Von Matthias Bosenick (07.09.2026)
Stoppt die Blödsinnsfahrt der U-Bahn 123! Wie befürchtet: Was mit einer ersten Staffel solide und spannend begann, bekommt eine bekloppte Fortsetzung. Die Hauptfigur der ersten Staffel von „H/jack“ geriet in jener in eine Flugzeugentführung und wurde zum Actionheld wider Willen, in dieser zweiten Staffel einer mit Ansage. Aber einer verworrenen, die am Schluss den selbigen zulässt, dass die ganze in einer Berliner U-Bahn spielende Staffel mit einer anderen Entscheidung am Anfang komplett gar nicht nötig gewesen wäre. Was einem die konfuse Erzählweise indes verschleiert. Nein, das war nix.
Massive Attack & Tom Waits – Boots On The Ground – Play It Again Sam 2026
Von Matthias Bosenick (07.09.2026)
„Boots On The Ground“ ist mehr Tom Waits als Massive Attack, da ordnen sich die tonangebenden Bristoler dem wutknurrenden Kalifornier musikalisch unter. Eine Sensation ist dieser gemeinsame Track nach jahrelanger Pause auf beiden Seiten, inhaltlich erfüllt er die Parameter eines Protestsongs, musikalisch ist er eher durchschnittlich. Die Vinyl-B-Seite nimmt ein Spoken-Word-Track von Waits ein, der das Thema vertieft. Interessanterweise sind beide Tracks exakt 4:21 Minuten lang.
Was Guido gehört hat… im Juli 2026 – Teil 2
Muto – Muto – Davide Martiello 2026
Von Matthias Bosenick (04.09.2026)
Dieses Album erfordert Zeit, und zwar Zeit, sich fallen zu lassen, alles auszuschalten, was Alltag bedeutet, seine Gedanken zu lockern und in die Leere zu schicken, seinen Körper vom Untergrund zu lösen und Worte wie Nebel zerstieben zu lassen. Muto nennt Jazzgitarrist Davide Martiello sein Soloprojekt, „Muto“ nennt er auch sein Debüt, und auf dem spielt der wohnhafte Florentiner seine Gitarre als Chill-Out-Instrument, indem er Tracks generiert zwischen Neoklassik, Ambient und Post-Rock, und zwar ausschließlich auf seiner Gitarre.
Vibravoid – A Reason For Now – Tonzonen Records 2026
Von Matthias Bosenick (03.09.2026)
Ein wichtiges Zeichen der Nachhaltigkeit kommt dieser Tage aus Düsseldorf: Vom Individualverkehr auf den ÖPNV satteln Vibravoid um, nämlich von der Kraftwerkschen „Autobahn“ auf die ureigene „Straßenbahn“. Die Fahrt geht auch noch doppelt so schnell. Auf „A Reason For Now“, ihrem neuen Album, wildern die Kraut-, Stoner- und Psychedelik-Rocker in noch mehr Gewässern als den genannten, so darf man sich auch mal in den Neunzigern in Nordengland wiederfinden. Als Bonus gibt’s den selbstgedrehten 40minütigen Stummfilm „Im Zeichen des Zwilling“ aus dem Jahr 2019 on top obendrauf, außerdem kündigt der Bandchef ein Buch über die Düsseldorfer Subkultur an.
Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Creepy Number Nine
Von Onkel Rosebud
Die Lieblingszahl meiner Freundin ist die Neun. So war es nur eine Frage der Zeit, bis sie die britische Fernsehserie „Inside No. 9“ entdeckte. Von der gibt es 9 Staffeln mit insgesamt 55 Episoden im Stil einer schwarzen Komödie. Jede 30-minütige Folge ist eine in sich abgeschlossene Geschichte mit neuen Charakteren und neuen Schauplätzen. Die Geschichten sind nur durch einen Schauplatz verbunden, der in irgendeiner Weise mit der Zahl 9 zu tun hat, sei es ein Herrenhaus, eine Garderobe oder sogar ein Schuh der Größe 9 sowie durch die Messingstatue eines Hasen, die in allen Folgen versteckt ist.
WeiterlesenSpaziergang nach Syrakus – Lars Jessen – D 2026
Von Matthias Bosenick (02.09.2026)
Auf der Suche nach der Quelle für seine Sehnsucht versteigt sich Paul in dem literarisch inspirierten Wunsch, zu Fuß nach Sizilien zu wandern. Dumm nur, dass er in der DDR lebt. Der „Spaziergang nach Syrakus“ von Regisseur Lars Jessen begleitet man gern, weil hier der Tonfall stimmt, ausgewogen zwischen Ernst und Humor, und auch sonst alles das Auge erfreut. Fast alles, denn die Wende bedeutet hier auch dramaturgisch eine Zäsur.
Hyperdump – Weird Stories From Dumptown – Octopus Rising 2026
Von Matthias Bosenick (01.09.2026)
Wie klingt eine Band, die Faith No More, Devin Townsend und Strapping Young Lad als Einflüsse angibt? Irgendwie nach Gojira, die etwas kompakter und zugänglicher unterwegs sind. Solches trifft auf Hyperdump und deren drittes Album „Weird Stories From Dumptown“ zu, und wie’s der Zufall will, sind auch diese fünf Musiker aus Frankreich, ganz wie Gojira. Hier bekommen Nackenmuskel eine besonders heftige Massage.
DNLB – PhaeOne/PhaseTwo – db2fluctuation 2026
Von Matthias Bosenick (31.08.2026)
Für sein zweiteiliges neues Programm „Phase“ – bestehend aus den Einzelveröffentlichungen „PhaseOne“ und „PhaseTwo“ – poliert Daniel Bressanutti, hier DNLB genannt, seine Synthies mit Glasreiniger. So klare Sounds, als säße der Mitgründer der belgischen EBM-Erfinder Front 242 direkt im Kopf der Hörerschaft. Und dort stellt er alles auf den selbigen: Was als Ambient beginnt, bekommt im zweiten Teil einen extrem scharfen Beat.
Mastodon – Marrow Deep – Loma Vista 2026
Von Guido Dörheide (30.08.2026)
Mastodon liegen mir unter allen Metalbands, die ausschließlich Klargesang einsetzen, besonders am Herzen. Hier vermischen sich harter Rock, Sludge, Jazz, klassischer Heavy Metal und Progressive Metal auf eine Art und Weise, wie ich es sonst nur entfernt ähnlich bei Baroness erlebe. 2025 war ein hartes Jahr für die Band aus Atlanta, Georgia, US of A: Im März verließ mit Brent Hinds nicht nur einer von Mastodons damals drei Sängern und zwei Gitarristen, sondern mit seiner holzfällerartigen Erscheinung und seinen zwischen streitbar und erratisch schwankenden Statements („I fucking hate Heavy Metal“/„A shit band with horrible humans“) auch sowas wie das Gesicht Mastodons die Band. Im November starb Hinds in Folge eines Motorradunfalls. Ein danach erschienenes Interview mit der Band zeichnet das Bild eines psychisch schwer angeschlagenen Menschen mit einem massiven Suchtproblem, mit dem auszukommen in etwa so leicht gewesen sein musste wie mit Ginger Baker in nüchternem Zustand. Die Geschichte der Band wäre ohne Hinds und mit dem neuen Leadgitarristen Nick Johnston und dem jetzt fest zur Band gehörenden Tourkeyboarder João Nogueira (bekannt und beliebt aus keiner geringeren Band als The Claypool Lennon Deririum!!!) ohnehin weitergegangen, aber Hinds’ Tod markiert einen nochmals tieferen Einschnitt als sein bloßer Rauswurf und macht „Marrow Deep“ zu einem Album, auf dem nicht nur die Erwartung, Mastodon können musikalisch ähnlich eindrucksvoll weitermachen als zuvor, sondern auch, dass sie Hinds ein angemessenes Denkmal errichten, lastet.
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