Von Matthias Bosenick (25.08.2022)
„Solche Dinge sollten nicht passieren, aber sie passieren“, sagt Nick Cave im sechsten seiner „Seven Psalms“, sieben zur Ambient-Musik von Warren Ellis gesprochene Kontemplationen über „Glauben, Wut, Liebe, Trauer, Barmherzigkeit, Sex und Lobpreis“, wie es Cave selbst bezeichnet. Für jeden Tag der Woche ein Psalm, alle zusammen ein Angebot zur Meditation. Angesichts des Umstandes, dass Cave jüngst auch seinen zweiten Sohn an den Tod verlor, kann man seine Haltung beinahe als stoisch auffassen, mindestens als gestärkt, gesund und zukunftsgewandt. Und der Geist Gottes schwebt über dieser 10“.
Archiv des Autors: Van Bauseneick
Amon Amarth – The Great Heathen Army – Metal Blade Records 2022
Von Guido Dörheide (10.08.2022)
Vielen vielen schönen guten Abend, meine hochverehrte Krautnick-Metalgemeinde, es ist dies die Woche der Melodeath-Verrisse, und Hoffnung naht wieder einmal mehr nur aus Richtung Nippon, wenn auch nicht mit Melodeath, aber dazu erst später in einigen Tagen. Zunächst einmal ziehen wir uns „The Great Heathen Army“ der von mir ebenso hochverehrten Amon Amarth rein, und das wird leider wieder eher schmerzhaft denn lustvoll.
WeiterlesenArch Enemy – Deceivers – Century Media 2022
Von Guido Dörheide (20.08.2022)
Vor einigen Jahren hat mich die schwedische Melodeath-Institution Arch Enemy – damals noch mit Angela Gossow als Sängerin – sehr beeindruckt. Harte Musik und ein gegrowlter Gesang, bei dem es mich immer erstaunt hat, dass da tatsächlich eine Frau singt und kein Mann. Nach Gossows Ausstieg 2014 ist Alyssa White-Gluz in deren Fußstapfen getreten. Eine Kanadierin, was schon mal ein gutes Zeichen ist, schließlich macht beispielsweise Mel Mongeon von den kanadischen Grindcore-Veteranen Fuck The Facts mit schöner Regelmäßigkeit deutlich, dass tiefes, lebensverneinendes Growling keine Männerdomäne sein muss und auch nicht sein darf. White-Gluz macht auch gesanglich alles richtig und steht Gossow in Sachen Growlingkompetez in nichts nach. „Deceivers“ heißt nun das neue Album von Arch Enemy – wird es dem Titel alle Ehre machen und enttäuschen? Äh, nun ja, Spoiler-Alert: Ja, es wird.
WeiterlesenThe House Of Love – Burn Down The World: The Fontana Years – Cherry Red 2022
Von Matthias Bosenick (24.08.2022)
Wie viele Veröffentlichungen mit dem Titel „The House Of Love“ gibt es von The House Of Love? Und wie oft veröffentlichten sie ihren Hit „Shine On“? Wer bei der englischen Indierock-Shoegaze-Rave-Band einsteigen will, braucht gute Recherchefähigkeiten. Heute ist das ja Dank Discogs und Wikipedia einfacher als vor 30 Jahren. Aktuell bereitet sich die Band auf ihr drittes Studioalbum seit der Reunion vor, „A State Of Grace“ soll das heißen, und wirft als Vorboten eine Acht-CD-Box mit dem Material zwischen der Indie-Zeit auf Creation Records und dem Split auf den Markt, die die Zeit auf dem Fontana-Label abdeckt – die auch nur vier Jahre andauerte, aber immerhin drei Alben und eine Compilation abwarf. Die vorliegende Box mit dem martialischen, nach einem Song von „Babe Rainbow“ benannten Titel „Burn Down The World“ ist nahezu vollständig und beinhaltet zudem Preziosen, von denen man nicht wusste, dass sie existieren.
The Twang live auf dem Lammer Open Air – 13. August 2022

























Von Guido Dörheide (16.08.2022)
Wieder einmal mehr begann alles ganz harm- und arglos. Die Töchter sind im Urlaub, ich habe nichts verplant, müsste mal wieder Leute sehen und frage deshalb Frank, ob er mal in den nächsten Tagen Bock auf ein Bier hätte. Und er schlägt das Lammer Open Air als Treffpunkt vor. Ich hatte schon überall in der Stadt die „Extrabreit“-Plakate gesehen und dachte, oh Hammer, dachte ich, da spielen solche Hochkaräter schon seit Jahren und ich war noch niemals da. Sowas gehört geändert. Wobei – ich habe zwar gut ein Fünftel meines bisherigen Lebens virtuell an der FernUni in Hagen verbracht, kann aber mit den dortigen Musikschaffenden (Nena, Extrabreit) oft nur wenig anfangen. Dann sah ich, dass The Twang ebenfalls dort auftreten und Lamme war gesetzt. Ich habe dann also am Vortag beim – sehr sympathisch anmutenden und wunderschön eingerichteten – Friseursalon neben dem Festivalgelände zwei Tickets erstanden und bin dann am Samstag mit meinem 9-EUR-Ticket per Bus (von Haustür zu Haustür in weniger als 9 Parsecs – ohne Umsteigen!) gen Lamme gereist. Zivile Getränkepreise, supernette freiwillige Helfer/-innen, gastrologische Versorgung dank Bratwurst-und-Backschinken-Stand aufs Beste gesichert, dazu ein aufgeräumtes, übersichtliches und mit einer wahrhaft professionellen Bühne bestücktes Festivalgelände – möge der Spaß nun beginnen!
WeiterlesenDan Scary – Reden ist Quecksilber und Schweigen auch nur Gift – Dan Scary 2021
Von Matthias Bosenick (15.08.2022)
Der Wolfsburger Daniel Url macht es andersherum als etwa Alice Cooper oder Nena: Aus dem jahrelang als Ein-Mann-Projekt geführten Dan Scary macht er die Band Dan Scary. Mit Bassist Christian Schwarz, bei dem es sich sogar um einen Rückkehrer handelt, und Schlagzeuger Boxa/Boxer Wagner bekommt der nach vorn treibende Punkrock einen Extraschub. Unfassbar, welche Dynamik da plötzlich hervortritt! Nachzuhören auf der bereits im vergangenen Jahr erschienen EP „Reden ist Quecksilber und Schweigen auch nur Gift“ mit vier Songs, die dem ursprünglichen Düsterpunk Dan Scarys eine mächtige Portion Groove hinzufügen.
A Secret Revealed – When The Day Yearns For Light – Lifeforce 2021/2022
Von Matthias Bosenick (11.08.2022)
Eigentlich existiert dieses dritte Album von A Secret Revealed bereits seit Oktober 2021, nur dauerte es mit der Vinyl-Veröffentlichung aufgrund bekannter Probleme mit den Presswerken bis ins folgende späte Frühjahr. Jetzt ist es endlich da, und bunt wie das Vinyl ist auch die Musik, wenngleich man jener eine Neigung zum modernen Black Metal zugestehen muss, also der unbuntestmöglichen Spielart des Heavy Metal. Aber, und das ist das Besondere an diesem Würzburger Quintett: A Secret Revealed definieren Metal nicht nach Schubladen, sondern danach, worauf sie Bock haben. Da ist der gebrüllte Gesang eher dem Hard- bis Metalcore entnommen, da ist die Musik drumherum von allem mit heavy verzerrten Gitarren etwas und dabei so wenig genau konkreten Metal-Genres zuzuordnen, dass man allem guten Gewissens ein „Post-“ vorausschicken kann.
Slime – Zwei – Slime Tonträger/Hulk Räckorz 2022
Von Guido Dörheide (10.08.2022)
Keine andere Band hat dem deutschen Punkrock so ihren Stempel aufgedrückt wie Slime in den 1980er Jahren. „Deutschland“, „Polizei/SA/SS“, „Bullenschweine“, „Linke Spießer“, „Störtebeker“ waren Statements gegen den damaligen Zustand der Republik und setzten in etwas roherer Sprache fort, was Ton Steine Scherben einst begonnen hatten. Gleich vorab muss ich klarstellen, dass ich – nicht nur, weil ich seit eh und je von unserem Staat überaus angemessen alimentiert werde – unsere Republik im Großen und Ganzen sehr in Ordnung finde und großes Vertrauen in die Stabilität unserer FDGO habe, auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, was unsere Regierenden den ganzen Tag so treiben.
WeiterlesenLa Muerte – Headhunter – COP International 2022
Von Matthias Bosenick (10.08.2022)
Was ist der Remix einer Coverversion? Und dann noch: das Industrial-Rock-Cover eines EBM-Klassikers, das die Remixer wieder zurück ins Elektronische mixen? Hätten sie da nicht gleich das 1988er-Original remixen können? Vielleicht ja auch nicht dürfen – wer weiß? La Muerte, brachiales belgisches Underground-Rock-Urgestein, brachten 2017 zum Record Store Day ihre Version des Front-242-Floorfillers „Headhunter“ auf blutrotem Vinyl heraus – und jetzt neu als Quasi-Album mit eigenen Bonustracks und eben Remixen sowie mit nur einer Auslassung zur Tracklist der Original-12“. So heavy angerockt überzeugt der Hit sehr, kann man bringen, und auch die Eigenkompositionen von La Muerte machen neugierig auf den Rest des seit fast 30 Jahren angehäuften Opus‘. Remixe von Headhunter indes gibt es bereits unzählige, das nutzt sich etwas ab, wenngleich die Vorlage dieses Mal für andere Basissounds und unerwartete Ergebnisse sorgt. Front 242 selbst sind übrigens partiell und anteilig ebenfalls beteiligt.
Imperial Triumphant – Spirit Of Ecstasy – Century Media 2022
Von Guido Dörheide (10.08.2022)
Ich mag Metal, auch und vor allem Extreme Metal, und ich mag Jazz. Wen also nimmt es wunder, dass mich Imperial Triumphant seit einiger Zeit tüchtig in ihren Bann schlagen? Oder ziehen? Prügeln? Die Kolleg:innen von metalinjection.net bringen es auf jeden Fall auf den Punkt: Rockmusiker spielen vier Akkorde für viertausend Leute, während Jazzmusiker viertausend Akkorde für vier Leute spielen. Imperial Triumphant machen eigentlich dasselbe, nur umgekehrt und für beide Arten von Publikum. Wenn man nun erreichen will, dass Imperial Triumphant auch endlich die Massen erreichen, müsste man nur die Gaststars aufzählen, die auf „Spirit Of Ecstasy“ versammelt sind: Allen voran Kenny G am Saxophon auf „Merkurius Gilded“, von seinem Sohn Max Gorelick an der Gitarre begleitet, außerdem sind unter anderem Alex Skolnick von Testament, Trey Spruance (u.a. Mr. Bungle) und Snake von Voivod mit von der Partie. Trotzdem kommt da nichts Eingängiges oder Massenkompatibles bei raus, sonder eher Erschreckendes/Verstörendes – vor allem Großartiges.
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