Görl – Dark Silver Moon Light – Grönland 2026

Von Guido Dörheide (15.06.2026)

Immer, wenn ich im Stammlokal meiner selbst und des Herausgebers dieser Zeilen hier die Ruheräume benützen gehe, fällt mir das große Plakat ins Auge, auf dem es in etwa heißt:

  • Haltet Abstand!
  • Wascht Euch die Hände!
  • Niest in die Armbeuge!
  • Geht in die Knie!
  • Und tanzt den Mussolini!!!

So oder so ähnlich versuchte es uns die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (D.A.F.) unter Zuhilfenahme von Adolf Hitler und Jesus Christus (ich glaube auch in der Reihenfolge) in den 80er Jahren des vergangen Jahrhunderts aufzuoktroyieren. Der Räuber und der Prinz seien mein Zeuge. Bis Gabi Delgado dann 2020 viel zu jung starb, versuchten D.A.F. immer wieder, zu alter Relevanz zurückzufinden, mal mit mehr und mal mir weniger Erfolg („Der Sheriff“ von 2003 fand ich zumindest nicht schlecht).

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Flix & Reinhard Kleist – Lucky Luke: Hommage (8) Die Grimm Brothers – Egmont/Ehapa 2026

Von Matthias Bosenick (15.06.2026)

Und wenn diese Hommage-Reihe von Lucky Luke hundertmal bei den Specials von Spirou & Fantasio abgeguckt ist, die Idee und deren Umsetzung sind gut genug, um sie zu kopieren. Zur Bestätigung sei der achte Band „Die Grimm Brothers“ herangezogen, in dem Flix als Szenarist und Reinhard Kleist als Zeichner die Gebrüder Grimm in den Wilden Westen schicken, um dort erst mit deutschen Märchen zu scheitern und dann mit amerikanischen das Rechtsempfinden ihrer Zuhörer durcheinanderzuwirbeln. Anspielungen, Gags, Zeichnungen, Story: da passt alles.

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Tonnen von Hall – Donnermesser – Unsung Records 2026

Von Matthias Bosenick (15.06.2026)

„Ein Abdruck vom Messer im Herzen“, das Debüt-Album des Mathcore-Jazz-Trios Tonnen von Hall aus Berlin, hatte satte 21 Tracks, und für die EP „Donnermesser“ wählten die drei Musiker fünf davon aus, um sie – teils mit prominenten Gästen – einer neuen Herangehensweise zu unterwerfen. Der Sound der Gitarren ist jetzt so nahe an den Djent gerückt, dass in Kombination mit den verschachtelt-frickeligen Arrangements schnell der Gedanke an Meshuggah aufkommt. Krass, wie das nur zu dritt so klingen kann, möchte man denken, doch die Gäste tragen zum Sound eine Menge bei: Gitarrist Jan Zehrfeld von Panzerballett, Gitarristin Sally Gates von Titans To Tachyons und Shining-Saxophonist Jørgen Munkeby. Und kein Bass!

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Paul McCartney – The Boys Of Dungeon Lane – Capitol Records 2026

Von Guido Dörheide (14.06.2026)

Ja oh Hammer – der mittlerweile 83jährige Paul McCartney ist nicht nur angeblich seit Jahrzehnten tot, er wird auch nicht müde, mit immer besser werdenden Veröffentlichungen auf sich aufmerksam zu machen.

Aufgewachsen in einem rockmusikfernen Haushalt, habe ich mit Paul McCartney erstmals 1993 mit „Hope Of Deliverance“ so richtig Bekanntschaft gemacht. Natürlich kannte ich viele seiner Beatles-Großtaten vom Hörensagen und Schonmalgehörthaben, aber diese Musik lief „zu meiner Zeit“ nicht ständig im Radio und hatte zuhause weniger Stellenwert als sagen wir mal Rondo Veneziano, Hermann Prey und James Last. Also dann 1993 „Hope Of Deliverance“ in Heavy Rotation auf Music Television, und ich dachte, „Was für ein abgeschmackter Scheiß!“ Allein schon Sir Paul ihm seine Haarfrisur – aber es wurde ja auch nicht sein Hairstylist zum Ritter geschlagen, sondern Paul himself, und außerdem geschah das ja auch erst wenige Jahre darauf.

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Neurosis – An Undying Love For A Burning World – Neurot Recordings 2026

Von Matthias Bosenick (11.06.2026)

Bei manchen Bands will man auch gar nicht, dass sie sich großartig verändern. Und hört man dann deren neue Alben, stellt man fest, wo sie dennoch Veränderungen enthalten, Erweiterungen, Verschiebungen, Neuerungen, und ist dann nochmal eins glücklicher darüber, auch den drölfzigsten Tonträger in den Fingern zu halten. „An Undying Love For A Burning World“ ist dann auch noch ein unerwartet herzenswarmer Titel für ein Album einer solchen Sludge-Metal-Lärmband wie Neurosis – strenggenommen ihr erst zwölftes, zudem das erste nach zehn Jahren Pause.

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Devin Townsend – The Moth – Inside Out Music 2026

Von Matthias Bosenick (11.06.2026)

Überambitionierter Kleistermeister: Seit zehn Jahren schwirrt „The Moth“ bei Devin Townsend im Kopf herum, jetzt auch auf Tonträger. Auf diesem Mammutwerk geht der kanadische Gitarrengott ™ die unheilige Allianz von Metal und Klassik ein, und er bringt darauf tatsächlich alles unter, was selbst einem Laien einfallen würde, und noch zwei Dutzend Ideen obendrauf. Eines Nur nicht: wiedererkennbare Songs, die man sich als jahrzehntelanger Devinfan gern ein weiteres Mal anhören mag. Um es mit Guido Dörheide zu sagen: Opulenz in Hülle und Fülle.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Über die inflationäre Verwendung des Begriffes „Nazi“

Von Onkel Rosebud

Neulich luden meine Freundin und ich zum Dinner und der Besuch verstieß gegen Regel-Nummer-Eins: Tisch und Küche wird von dem gesäubert, dem sie gehört. Als sich die Freundin eines Freundes daran machte, die Spülmaschine einzuräumen, bemerkte sie, wie fein geordnet die Essgeräte einsortiert waren. Daraufhin erklärte meine Freundin ihr etwas neurotisches Verständnis von Ordnung im Spüli-Besteckfach und erntete die Bezeichnung „Spülmaschinen-Nazi“. Anfangs lachte ich mit, aber es war eher die Sorte, die im Halse stecken bleibt, weil es meiner Freundin sichtlich nahe ging. Sie schaute wie ein Hamster in Panik. Ich fragte mich, ist irgendwas mit „Nazi“ genannt zu werden eine Beleidigung?

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Buy Jupiter – Earth – Buy Jupiter 2026

Von Matthias Bosenick (10.06.2026)

Eindeutig: Buy Jupiter kennen Meshuggah, das lässt sich auf dem Debüt- Album „Earth“ aus dem Stand ermitteln. Gottlob hat die Band aus Lyon mehr auf der Pfanne, zum Beispiel den Hardcore, den man hier mit etwas Spielraum auch als Metalcore auffassen könnte, sowie komplett sanfte Seiten. Doch insgesamt sind die Tracks auf eine brutale Weise progressiv (und auf eine progressive Weise brutal), das lässt das Haupt-Merkmal Djent durchaus anbringen.

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Hans Hjelm – The Night Electronic – Kungens Ljud & Bild 2026

Von Matthias Bosenick (10.06.2026)

Sein neues Album „The Night Electronic“ – eine Neubearbeitung früherer Stücke – steckt der Schwede Hans Hjelm bei Progressive Rock und Art Rock in die Schubfächer, und wenn das hier Prog sein soll, dann wird es umgehend Zeit, Fan zu werden. Vielmehr trifft nämlich der Albumtitel zu: Dunkelheit und trippige Elektronik bestimmen den Sound, garniert mit Gesang von Hildur Ottilia und ein Bisschen auch von Viktor Westerlund. Der Stockholmer Hjelm ist wieder so einer, der sich nix um Genrezuschreibungen schert und einfach überzeugend zusammenbringt, worauf er Bock hat.

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Mess Out – We Will Set This Place On Fire – Mess Out 2026

Von Matthias Bosenick (09.06.2026)

Ganz unbekümmert vermengen Mess Out aus Lyon einfach mal so ziemlich alles, was sie in die Finger bekommen können, von Heavy Metal über Punk und Rap bis Rock, und machen daraus eine Art Crossover, wie man ihn aus den späten Neunzigern in Erinnerung hat, frei von Grenzen, alles ist möglich – alles, bis auf eine tatsächliche Neuerfindung von irgendwas. Die Energie stimmt, das kann man prima seinen Nachkommen empfehlen, falls die mal wissen wollen, wie man so als junger Mensch vor 25 Jahren musikalisch auf die Kacke gehauen hat. Ansonsten bleibt „We Will Set This Place On Fire“ eher innovationsfrei und egal.

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