etwas von Industrial-Schlager.

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