Törzs – Tükör – Golden Antenna Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.02.2020)

Eine ungarische Band nimmt ein Post-Rock-Album des Halls wegen in einer Tropfsteinhöhle auf: Die Rahmenbedingungen sind spektakulär, die Musik auf „Tükör“ greift in höchste Höhen, jubiliert, tiriliert, alles auf bestem Niveau – und verpasst die einmalige Chance, dabei dem Genre etwas Eigenes hinzuzufügen. Keine Frage, „Tükör“ ist ein tolles Album und Törzs aus Budapest eine tolle Band, aber man hat auch so grandiose Musik wie diese bereits hinreichend vernommen.

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The Sandmen – Himmelstormer – 500% Records 2019

Von Matthias Bosenick (11.02.2020)

Helden der Hymne! Auf „Himmelstormer“ greifen The Sandmen zurück in die Vergangenheit, aber nicht in ihre eigene: Die Rockband aus Dänemark integriert Sounds und Strukturen aus den Achtzigern in ihre Songs, die sie selbst zu der Zeit gar nicht verwendeten. Nicht nur damit emanzipieren sie sich von ihrer eigenen Historie: „Himmelstormer“ ist das zweite Album auf Dänisch und das erste auf ihrem eigenen Label 500% Records, benannt indes nach einem Song auf ihrem Album „Western Blood“ von 1988. „Himmelstormer“ ist wie ein attraktives Radioprogramm: unterschiedliche Stile, mal rockend, mal tanzbar, mal balladesk, und immer mit Ideen im Sound, die andere an der Stelle nicht gesetzt hätten. Gelungen!

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What Did Jack Do? – David Lynch – Netflix 2020

Von Matthias Bosenick (06.02.2020)

Seit 2006 produzierte der verschrobene Regisseur David Lynch nichts mehr fürs Kino („Inland Empire“), seit 2017 nichts fürs Fernsehen („Twin Peaks“, Staffel 3), und dann stellt der Mann im Januar 2020 ganz plötzlich einen Kurzfilm bei Netflix ein, den er bereits 2016 fertigstellte. Mit ebenjenem „Hä?“ wie auf diese Umstände reagiert man auch auf den Film selbst: Der Regisseur befragt sein äffisches Alter Ego nach einem Mord, woraus sich eher unzusammenhängende Dialoge ergeben. Schönes Schwarzweiß, viel Zigarettenrauch, ein guter Witz – ansonsten nur Fragezeichen. Es ist, als sähe man ihm dabei zu, wie er gedankenverloren auf seiner Schreibtischunterlage herumkritzelte.

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Sorry We Missed You – Ken Loach – UK/B/F 2019

Von Matthias Bosenick (05.02.2020)

Da hat sich der linke Antikapitalist Ken Loach aber etwas vorgenommen: In seinem neuen Film „Sorry We Missed You“ versucht er den Rundumschlag gegen alles, was ihn an der Moderne im Prä-Brexit-England stört, von Ausbeuterjobs über wachsende Gewaltbereitschaft, Pflegenotstand und miese Zukunftsaussichten bis hin zum Gesundheitssystem. Eine zarte Lösung bietet er zwar an, aber letztlich absolut keine Hoffnung. Der vielzitierte kleine Mann hat in Loachs Augen keine Chance, in diesem System zu bestehen, weder mit Zynismus noch mit schierer Willenskraft. Schwere Kost, kein Kinovergnügen, aber genau deshalb sehr wichtig.

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Hoax – Shake Up The Monster – Hassköter Production 2019

Von Marc Lücke (02.02.2020)

Mit einer 10-Track-CD meldeten sich im Dezember die Punkrock-Veteranen Hoax zurück. Das Album trägt den Namen des Konzerts, das Ende Januar im Gifhorner Nordkreis zusammen mit den legendären UK Subs aus England statt fand. Ort des rockigen Ereignisses war Schweimke bei Hankensbüttel. Insgesamt acht Musiker sind an der CD beteiligt, drei davon gehörten schon der Hoax-Urbesetzung aus den 80er Jahren an: Sänger Vincent Banane, Ex-Drummer Hüni Banane (Vocals) und Gitarrist Münki Banane, der schon 1982 im Gründungsort Groß Oesingen in die Seiten griff und seinerzeit mit seiner selbst gebauten doppelhalsigen Klampfe in der BRAVO zu sehen war.

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A Secret Revealed – Sacrifices – Lifeforce Records 2019

Von Matthias Bosenick (28.01.2020)

Wenn eine Doppel-LP schon so geil beginnt, ist der Zugang leicht, und wenn sie dann auch noch viel geiler weitergeht, ist die Platzierung in der Jahrestopliste gesichert. Ausgehend von einem staunend verfolgten Konzert, war die Neugier auf A Secret Revealed groß, und das zweite Album „Sacrifices“ der Würzburger ist weit mehr als das, was sie selbst mit dem Etikett „Post-Metal“ bekleben. Da stecken Black Metal, Hardcore, Djent und Achtziger-Thrash mit drin. Ein Fest!

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The Cure – 40 Live – Eagle Vision/Universal 2019

Von Matthias Bosenick (24.01.2020)

Mit gleich zwei überlangen Livekonzerten feiern The Cure ihren 40. Geburtstag und decken damit ihre komplette Discographie ab. Konzeptbedingt: Der erste Gig namens „Curætion25” beinhaltet je einen Song von jedem Album, zunächst von alt nach neu und dann wieder umgekehrt, und der zweite Gig mit dem schlichten Titel „Anniversary” berücksichtigt zusätzlich zu den wenigen Überschneidungen auch die Hits und Lieblingsstücke, die The Cure ansonsten noch so anzubieten haben. Die gegenwärtige Band spielt sich tight und originalgetreu vom Postpunk über Wave, Disco, Shoegaze, Manchester-Rave, Rock bis Pop durch das vielfältige Oeuvre der Paradegruftband. Die können’s noch!

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Béja & Nataël – Fünf Freunde (1) erforschen die Schatzinsel – Carlsen 2019

Von Matthias Bosenick (23.01.2020)

Das fehlte gerade noch: Enid Blytons „Fünf Freunde“ als Comic sind tatsächlich eine Neuheit in der Darstellungsform dieser Jugendbuchreihe. Leider raubt das Zeichnergespann Béja & Nataël der Ausgangsgeschichte die Atmosphäre, verkürzt sie sinnlos, ändert auch noch Handlungsdetails und fügt einen plumpen, unlustigen Humor hinzu. Die Zeichnungen sind mehrheitlich akzeptabel, im klassischen frankobelgischen Funny-Stil und mit Blick auf den Veröffentlichungszeitraum der Urgeschichte auch recht zeitgemäß. Und doch, dieser Auftakt ist eine Enttäuschung – und hat trotzdem bereits zwei Fortsetzungen.

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Shake Up The Monster Vol. 2: UK Subs und Hoax live im Schützenhaus Schweimke, 21. Januar 2020

Von Matthias Bosenick (22.01.2020)

War die Erstausgabe des Festivals „Shake Up The Monster“ vor fünf Jahren in Groß Oesingen noch vom Geist der Nostalgie beseelt, dominierten bei der Fortsetzung eine kraftvolle Gegenwartsverankerung bei den UK Subs und ein in die Zukunft gerichteter Blick bei den Gastgebern Hoax. Geblieben sind die Klassentreffenatmosphäre, ein hochgradiger Partyspaß bei fantastischer, vom Punk ausgehender Musik sowie die Ungläubigkeit über die Tatsache, dass 500 Leute mitten in der Woche den Weg in die Provinz fanden – ins Schützenhaus in Schweimke, Gemeinde Obernholz, Samtgemeinde Hankensbüttel, Landkreis Gifhorn, südliche Lüneburger Heide, zwischen Wierstorf und Bottendorf, knapp dort, wo sich das Meer von der Erdkante ins All stürzt.

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Underworld – Drift Series 1 – Caroline International 2019

Von Matthias Bosenick (14.01.2020)

Kann man mal machen: mal eben sieben Stunden neue Musik am Stück veröffentlichen. Wobei, so richtig korrekt ist das nicht, sammeln Underworld doch auf „Drift Series 1“ diverse EPs, die sie das ganze Jahr über schon digital unter die Leute warfen. Und wie das so ist bei einem solchen Output, klingen nicht alle Tracks wie voll ausformuliert: Da hätten sie die Menge der Ideen auf weniger Stücke verteilen sollen. Für den schmalen Geldbeutel gibt es ein Konzentrat als Ein-CD-„Sampler Edition“, die man in Kenntnis sämtlicher Tracks für sich vermutlich latent anders zusammengestellt hätte. Es bleibt ein rekordverdächtiges Mammutwerk (nur verdächtig, Autechre etwa veröffentlichten mit den „NTS Sessions“ etwas mehr auf einen Schlag) mit neunzigerbezogenen Technotracks und diversen, auch jazzigen Spielereien abseits des Weges.

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