Dan Scary – Reden ist Quecksilber und Schweigen auch nur Gift – Dan Scary 2021

Von Matthias Bosenick (15.08.2022)

Der Wolfsburger Daniel Url macht es andersherum als etwa Alice Cooper oder Nena: Aus dem jahrelang als Ein-Mann-Projekt geführten Dan Scary macht er die Band Dan Scary. Mit Bassist Christian Schwarz, bei dem es sich sogar um einen Rückkehrer handelt, und Schlagzeuger Boxa/Boxer Wagner bekommt der nach vorn treibende Punkrock einen Extraschub. Unfassbar, welche Dynamik da plötzlich hervortritt! Nachzuhören auf der bereits im vergangenen Jahr erschienen EP „Reden ist Quecksilber und Schweigen auch nur Gift“ mit vier Songs, die dem ursprünglichen Düsterpunk Dan Scarys eine mächtige Portion Groove hinzufügen.

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Erasure – Ne:Ep – Mute 2021

Von Matthias Bosenick (04.01.2022)

Als hätten Erasure selbst gemerkt, dass das Remix-Album zur letzten, an sich guten Platte „The Neon“ Mist war, veröffentlichen sie den darauf befindlichen exklusiven und tatsächlich guten Track im Rahmen einer EP neu. Die knüpft an die mittelalte Klasse des Duos an, verzichtet auf schnödes Bummbumm und liefert dafür analog generierten Synthpop, minimalistischer als in den Achtzigern, also eher wie Anfang der Neunziger, und trotzdem schön. Der Titel „Ne:Ep“ suggeriert zwar EBM, aber so hart und so tanzbar ist die EP nicht, sondern mehr zum Schwofen und Zuhören.

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Κραυγή – Κραυγή EP – Road Rat Records 2021

„Κραυγή“ ist Griechisch und heißt „Schrei“, und der Name passt sehr gut zu diesem Black-Metal-Projekt. Mit Geschrei und Geschrammel nach klassischer Art beginnt die selbstbetitelte Debüt-EP des griechisch-brasilianischen Duos. Das wäre für sich vielleicht gar nicht so spannend, doch belassen es die beiden Musiker dabei nicht, sondern streuen dezidiert unerwartete Instrumentalpassagen ein, ohne die die fünf Tracks zwar im Sinne des Purismus die Anforderungen erfüllen, darüber hinaus aber eher belanglos, weil altbekannt wären. Das Altbekannte ist dabei sogar die Intention des Duos, nur eben mit dazwischengehebelten Eigenwilligkeiten. Und alle schreien mit: „Kravgi, Kravgi …“

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ReMission International – TOS2020 – SPV/Oblivion 2020

Von Matthias Bosenick (13.10.2020)

Wayne Hussey steht nackt im Wind: Anlässlich der übermenschlichen Leistungen, die Pflegekräfte, Gesundheitsdienste und sonstige caritative Einrichtungen im Zuge der Coronakrise zu erbringen haben, fühlt sich der The-Mission-Chef dazu angespornt, den gebeutelten Protagonisten monetäre Hilfe zukommen zu lassen, und generiert die Gelder aus dem Erlös einer Charity-Single. Dafür lässt er seinen alten Hit „Tower Of Strength“ von weltberühmten Kumpels aus der Szene neu einspielen, einsingen oder remixen, nennt das Projekt ReMission International und den Song nunmehr „TOS2020“. Das Ergebnis lässt sich hören, die Opulenz des Gothic-Rock-Hits bleibt erhalten, und doch kommen Ahnungen von „Do They Know It’s Christmas?“, „Ferry Cross The Mersey“, „Sun City“, Ferry Aid oder „We Are The World“ auf, wenn sich die Singenden die Mikroklinke in die Hand geben.

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Sandkamper – Narzissmus – RecordJet 2019

Von Matthias Bosenick (30.07.2020)

Stoner-Sound mit Grunge-Riffs – auf Deutsch: Sandkamper ist das Solo-Alter-Ego des Wolfsburgers Maurizio Menendez Cina, der unter anderem bereits mit Squintaloo auf sich aufmerksam machte. Mit seiner EP gibt er einen groovenden Einstand als Solist, komplett frei von Bandverpflichtungen und Mitmusikermitsprache, feiert seine Vorbilder und verarbeitet seine Erlebnisse. So aggressiv kann Enttäuschung klingen.

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October Burns Black – Reflections – Outland Media/OBB 2019

Von Matthias Bosenick (21.02.2020)

Es ist nicht immer ratsam, sich sämtliche Projekte zuzulegen, an denen Musiker seiner früheren Helden beteiligt sind. Grundsätzlich birgt diese Art des Sammelns zwar eine potentielle Horizonterweiterung, aber es gibt eben auch Ausnahmen, und zu denen gehört das Projekt October Burns Black. Von früheren Helden beteiligt ist hier Simon Rippin, Schlagzeuger unter anderem der Fields Of The Nephilim. Diese international zusammengesuchte Supergroup nun spielt auf ihrer zweiten EP „Reflections“ bestens produzierten und komponierten Gothic Rock – jedoch nahezu ohne eigene Note. Tut nicht weh, tut aber leider auch sonst nicht viel.

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Dan Scary – Wohnhaft in der Leckt-Mich-Allee – Dan Scary 2019

Von Matthias Bosenick (06.01.2020)

Der Düsterpunk ist gnatzig, und die Gegenwart gibt ihm Recht dazu. Auf seiner neuen EP „Wohnhaft in der Leckt-Mich-Allee“ zieht er das Tempo und die Aggressivität seines gothicbefeuerten Elektropunks an, und textlich zieht er einen Kreis um sich herum, besser: um die rechtsgerückte Welt um sich herum. Dies vollbringt er weniger anklagend als beschreibend und vergisst dabei nicht, dass man dazu auch pogen, mit dem Kopf nicken oder drei Schritte vor und drei zurück gehen können sollte.

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Aphex Twin – Collapse EP – Warp/Rough Trade 2018

Von Matthias Bosenick (02.11.2018)

Da bringt der lustige Spaßvogel mit dem unüberblickbaren Output nach zwei Jahren Scheinstille lediglich eine EP heraus. Mit den je nach Format vier bis fünf Tracks zeigt sich Richard D. James von seiner erwachsenen Seite, die er seit dem Album „Drukqs“ hegt und pflegt: weniger Fläche, mehr Verschachtelung, weniger Geradlinigkeit, mehr Experiment, trotz der Künstlichkeit erfreulich warm – IDM auf der Höhe der Zeit und abseits aller Erwartungen. Man kann Aphex Twin einfach nicht vorhersagen, da fällt nachvollziehen schon schwer. Großes Kleinformat!

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John Doe – Strawberry Girl – John Doe 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Der erste neue Tonträger seit zehn Jahren ist nach dem selbstbetitelten Album eine EP mit vier Songs, auf der die Wolfsburger John Doe den Rock aus vielen Quellen in einen Fluss leiten und damit überraschen, dass sie bei allem Spaß an der Sache und aller Lustigkeit mancher Beteiligter auf eine Art und Weise erwachsener klingen, die beinahe beängstigt. Das Leben muss so einiges mitgebracht haben, das den Furor erweckte. Steht ihnen gut!

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Dan Scary – Zu wahr, um schön zu sein EP – Dan Scary 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Sein Album „Dunkelpunk aus Unterwelt“ ist noch nicht so lang auf dem Markt, da legt Dan Scary mit einer EP nach. Auf „Zu wahr, um schön zu sein“ vertieft er seinen Stil: elektronisch unterfütterter Punk, der den Gothic Rock der Achtziger zitiert, als Grundlage für seine politischen und kritischen Texte. Unglaublich, aber er scheint für diese EP nochmal einiges an Druck, Klarheit und Akkuratesse dazugewonnen zu haben – dabei sind die Songs selbst schon fünf Jahre alt.

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