Santiano – Live open air in Goslar vor der Kaiserpfalz, 23. Juni 2022

Von Guido Dörheide (27.06.2022)

Eigentlich sollte Iron Maiden in FFM gegen Ende Juli mein erstes Konzerterlebnis nach dem Lockdown werden. Aber da hatte ich die Rechnung ohne die zauberhafteste aller denkbaren Konzertbegleiterinnen gemacht, die mir am letzten Donnerstag zwei Karten für Santiano am selben Tag vor der Kaiserpfalz zu Goslar unter die Nase hielt und fragte, ob ich da mit ihr hingehen würde. Ich war zugegebenermaßen baff, da maximal unvertraut mit dem Oeuvre von Santiano, aber dass das eine wunderbare Live-Band sein sollte, hatte ich schon mal gehört, und so stammelte ich, dass ich in es ihrer Begleitung natürlich auch über alle Maßen genießen würde, die Bottroper Fußgängerzone mit einer Zahnbürste vom Staube zu befreien und ansonsten für jede neue Erfahrung offen sei. Und mich total auf das Open-Air-Konzert vor der Kaiserpfalz freue.

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Ivan Nahem + ex->tension – Crawling Through Grass – Arguably Records 2022

Von Matthias Bosenick (22.06.2022)

Wenn Noiserocker andere Stecker einstöpseln: Das neue Solo-Album von Ivan Nahem aus New York, der seit Ende der Siebziger in diversen Bands und Projekten von Ritual Tension, Carnival Crash bis Swans die stromgitarrenbefeuerte Lärmmusik mitgestaltet, fördert eine überraschende andere Seite des Yoga-Lehrers zutage: „Crawling Through Grass“ ist Ambient, und wer Ambient weitgefasst kennt, weiß, dass diese chillige musikalische Spielart auch Lärm beinhalten kann, nur sanfter, gern als Drone getarnt, mit Field Recordings und Improvisationen versetzt, mitnichten ein langweiliger Soundteppich mithin, und genau so verhält es sich bei diesem Album. So richtig solo ist es auch nicht, Nahem holte sich teilweise via Internet satte zwei Handvoll Gäste dazu, die mit ihm durchs Gras krabbeln. Und wie schön es dort ist!

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Vinterdracul – The Lee Variations – Canticle Throe 2022

Von Matthias Bosenick (21.06.2022)

Mit einem guten Witz fängt das neue Vinterdracul-Album an: Der erste Track auf „The Lee Variations“ heißt nämlich „End Scene“. Das Duo aus Baltimore bindet alles in sein Vampirkonzept ein, bei dem titelgebenden Lee handelt es sich wahlweise um den Schauspieler Christopher oder um eine Figur aus „The Vampire Diaries“. An die Sisters Of Mercy angelehnten Black Metal wollen Weirding Batweilder und Jean Farriage machen, wie sich die Musiker themengerecht nennen, doch – nun: Die Musik ist ein relativ proberaumiges Gerumpel mit einem enervierenden Geschrei als Gesang. Es fällt schwer, das Album durchzuhalten und die möglichen guten kompositorischen Ideen herauszufiltern; es gibt sie, durchaus, man braucht aber Durchhaltekraft, der Mucke auf den Zahn fühlen zu wollen, sonst beißt man sich die Zähne aus.

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The Waterboys – All Souls Hill – Cooking Vinyl 2022

Von Guido Dörheide (18.06.2022)

Remember Mike Scott? Der eine und einzige Mike Scott, der auf den früheren Waterboys-Albumcovers immer so aussah, als könnte er auch bei Echo und den Bunnymen mitmachen? Ich erinnere mich noch genau an „A Pagan Place“, mit Mike Scott vorne drauf, damals, in Gifhorn in der „Plattenkiste“, und Mike Scott sah einfach toll darauf aus. Genau dieser Mike Scott hat ein neues Album draußen (das macht Mike Scott sehr oft, ich weiß), und es ist ebenfalls apselut toll.

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Tedeschi Trucks Band – I Am The Moon: I. Crescent – Fantasy 2022

Von Guido Dörheide (17.06.2022)

TTB haben im vergangenen Jahr das Husarenstück unternommen, „Layla And Other Assorted Lovesongs“ von Eric und den Dynamos, äh sorry, Derek & The Dominos von der ersten bis zur letzten Note live nachzuspielen und – als wäre das nicht vermessen genug – auch noch eine Live-CD von dem Spektakel zu veröffentlichen. Dabei haben sie sich keinesfalls blamiert, sondern dem Jahrtausendwerk von Eric Clapton und Duane Allman zahlreiche neue, hinreißende Aspekte abgewonnen, und dass die gesangliche Leistung von Susan Tedeschi, Mike Mattison und einigen Gastsängern (allen voran Trey Anastasio von Phish) in einer komplett anderen Liga spielt als diejenige Claptons, sollte wohl niemanden ernsthaft verwundert gehabt haben. Und Tedeschis bester Ehemann von allen, Derek Trucks, hat sich auf dem Bluesgitarrenolymp ohnehin längst minnichstens einen Platz zu Füßen Allmans und dem angesichts gently weepender Slidegitarren nicht fehlen dürfenden George Harrison erarbeitet. Und spielt den ebenfalls noch lebenden Clapton in meiner humpelnden Meinung komplett und nachhaltig an die Wand.

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!!! – Let It Be Blue – Warp 2022

Von Matthias Bosenick (16.06.2022)

Es ist bei jedem neuen Album von !!! so, dass man sich nur noch mehr damit arrangieren muss, dass es nicht mehr so klingt wie zu Zeiten des selbstbetitelten Debüts bis zu „Myth Takes“ 2007: Von der einstigen Tanzkapelle mit handgespieltem progressivem und drogeninduziertem Discosound ist so gut wie nichts mehr übrig, die Band ist längst synthetisch geworden und passte sich in Sound und Melodie streckenweise sehr dem Zeitgeist an. Auf „Let It Be Blue“, Album Nummer neun, klingt nichts nach melancholischen Beatles, dafür aber nach zackiger Housemusik und nach Latin-Pop. Es wird sicher wieder eine Weile dauern, bis man hier als Altfan seine Perlen findet. Die gibt es durchaus, es sind grandiose Songs enthalten, nur ein durchgehend überzeugendes Album bekommt man aus Sicht von vor 20 Jahren von !!! leider schon lang nicht mehr.

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Ælmā – The Beings Of Mind Are Not Of Clay – Toten Schwan Records 2022

Von Matthias Bosenick (09.06.2022)

Dunkler geht Musik kaum, und trotzdem ist sie auf „The Beings Of Mind Are Not Of Clay“ wohligwarm: Die Drone-Bassistin Elena M. Rosa Lavita und der Industrial-Experimental-Musiker Marco Valenti, auch bekannt als Cameraoscura, tun sich zum Projekt Ælmā zusammen, um mit ihrem Instrumentarium in zwei ausgedehnten Tracks gesangsfrei über das Wesen des Menschen zu sinnieren. Zu so richtig positiven Ergebnissen kommen die beiden nicht, doch anstatt darüber sauer zu sein und die Keule zu schwingen, versinken sie in Depression und dronen vor sich hin – und das ausgesprochen ansprechend hörbar.

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Spezial: Klangwirkstoff & Separated Beats, Teil 4

Von Matthias Bosenick (08.06.2022)

Drei sehr unterschiedliche neue Alben präsentiert Bert Olke auf seinen beiden Labels Klangwirkstoff Records und Separated Beats: Einmal das Best-Of-Neunziger-Electro-Retro-Querbeet-Miniaturen-Album „Soul Kitchen“ von Tobi Morare, dann das dubbig-tanzbare Planeten-Frequenz-Album „“Roots Of Deliverance“ von Rainer Hartmann unter seinem neuen Alias Oriom sowie Olke selbst mit seinem als B. Ashra veröffentlichten „Fluffy Spirals“ zwischen Ambient und Psytrance.

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Hum – One – Sireena 2022

Von Matthias Bosenick (02.06.2022)

Ein zeitloses Stück Rockmusik, ohne heavy Verzerrung vom Classic Rock ausgehend in Blues, Stoner, Post, Space, Jazz und Prog driftend und mit Samples angereichert: Drei musikalisch im Raum Frankfurt am Main längst etablierte Herren finden sich für dieses Debüt unter dem verwechselbaren Namen Hum zusammen und scheren sich einen feuchten Kehricht um Radiotauglichkeit oder reine Genreanbiederung. Natürlich finden sich auf „One“ auch Passagen, die einem aus den genannten Bereichen vertraut vorkommen, aber in ihrer epischen Mischung sind die drei ganz bei sich, bringen zusammen, worauf sie Bock haben, und spielen es deshalb auch genau so: Sie haben Bock.

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