October Burns Black – Fault Line – Outland Media 2018

Von Matthias Bosenick (06.09.2018)

Man hat als Künstler alle Möglichkeiten der Welt offen, besonders, wenn man schon jahrzehntelang aktiv ist. Da schließen sich also diverse altgediente Mucker aus der Gruftiszene 2015 zur Band October Burns Black zusammen und spielen nun eine EP ein – die dem Genre Gothic Rock aber auch gar nichts hinzufügt. Sie können das sehr gut, was sie machen, okay, aber das hat man so oder so ähnlich bereits im Regal stehen, zigfach. Eine Enttäuschung auf hohem Niveau.

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Einstürzende Neubauten – Grundstück – Potomak/Indigo 2005/2018

Von Matthias Bosenick (03.09.2018)

Was soll man als Supporter davon halten? Mit einer Menge Geld, die weit über dem liegt, was man ansonsten für ein Album auszugeben bereit gewesen wäre, unterstützte man in den Nullerjahren die Einstürzenden Neubauten vorab darin, neue Alben zu produzieren. Der Erlös bestand daraus, Besitzer eines exklusiven Tonträgers zu sein. Diese Exklusivität beenden die Neubauten nun, indem sie das zweite Supporter-Album „Grundstück“ für den Handel neu veröffentlichen. Inklusive einer Bonus-DVD mit Material, das auch der Supporter noch nicht hat, ihn mithin zum erneuten Erwerb zwingt. Da vergisst man grollend, wie gut das Album eigentlich ist.

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Jimi Tenor – Order Of Nothingness – Philophon 2018

Von Matthias Bosenick (31.08.2018)

Noch so einer, der vom Plattenveröffentlichen nicht genug bekommen kann: Mit „Order Of Nothingness“ bildet Jimi Tenor das weite Spektrum seines künstlerischen Schaffens auf eine gute halbe Stunde komprimiert ab. Man hört also elektrischen Jazz und Afrobeat sowie alles, was sich dazwischen und miteinander kombinieren lässt. Einzig Housebeats wie bei seinem überraschenden Love-Parade-Hit „Take Me Baby“ kehren nicht in seinen Sound zurück. Müssen sie ja auch nicht, dafür ist der Finne viel zu freigeistig.

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Flix – Spirou Spezial: Spirou in Berlin – Carlsen 2018

Von Matthias Bosenick (30.08.2018)

Für den Verlag ist die Kombination eine Goldgrube: Ein neuer Flix und ein neuer Spirou in einem Buch, das kann man prima als Hardcover veröffentlichen und teurer verkaufen als die anderen Bände der Reihe. Wert ist „Spirou in Berlin“ dies jedoch nur bedingt: Flix setzt die inzwischen 80 Jahre alten Vorlagen zwar gekonnt um, erzählt aber eine recht unaufregende Geschichte. Der abenteuerlustige Spionage-Page darf seinen Freund, den Grafen von Rummelsdorf, aus den Klauen der Stasi befreien – das macht er ungefähr so, wie es sich ein Laie auch ausgedacht hätte.

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Gundermann – Andreas Dresen – D 2018

Von Matthias Bosenick (28.08.2018)

Abseits der seit 29 Jahren heißverhökerten Ostalgie gibt es in Sachen DDR noch so einiges aufzuarbeiten: etwa die Situation, wenn man herausfindet, dass sich ein Vertrauter als Stasi-Spitzel entpuppt. Andreas Dresens neuer Film „Gundermann“ erzählt davon aus der Sicht des real existierenden Sängers Gerhard Gundermann, der zeitgleich Rebell und IM, Täter und Opfer war. Damit richtet der Film zeitgleich den Blick auf ein weiteres Kapitel: die in der Gesamtrepublik verschwundene Kultur der DDR – von der Band Gundermann & Seilschaft hat bestimmt noch nicht jeder gehört. Großartiger, wichtiger Film.

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Front Line Assembly – Warmech – Artoffact 2018

Von Matthias Bosenick (24.08.2018)

Die Fortsetzung eines Computerspielsoundtracks stellt das neue Album der kanadischen EBM-Mitgestalter Front Line Assembly dar. Einerseits offenbart „Warmech“ den weiten musikalischen Horizont der Kapelle um Bill Leeb, andererseits variiert es lediglich die Sounds des Vorgängers „Airmech“ und überrascht damit dann doch etwas zu wenig. Ganz nett, chillig, breakbeatig, latent experimentell, aber frei von Lärm, Krach und Noises, die den Gamer beim Zocken stören könnten. Angenehm als Untermalung einer abendlichen Freizeitlektüre, kurz vor dem Schlafengehen; anders als beim Vorgänger sperren sich die Tracks aber trotz aller offenkundiger Qualität etwas dagegen, markant im Ohr zu bleiben.

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Nine Inch Nails – Bad Witch – The Null Corporation/Capitol/Caroline 2018

Von Matthias Bosenick (22.08.2018)

Der Thron ist leider frei, doch Trent Reznor gebührt er nicht, auch wenn er auf der neuen Nine-Inch-Nails-EP gern so singen will wie David Bowie. An den restlichen Stellen der sechs Tracks klingt die Musik immerhin endlich mal wieder nach seiner eigenen, also nicht mehr so antiseptisch. Und dennoch findet er den Anschluss an sein letztes Großwerk „The Fragile“ von 1999 in diesem Leben wohl nie wieder, das gibt seine geläuterte Seele offenbar nicht mehr her.

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Underworld & Iggy Pop – Teatime Dub Encounters – Caroline/Beat 2018

Von Matthias Bosenick (20.08.2018)

Die Kombination liest sich zunächst ähnlich absurd wie Metallica & Lou Reed, nur mit dem Unterschied, dass Underworld nicht seit 30 Jahren Scheißmusik machen. Das Ergebnis dieser Kollaboration bleibt dennoch eher ein launiges Experiment als ein wegweisendes Stück Musikgeschichte, wenngleich die kompositorischen Qualitäten der elektronischen Tanzmusiker unverkennbar sind und der Erfinder des Punk und des Postpunk bekanntlich vor allen Tapeten glänzt. Die 12“ kommt in transparentem Vinyl.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Earthly Powers – Constrictor/Cargo 2018

Von Matthias Bosenick (16.08.2018)

Da kann man nur sauer werden: Der Dortmunder Indie-Papst hält marktschreierisch den grundsätzlichen Wert des Produktes hoch und bettelt beinahe darum, seine Musik doch bitteschön zu kaufen, und dann verarscht er diejenigen, die dies auch wollen, mit unterschiedlichen Deluxe-Versionen, die zudem noch jeweils überteuert sind. Das ist nicht indie, das ist Abzocke. Nichts gegen die Songs, die sind okay, schöne Melodien, freundlich bis mitreißend instrumentiert, etwas chilliger als gewohnt. Aber mit der Veröffentlichungspolitik untergräbt Boa seine Kredibilität.

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Fischessen – Der tote Winkel – BluNoise 2018

Von Matthias Bosenick (14.08.2018)

In jeder Hinsicht relevant ist dieses Album: Das Projekt Fischessen widmet sich dem Leben und Wirken von Guido Lucas, einem der einflussreichsten Menschen der deutschen Indierock- und Noise-Szene, der im vergangenen Jahr verstarb. Lucas war nicht nur Labelbetreiber von BluNoise aus Troisdorf, sondern selbst Musiker, und viele seiner ehemaligen Band- und Labelmates versammeln sich, um auf „Der tote Winkel“ in seinem Namen die Brücke zwischen Noiserock und Free Jazz zu zementieren. Eine Vorliebe für Lärm erleichtert den Zugang zu diesem großartigen Album.

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