Project Pitchfork – Fragment – Trisol 2018

Von Matthias Bosenick (19.10.2018)

Je weiter sich Peter Spilles von seinen Fähigkeiten als Komponist entfernt, desto größer wird sein Output – keine glückliche Entwicklung für Project Pitchfork. Viel hilft eben nicht viel, da wäre eine Pause angeraten, doch ist dies mit Ansage derzeit nicht in Aussicht, denn die Band befindet sich inmitten einer Albumtriologieveröffentlichung. Das aktuelle „Fragment“ setzt das neue Triptychon kaum ein Jahr nach „Akkretion“ fort und impliziert die baldige Fortsetzung. Die man nicht braucht, wenn die Pitchies die Tendenz beibehalten, von Album zu Album schlechter und beliebiger zu werden. „Fragment“ ist Düsterschlager mit Schunkelgarantie.

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Martin „Gotti“ Gottschild & Lukas Adolphi – Die Cops ham mein Handy: Das Hörbuch – Lukas Adolphi 2018

Von Matthias Bosenick (18.10.2018)

Sich unausweichlich mit dem kolportierten Elend konfrontiert sehen zu müssen, ist das Brutale an der Hörbuchversion von „Die Cops ham mein Handy“: Mit diesem Büchlein veröffentlichte Lukas Adolphi vor gut einem Jahr den SMS-Verlauf eines Kleinkriminellen, der Adolphis Mobiltelefon nach dem Diebstahl benutzte und vor dem Geschnapptwerden nicht wieder löschte. Diese Texte offenbaren eine Gesellschaft, die mitten in Deutschland existiert und mit der man nicht in Berührung kommen möchte – trotz aller vermeintlich witziger Dummheit, Schrägheit, Trotteligkeit, Geilheit und Lachhaftigkeit, die aus den Köpfen der Beteiligten quillt. Nicht der Herausgeber übrigens, sondern Martin „Gotti“ Gottschild von Tiere streicheln Menschen liest das Buch in einer guten Stunde komplett vor.

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Devin Townsend Project – Ocean Machine: Live At The Ancient Roman Theatre Plovdiv – HDR 2018

Von Matthias Bosenick (17.10.2018)

Warum nimmt man einen Keyboarder mit, wenn man sich ein Orchester und einen Chor in den Rücken stellt? Vielleicht, weil Devin Townsend selbst die Idee zu einem revolutionären Mix von Metal und Klassik am Ende doch nicht mehr so revolutionär fand – oder weil er sich im Komponieren brandneuer Partituren verhoben hat und die klassisch geschulten Musiker lieber im Hintergrund fiedeln lässt, damit das nicht so auffällt. So guckt man sich die vierte besondere Live-Veröffentlichung von Dev in Folge eben in Ruhe an und, zuckt mit den Schultern und versucht, sich die Perlen in den beiden Setteilen zu merken, die aus Fanwünschen und der Komplettaufführung des höchstguten Debüts „Ocean Machine“, jenes ohne Klassik, bestehen.

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Cowboy Junkies – All That Reckoning – Latent/Proper Records 2018

Von Matthias Bosenick (15.10.2018)

So vielfältig kann es ausfallen, wenn eine Band immer das Gleiche macht: Das Stilspektrum muss nur weit genug gefächert sein, dann ist auch ein neues Album, das sich beim bisherigen Oeuvre bedient, trotzdem reichhaltig. Für die Cowboy Junkies bedeutet dies: Folklore und Alternative Country, Walzer, Indierock, dargereicht sowohl in fragiler Schönheit als auch in dronigen, schweren Rocksongs. Da kann einem noch so viel bekannt vorkommen, das neue Album ist so abwechslungsreich, dass man es dennoch mit Freude genießt.

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Speaker Bite Me – Future Plans – Pony Rec. 2018

Von Matthias Bosenick (11.10.2018)

Zukunftspläne schmieden Speaker Bite Me auf ihrem ersten Album seit elf Jahren und blicken musikalisch doch recht häufig zurück: Die Ursprünge der dänischen Band liegen im noisigen Indie-Rock der Neunziger, der noch avantgardistisch war, bis ihn MTV und Majorlabels kommerzialisierten. Thematisch orientiert sich der Blick nach vorn indes an der Gegenwart, am weltpolitischen Geschehen nämlich, aus dem Speaker Bite Me eben „Future Plans“ ableiten. Dieses könnte, das schon mal vorab, zu den besten Alben des Jahres gehören.

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Autechre – NTS Sessions 1-4 – Warp 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

So geht das auch: Einfach mal acht Stunden Musik auf einen Schlag als ein Album herausbringen. Kann man machen, wenn man Autechre ist und böse Kritiker ohnehin behaupten, deren als IDM klassifizierte elektronische Fiepsmusik sei willkürlich und simpel. Ist sie natürlich nicht. Die Musik entstand an vier Abenden live im Internetradio und kommt nun nach dem Download auch auf acht CDs oder zwölf LPs heraus. Trotz aller Verschachtelungen überwiegt hier das Entspannende, was es nicht weniger spannend macht. Es als geschlossenes Album aufzufassen, fällt schwer, als Dokument ist es überwältigend und musikalisch so grandios, wie Autechre eben sind.

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Spiritualized – And Nothing Hurt – Bella Union 2018

Von Matthias Bosenick (08.10.2018)

Ganz allein kriegt er’s auch hin: Aus Kostengründen ist das neue Album von Spiritualized mehr oder weniger ein Soloprojekt von Bandchef Jason Pierce. Weil er mal wieder Bock hatte, seine eigene Musik in Albumform zu bringen, macht er genau das, ein Album voll mit genau der Musik, die man unter Spiritualized erwartet – mit keiner Abweichung, keiner Neuerung, keinem Experiment. Was für ein experimentelles Projekt schon beinahe gewagt ist. „And Nothing Hurt“ ist in sich gut, Drogengospelspacerock auf hohem Niveau, aber komplett frei von Innovation. Aber das Cover ist schön!.

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John Doe – Strawberry Girl – John Doe 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Der erste neue Tonträger seit zehn Jahren ist nach dem selbstbetitelten Album eine EP mit vier Songs, auf der die Wolfsburger John Doe den Rock aus vielen Quellen in einen Fluss leiten und damit überraschen, dass sie bei allem Spaß an der Sache und aller Lustigkeit mancher Beteiligter auf eine Art und Weise erwachsener klingen, die beinahe beängstigt. Das Leben muss so einiges mitgebracht haben, das den Furor erweckte. Steht ihnen gut!

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Dan Scary – Zu wahr, um schön zu sein EP – Dan Scary 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Sein Album „Dunkelpunk aus Unterwelt“ ist noch nicht so lang auf dem Markt, da legt Dan Scary mit einer EP nach. Auf „Zu wahr, um schön zu sein“ vertieft er seinen Stil: elektronisch unterfütterter Punk, der den Gothic Rock der Achtziger zitiert, als Grundlage für seine politischen und kritischen Texte. Unglaublich, aber er scheint für diese EP nochmal einiges an Druck, Klarheit und Akkuratesse dazugewonnen zu haben – dabei sind die Songs selbst schon fünf Jahre alt.

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Movin In Stereo – My Dear Effigy – Movin In Stereo 2018

Von Matthias Bosenick (01.10.2018)

Eine Singalong-Schwedenpunk-EP warfen Movin In Stereo in den elektronischen Briefkasten. „My Dear Effigy“ hält alle Versprechen: druckvoller Powerpunk, kurzweiliger Skandinavienrock, bierseliger Pubrock, bis in alle Fugen ausproduziert, saftig, eingängig, vertraut. Den Live-Support für den früheren Turbonegro Hank von Hell haben sie sich zu Recht verdient. Wer voll auf diese Gute-Laune-Tüte steht, sei hierauf dringlichst hingewiesen; wer aber meint, ein Dutzend Platten dieser Art im Regal reichen aus, der hört halt woandershin.

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