Von Matthias Bosenick (25.06.2026)
Der Bandname ist gut: Taihr lässt sich mit eindeutigen Ergebnissen googeln, da dieses Wort sonst gar nicht verwendet wird. Was natürlich Fragen nach dessen Bedeutung aufwirft. Die beantwortet das in Köln ansässige international besetzte Septett indes nicht, was nicht schlimm ist: Lässt man halt das zweite Album „Allicanto“ auf sich prasseln. Darauf vermengen Taihr Sounds aus aller Welt, die irgendwie auf Indierock basieren und sich vor lateinamerikanischen Rhythmen nicht fürchten. Eine gehörige Schippe Pop lässt die Sonne aufgehen. Heiß!
Dualisis – Us – Dualisis 2026
Von Matthias Bosenick (25.06.2026)
Der Gesang aus dem Post Punk, die Musik dazu ist Metal, nach Aussage der Band progressiver Art: Auf seiner Debüt-EP „Us“ geht das französische Quintett Dualisis eine unerwartete, aber gut funktionierende Kombination ein. Mit dem Etikett „progressiv“ ist man ja heutzutage schnell bei der Hand, hier ist der Metal in weiten Strecken sogar eher thrashig. Da helfen auch Keyboards und Geigen nix gegen, das kommt gut.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Mankeeping
Von Onkel Rosebud
Meine Freundin und ich sind auch ein bisschen wie Homer und Marge Simpson, denn was er ohne sie wäre, vermag man sich gar nicht vorzustellen. Allerdings würde ich nicht wie Homer in einer Episode offen zugeben, dass er Marge nichts zu bieten hätte, außer seiner totalen Abhängigkeit. Für Marge ist das Gefühl, gebraucht zu werden, Grund genug, mit ihm zusammenzubleiben.
WeiterlesenSmokemaster – In The Temple – Tonzonen Records 2026
Von Matthias Bosenick (24.06.2026)
Alles drin, was die psychedelische Musik gegen Ende der Sechziger braucht: Orgel, entrückten Harmoniegesang, schöne Melodien, ein Anflug von Rock. Mit „In The Temple“ unternehmen Smokemaster aus Köln zum dritten Mal eine Zeitreise um 60 Jahre zurück. Was sie mitbringen, erweitert das Bewusstsein, indes weniger den Horizont: Sie bleiben der Tradition treu und ignorieren die Moderne. Das Alte indes ordnet das Quintett attraktiv an.
Bambi OFS – Minke – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (24.06.2026)
Denkt man zunächst noch sehr direkt an Aphex Twin und an Scorn, erweitert Cédric Dambrain sein Soundportfolio schon bald. Sicherlich ist „Minke“, die dritte Veröffentlichung seines Projektes Bambi OFS, grob in Richtung IDM angesiedelt, im Verlaufe aber wesentlich dunkler und beklemmender als die Sachen von Richard D. James, etwas näher an denen von Mick Harris. Auf eine komplexe Weise sind die an analogen Synthesizern entstandenen Tracks des Brüsselers sogar tanzbar, wenn man mehr möchte als einfach nur erstaunt zuhören.
Liegengeblieben! (10)
Von Chrisz Meier (23.06.2026)
Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem Bürgerradio in Südwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt ständig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand kümmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der Plattenfirma, auf der die jeweilige Band stets als die Neuerfinder der Musik gepriesen wird, in einer schmucklosen Ablage, beschriftet mit „Zum Mitnehmen“. Einige der bei dem Sender ehrenamtlich Tätigen, Betreiber ihrer eigenen Radioshows, bedienen sich daraus, vieles bleibt aber dennoch liegen. Diese Liegengebliebenen durchforste ich in unregelmäßigen Abständen, immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen – nicht zuletzt deswegen, weil ich, selbst Teil einer Band, der keinerlei Beachtung entgegengebracht wird, es ungerecht finde, diese mit viel Herzblut und Zeit hergestellte Musik einfach zu ignorieren.
Also werde ich an dieser Stelle hin und wieder ein paar dieser Liegengebliebenen vorstellen. Und ja, dieser Text steht am Anfang jeden Teils dieser Reihe. Der letzte Beitrag ist nämlich schon vier Monate alt und niemand guckt nach „älteren Beiträgen“, oder?
WeiterlesenThrough The Fractures – Beyond The Scars – Through The Fractures 2026
Von Matthias Bosenick (23.06.2026)
Den für den Metalcore üblichen klaren Gesang bringen Through The Fracturss erst im dritgen Track ihres Debütalbums „Beyond The Scars“ ein, ansonsten kombiniert die Band aus Frankreich das Gebrüll vom Hardcore mit dem Sound diverser Metal-Subgenres, wie Post Black, Djent oder Death. Auf weiten Strecken hört man also dichten Lärm, durchsetzt mit heruntergebrochenen Passagen. Gut, dass sie den Metalcore weit nach hinten stellen, der hätte diesem Album nur geschadet.
Petrolio – Club Atletico Voces Y Gritos – Petrolio 2026
Von Matthias Bosenick (23.06.2026)
Fünf lange Tracks mit fünf Gästen sammelt Enrico Cerrato aus Asti unter seinem Alias Petrolio auf dem neuen Album „Club Atletico Voces Y Grita“ zusammen. Vier der fünf Stimmbeitragenden sind Frauen. Kombiniert mit den düsteren synthetischen Soundscapes und den wenigen, dann langsamen Beats ergibt dies eine dem Industrial nahe Ritualmusik, einen zerbrochenen Dreampop, verdunkelte Sakralgesänge.
Godes Yrre – Feelings Can Burn You – Godes Yrre 2025/Bitume Prods 2026
Von Matthias Bosenick (19.06.2026)
Es ist, als beobachtete man einen Haubentaucher: Er schwimmt vor einem, taucht ab und tritt ewig später an einer völlig anderen Stelle des Teiches wieder an die Oberfläche. Der Kubanische Multiinstrumentalist Abel Oliva hob 1994 für ein Demo das Projekt Godes Yrre aus der Taufe, verschwand sofort und trat erst 2017 in Zürich wieder in Erscheinung. Nach diversen Alben erschien im vergangenen Jahr „Feelings Can Burn You“, das wiederum drei mit zahlreichen Gästen eingespielte EPs vereint und das das Label Bitume Prods nun physisch unter die Leute bringt. Olivas Gothic-Doom hat Merkmale, die das Genre sprengen – um eine merkwürdige gute Laune, wie bei Rob Zombie.
Front 242 – Black Out – Alfa Matrix 2026
Von Matthias Bosenick (19.06.2026)
Einmal noch die Hütte anzünden, bevor es in den Live-Ruhestand geht. Einen letztgültigen Abschied nehmen die EBM-Erfinder Front 242 noch nicht, lassen aber offen, was das zu bedeuten hat. Selbst längst alte Belgier, fackelten sie am 25. Januar 2025 im Ancienne Belgique zu Brüssel ein Hitfeuerwerk ab, das ihre 40 Jahre währende Existenz abdeckt, inklusive dreier bislang unveröffentlichter Stücke, die es auf dem in diversen Formaten vorliegenden Mitschnitt „Black Out“ zu haben gibt. Die neuen Songs machen Lust auf mehr – aber wie gesagt: Wer weiß, was das Nicht-Ende der Band für Folgen haben wird. Feuer haben sie jedenfalls noch hinreichend.









