Underworld & Iggy Pop – Teatime Dub Encounters – Caroline/Beat 2018

Von Matthias Bosenick (20.08.2018)

Die Kombination liest sich zunächst ähnlich absurd wie Metallica & Lou Reed, nur mit dem Unterschied, dass Underworld nicht seit 30 Jahren Scheißmusik machen. Das Ergebnis dieser Kollaboration bleibt dennoch eher ein launiges Experiment als ein wegweisendes Stück Musikgeschichte, wenngleich die kompositorischen Qualitäten der elektronischen Tanzmusiker unverkennbar sind und der Erfinder des Punk und des Postpunk bekanntlich vor allen Tapeten glänzt. Die 12“ kommt in transparentem Vinyl.

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Phillip Boa And The Voodooclub – Earthly Powers – Constrictor/Cargo 2018

Von Matthias Bosenick (16.08.2018)

Da kann man nur sauer werden: Der Dortmunder Indie-Papst hält marktschreierisch den grundsätzlichen Wert des Produktes hoch und bettelt beinahe darum, seine Musik doch bitteschön zu kaufen, und dann verarscht er diejenigen, die dies auch wollen, mit unterschiedlichen Deluxe-Versionen, die zudem noch jeweils überteuert sind. Das ist nicht indie, das ist Abzocke. Nichts gegen die Songs, die sind okay, schöne Melodien, freundlich bis mitreißend instrumentiert, etwas chilliger als gewohnt. Aber mit der Veröffentlichungspolitik untergräbt Boa seine Kredibilität.

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Fischessen – Der tote Winkel – BluNoise 2018

Von Matthias Bosenick (14.08.2018)

In jeder Hinsicht relevant ist dieses Album: Das Projekt Fischessen widmet sich dem Leben und Wirken von Guido Lucas, einem der einflussreichsten Menschen der deutschen Indierock- und Noise-Szene, der im vergangenen Jahr verstarb. Lucas war nicht nur Labelbetreiber von BluNoise aus Troisdorf, sondern selbst Musiker, und viele seiner ehemaligen Band- und Labelmates versammeln sich, um auf „Der tote Winkel“ in seinem Namen die Brücke zwischen Noiserock und Free Jazz zu zementieren. Eine Vorliebe für Lärm erleichtert den Zugang zu diesem großartigen Album.

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Dead Cross – Dead Cross EP – Ipecac 2018

Von Matthias Bosenick (08.08.2018)

Deac Cross machen es dem Googelndem nicht einfach: Das Debüt-Album und die vorliegende Folge-EP tragen den Bandnamen als Titel. Da kommt sogar Amazon durcheinander. Vier neue Tracks gibt’s als 10“ von dieser Hardcore-Supergroup, die alles andere als so genannt werden will, also Supergroup, nicht Hardcore; das lieber als Metal, trotz Dave Lombardo an den Drums: zwei Studio-Songs und zwei Remixe. Ein brutal kurzweiliger, aber viel zu teurer Spaß, teilweise mit überraschendem EBM-Sound.

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Lederman/de Meyer – Eleven Grinding Songs – Alfa Matrix 2018

Von Matthias Bosenick (31.07.2018)

Es liest sich spannender, als es letztlich ist, muss man bei aller Verehrung feststellen: Jean-Luc de Meyer, Charakterstimme von Front 242, und Jean-Marc Lederman, Soundsynthet von Bands wie The Weathermen, tun sich musikalisch zusammen, sie kombinieren ein Best-Of EBM aus Belgien sozusagen. Doch auch wenn Lederman einige hübsche Melodien und Geräusche einfallen und de Meyer vertraut eindringlich dazu dräut, erscheinen manche Beiträge verwirrend amateurhaft. Und das von solchen Experten. Eigenartig.

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The Pachinko Fake – Flakes: A Collection Of Fine Songs – Sireena/Broken Silence 2018

Von Matthias Bosenick (19.07.2018)

Kleiner Dienst unter Freunden: „The Perc” Tom Redecker veröffentlicht auf seinem Label Sireena eine Best-Of der Band The Pachinko Fake seines Buddies Rolf Kirschbaum. Bis auf den kleinen Indie-Hit „Push Me Before I Fall” ging die Existenz dieser minimalistischen alternativen Rockband mit Waveeinschlag an der großen Aufmerksamkeit vorbei. Kein Wunder: Eingängig oder gefällig ist die Musik der Band nie, also tatsächlich indie. Und wert, entdeckt zu werden, was indes einigen Aufwand erfordert, denn der Zugang ist entsprechend unleicht.

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Bert Gerecht – Mr. Bassman geht tief runter – BoD/Bert Gerecht 2018

Von Michael „Schepper“ Schaefer (16.07.2018)

Gleich am Anfang warnt Basspionier Bert Gerecht in seinem autobiografischen „Schelmenroman“ zartbesaitete Zeitgenossen vor Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll. Aber mal ganz ehrlich: So etwas will man doch auch lesen in einer Musikerbiografie, oder etwa nicht? Jedenfalls hat Bert nichts anbrennen lassen, sich auch selbst den ein oder anderen angezündet und war immer Feuer und Flamme für neue Ideen in Sachen Bass. Neben pikanten Details aus seiner Sturm- und Drangzeit gibt es viele interessante Geschichten und Informationen über seinen Einfluss auf die hiesige Bass-Szene.

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Gaston: Die Galerie der Katastrophen – Carlsen Verlag 2018

Von Matthias Bosenick (12.07.2018)

Zum 60. Geburtstag des 1957 von André Franquin ersonnenen Büroboten Gaston Lagaffe erschien im vergangenen Jahr ein Best-Of, dem nun eine Hommage folgt. Nicht die erste. 60 Zeichner, hauptsächlich Frankobelgier, arbeiten sich an dieser wichtigen Figur des frankobelgischen Funny-Comics ab; die eingereichten Würdigungen sind von entsprechend unterschiedlicher Ausrichtung und Qualität. Einige Zeichner und Autoren versuchen, der längst abgeschlossenen Reihe eine Episode im Sinne der Sache hinzuzufügen, manche verdrehen Inhalte, andere transferieren Gaston in andere, zumeist eigene Universen, und die sind – auch bei geringerer Qualität – am interessantesten. Franquin kopieren kann nämlich niemand.

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Spezial: Addicted Label aus Moskau

     

Von Matthias Bosenick (09.07.2018)

Was für ein Oeuvre! Ein Label für Psychedelic Rock, Stoner, Prog, Doom, Sludge, Ambient, Electronic, Musique Concrète, Jazz Punk, Hard Rock und mehr rief Anton Kitaev aus Moskau 2011 ins Leben. Damit die Musik mehr Gewicht bekommt als sein Verlag, gab er diesem keinen Namen, bezeichnet ihn höchstens als „Addicted Label“, denn irgendwie muss er damit ja in Erscheinung treten. So unterschiedlich die Musikrichtungen seines Katalogs auch sein mögen, eines eint sie und ist quasi Grundvoraussetzung dafür, von ihm aufgenommen zu werden: Unkommerziell muss es sein. Eine Auswahl.

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Stanley Kubrick – 2001: A Space Odyssey (Unrestored 70 mm) – USA/GB 1968

Von Matthias Bosenick (05.07.2018)

50 Jahre alt und bis heute nicht nur in seinem Genre ungeschlagen: „2001: A Space Odyssey“ übertrifft kein Science-Fiction-Film davor oder danach, nicht einmal die originale „Star Wars“-Trilogie, und auch sonst reichen kaum andere Filme an diese Klasse heran. Zum 50. Geburtstag kommt Stanley Kubricks Kunstwerk von den Original-Negativen kopiert als 70-Millimeter-Version erneut ins Kino, komplett ohne Überarbeitung, so authentisch wie nur möglich und inklusive der ursprünglichen „Intermission“. Ein Fest!

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