Die Brücke IV (Broen/Bron IIII) – Edel:Motion 2018

Von Matthias Bosenick (13.12.2018)

So findet nun leider diese formidable Thrillerserie ein Ende, die Vorlage für Remakes rund um den Globus war: In der vierten und finalen Staffel der Dänisch-Schwedischen Koproduktion treffen die autistische Saga Norén aus Malmö und der Junkie Henrik Sabroe aus Kopenhagen zum zweiten Mal aufeinander, um beide Länder betreffende Morde aufzuklären. Schöne Bilder, vielschichtige Figuren, Düsternis und Einblicke ins Leben der nordischen Nachbarn machen diese Serie so reizvoll. Ihr Ende bedauert man daher und sieht gnädig über die Schwächen in diesem der Serie angemessenen Finale hinweg.

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The House That Jack Built – Lars von Trier – DK/S/D/F 2018

Von Matthias Bosenick (12.12.2018)

Wenn Lars von Trier einen Serienmörderfilm dreht, kommt dabei bei Weitem kein Genrefilm heraus – so gut sollte man den Mann inzwischen kennen. „The House That Jack Built“ greift die Struktur des Vorgängers „Nymp()maniac“ auf: Was dort der Porno war, ist hier eben der Serienkiller, an dessen Geschichte entlang von Trier Themen aus dem Fachbereichen Soziologie, Psychologie, Architektur, Religion, Kunst, Philosophie, Önologie und Jagd abhandelt. Das blutrünstige Monster bietet hier die Vorlagen für das Bildungskino – und natürlich trotzdem einen guten Grund für den Dänen, zu provozieren. Auch das ist typisch für von Trier. Zweieinhalb Stunden Film ohne Langeweile, mit Inhalt und trotz aller Begeisterung ohne den Wunsch, sich ihnen zwingend noch einmal auszusetzen.

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Thom Yorke – Suspiria – XL/Beggars/Indigo 2018

Von Matthias Bosenick (06.12.2018)

Schwierig, den Soundtrack zu einem Film zu beurteilen, den man nie gesehen hat, und der auch noch ein Remake eines Films ist, den man auch nie gesehen hat, und dessen Musik sich an dem Original-Score orientiert, den man auch noch nie gehört hat. Heißt: Man hört „Suspiria“ einfach mal als Thom-Yorke-Album mit dem Wissen im Hinterkopf, es mit Horrorfilmmusik zu tun zu haben. Das funktioniert sehr gut: Die Post-Neunziger-Radiohead sind allgegenwärtig, Yorke wimmert wie gewohnt und die scheinbar elektronische und durchgehend recht progressive Mucke erzeugt beklemmende Gefühle. Hexerei!

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The Team II – Kasper Gaardsøe – D/DK/B/A + Edel.Motion 2018

Von Matthias Bosenick (27.11.2018)

Vielleicht sollte man für eine dritte Staffel der international produzierten Krimi-Serie „The Team“ nicht nur die Schauspieler, sondern auch die Showrunner austauschen. Die Idee ist lobenswert: In Zeiten von Brexit, Nationalismus und Ausgrenzung die Stärken europäischer Zusammenschlüsse vermittels eines Krimis herausarbeiten. Wie in der ersten Staffel arbeiten – dieses Mal aber andere – Ermittler aus Deutschland, Belgien und Dänemark an einem Fall, der alle drei (und noch weitere) Länder betrifft; es geht natürlich um Flüchtlinge, Nazis und Terrorismus. Auf der Positivseite überzeugen manche interessante Figuren und aufgebrochene Rollenklischees, die andere Waagschale ziehen das schlechte Drehbuch und die gekünstelten Dialoge herunter. Dabei ist die Idee doch eigentlich gut.

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Nick Cave & The Bad Seeds – Distant Sky (Live In Copenhagen) EP – Bad Seed Ltd 2018

Von Matthias Bosenick (20.11.2018)

Da springt dem Nick-Cave-Fan doch glatt ein bisschen zu sehr der Kommerz ins Gesicht: Als Rückblick auf die jüngst absolvierte Tour und als Quasi-Soundtrack zum Konzertfilm „Distant Sky“ lässt der kleine Nick vier in Kopenhagen mitgeschnittene Songs auf Vinyl pressen und verkauft diese EP zum Preis einer LP. Nichts gegen die Lieder, aber da wäre das komplette Konzert auf Vinyl drin gewesen, insbesondere, wenn man hört, wie stark die leicht umformierten Bad Seeds die Klassiker inzwischen verändern, und dann hätte der Preis auch besser gepasst. Aber gut, der geneigte Fan erwirbt und sammelt, und wenigstens für die Musik lohnt es sich.

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Treedeon & The Moth – Live im Nexus in Braunschweig, 17. November 2018

Von Matthias Bosenick (18.11.2018)

Ein schönes Doppelpack an Sludge und Doom kredenzte da das Nexus: Treedeon und The Moth loteten die verschiedenen Enden der heruntergestimmten Gitarrenbrettskala aus. Während Treedeon quasi einmal am Stück in die Fresse hieben, schlugen The Moth eher von verschiedenen Seiten unvermittelt zu. Mit Yvonne Ducksworth stand bei Treedeon überdies eine verdiente Veteranin des Punkrock auf der Bühne: Sie war 25 Jahre lang Gesicht und Stimme von Jingo de Lunch.

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Leto (Лето) – Kirill Serebrennikow – RUS/F 2018

Von Matthias Bosenick (15.11.2018)

An diesem Film stimmt so gut wie alles. Bilder, Charaktere, Atmosphäre, Ideen, Erzähltempo, nun: Story, okay: Musik, historischer und kultureller Hintergrund – „Leto“ ist kunstvoll, unterhaltsam, lustig, fantasievoll, emotional, vernünftig, sympathisch, atemberaubend gut. Und trotz eher zurückhaltender politischer Haltung mittlerweile ein unfreiwilliges Politikum, da Regisseur Kirill Serebrennikow noch während der Dreharbeiten für die Veruntreuung von Staatsgeldern als Theaterregisseur verhaftet wurde. Der Film lehnt sich locker an den Biografien der Leningrader Musiker Mike Naumenko (Михаил „Майк“ Науменко) und Viktor Tsoi (Виктор Цой) an und erzählt – überwiegend in Schwarzweiß – von Rock in der Sowjetunion und Liebe in Muckerkreisen, bloß anders, als das jetzt klingen mag.

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Sir Collapse – Walk To The Moon – Sir Collapse 2018

Von Matthias Bosenick (12.11.2018)

Wer seine Digipak-CD mit einem persönlich adressierten handgeschriebenen Waschzettel versehen in den Briefkasten wirft, hat schon mal jede Aufmerksamkeit. Sir Collapse aus Neuss verdienen sie aber auch akustisch: Puren Noise machen sie indes nicht, sondern schwer abgehangenen Indie-Rock mit Stoner-Einschlag. Hier dienen Monster Magnet kaum weniger als Referenz als die Foo Fighters – nur dass Sir Collapse gottlob deutlich weniger angepasst und kommerziell sind. Ihre musikalische Wucht erzeugten sie, indem sie die Musik live im Studio einspielten. Klingt nicht nach einem Debüt, da steckt mehr drin.

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MARS./Trash On Mars – Benjamin Tuček – CZ 2018

Von Matthias Bosenick (11.1.2018)

Der philosophische und gesellschaftsanalytische Ansatz ist aller Ehren wert, doch gelingt es dem Drehbuch nicht, diese Ansätze schlüssig zu transportieren. „MARS.“ ist als Komödie gemeint, aber ohne Timing und stringente Orientierung. Über einige Stereotypen kommen die Figurenzeichnungen nicht hinaus, die Gags versanden im Marsstaub. Der auch noch wenig überzeugend dargestellt ist. Trotzdem bleibt einiges hängen, mit dem man sich noch einige Zeit später beschäftigt. Die Idee ist nicht doof, nur doof umgesetzt.

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Goscinny & Sempé – Der kleine Nick: Wie alles begann – Diogenes 2018

Von Matthias Bosenick (09.11.2018)

Erstaunlich, was vom kleinen Nick noch alles irgendwo auf Dachböden dümpelt, und noch erstaunlicher, wenn es sich dabei um bereits veröffentlichtes Material handelt, das selbst der noch lebende der beiden Erschaffer offenbar vergessen hat. Jedenfalls erinnerte sich Zeichner Jean-Jacques Sempé urplötzlich daran, dass die Prosafigur des kleinen Nicks eine Comicvorgeschichte hat, die er mit dem 1977 verstorbenen Texter René Goscinny Mitte der Fünfziger beinahe ein Jahr lang in einer Zeitung veröffentlichte, weit bevor das Duo daraus die bekannten Texte zauberte. Wie auch immer: Jetzt liegen diese Panels auch auf Deutsch vor und geben einen hübschen und humorvollen Einblick in die kreative Evolution des fidelen Kindes und in eine Gesellschaft, die sich seit einem halben Jahrhundert erschreckend wenig verändert hat.

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