Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Der Sound echter Synthies ist einfach unübertroffen, wenn im Anschlag der Tasten Späne zu fliegen scheinen. Seit seinem Abgang von Front 242 verlegt sich Daniel Bressanutti auf Ambient alter Berliner bis Düsseldorfer Schule, dargebracht in Brüsseler Eigensinnigkeit. „ElletroStrada26“ (sic!, nicht elettro) ist sein jüngstes Output, veröffentlicht unter dem noch recht neuen Alias DNLB, verkürzt vom bereits verkürzten Daniel.B. und eigentlich eher eine Spielerei, denn der Sound dieser zwei überlangen Tracks fügt sich in sein bisheriges Oeuvre passgenau ein – und lässt mit harten EBM-Beats die Sehnsucht nach einem finalen Album von Front 242 aufkommen.
Michael Møller – The Mountains Sing – Glorious Records 2026
Von Matthias Bosenick (28.05.2026)
Interessant: Neben Moi Caprice ist Michael Møller auch Sänger bei dem Projekt The Mountains, und wenn sein jüngstes Soloalbum den Titel „The Mountains Sing“ trägt, könnte man einen Bezug dazu annehmen – und läge komplett falsch. Denn Møller bezieht sich auf das Buch gleichen Titels, zu Deutsch: „Der Gesang der Berge“, der vietnamesischen Autorin Nguyễn Phan Quế Mai, die an dieser Musikwerdung ihres Werkes sogar beteiligt war. So entstand ein neoklassisch anmutendes Album, abwechselnd in Kopenhagen und Hanoi aufgenommen, das behutsam zu Kontemplation und Reflexion einlädt und erst spät die Arme etwas ausbreitet.
Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Can’t Take My Eyes Off You
Von Onkel Rosebud
Ich habe noch nicht rausgefunden, warum meine Freundin gern Hitster spielt. Das ist ein Party-Kartenspiel, bei dem es darum geht, angehörte Musiktitel in eine richtige chronologische Reihenfolge zu bringen. Zusatzpunkte gibt es, wenn man weiß, wie der Titel heißt und von wem er stammt. Dieses Ratespiel ist wie für mich gemacht. Nicht nur deshalb, weil man nichts kneten, malen oder sonst wie künstlerisch improvisieren muss. Mich kann man nachts mit dem Geräusch der zugeschlagenen Autotür wecken, „Kraftwerk, Autobahn, 1974“ würde ich sagen und mich ächzend umdrehen. Da ich immer dabei bin, wenn sie Hitster spielt, hatte sie leider noch kein Erfolgserlebnis.
WeiterlesenSpezial: Singles und EPs
Von Matthias Bosenick (27.05.2026)
Einen Stapel Einzel- oder Single-Veröffentlichungen aus aller Welt gibt‘s: organischen Bigbeat mit Radical Hope (Niederlande), Doom mit Sermon (Türkei), Shoegaze-Psychedelik von Black Reveries (Italien), Alternative Metal mit Godzilla In The Kitchen (Deutschland), heavy Shoegaze mit Felt (Deutschland), Chillout mit SisterLove (England), melodischen Punk mit Half Dollar Dog (Frankreich), Indie-Noiserock mit Резина & Евгения Корсетова (Russland).
Scatterwound – SC01 – Midira Records 2017/Dirk Serries 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Es ist kompliziert: Der belgische Neu-Franzose Dirk Serries und der Dortmunder N – Hellmut Neidhardt – veröffentlichten „SC01“ ursprünglich noch vor „SC00“ (oder auch „SC0.0“), ihren eigentlich ersten gemeinsamen Aufnahmen. Die waren im Zuge einer Tour mit den Microphonics und N erfolgt, die wiederum bereits 2010 stattgefunden hatte, und erblickten erst 2018 das Licht der Öffentlichkeit, nachdem das Gitarren-Noise-Drone-Duo bereits 2017 den Nachfolger „SC01“ aufgenommen und herausgebracht hatte, und dies nicht mehr unter den kombinierten Künstlernamen, sondern als Scatterwound. Und zwar als Dreifach-LP – die so gut wie vergriffen ist, weshalb diese zweistündigen Noisedrones nun auch erstmals digital verfügbar sind. Wie auch immer: In diesen Mahlstrom lässt man sich gern versenken.
Punktò – 2237 Sad Bols – Antibody Label 2026
Von Matthias Bosenick (26.05.2026)
Wenn es für Beschreibungen wie „experimentell“, „durchgeknallt“, „nicht zu kategorisieren“, „verspielt“ und „Synthiepop“ in dieser Kombination einen Hörbeleg braucht, taugt „2237 Sad Bols“ von Punktò perfekt dazu. Dieses zweite Album des litauischen Konzeptkünstlers Jonas Šarkus erzählt eine Geschichte, ist mithin ein Konzeptalbum, und zwar eines, auf dem sich Wahnsinn und Discofox verliebt die Hände reichen. Wie sollte es auch anders sein angesichts der Mär eines Jungen, der seine Zukunfts-Laster eliminiert, um ein perfekter Mensch zu werden. Šarkus selbst spricht von Hot Wave, das kann man kopfschüttelnd bestätigen.
Mauna Sol – The Calling – Loud Rage Music 2026
Von Matthias Bosenick (21.05.2026)
Was für eine Schatzkiste! Mauna Sol debütieren mit „The Calling“ nicht einfach als nächste Black-Metal-Band, nicht einmal einfach nur in der Sub-Schublade Post Black Metal: Dieses Album macht Spaß, weil es so großartig ist, ein so todesbejahendes Genre derartig voller Lebensfreude zu spielen, das ringt mehr als Respekt ab und steckt an. Mit diesem Einstand setzen die Rumänen einen Pflock, aus dem uns sicherlich noch ein gewaltiger Baum wachsen wird.
Hin- und weggesehen. Filme und Serien (20)
Von Chrisz Meier (20.05.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
Mittlerweile muß ich sagen, daß mich aber immer weniger Filme wirklich interessieren. Dann kann es schon mal vorkommen, daß ich schon kurz nach dem Betrachten eines Films nicht mehr weiß, um was es überhaupt ging.
WeiterlesenWas meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: Beastie Boys – Ewigkeit oder Bedeutungslosigkeit
Von Onkel Rosebud
Unter den vielen Dingen, die für meine Freundin das Leben verändern können, sind Basslinien sicher nicht die häufigsten, aber wenn sie den Lauf der Dinge mal bestimmen, hat das doch eine ganz eigene Schönheit. Beispiel gefällig? „Sabotage“ von den Beastie Boys. Das mächtig losprustende Bass-Riff dauert nur drei Minuten, die sich wie eineinhalb anfühlen, auch weil der Song ziemlich genau in der Mitte kurz endet. Und, wenn dann der Euphorieschub durch Adam Yauchs hysterischen Pogo-Befehl einsetzt… ach, herrlich, und seit über 30 Jahren enorm wohltuend.
WeiterlesenRemmel & Rattlesnakes – Little Western Songs From The North – Inverse Music Group 2026
Von Matthias Bosenick (20.05.2026)
„Humppa is a serious thing“, mahnten bereits andere finnische Merkwürdigkeitsmusiker, nämlich Eläkeläiset, und deren Mitstreiter Steve’n’Seagulls verfahren ähnlich, wenn sie Rock- und Pop-Klassiker als Country und Bluegrass – oder auch Newgrass – neu interpretieren. Das sieht lustig aus, ist eine lustige Idee, aber geschähe die Umsetzung nicht bierernst, fiele sie nicht so gut aus. Tomi Tajakka von Steve’n’Seagulls debütiert nun als Remmel & Rattlesnakes mit der EP „Little Western Songs From The North“, und die meint das modernisierte Genre sehr, sehr ernst.








