Die schönste Zeit unseres Lebens (La belle Époque) – Nicolas Bedos – F 2019

Von Matthias Bosenick (06.12.2019)

Hinter diesem einfältigen deutschen Titel verbirgt sich einer der brillantesten Filme des Jahres: vielschichtig, komplex, schwarzhumorig, zynisch, romantisch, herzenswarm, böse, einfallsreich, temporeich, lustig. Wer das Drehbuch schrieb, verdient allen Respekt; allein das kurze Nacherzählen ist schon schwierig. Liebesdrama mit inszenierter Zeitreise, könnte man sagen, und wird diesem Knaller nicht gerecht. Wichtig: Hitler kriegt aufs Maul! Franzosen können also auch Komödien abseits des Mainstreams.

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Spezial: Addicted/noname Label aus Moskau, Teil 3

Zum dritten Mal sei hier ein Stapel CDs aus Moskau empfohlen, den das Label addicted/noname auf die lange Reise schickte. Bands wie Ciolkowska, Detieti, Dekonstruktor, Disen Gage, Kshettra, Ил, Soom, Thy Grave und Megalith Levitation. Sämtliche Musik gibt es auch auf der Bandcamp-Seite des Labels zum Download. Grüße an Anton aus Moskau und danke für diese grandiosen Empfehlungen!

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Shihad – Live in The Garage/G2 in Glasgow am 27. November 2019

Von Matthias Bosenick (29.11.2019)

Was für ein Gig! Das dürfte sich in die Top 5 der eindrucksvollsten Konzerte aller Zeiten einbrennen. In Neuseeland sind Shihad große Helden, in Europa beinahe unbekannt, und wenn sie in Glasgow nach 24 Jahren Abstinenz vor kaum 100 Leuten rocken, geben sie so sehr alles, als wären es über 1000. Anlass für den ersten Trip nach Europa seit neun Jahren ist der 30. Geburtstag der Band, und den zelebrieren Shihad mit einem Rückblick auf fast alle Alben, nur – und das haut am meisten um – teilweise noch deutlich härter als auf CD. Und mit Fanknuddeln zum Abschied sowie der Aussicht auf ein neues Studioalbum inklusive möglicher Gigs in Deutschland. Rock‘n‘Roll!

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Giraffe – Anna Sofie Hartmann – DE/DK 2019

Von Matthias Bosenick (23.11.2019)

So viel gewollt und am Ende doch nichts erreicht: Regisseurin Anna Sofie Hartmann will von ihrer Heimat erzählen, der dänischen Insel Lolland nämlich, und was es dort mit den Menschen macht, dass der Tunnel nach Fehmarn nun endgültig beschlossen ist. Sie lässt dabei zahlreiche Schicksale anklingen, führt aber nichts zu einem emotional berührenden oder auch nur narrativ überzeugenden Ausgang. Eine verschenkte Chance, die einem sogar leidtut, weil man die grandiosen Ideen erkennt. Schade!

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PJ Harvey: A Dog Called Money – Seamus Murphy – IRL/GB 2019

Von Matthias Bosenick (21.11.2019)

Wir sehen der englischen Musikerin Polly Jean Harvey dabei zu, wie sie in den Elends- und Krisengebieten dieser Welt (Afghanistan, Kosovo, USA) Inspiration für ihr 2016er-Album „The Hope Six Demolition Project” findet und diese vor Publikum in Musik umsetzt. Da die Dokumentation ihres irischen Freundes Seamus Murphy ohne tiefergehende Informationen auskommt, ist man darauf angewiesen, lediglich die Bilder und die Töne wirken zu lassen. Für alles andere muss man seinen Plattenschrank oder das Internet bemühen. Der Film ist ansprechend fotografiert, die bluesbasierte Indie-Musik ist unantastbar, lediglich die fehlenden Zusammenhänge sorgen für etwas Stirnrunzeln. Der Film lief in Braunschweig im Rahmen der Sound-On-Screen-Reihe des 33. Internationalen Filmfests.

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Conrad & Ferri – Asterix (38): Die Tochter des Vercingetorix/Diverse Autoren – Asterix: Die Hommage – Egmont Comic Collection 2019

Von Matthias Bosenick (20.11.2019)

Ganz so schlimm wie von vielen bemeckert ist „Die Tochter des Vercingetorix“, der vierte Asterix-Band aus Nachfolgerfedern, nun doch nicht, ganz so toll wie von den anderen bejubelt aber auch nicht. Man wundert sich ohnehin, warum ausgerechnet diese Comicreihe europa- und weltweit einen so hohen Stellenwert hat; das ist, als würde man Metallica heute noch für jeden neuen Ton feiern, obwohl sie seit 30 Jahren keine guten Platten mehr aufnehmen, nur weil sie mal den Thrash-Metal erfunden haben. Asterix ist weitgehend durch, es gibt viel relevantere alte und neue Comic-Reihen. Man darf Helden auch vom Thron stoßen, wenn sie nix mehr bringen. Oder eine Hommage verfassen.

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Sacred Son – Arthurian Catacombs – Sacred Son 2019

Von Matthias Bosenick (18.11.2019)

Aus seinem Soloprojekt machte der Engländer Dane Cross in nur zwei Jahren eine komplette Band: Nicht nur deshalb klingt „Arthurian Catacombs“ ausgereifter als das selbstbetitelte Debüt von Sacred Son. Die größte Aufmerksamkeit wurde dem Musiker indes wegen des Covers zuteil: Darf man sich im Black Metal mit Sonnenbrille vor einer Meeresküste ablichten lassen? Eine Ohrfeige für Puristen also und auf dem vorliegenden Nachfolger ein amtliches atmosphärisches und wechselvolles Stück Schwarzmetall. Dem indes eine wuchtigere Produktion gut getan hätte.

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Sqürl – The Dead Don’t Die – Sacred Bones Records 2019

Von Matthias Bosenick (14.11.2019)

Wahrscheinlich liegt es daran, dass man den Zombie-Film auch schon nicht so gut fand, dass einen dieser Soundtrack ebenso wenig überzeugt. Es wäre vielleicht sogar anders ohne die zwischengestreuten Dialogschnipsel, denn die Musik der Band von Regisseur Jim Jarmusch ist an sich ganz akzeptabel, aber auch sehr anders als das, was man von Sqürl ansonsten kennt: weniger Drones, mehr elektronisches Geplucker. Ganz nett insgesamt, und das ist schon beinahe eine Abwertung.

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Der Weg einer Freiheit – Live im Bei Chéz Heinz in Hannover am 8. November 2019

Von Matthias Bosenick (10.11.2019)

Linden, das Braunschweig von Hannover. Der linksalernative Veranstaltungsort mit dem charmanten Namen Bei Chéz Heinz ist dort unter einem Schwimmbad gelegen und bietet entsprechend wenig Kopffreiheit. Bei dem Konzert der Post-Black-Metal-Instanz Der Weg einer Freiheit und den zwei Supportern Praise The Plague und A Secret Revealed staken die Pommesgabeln mithin in der Decke. Und Anlass gab es zuhauf, die ausgestreckten Finger zu recken, aber nicht weniger, sich einfach in der brutalen Ambientmusik fallen zu lassen.

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Opeth – In cauda venenum – Moderbolaget/Nuclear Blast 2019

Von Matthias Bosenick (08.11.2019)

Man möchte mit Wane Hussey rufen: „Give me ‚Deliverance‘!“ Aus den schwedischen Black-Death-Prog-Metallern ist eine Dudelcombo geworden, deren Pseudo-Retro-Rock wie ein Verbund aus Plastik und Pappe klingt. „In cauda venenum“, „Das Gift ist im Schwanz“, ist das inzwischen vierte Album, das vom Ur-Sound der Band in diese Richtung abweicht, und damit das vierte Argument, sich anderen Metalkünstlern zuzuwenden oder eben das Altwerk zu bevorzugen. Dieses Album nervt.

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