Burgwächter/Crueger/Weyershausen – Braunschweig’sche Weihnacht – Verlag Andreas Reiffer 2019

Von Matthias Bosenick (28.10.2019)

Wenn man es besinnlich will, sollte man nicht unbedingt dieses Triumvirat des Bösen ranlassen: Unflat Till Burgwächter, Blutjunkie Hardy Crueger und Sarkast Karsten Weyershausen beschreiben die „Braunschweig’sche Weihnacht“ mitnichten tourismusfördernd. Zwar finden sich Braunschweigkenner in diesen auch für ortsfremde zugänglichen Kurzgeschichten, Glossen und Cartoons zurecht, sehen sich dann aber nach anfänglicher Empathie und Herzenswärme hinterrücks von Abscheu, Hohn, seelischer Schwärze, Tod, Psychothriller und sonstigem Makabren überrumpelt. Ein Riesenspaß für alle Schwarzhumorigen und eine unerwartete Wende angesichts der verkaufsbegünstigenden Thematik. Als Geschenkverpackungsband empfiehlt sich hier ein Strick.

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Deflore & Jaz Coleman – Party In The Chaos – Subsound Records 2019

Von Matthias Bosenick (24.10.2019)

Jaz Coleman ist also schwerst begeistert vom römischen Industrial-Duo Deflore, was ihn nun dazu trieb, eine gemeinsame EP einzuspielen. Seine erste Kollaboration, wie gern kolportiert wird, und dabei geraten unter anderem Anne Dudley, Shihad und Þeyr in Vergessenheit. Die EP nun klingt lediglich partiell wie Killing Joke, und wenn, dann nicht zuletzt wegen Colemans durchdringend röhrendem Gesang; musikalisch leistet sich das Duo mehr elektronische Feinheiten als Colemans Hauptband. Das Vinyl ist zweifarbig bunt und geetcht und nicht zuletzt den Kauf wert.

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Open Arsch (Closed) – Acht Bands live im Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg am 19. Oktober 2019

Von Matthias Bosenick (21.10.2019)

Und über allem schwebte der Geist von Knotke. Der Schlagzeuger der Trottelkacker verstarb im vergangenen Jahr, und da Die Trottelkacker in den Neunzigern die maßgeblich für das Open Arsch verantwortliche Band waren, bezogen sich viele der an diesem Festivalrevival beteiligten Musiker auf diese Größe der Velpker Subkultur. Schlagzeuger Paul, mit gleich zwei Bands eine Klammer um alle Auftretenden bildend, organisierte dieses Klassentreffen, aus Altersgründen jedoch nicht in Rümmer auf der Schweineweide wie noch vor 20 Jahren, sondern im Kino des Kulturzentrums Hallenbad, also im einstigen Kaschpa, was ja auch passt. Acht Bands mit direktem Open-Arsch-Bezug machten an dem Abend den größten Unterschied zu damals deutlich: Seit den Neunzigern lernten sie alle, ihre Instrumente zu beherrschen und noch grandiosere Songs zu komponieren und zu arrangieren als damals, als sie alle noch Amateure waren. Open-Arsch-Momente gab es dennoch zahllose. Gabuze!

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Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm (Farmageddon) – Will Becher & Richard Phelan – GB 2019

Von Matthias Bosenick (17.10.2019)

Fast alles richtig gemacht! Die Gagdichte ist immens, die Figuren sind grandios, die Geschichte ist schlüssig, der vertraute Kosmos ist eingehalten, der Spaß richtet sich an alle Altersstufen, die Anspielungen sind Legion, die Schnappatmung ist garantiert. Da nimmt man die zu sehr kindgerechten Anteile, den leichten Qualitätsabfall gegen Ende und den miesen Soundtrack trotzdem dankbar in Kauf. Im zweiten Kinofilm trifft das Knetgummischaf Shaun aus dem Umfeld von Wallace & Gromit auf ein Alien und hilft ihm, zu seinem Planeten zurückzukehren. Ohne Worte!

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Ben Aaronovitch – Der Oktobermann/Schwarzschimmel – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (15.10.2019)

Seit acht Jahren gibt es nun die „Rivers Of London“-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. Auf Deutsch existieren davon sieben Romane und mit den neusten zwei Veröffentlichungen zudem zwei Kurzromane und drei Graphic Novels, auf Englisch liegen zusätzlich noch weitere drei Comics sowie diverse schriftliche und Hörbuch-Kurzgeschichten vor, der achte Roman der Hauptreihe und der siebte Comic sind für November vorgesehen und in der Schublade hat Aaronovitch noch diverse weitere unveröffentlichte Ideen. Und: Simon Pegg und Nick Frost wollen den Stoff verfilmen. Bei so viel Output bleibt Qualität bisweilen auf der Strecke, das gilt auch für die jüngsten in Deutschland erschienenen Geschichten: Liest sich „Der Oktobermann“ noch einigermaßen flott und flüssig weg, lässt einen „Schwarzschimmel“ doch eher kalt.

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The Messthetics – Anthropocosmic Nest – Dischord 2019

Von Matthias Bosenick (14.10.2019)

Die Leute, die damals den Hardcore miterfanden, gehen heute in ganz andere Richtungen als diejenigen, die sich davon heute inspirieren lassen: Auch auf dem zweiten Album von The Messthetics ist von der Extremvariante des Punk nur noch in homöopathischen Verhältnissen etwas auszumachen. Das Trio bewegt sich instrumental durch jazzinduzierten, partiell noisigen Indierock alter Schule, also gelegentlich recht nahe an dem Sound, den Fugazi erst gegen Ende ihrer Existenz auf die Hardcorehörer losließen. Was Wunder, sind doch zwei Fugazi-Mucker jetzt bei The Messthetics. Dieses zweite Album ist sogar noch experimenteller und aufregender als das Debüt.

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Karsten Weyershausen – Ist Götterspeise Blasphemie? – Edition Wortmax 2019

Von Matthias Bosenick (09.10.2019)

Mit einer bewusst unsortierten Sammlung kleiner bereits online veröffentlichter Texte begründet Karsten Weyershausen die Edition Wortmax, die aus dem gleichnamigen bundesweit vernetzten Literaturblog hervorgeht. „Ist Götterspeise Blasphemie?“, fragt er im Titel, und setzt nach: „Und andere völlig unnütze Gedanken zu Dingen, die sowieso nicht zu ändern sind“. Damit umreißt der Autor recht treffend den Geist, der ihn umtreibt: Im Spannungsfeld zwischen milder Beschwerde und resigniertem Fatalismus findet er die Rettung seiner Seele im Unnützen. Und das wissen wir Popkultursozialisierten: Im Unnützen liegt der meiste Spaß, das reflektiert dieses Buch vortrefflich, angesichts der Ausgangslage überraschend warmherzig sogar.

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Clawfinger – Live im WestAnd Braunschweig am 4. Oktober 2019

Clawfinger: Zak Tell surft Crowd
Clawfinger: Crowd surft selbst
Clawfinger: Flasht!
WestAnd: Die Bar auf der Empore
WestAnd: Der Saal
WestAnd: Die Empore von unten
Freezes Deyna: Die Vorband

Von Matthias Bosenick (07.10.2019)

Das war also der Einstand des neuen Braunschweiger Veranstaltungsortes WestAnd als Konzerthalle, und vermutlich lösten nicht wenige auch genau deshalb ein Ticket für die partiell belächelte Crossovercombo Clawfinger, die seit einem Dutzend Jahren keine neue Platte veröffentlichte, in den Neunzigern aber diverse Indieclubhits geliefert hatte. Bands dieser mittleren Größenordnung waren seit ungefähr derselben Zeit nicht mehr in der Stadt, weil es keine Venues für sie gab, und also kamen an diesem Braunschweiger Abend diverse Interessen zusammen. Und, Überraschung: Keines wurde enttäuscht. Das WestAnd funktionierte wie geschmiert und die Band machte mit ihrem „Rapmetal“ zwar erwiesenermaßen keine Qualitätsmusik, aber dafür eine grandiose Party.

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Alkmini Laucke Metallinou – Songs Of Mikis Theodorakis – Alkmini Laucke Metallinou 2019

Von Matthias Bosenick (04.10.2019)

Von wegen, am sonnenbegünstigten Mittelmeer wäre jede Musik sofort hedonistisch! Mikis Theodorakis (Μίκης Θεοδωράκης) ist so eine Art Griechischer Heiliger, und wie sehr dieser Künstler die Melancholie auslebt, veranschaulicht die Ex-Braunschweigerin mit griechischen Wurzeln Alkmini Laucke Metallinou auf ihrem Solo-Debüt. Die Mezzosopranistin lässt sich von ihrem langjährigen künstlerischen Partner Holger Becker am Piano begleiten, und wie schon unter dem kabarettistischen Alias „Die Vorhanggucker“ passt diese Kombination wunderbar. Zumeist reduziert lässt Becker der Stimme den Vorzug, verbirgt sein ausuferndes Können aber nicht vollends. Das Album ist Musik für den Rotwein am Abend, sagt die Sängerin, und das stimmt wohl.

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Tauber/Claus/Wiegand – Die Drei ??? Das Ritual der Schlangen – Kosmos 2019

Von Matthias Bosenick (01.10.2019)

Mit der dritten Ausgabe des zweitjüngsten Mediums im Die-Drei-Fragezeichen-Kosmos machen die Autoren einen Schritt zurück, verglichen mit der zweiten, was womöglich daran liegt, dass es im Kreise der Erschaffer einen Wechsel gab: Für den neuen Comic „Das Ritual der Schlangen“ stand Ivar Leon Menger nicht mehr zur Verfügung, und der ringt seiner Feder zumeist überaus gehaltvolle Geschichten ab. Sein Nachfolger, der gebürtige Braunschweiger  Calle Claus, macht seine Sache ganz gut, aber nicht besser: Das Medium Comic hat mehr zu bieten, als Claus mit Christopher Tauber und Asja Wiegand in „Das Ritual der Schlangen“ ausschöpft. Zudem lässt es die durchaus spannende Hexengeschichte viel zu sehr an Rocky-Beach-Atmosphäre vermissen.

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