Die Morde – A Pestilence – Antibody Label 2026

Von Matthias Bosenick (30.06.2026)

Sobald Onkel Titus seine Kreissäge anwirft, darf getanzt werden. Im Stakkato. Denn das belgische Electro-Duo Die Morde zerhackt alles, was man sich so als Musik imaginiert, dreht es durch zerfleischende Gerätschaften und generiert daraus doch wieder irgendwie nachvollziehbare Musik. Nur eben sehr, sehr extrem. „A Pestilence“ ist die Debüt-EP von Cédric Dambain und Yannick Franck als Die Morde, und man kann hier grob das Etikett Rhythm And Noise anbringen, da Industrial allein zu kurz greift. Lärm wäre auch okay.

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Colin Webster/Balázs Pándi/Matt Cargill – Chewed Up And Spat Out – Raw Tink Records 2026

Von Matthias Bosenick (30.06.2026)

„Uns ist aufgefallen, dass es zu wenig Sirenen in der Musik gibt“, sollen The Chemical Brothers vor 30 Jahren einmal gesagt haben, und diese Erkenntnis scheinen sich auch die drei Impro-Jazzer Colin Webster, Balázs Pándi und Matt Cargill zu Herzen genommen zu haben: Auf ihrem spontan miteinander eingespielten Album „Chewed Up And Spat Out“ fungiert das Saxophon als Sirene, die auf der komplett freien Kombination aus Schlagzeug und elektronischen Klangerzeugern dröhnt. Für Hörende, die annähernd nachvollziehbare Strukturen erwarten, haben die drei aber auch Passagen in petto.

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Truce – Live At Cruise To The Edge 2026 – Iapetus Media 2026

Von Matthias Bosenick (29.06.2026)

Eine Touch-Gitarre, ein bundloser Bass und ein Schlagzeug: Sobald Markus Reuter, Fabio Trentini und Asaf Sirkis miteinander Platten veröffentlichen, geben sie jenen den Grundtitel „Truce“, der sich im Grunde auch auf das Trio als Name anwenden lässt. Erst zweimal standen die drei Prog-Rock-Cracks live auf einer Bühne, und jenen zweiten Auftritt auf einem Kreuzfahrtschiff in Norwegen veröffentlichen sie nun als Mitschnitt „Live At Cruise To The Edge 2026“. Auch wenn sie bereits existierende Tracks darbieten, improvisieren sie wie bei deren Entstehung im Studio – das Experiment gelingt.

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Kalamata – Zenosyne – Copper Feast Records/Made Of Stone Recordings 2026

Von Matthias Bosenick (29.06.2026)

Lustig: Den Kehrwiederturm ihrer Heimatstadt Hildesheim aufs Cover packen, aber die fünf Ein-Wort-Tracktitel den Satz „There Is No Coming Back“ ergeben lassen. Gottlob gab es eine Wiederkehr für Kalamata, das nichtgriechische instrumentale Psychedelic-Stoner-Trio, wenn auch mit ausgetauschtem Bassisten. „Zenosyne“ ist das dritte Album, und es hält sich nicht an die selbstgesteckten Grenzen – hier ist ganz viel Post Rock enthalten, und nichts von allem folgt der reinen Lehre, bleibt also aufregend.

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Bruce Springsteen & The E Street Band – Live from Asbury Park 2024 – Capitol / Legacy / Sony Music 2026

Von Guido Dörheide (28.06.2026)

Bereits mit dem 5-LP-Mammutwerk „Live 1975-85“ hat Bruce Springsteen vor 41 Jahren deutlich gemacht, dass Live-Alben nicht nur Best-Ofs mit Geklatsche im Hintergrund sind, sondern auch dafür da sind, eine Stimmung zu transportieren, die auf dem jeweiligen Studioalbum noch nicht vorhanden war.

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Die Toten Hosen – Trink aus, wir müssen gehen/Alles muss raus! (Bonus) – JKP / Warner Music Central Europe 2026

Von Guido Dörheide (28.06.2026)

Seit 1988 bin ich Hosenfan, das 1987er Livealbum „Bis zum bitteren Ende“ war damals mein Einstieg und binnen weniger Wochen legte ich mir fast alles zu, was die Hosen bis dahin veröffentlicht hatten – inklusive der „Bommerlunder“-Single. Nach „Auf dem Kreuzzug ins Glück (125 Jahre Die Toten Hosen)“ 1990 nahm mein Interesse dann ab, bereits mit „Ein kleines bisschen Horrorschau“ (1988 – jahaa, bereits in dem Jahr, in dem mein Hoseninteresse begann) hatten sie sich für meinen Teenagergeschmack ein wenig zu weit vom brachialen, aber nie schmerzhaften Sauf- und gehobenen Primitivhumorpunk entfernt. Inzwischen weiß ich aber am 1990er Album zumindest die kabarettistischen Beiträge von Gerhard Polt sehr zu schätzen („Wenn a Sochn genetisch versaut ist, dann kann man das allein durch Prügel net korrigier’n!“).

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Tobi Morare – Scientist – Separated Beats 2026

Von Matthias Bosenick (26.06.2026)

Laut Info ist „Scientist“ die bereits elfte EP, die Tobi Morare auf dem Label Separated Beats veröffentlicht. Dieses Mal greift der Berliner nach Drum And Bass, Disco und Jazz, um fünf neue Electro-Tracks zwischen Dancefloor und Strand zu kreieren. Man hört, dass es ihm riesigen Spaß macht, die Schubladen zu plündern und seine Fundstücke zu eigenen Kreationen zusammenzufügen. Und dieser Spaß steckt jedes Mal an.

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Cowards – Can You Hear Me? – Bloody Sound 2026

Von Matthias Bosenick (26.06.2026)

Die Cowards selbst lassen wissen, ihr Noiserock sei rückwärtsgerichtet, da an den Neunzigern orientiert. Das mag ja sein, aber da man dem Noiserock schwerlich unter Einhaltung der Genrespezifikationen Modernismen verabreichen kann, lässt sich Musik aus dieser Schublade eben grundsätzlich schlecht zeitlich verorten. „Can You Hear Me?“, das zweite Album des italienischen Trios, ordnet eben die Parameter individuell an: das Laut-Leise-Schema, die Drones, die Feedbacks, die unkonventionellen Strukturen, und lässt damit einen hinreichend jetzigen Noiserock entstehen.

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