Was Guido sonst noch gehört hat… im April 2026 – Teil 1

Von Guido Dörheide (10.05.2026)

Bon Iver – Sunn O))) – Lord of the Lost – Metal Church – Crimson Glory – Crippled Black Phoenix

O haue ha – entweder ist im April so viel neue Musik erschienen, die mich interessierte, oder ich lag auf der faulen Haut herum und habe kaum was darüber aufgeschrieben. Wie dem auch sei – ich habe die April-Nachschreibung aus Gründen der Steigerung des Lesevergnügens in zwei Teile zerlegt und starte chronologisch mit Teil 1:

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Burn – Chopped And Shattered – Bezdech Rec. 2026

Von Matthias Bosenick (11.05.2026)

Atmosphärisch gesampeltes Vinyl-Knistern sollte man bei dieser Veröffentlichung eher nicht erwarten: Zwar sortiert Burn, das neu zusammengefundene polnische Duo aus zwei etablierten Musizierenden, sein Debüt „Chopped And Shattered“ selbst im Trip Hop ein, schert sich aber nix um dessen Regeln. Für Downbeat ist hier nämlich eine Menge elektronischer Trubel drin. Ewa Baran alias Holy Høly! singt in einer angenehm dunklen Stimmlage, Bartek Brzeziński alias DXCV3R verleiht seinen synthetischen Sounds einen ordentlichen Druck. Was dereinst zur introvertierten Kontemplation gedacht war, schlägt einem hier amtlich ins Gesicht.

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Putred/Decease – Decessus Putridus – Loud Rage Music 2026

Von Matthias Bosenick (11.05.2026)

Bei Putred und Decease handelt es sich um verdiente Bands aus dem rumänischen Underground, beide grob im Death Metal verwurzelt. Für die Split-EP „Decessus Putridus“ tun sie sich erstmals zusammen, und beide mit je zwei exklusiven Tracks, die in der jeweiligen Discographie eine Besonderheit darstellen: Putred growlen erstmals auf Englisch und Decease beenden eine mehr als zehnjährige Zombieapokalypse. Äh, Ruhephase.

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Noema – Echoes Of Four – Perma F Music 2026

Von Matthias Bosenick (08.05.2026)

Wie aus einem experimentellen Ansatz eine EP wird: Für „Echoes Of Four“ riefen die beiden schwedischen New-Wave-Helden Leif Ekman und Hans Thunberg das Projekt Noema ins Leben. Sie erstellten auf Basis von vier Akkorden vier Tracks mit vier verschiedenen Stimmungen – oder „Gedanken“, „Sinnen“, was Noema aus dem Griechischen übersetzt heißt. Und in der Tat: Man hört die vier Akkorde jeweils heraus, und doch generieren die auf dieser Basis entstandenen Tracks vier unterschiedliche Gefühlslagen. Man lernt dazu und genießt.

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Draken – Here Be Draken – Dark Essence Records 2026

Von Matthias Bosenick (07.05.2026)

„Irgendwo zwischen Heavy Rock und Metal“ ordnet sich das norwegische Trio Draken selbst ein. Was erstmal unschöne Vorstellungen von drittklassigen Altstadtfestkapellen evoziert, entpuppt sich auf dem dritten Album „Here Be Draken“ als in die Fresse knallende Wundertüte an allen möglichen unbequemen Substilen im Bereich der genannten Genres. Mit solcher Musik hätte man wieder Bock auf Altstadtfeste. Merkwürdig überdies, dass hier in der Info der Trondheimer das Wort „progressiv“ fehlt.

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Was meine Freundin gerne hört – die Musikkolumne: What’s in your hee-aaad, in your hee-ee-ee-aaad – Dolores O’Riordan

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin hat ein besonderes Lied, welches sie über die ein oder andere Hügelkurve des Unglücks bringt. Es ist von der Band The Cranberries; es ist nicht die Hitsingle „Zombie“, sondern „Dreams“ von der Debüt-LP „Everybody Else Is Doing It, So Why Can’t We?“ (Island Records, 1993). Der Song handelt davon, sich zum ersten Mal wirklich verliebt zu fühlen, und ist eine klein bisschen schnulzige Pop-Perle. Geschrieben und stimmlich vorgetragen wird er von Dolores O’Riordan (1971-2018), die mal Irlands Vorzeige-Musikerin war und deren Umstände ihres plötzlichen Ablebens ziemlich merkwürdig sind.

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Der Finger – Telepathie – Der Finger 2026

Von Matthias Bosenick (06.05.2026)

Wenn der Krieg die Menschen zur Trennung zwingt und beispielsweise den Fortbestand eines gemeinsamen musikalischen Projektes unmöglich macht, kann man heutzutage dankbar sein, dass mindestens letzteres via Technik überwunden werden kann. Das Impro-Experimental-Duo Der Finger, eigentlich aus Russland, wurde getrennt – und entwickelte ein eigenwilliges Konzept, um über technische „Telepathie“ trotzdem ein gemeinsames Album erstellen zu können, gleichzeitig in Ghent und in Moskau. Die auf diese Weise entstandene Musik ist so herausfordernd wie die Umstände – und dient zudem als Grundlage für wissenschaftliche Betrachtungen.

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Atsuko Chiba – Atsuko Chiba – Mothland 2026

Von Matthias Bosenick (06.05.2026)

Wenn Atsuko Chiba aus Montréal ihr viertes Album „Atsuko Chiba“ nennen, heißt es dann wie die Band oder wie die Figur aus dem Anime „Paprika“, nach der die Band benannt ist? In gut einer halben Stunde breitet das Quintett eine Musik aus, die mit Indie-Rock irreführend bezeichnet wäre, da sie zwar mit Rock-Instrumenten erstellt ist, aber nicht so klingt. Das hier ist kunstvoll, unkonventionell, experimentell, aber immer schmeichelnd, eingängig, schön.

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808 State vs Humanoid – In Place Of Language – De:tuned 2026

Von Matthias Bosenick (05.05.2026)

Zurück in die Zukunft! Hier treffen zwei historische Gruppierungen des Acid House aufeinander, kurioserweise erstmals, obwohl sie beide aus Manchester sind: 808 State und Humanoid, also Graham Massey und Brian Dougans, also zusammen rund 40.000.000 Jahre Musikgeschichte, denn beide Beteiligten tobten sich in den zurückliegenden 40 Jahren auch in diversen Neben-, Haupt- und Sonderprojekten aus. Auf der EP „In Place Of Language“ machen sie: Acid House, als wäre es noch 1988, nur heute. Man kann ihnen nicht mal böse sein, schließlich gehören sie beide zu den Pionieren dieser Electro-Spielart. Und sie machen es gut.

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The Prestige – Isthmos – Banshies 2026

Von Matthias Bosenick (05.05.2026)

Das tut gut: Sobald The Prestige aus Paris ihr Gebrüll in wuchtige Gitarrengerölllandschaften betten, möchte man einstimmen und fühlt sich verstanden, gehört, vermittelt. Vermetalt beinahe, doch ist das eher dem Hardcore nahe, was die Franzosen auf ihrem dritten Album „Isthmos“ darbieten. Und zwar dem modernen Post-Hardcore, der sich nicht scheut, auf Scheuklappen zu verzichten, experimentelle Spielereien einzubauen und das Tempo zu drosseln. Neurosis, Converge, Post-Rock, das könnten so Eckpfeiler sein, und alles wäre noch besser, verzichtete das Quartett auf den gelegentlich hervorgebrachten klaren Metalcore-Gesang.

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