Soundtrack WOB: Auf den Spuren von Musik und Jugendkultur in Wolfsburg – Ausstellung im Stadtmuseum Wolfsburg vom 24. Oktober 2018 bis 3. März 2019 – Eröffnung am 23. Oktober 2018

Von Matthias Bosenick (24.10.2018)

Als ich 1993 nach Wolfsburg kam, um dort meine Ausbildung zu machen – ja, in genau jenem Betrieb –, da kam ich aus einer Gesellschaft, in der es normal war, anders zu sein, in der Diversität einigermaßen Standard war und es zum allgemeinen Umgang gehörte, sich von anderen inspirieren zu lassen, sich kritisch mit Geschichte und Politik auseinanderzusetzen, und sich aus der Menge der verfügbaren Kulturgüter das herauszusuchen, das einen persönlich ansprach; und ich kam in eine Gesellschaft, in der der Gleichtakt alles dominierte, von der Musik über Film, Literatur und Kunst über Mode bis zu Sprachgebrauch, Ausgehverhalten und Hobbys sowie der Verweigerung, sich mit der Grundlage für seine eigenen Entscheidungen auseinanderzusetzen oder das Allgemeingegebene zu hinterfragen. Schnell wurde ich zum Außenseiter – der es dadurch wiederum leicht hatte, die anderen Außenseiter zu finden. Die gibt es in Wolfsburg, und zwar schon immer, und denen widmet das Stadtmuseum jetzt eine Ausstellung, die sich vorrangig um die aus Wolfsburg stammende Musik dreht. Ein hochnotwichtiger Blick auf die Stadt, nicht nur für die Protagonisten, sondern auch sowohl für deren angepasste Bewohner als auch für Nichtwolfsburger, denn er zeigt ein Wolfsburg, das unter der polierten Oberfläche einen ganz eigenen Glanz abstrahlt.

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Spezial: Addicted Label aus Moskau

     

Von Matthias Bosenick (09.07.2018)

Was für ein Oeuvre! Ein Label für Psychedelic Rock, Stoner, Prog, Doom, Sludge, Ambient, Electronic, Musique Concrète, Jazz Punk, Hard Rock und mehr rief Anton Kitaev aus Moskau 2011 ins Leben. Damit die Musik mehr Gewicht bekommt als sein Verlag, gab er diesem keinen Namen, bezeichnet ihn höchstens als „Addicted Label“, denn irgendwie muss er damit ja in Erscheinung treten. So unterschiedlich die Musikrichtungen seines Katalogs auch sein mögen, eines eint sie und ist quasi Grundvoraussetzung dafür, von ihm aufgenommen zu werden: Unkommerziell muss es sein. Eine Auswahl.

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Schrottgrenze – Live beim Festival Theaterformen, Gartenhaus Haeckel, in Braunschweig am 15. Juni 2018

Von Matthias Bosenick (17.06.2018)

Eine der schönsten Veranstaltungsreihen in Braunschweig ist das im jährlichen Wechsel mit Hannover ausgetragene Festival Theaterformen, insbesondere das musikalische Rahmenprogramm, das live und kostenlos am Rande des Theaterparks stattfindet. Die Atmosphäre ist heimelig, die Lage am Hang des Walls ist idyllisch, alles ist erleuchtet, man trifft sich ungezwungen mit Freunden und Fremden – da macht es auch nichts, wenn einem die Musik mal nicht so zusagt. Schrottgrenze machen widerstandslosen Rockpop für Teenager, haben aber wenigstens etwas zu sagen.

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40 Jahre Jugendhaus Ost – Festival in Wolfsburg am 19. Mai 2018 – Mit u.a. Halle 54, Lemur, Indie.Disko.Gehn

Von Matthias Bosenick (20.05.2018)

Wolfsburg: Eine Stadt im Takt eines einzigen Industrieunternehmens. Anders als etwa Detroit oder Sheffield hat Wolfsburg nie eine eigenständige Musikszene hervorgebracht, die sich auf die Industrie bezog; eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Automobilfabrik gab und gibt es aber immer wieder, und das in den verschiedensten Genres. Diese begegneten sich bei der Feier zum 40. Geburtstag des selbstverwalteten Jugendhauses Ost, das eine Alternativfrequenz im Gleichtakt des Schichtsystems darstellt: linksalternativ, freidenkend, genrebündelnd, unkommerziell. Entsprechend lebendig, bunt und offen war die Geburtstagsfeier, mit Beiträgen unter anderem von Halle 54, Lemur und Indie.Disko.Gehn.

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Die drei Fragezeichen und der dreiäugige Totenkopf – Hörspielaufführung im Planetarium Wolfsburg am 22. März 2018

Von Matthias Bosenick (23.03.2018) | Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Das Hörspiel zum Comic, umgesetzt für die Surroundanlage von Planetarien: Mit den drei Fragezeichen erlebt man seit Jahrzehnten immerzu neue Darreichungsformen. Die sind für sich genommen jedoch zumeist spannender als die Fälle der jüngeren Zeit. Man darf sich also einerseits auf eine spezialgelagerte Sonderfolge freuen und muss andererseits doch fürchten, dass sie womöglich langweilig, krude und uninspiriert ist. Entwarnung: „Der dreiäugige Totenkopf“ funktioniert überraschend gut, die begleitenden Visuals sind stimmig, lediglich die Spieldauer ist ein winziges Bisschen zu lang für den dafür etwas zu gewöhnlichen Inhalt.

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Blinky Blinky Computerband – Strange Electro Pop – BBCom Music 2015

Von Matthias Bosenick (15.11.2015)

Einmal mehr in, zumindest einigermaßen, eigener Sache: Mit seinem jüngsten Projekt Blinky Blinky Computerband hat Olaf (übrigens Mitbegründer dieses Blogs) jetzt eine Doppel-CD veröffentlicht, und zwar eine aus dem Presswerk, nicht mehr wie sonst aus dem CD-Brenner. Auf diesem episch-opulenten Album ist auch die Stimme des jetzigen Blogbetreibers zu hören, als Ergebnis diverser fruchtbarer und anregender Zusammenarbeiten. Das sind aber nur drei Stücke von sage und schreibe 35, das macht also zweieinhalb Stunden fassettenreichen Electropop. Darunter finden sich ein Querschnitt aus den Blinky-Blinky-Computerband-Veröffentlichungen seit 2012 sowie mit „1378 (25 Years Of Wiedervereinigung)“ ein komplett unveröffentlichter Song. Lohnt sich also auch für diejenigen, die bislang alles haben. Ebenso attraktiv ist die Mitarbeit der vielen musikalischen Gäste. Und natürlich, dass man nicht mehr um den schnellen Verlust des anfälligen Tonträgers zu fürchten hat.

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Die Stadt ist eine Erbse – Schoten aus dem Café Riptide – Buchbauer-Verlag 2015

Von Matthias Bosenick (31.08.2015)

In eigener Sache: Der Betreiber dieses Blogs hat aus Auszügen eines anderen Blogs ein Buch zusammengestellt. Seit acht Jahren schreibt er monatlich auf www.cafe-riptide.de davon, was ihm in ebenjenem Café Riptide in Braunschweig alles so zugetragen wird und widerfährt. Da es sich bei dem Café auch um einen Schallplattenladen, eine Galerie und einen Veranstaltungsort handelt, sind die Erlebnisse recht vielfältig. Neu-Verleger Toddn Kandziora teilte mit dem Autoren die Vision, die angesammelten Inhalte in gedruckter Form einer erweiterten Leserschaft anzubieten, und veröffentlichte in seinem Buchbauer-Verlag nun „Die Stadt ist eine Erbse – Schoten aus dem Café Riptide“. Darin enthalten sind 23 Einträge aus dem Riptide-Blog, leicht überarbeitet sowie um Erläuterungen und Anmerkungen ergänzt, die das Buch auch außerhalb Braunschweigs nachvollziehbar machen.

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Rückblick: Wave Gotik Treffen in Leipzig vom 22. bis 25. Mai 2015

Von Olaf Maibaum (28.06.2015)

Wie jedes Jahr stand zu Pfingsten in meinem Kalender das Wave Gotik Treffen in Leipzig an. Vorab noch ein paar Worte zum WGT. Es gibt nicht „das“ WGT, sondern nur das WGT, was jeder für sich daraus macht. Die Verteilung der Veranstaltungsorte und die Vielfalt an Programmpunkten von Lesungen über Ausstellungen als auch Konzerten von Klassik über Dark Wave bis hin zu Horror Punk und Dark Metal machen den besonderen Reiz dieser Veranstaltung aus. Einige hängen nur auf dem Agra-Gelände und dem Mittelaltermarkt am Torhaus Dölitz ab, andere ziehen durch die Stadt oder bleiben einen Tag an einem anderen Auftrittsort. Dadurch erlebt jeder das Treffen anders, je nach eigenem Gusto. Die Planung des persönlichen Programmplans gestaltete sich in diesem Jahr als sehr schwierig, da ich beispielsweise am Montag vier meiner Must-Haves an unterschiedlichen Orten hatte. Das war an den anderen Tagen nicht viel anders, auch wenn ich dort teilweise nur Veranstaltungen der Art „Es wäre schön, wenn es passt“ hatte.

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Ein Jahrzehnt (Es geht voran): KrautNick wird rund

Von Matthias Bosenick (09.10.2014)

Wie immer, wenn man etwas startete, das in die Jahre kommt, stellt man sich beim Rückblick die Frage: Wer hätte das gedacht? Olaf Krautwurst und ich gründeten KrautNick, um unsere Ideen, Meinungen und Vorlieben mit anderen Interessierten zu teilen. Bevor es Myspace gab, stellten wir befreundeten Bands Webspace zur Verfügung, um ihre Songs als mp3 vorzustellen; die Download-Seite existiert zwar immer noch, aber Neues kommt wegen der vielen anderen Verbreitungsmöglichkeiten seit langer Zeit nicht mehr dazu. Ein Aspekt an KrautNick war von Anfang an auch, dass andere ihre Ideen, Meinungen und Vorlieben auf dieser Plattform veröffentlichen. Dieses Angebot haben schon viele Gastautoren angenommen, ich bin jedem einzelnen ausgesprochen dankbar dafür.

Große Veränderungen gab es in den zehn Jahren eigentlich nicht. Dank Stefan Zeuke läuft die Seite seit zweieinhalb Jahren nicht mehr auf Html-Basis, sondern auf komfortablerem WordPress. Die Möglichkeit zu Kommentaren musste ich dort leider einstellen, weil zu viele Spambots mein In-Postfach überschwemmten. Mit dem Wechsel auf WordPress machte ich den Reiter „Besonderes“ aus organisatorischen Gründen zu einer eigenen Kategorie. Ursprünglich hatte ich außerdem geplant, die komplette alte KrautNick-Seite auf WordPress umzuheben – scheiterte aber an der erheblichen Arbeit, die damit verbunden wäre, und konzentriere mich vielmehr darauf, neue Beiträge zu verfassen.

Manchmal fragen mich Leute, wie viele Leser, also Klicks, die Seite hat. Offen gestanden: Ich weiß es nicht. Da ich meine Aktivitäten nicht wie jeder andere auf Facebook dokumentiere, meide ich einen heutzutage sehr wichtig genommenen Multiplikator. Dann fragen mich die Leute, warum ich „das“ trotzdem mache. Nun: Weil ich es kann, um Fox Mulder zu zitieren. Weil es mir Spaß macht. Weil ich gelegentlich Feedback in mündlicher und Email-Form (meistens von Andreas Reiffer, danke!) bekomme, von Lesern, die sich über Informationen freuen. Weil ich hoffe, damit andere anzustecken, sich zu beteiligen. Weil Konsumieren allein höchst öde ist. Weil ich mich mit dem Wissen darum, dass ich meine Eindrücke in Worte fassen möchte, viel intensiver mit Kulturprodukten auseinandersetze und mir so einen tieferen Zugang zu ihnen verschaffe. Deshalb mache ich weiter.

Macht mit! Als Leser oder als Gastautoren. Jeder ist willkommen.

Sound On Screen, Universum-Kino & Café Riptide, Braunschweig, am 22. November 2013

Von Stefanie Krause (29.11.2013)

Dieser Text ist auch auf Kult-Tour Braunschweig veröffentlicht.

Do You Feel Good Vibrations?

Kulturabend · Film · Musik

„Also ich freu ich jetzt sehr Morgen auf die Vorstellung“, sagt Beate Siegmann zum Schluss eines spontanen Email-Interviews einen Tag vor der „Sound on Screen“-Veranstaltung vom 22.11.2013. Nun, „so richtig entspannt werd ich aber erst sein, wenn er tatstächlich morgen Abend in OmU über die Leinwand flimmert“, fügt sie noch schnell hinzu. Die Vorführung von „Good Vibrations“, der die Geschichte des Heroen der Punkszene im bürgerkriegsgeschüttelten Belfast der späten 70er Jahre erzählt, läuft dann aber tadellos und der Film begeistert mich und das Publikum! Aber es ist für das Team von Sound on Screen meist gar nicht so einfach, solch tolle Filme aus aller Welt nach Braunschweig zu holen. Wie sie es dennoch immer wieder schaffen und damit „really good vibrations“ verbreiten, lest ihr hier.

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