The Electric Family – The Long March (From Bremen To Betancuria) – Sireena 2018

Von Matthias Bosenick (09.04.2018)

Kaum ein Jahr nach dem Quasi-Comeback „Terra Circus“ hält The Perc Tom Redecker sein zweites Betätigungsfeld The Electric Family mit einer Best-Of aus den ersten vier Alben der Projektgeschichte im Gespräch. Mit Recht: Dieser Mix aus Wave-, Kraut- und Spacerock mit diversen Zutaten aus dem umfangreichen Gewürzregal der Musikgeschichte ist es wert, vernommen zu werden. Der lange Weg von Bremen nach Fuerteventura führt mittenmang durchs All.

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The Death Of Stalin – Armando Iannuci – USA/F/GB 2018

Von Matthias Bosenick (04.04.2018)

Schwieriges Unterfangen: einem totalitären Regime mit Humor begegnen zu wollen, um die systemimmanenten Untiefen herauszuarbeiten und die Beweggründe der Machtbesessenen bloßzustellen. „The Death Of Stalin“ ist zwiespältig geraten: Einerseits bildet er solche lebensbedrohlichen Machtkonstellationen anschaulich ab, andererseits bleibt der Humor zwischen Slapstick und erwartbaren Zwangsläufigkeiten stecken. Kein Film, den man gesehen haben muss, aber auch keiner, bei dem es schadet.

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Simple Minds – Walk Between Worlds – BMG/Warner 2018

Von Matthias Bosenick (27.03.2018)

Die Simple Minds radiopoprocken sich im Selbstzitat durch ihren eigenen früheren Sound, allerdings nicht den der experimentellen Frühachtziger-Wave-Sachen, sondern ab kurz danach bis kurz zuletzt. Heißt: Gemütliche Synthies und nette Gitarren begleiten im Tanzrhythmus beliebige Melodien, mit denen sie den Hörer einlullen und zufrieden machen. Eigentlich ist „Walk Between Worlds“ nicht besonders herausragend, aber man behält es nach jedem Durchgang positiv gestimmt und als recht gelungen im Kopfe. Das hat ja auch eine Qualität.

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Die drei Fragezeichen und der dreiäugige Totenkopf – Hörspielaufführung im Planetarium Wolfsburg am 22. März 2018

Von Matthias Bosenick (23.03.2018) | Auch veröffentlicht auf Kult-Tour Der Stadtblog

Das Hörspiel zum Comic, umgesetzt für die Surroundanlage von Planetarien: Mit den drei Fragezeichen erlebt man seit Jahrzehnten immerzu neue Darreichungsformen. Die sind für sich genommen jedoch zumeist spannender als die Fälle der jüngeren Zeit. Man darf sich also einerseits auf eine spezialgelagerte Sonderfolge freuen und muss andererseits doch fürchten, dass sie womöglich langweilig, krude und uninspiriert ist. Entwarnung: „Der dreiäugige Totenkopf“ funktioniert überraschend gut, die begleitenden Visuals sind stimmig, lediglich die Spieldauer ist ein winziges Bisschen zu lang für den dafür etwas zu gewöhnlichen Inhalt.

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Liberation Day – Morten Traavik/Ugis Olte – LV/KP/NO/SI 2016

Von Matthias Bosenick (16.03.2018)

In ein so absurdes wie gefährliches Land wie Nordkorea 2015 als erste westliche Musikgruppe das slowenische Künstlerkollektiv Laibach zu entsenden, und das ausgerechnet am Tag der Befreiung des Landes von der Japanischen Besetzung – treffender kann Totalitarismus nicht gespiegelt werden. Das Grandiose an dieser vortrefflichen Dokumentation dieses Unternehmens ist, dass sich hier beide Seiten spiegeln und Erkenntnisse gewinnen. Das Fingerspitzengefühl des Westteams unterstreicht einmal mehr, dass es sich bei Laibach mitnichten um eine Kaspertruppe handelt. Demnächst also in Teheran.

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Gusgus – Lies Are More Flexible – No Paper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.03.2018)

Das jüngste Album des isländischen Deep-House-Soul-Projekts Gusgus bedeutet erstmals seit elf Jahren beständiger Horizonterweiterung einen Stillstand. „Lies Are More Flexible“ verwaltet das herausragende musikalische Schaffen, ohne ihm Neues hinzuzufügen. Im Vergleich zur bisherigen Entwicklung wirkt dieses Album daher beinahe wie ein Schrumpfen und birgt den Ansatz von Enttäuschung. Aber bei der Qualität, die man dennoch vorgesetzt bekommt, ist die nicht angebracht. Chillig clubben geht trotzdem, zu Hause genießen auch und dabei Auto fahren sowieso.

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Arthur & Claire – Miguel Alexandre – D/A/NL 2017

Von Matthias Bosenick (14.03.2018)

Ein Titel (und ein Soundtrack) wie von Woody Allen, eine Zusammenkunft wie in „Lost In Translation“, ein Abgang, der an „Love Story“ erinnert, und ein Hauptdarsteller, der sein Hauptbetätigungsfeld als Kabarettist hier zugunsten des hervorragenden Gesamtergebnisses zurückfährt: Das ist „Arthur & Claire“ mit Josef Hader. In Amsterdam halten sich zwei Suizidgefährdete davon ab, ihr Vorhaben umzusetzen; Tragik und Komik in dieser Zusammenkunft sind sehr wienerisch, die Handlung fußt auf Dialogen, die Entwicklung rührt an. Nach „Wilde Maus“ wieder ein gelungener Film mit Hader. Und wie!

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José Munuera – Spirou präsentiert: Zyklotrop (1): Die Tochter des Z – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (01.03.2018)

Der beste der jüngeren Serienautoren wurde leider gekickt, weil die Entscheider anderer qualitativer Meinung waren, aber für den jüngsten Spin-Off der 80 Jahre alten Serie „Spirou“ kehrt José Munuera als Autor und Zeichner nun zurück ins Ensemble. Die neue Reihe „Spirou präsentiert“ wirft – hier ganz ohne die Serienhelden – Schlaglichter auf Nebenfiguren des ausufernden Universums, den Auftakt macht des Grafen von Rummelsdorfs Counterpart Zyklotrop. Ihm stellt Munuera eine schlagkräftige Tochter zur Seite. Zwar ist die Geschichte selbst recht geradlinig, aber die sich darin offenbarenden Hintergründe laden zum Psycholigisieren des unangenehmen Trottelschurken ein.

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Project Pitchfork – Akkretion – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (27.02.2018)

Album Nummer… so ca. 18, oder? Ohne Livealben, Minialben und Compilations. Und dann auch noch als Auftakt einer Trilogie. Da hat sich der Peter Spilles aber ordentlich etwas vorgenommen! So richtig Vorfreude auf die nächsten beiden Teile macht „Akkretion“ indes nicht, setzt aber die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre fort: Bestandsschutz mit der Tendenz zum Schlager. Und das war mal eine Electro-Gothic-Band, die sich von Helden wie Skinny Puppy beeinflussen ließ (damals hießen sie noch recht eindeutig Demoniac Puppets) und mit ihrem spröden Sound und einer immanenten Dunkelheit Energien zwischen Beklemmung und Aggression transportierte, bei dezidiert mitgelieferten schönen Melodien. Diese Kunst lässt Spilles leider fahren und konzentriert sich auf die Leute, die von Graf Unheilig sitzen gelassen werden und neues Futter suchen.

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Dirtmusic – Bu Bir Ruya – Glitterbeat 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2018)

Missmutig schieben Dirtmusic ihren hypnotischen Blues von der Wüste in den Orient. Obgleich das eigens zum Trio aufgestockte Rest-Duo aus Chris Eckman und Hugo Race dieses Mal mit Murat Ertel einen türkischen Psychedeliker an Bord hat, klingt die Musik bei aller Uferlosigkeit (und Großartigkeit!) nicht eben nach Lebensfreude. Kein Wunder angesichts der Themen: Es geht um die Festung Europa und das Verhalten des Westens gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der musikalischen Qualität: Spaß macht „Bu Bir Ruya“ nicht gerade. Und das soll es ja auch nicht.

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