Sacred Son – Arthurian Catacombs – Sacred Son 2019

Von Matthias Bosenick (18.11.2019)

Aus seinem Soloprojekt machte der Engländer Dane Cross in nur zwei Jahren eine komplette Band: Nicht nur deshalb klingt „Arthurian Catacombs“ ausgereifter als das selbstbetitelte Debüt von Sacred Son. Die größte Aufmerksamkeit wurde dem Musiker indes wegen des Covers zuteil: Darf man sich im Black Metal mit Sonnenbrille vor einer Meeresküste ablichten lassen? Eine Ohrfeige für Puristen also und auf dem vorliegenden Nachfolger ein amtliches atmosphärisches und wechselvolles Stück Schwarzmetall. Dem indes eine wuchtigere Produktion gut getan hätte.

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Sqürl – The Dead Don’t Die – Sacred Bones Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.11.2019)

Wahrscheinlich liegt es daran, dass man den Zombie-Film auch schon nicht so gut fand, dass einen dieser Soundtrack ebenso wenig überzeugt. Es wäre vielleicht sogar anders ohne die zwischengestreuten Dialogschnipsel, denn die Musik der Band von Regisseur Jim Jarmusch ist an sich ganz akzeptabel, aber auch sehr anders als das, was man von Sqürl ansonsten kennt: weniger Drones, mehr elektronisches Geplucker. Ganz nett insgesamt, und das ist schon beinahe eine Abwertung.

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Der Weg einer Freiheit – Live im Bei Chéz Heinz in Hannover am 8. November 2019

Von Matthias Bosenick (10.11.2019)

Linden, das Braunschweig von Hannover. Der linksalernative Veranstaltungsort mit dem charmanten Namen Bei Chéz Heinz ist dort unter einem Schwimmbad gelegen und bietet entsprechend wenig Kopffreiheit. Bei dem Konzert der Post-Black-Metal-Instanz Der Weg einer Freiheit und den zwei Supportern Praise The Plague und A Secret Revealed staken die Pommesgabeln mithin in der Decke. Und Anlass gab es zuhauf, die ausgestreckten Finger zu recken, aber nicht weniger, sich einfach in der brutalen Ambientmusik fallen zu lassen.

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Opeth – In cauda venenum – Moderbolaget/Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (08.11.2019)

Man möchte mit Wane Hussey rufen: „Give me ‚Deliverance‘!“ Aus den schwedischen Black-Death-Prog-Metallern ist eine Dudelcombo geworden, deren Pseudo-Retro-Rock wie ein Verbund aus Plastik und Pappe klingt. „In cauda venenum“, „Das Gift ist im Schwanz“, ist das inzwischen vierte Album, das vom Ur-Sound der Band in diese Richtung abweicht, und damit das vierte Argument, sich anderen Metalkünstlern zuzuwenden oder eben das Altwerk zu bevorzugen. Dieses Album nervt.

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Anuseye – 3:33 333 – Vincebus Eruptum Recordings 2019

Von Matthias Bosenick (04.11.2019)

Wenn das erste Hören des Albums im Laden des Labelbetreibers von der Vinyl-Vorabpressung erfolgt, hat man ohnehin eine ganz spezielle Verbundenheit zu dieser Musik. Das allein macht „3:33 333“ aber nicht so hörenswert: Die Süditaliener aus Bari ordnen sich im Heavy-Psych-Rock ein, was bedeutet, dass man die Rauchschwaden ganz gut heraushört, die musikalische Grundstruktur auf massiven Blues-Fundamenten fußt und das Quartett nicht nur melodieverliebt gniedelt, sondern zwischendurch auch fröhlich experimentiert. Auch beim dritten Album bleibt der Bandname Anuseye zwar scheiße, ist die Musik aber im Vergleich zum Vorgänger ein erhebliches Stück gereift. Transparentes gelbes Vinyl!

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Burgwächter/Crueger/Weyershausen – Braunschweig’sche Weihnacht – Verlag Andreas Reiffer 2019

Von Matthias Bosenick (28.10.2019)

Wenn man es besinnlich will, sollte man nicht unbedingt dieses Triumvirat des Bösen ranlassen: Unflat Till Burgwächter, Blutjunkie Hardy Crueger und Sarkast Karsten Weyershausen beschreiben die „Braunschweig’sche Weihnacht“ mitnichten tourismusfördernd. Zwar finden sich Braunschweigkenner in diesen auch für ortsfremde zugänglichen Kurzgeschichten, Glossen und Cartoons zurecht, sehen sich dann aber nach anfänglicher Empathie und Herzenswärme hinterrücks von Abscheu, Hohn, seelischer Schwärze, Tod, Psychothriller und sonstigem Makabren überrumpelt. Ein Riesenspaß für alle Schwarzhumorigen und eine unerwartete Wende angesichts der verkaufsbegünstigenden Thematik. Als Geschenkverpackungsband empfiehlt sich hier ein Strick.

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Deflore & Jaz Coleman – Party In The Chaos – Subsound Records 2019

Von Matthias Bosenick (24.10.2019)

Jaz Coleman ist also schwerst begeistert vom römischen Industrial-Duo Deflore, was ihn nun dazu trieb, eine gemeinsame EP einzuspielen. Seine erste Kollaboration, wie gern kolportiert wird, und dabei geraten unter anderem Anne Dudley, Shihad und Þeyr in Vergessenheit. Die EP nun klingt lediglich partiell wie Killing Joke, und wenn, dann nicht zuletzt wegen Colemans durchdringend röhrendem Gesang; musikalisch leistet sich das Duo mehr elektronische Feinheiten als Colemans Hauptband. Das Vinyl ist zweifarbig bunt und geetcht und nicht zuletzt den Kauf wert.

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Open Arsch (Closed) – Acht Bands live im Kulturzentrum Hallenbad in Wolfsburg am 19. Oktober 2019

Von Matthias Bosenick (21.10.2019)

Und über allem schwebte der Geist von Knotke. Der Schlagzeuger der Trottelkacker verstarb im vergangenen Jahr, und da Die Trottelkacker in den Neunzigern die maßgeblich für das Open Arsch verantwortliche Band waren, bezogen sich viele der an diesem Festivalrevival beteiligten Musiker auf diese Größe der Velpker Subkultur. Schlagzeuger Paul, mit gleich zwei Bands eine Klammer um alle Auftretenden bildend, organisierte dieses Klassentreffen, aus Altersgründen jedoch nicht in Rümmer auf der Schweineweide wie noch vor 20 Jahren, sondern im Kino des Kulturzentrums Hallenbad, also im einstigen Kaschpa, was ja auch passt. Acht Bands mit direktem Open-Arsch-Bezug machten an dem Abend den größten Unterschied zu damals deutlich: Seit den Neunzigern lernten sie alle, ihre Instrumente zu beherrschen und noch grandiosere Songs zu komponieren und zu arrangieren als damals, als sie alle noch Amateure waren. Open-Arsch-Momente gab es dennoch zahllose. Gabuze!

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Shaun das Schaf 2: UFO-Alarm (Farmageddon) – Will Becher & Richard Phelan – GB 2019

Von Matthias Bosenick (17.10.2019)

Fast alles richtig gemacht! Die Gagdichte ist immens, die Figuren sind grandios, die Geschichte ist schlüssig, der vertraute Kosmos ist eingehalten, der Spaß richtet sich an alle Altersstufen, die Anspielungen sind Legion, die Schnappatmung ist garantiert. Da nimmt man die zu sehr kindgerechten Anteile, den leichten Qualitätsabfall gegen Ende und den miesen Soundtrack trotzdem dankbar in Kauf. Im zweiten Kinofilm trifft das Knetgummischaf Shaun aus dem Umfeld von Wallace & Gromit auf ein Alien und hilft ihm, zu seinem Planeten zurückzukehren. Ohne Worte!

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Ben Aaronovitch – Der Oktobermann/Schwarzschimmel – dtv/Panini 2019

Von Matthias Bosenick (15.10.2019)

Seit acht Jahren gibt es nun die „Rivers Of London“-Serie von Ben Aaronovitch mit dem Londoner Zauberpolizisten Peter Grant als Hauptfigur. Auf Deutsch existieren davon sieben Romane und mit den neusten zwei Veröffentlichungen zudem zwei Kurzromane und drei Graphic Novels, auf Englisch liegen zusätzlich noch weitere drei Comics sowie diverse schriftliche und Hörbuch-Kurzgeschichten vor, der achte Roman der Hauptreihe und der siebte Comic sind für November vorgesehen und in der Schublade hat Aaronovitch noch diverse weitere unveröffentlichte Ideen. Und: Simon Pegg und Nick Frost wollen den Stoff verfilmen. Bei so viel Output bleibt Qualität bisweilen auf der Strecke, das gilt auch für die jüngsten in Deutschland erschienenen Geschichten: Liest sich „Der Oktobermann“ noch einigermaßen flott und flüssig weg, lässt einen „Schwarzschimmel“ doch eher kalt.

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