Vom Lokführer, der die Liebe suchte… – Veit Helmer – D 2019

Von Matthias Bosenick (21.03.2019)

Ein Film ohne Worte und trotzdem ohne Langeweile: Veit Helmer zaubert wieder. Den an Feelgood-RomComs gemahnenden Titel muss man ignorieren, denn um eine Schmonzette handelt es sich hier nicht. Vielmehr bricht der Hannoveraner einmal mehr mit Film-Sehgewohnheiten: Er lässt seine Figuren schweigend, aber Dank der Bilder dennoch mit Inhalt interagieren, und schickt seine Hauptfigur, einen in die Jahre gekommenen Diesellokführer, in Aschenputtel-Manier auf die Suche nach der Trägerin eines BHs, der sich bei der Durchfahrt durch eine engbebaute Siedlung an seiner Eisenbahn verfing. Helmer gelingt eine detailverliebte, visuell einnehmende Geschichte, die ihre Schwächen ausgerechnet beim Kern hat: zu viel Brust, zu wenig Handlung. Ansonsten: ein Fest.

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Micha-El Goehre – Wenn das Leben dir Limonade gibt, mach Zitronen draus – Satyr-Verlag 2019

Von Matthias Bosenick (19.03.2019)

Der Autor nimmt das Credo seines Titels ernst: Was auch immer andere lecker finden mögen, er findet einen Grund, darüber sauer zu sein. Und sei es auf Leute, die auf alles sauer sind. Ohne das Spiel mit Meta-Ebenen und eingestreutem selbstkritischen Augenzwinkern hielte man den Autoren – oder seine Ich-Figur – für einen selbstgerechten, negativen Meckerkopp, der nach eigener Ansicht zu wenig Geschlechtsverkehr hat (könnte eine Erklärung sein). Die Texte aus diesem Buch stammen von Lesebühnen, Poetry Slams und Magazinkolumnen – und geben viel zu selten Goehres verletzlicher Seite Raum. Dabei wirkt er genau in solchen Momenten am sympathischsten – und das kann er nicht verbergen, der Black-Metal-Slammer, dass er nämlich sympathisch ist. Sonst hätte man an der Lektüre nämlich weit weniger Vergnügen.

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Die Müller-Verschwörung – Live in Harrys Bierhaus, Braunschweig, am 16. März 2019

Von Matthias Bosenick (18.03.2019)

Müller und die Platemeiercombo ist tot, es lebe die Müller-Verschwörung, die aus grafischen Gründen im Original ohne Bindestrich auskommen muss. Da Heil und Plate keine Zeit mehr haben, reformierte Müller mit Meier die Combo und holte sich Roland Kremer als neuen Sänger sowie Olli als neuen Schlagzeuger dazu. Damit hat man trotz gelegentlichen Rückgriffen auf die Platemeierdiscographie eine neue Band vor sich und muss sich damit arrangieren, dass nun einiges anders ist. Die größte Veränderung liegt im Gesang und in der Folge daraus in den Texten. Es bleiben die außergewöhnlichen Rhythmen und Kompositionen, die psychologisch fundierte linke Haltung und mit jedem Konzert nicht nur eine amtliche Mitwippgarantie, sondern ein Anlass für die zahlreiche Gefolgschaft zur Zusammenkunft. Und Harrys Bierhaus bietet dafür genau die richtige Kulisse.

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Das Vollplaybacktheater: Sherlock Holmes und die Liga der außergewöhnlichen Detektive – Live im CongressPark Wolfsburg am 14. März 2019

Von Matthias Bosenick (15.03.2019)

Sie sind dann halt doch eher das Drei-Fragezeichen-Ding. Das neue Stück des Vollplaybacktheaters, bei dem es quasi um eine Art Justice League der Detektive geht, funktioniert bestens auf der Technikebene: Man staunt über die schlüssig zusammengeschnittenen Dialoge, die man als Mash-Up kaum ausmacht, sofern man die Originale nicht kennt. Somit erzählt „Die Liga der außergewöhnlichen Detektive“ vielmehr eine exklusive Geschichte, gemischt aus „Der Hund von Baskerville“ und einer Werwolfjagd, als dass dem Zuschauer die für sich stehenden Pointen im Sekundentakt um die Ohren fliegen. Ist okay, und vor allem deutlich besser als frühere Drei-Fragezeichen-lose Versuche der Wuppertaler.

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Soundtrack WOB: Abschlusskonzert – Halle 54, Steamgenerator, Disco Mutante und Intercool live im Hallenbad Wolfsburg am 9. März 2019

Von Matthias Bosenick (11.03.2019)

„Scheiß auf die Stadt, aber ich liebe die Leute“: Uwe Meyer, Sänger von Halle 54, bringt auf den Punkt, was der Abend, die Ausstellung, die Existenz von Subkultur in Wolfsburg transportieren. Mit diesen kleinen Festival rundet Organisator und Wolfsburgsfinest-Blogger Torsten Schitting die gefeierte Ausstellung „Soundtrack WOB“ ab, mit der Kurator Dr. Arne Steinert seit Oktober 2018 im Stadtmuseum der Wolfsburger Bevölkerung verdeutlichte, dass es in der Volkswagenstadt sehr wohl kulturelle Abweichungen vom schichtgetakteten Mainstream gibt. Die Gigs von Halle 54, Steamgenerator, Disco Mutante und Intercool und die sympathische Atmosphäre im früheren Kaschpa unterstrichen, wie relevant diese Subkultur für die Stadt ist und dass sowohl Protagonisten als auch Konsumenten glücklich zu schätzen wissen, was da passiert, sobald etwas passiert. Seligmachend, bewegend!

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The Claypool Lennon Delirium – South Of Reality – ATO Records 2019

Von Michael „Schepper“ Schaefer (08.03.2019)

Moin,

wie schreibt man eine Rezi, wenn eigentlich schon vorher klar ist, dass wir hier mein persönliches Lieblingsalbum des Jahres vorliegen haben?
All meine Erwartungen wurden sogar noch weit übertroffen.
Mal ehrlich – was soll denn da jetzt noch kommen? Außer vielleicht, die Herren Claypool und Lennon sind noch kreativer als jetzt und legen dieses Jahr noch ein Album nach…

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LCD Soundsystem – I Used To (Dixon Retouch)/Electric Lady Sessions – DFA/Columbia 2018/2019

Von Matthias Bosenick (07.03.2019)

Natürlich kann James Murphy nicht stillhalten, und natürlich beschränkt er seine Aktivitäten nicht aufs Labelbetreiben. Mit den vor drei Jahren reaktivierten LCD Soundsystem wirft er nun eine 12“ nach der nächsten auf den Markt und spielte in Jimi Hendrix‘ berühmten Studio einige alte eigene und drei Coversongs neu ein. Bei „I Used To“ ist die B-Seite relevant und bei „Electric Lady Sessions“ sind es eher die Coversongs. Gibt’s beides ausschließlich auf Vinyl, wo nicht als Download.

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The Lego Movie 2 – Mike Mitchell – USA 2019

Von Matthias Bosenick (04.03.2019)

Zwei Hauptaspekte hat der Film: Jung und Mädels spielen zusammen, und dies nach Möglichkeit lebenslang. Schönes Fazit eines US-Blockbusters, der sich rund um Dänisches Spielzeug dreht, und der das wichtigste Element des ersten Teils übernimmt: die Meta-Ebene nämlich. Natürlich reichen Handlung und Gagdichte nicht ganz an den ersten Film heran, aber empfehlenswert guckbar ist „The Lego Movie 2“ trotzdem. Selten, so etwas im Biz.

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Heavy Trip – Jukka Vidgren & Juuso Laatio – B/FIN/N 2018

Von Matthias Bosenick (02.03.2019)

Eine Ansammlung von Klischees aus Komödie und Heavy Metal, die beiden Seiten nicht gerecht wird und bei der es dann umso mehr verwundert, dass dabei trotzdem gelegentlich übermäßig gute Gags herauskommen: Das ist „Heavy Trip“. Um die guten Gags herum hätte man sich einen so guten Film einfallen lassen können, aber nein, viel lieber greifen die Finnen auf das zurück, was jeder Zuschauer schon hinreichend kennt. Das allein macht aus „Heavy Trip“ leider keinen guten Film. Immerhin, der Song der Band, um die es geht, hat Qualität.

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De Staat – Bubble Gum – Caroline International 2019

Von Matthias Bosenick (25.02.2019)

Das dürfte das größte Rätsel der Menschheit sein: Da veröffentlichen De Staat Ende 2018 als Download mit „Kitty Kitty“ den besten Song des dritten Jahrtausends, und das Album dazu, „Bubble Gum“, enthält nur Scheiße. Man bleibt fassungslos zurück. Die Grätsche aus Sperrigkeit und trotzdem Kommerz gelingt den Niederländern einfach mal gar nicht, nicht nur das, beide Komponenten bedienen sie auch noch jede für sich unhörbar. Der große Hit ist es wert, den Preis eines Albums dafür zu zahlen, aber zu allem Übel ist der hier auch noch um fast eine Minute gekürzt und somit physikalisch nicht in der vollen Pracht zu haben. Eine grandiose Enttäuschung.

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