PigFace with Genesis P-Orridge – Howler: An English Breakfast – Overdrive Records/PPIM 2026

Von Matthias Bosenick (06.07.2026)

Vorsicht: Sammler sämtlicher Alben von Pigface haben diese Musik bereits, nämlich auf der zweiten CD des vierten Albums „A New High In Low“. Nicht indes haben sie sie auf Vinyl, schon gar nicht im launigen Splatter. Ansonsten lässt sich zu „Howler: An English Breakfast“ feststellen, dass eine Impro-Session mit dem bekloppten Genesis P-Orridge immerhin chilligen Dub ergibt, über den ein Kasper quasselt. Freunde von Mick Harris (Napalm Death, Scorn) dürfen sich über dessen Beteiligung an der Session freuen.

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BalashToth – Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will – Pest Records/Metal Ör Die Records/ Not Even Music 2026

Von Matthias Bosenick (06.07.2026)

Nicht schlecht: Mit dem zweiten Teil der „Equation“-Reihe veröffentlicht die irische Ein-Personen-Band BalashToth ihr Debütalbum, sieben Jahre nach der Gründung. Darauf zu hören gibt es Melodic Death Metal Göteborger Art, darauf zu lesen gibt es, analog zu einem anderen Musiker aus Irland, mathematische Zeichen in den Titeln, aber anders als bei jenem anderen Musiker aus Irland kann man sich „Equation II: The Antithesis Of Life And Free Will“ schadlos anhören.

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Beck – Everybody’s Gotta Learn Sometime – Capitol/EMI 2026

Von Matthias Bosenick (03.07.2026)

Was macht Beck Hansen eigentlich heute? 2019 erschien sein letztes Album „Hyperspace“, auf dem der vormalige Slacker den Hyperpop austestete, und seitdem ist Ruhe. Kurioserweise fällt dies mit dem Zeitpunkt zusammen, an dem er klarstellte, dass er – Gott sei’s gepriesen! – längst kein Scientologe mehr ist. „Everybody’s Gotta Learn Sometime“ ist eine Sammlung von Raritäten, die er für Film, Funk und Fernsehen erstellte und auf rotem Vinyl als Album anbietet. Soft geht’s zu, viele Oldschool-Schlager-Cover, und es fällt einem irgendwie leicht, sich mit dem latent knödeligen Beck auf die Chaiselongue zu kuscheln. Teuer ist’s: Mehr als einen Euro pro Minute. Aber das ist es wert.

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Spider-Noir – Oren Uziel – MGM+/Prime Video 2026

Von Matthias Bosenick (02.07.2026)

Merkwürdig: Muss es erst die Comic-Ästhetik sein, die Filmemachende dazu bringt, sich auch mal unkonventionelle und dabei enorm ästhetische Darstellungsweisen einfallen zu lassen? Die verbewegtbilderung von „Spider-Noir“ ist ein Fest fürs Auge, und das nicht nur, weil es die Serie in zwei Darreichungsformen gibt, nämlich in noirtypischem Schwarzweiß und in knackig koloriert, sondern weil hier mit Licht und Schatten, Perspektiven und Bildkompositionen gespielt wird, die der humorvollen, spannenden Geschichte gut zu Gesicht stehen. Die regemäßigen Anschlussfehler ignoriert man dann einfach.

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Fiesta Alba – Drops Of Sunshine In The City Of Spectres – Neontoaster Multimedia Dept./Altipiani 2026

Von Matthias Bosenick (02.07.2026)

Die verrückten Römer sind wieder da! „Drops Of Sunshine In The City Of Spectres“ liest sich beinahe länger, als es braucht, diese zweie EP des maskierten Kollektivs zu hören. Darauf machen Fiesta Alba hypernervösen Frickelkram, den man nicht mal konkret der Rockmusik zuordnen kann. Jazz, Afrobeat, Art-Pop, Folk, weit mehr als das ist drin, und anstatt das satte Gebräu zu übersättigen, richten die Musizierenden es behutsam und zurückgenommen aus. Erstaunlich genug bei all der Frickelei, dass dabei anspruchsvolle, aber dennoch leicht zugängliche Musik entsteht.

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Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Alphamännchen: Hypochonder mit Hodenkrebs

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin hat mich genötigt, diesen Text über die Serie „Alphamännchen“ zu schreiben. Eigentlich hatte ich das nicht vor, weil der Verriss über eine deutsche Komödie, die sich mit dem Thema toxische Männlichkeit und Geschlechtergerechtigkeit auseinandersetzt, überflüssig ist. Doch wegen des Schauspielers Moritz Führmann, der einen zweifacher Vater, der in der Kluft zwischen Familienalltag und libidinösen Dauerbegeisterung seiner Frau Silke (auch toll Franziska Machens) nicht klarkommt, darbietet, mache ich eine Ausnahme.

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Breeding Chaos – Distant Planets – Breeding Chaos 2024/Great Dane Records 2026

Von Matthias Bosenick (01.07.2026)

Weil die nachgereichte Single „Legion Of The Dead“ von Breeding Chaos aus Marseille im vergangenen Jahr so viel Staub aufwirbelte, kommt das selbstveröffentlichte Debüt „Distant Planets“ aus dem Jahr 2024 jetzt nochmal via Label heraus. Nach all den Jahrtausenden, die es Musik gibt, erfinden die vier Franzosen ein neues Genre: Cosmic Death Metal. Heißt: Die Musik ist brutal und böse, dunkel und auf die Fresse, aber birgt progressive Anteile und behandelt gegrowlte Weltraumthemen. Für so viel gewitzten Einfallsreichtum nimmt man manche Holprigkeiten grinsend und matteschüttelnd in Kauf.

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Голуби и Безумные Кашевары – Сердце – addicted/noname label 2026

Von Matthias Bosenick (01.07.2026)

Auf seinem neuen Album „Сердце“, „Herz“, steigert sich das riesengroße Kollektiv Голуби и Безумные Кашевары, Tauben und verrückte Porridge-Köche, in Sachen Tempo und Energie im Verlauf der Spielzeit. Mit einer erheblichen Bläserfraktion und diversen Stimmen inklusive Chor generiert die Band aus St. Petersburg eine gottlob schwer sortierbare, in jedem Fall mitreißende Musik, psychedelisch grundiert und zur ausgelassenen Party neigend. Mag man gar nicht glauben, dass dies ein Livemitschnitt ist!

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Die Morde – A Pestilence – Antibody Label 2026

Von Matthias Bosenick (30.06.2026)

Sobald Onkel Titus seine Kreissäge anwirft, darf getanzt werden. Im Stakkato. Denn das belgische Electro-Duo Die Morde zerhackt alles, was man sich so als Musik imaginiert, dreht es durch zerfleischende Gerätschaften und generiert daraus doch wieder irgendwie nachvollziehbare Musik. Nur eben sehr, sehr extrem. „A Pestilence“ ist die Debüt-EP von Cédric Dambain und Yannick Franck als Die Morde, und man kann hier grob das Etikett Rhythm And Noise anbringen, da Industrial allein zu kurz greift. Lärm wäre auch okay.

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