Dirtmusic – Bu Bir Ruya – Glitterbeat 2018

Von Matthias Bosenick (20.02.2018)

Missmutig schieben Dirtmusic ihren hypnotischen Blues von der Wüste in den Orient. Obgleich das eigens zum Trio aufgestockte Rest-Duo aus Chris Eckman und Hugo Race dieses Mal mit Murat Ertel einen türkischen Psychedeliker an Bord hat, klingt die Musik bei aller Uferlosigkeit (und Großartigkeit!) nicht eben nach Lebensfreude. Kein Wunder angesichts der Themen: Es geht um die Festung Europa und das Verhalten des Westens gegenüber Flüchtlingen. Ungeachtet der musikalischen Qualität: Spaß macht „Bu Bir Ruya“ nicht gerade. Und das soll es ja auch nicht.

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Das Vollplaybacktheater: Die drei Fragezeichen und das Gespensterschloss (Schloss mit lustig: 20 Jahre VPT) – Live im CongressPark Wolfsburg, 15. Februar 2018

Von Matthias Bosenick (16.02.2018)

Ist das schon wieder so lang her? Vor sechs Jahren die Abschiedstour, jetzt das Zwanzigjährige? Man kann sich ein Leben ohne das Wuppertaler Vollplaybacktheater gar nicht mehr vorstellen. Eine Alternative existiert nicht, das ist nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal der Gruppe. Die Jungs und Mädels geben dem Kopfkino ein Gesicht: Niemand kann mehr Die drei Fragezeichen hören, ohne konkrete Vorstellungen davon zu haben, wie Justus, Peter und Bob aussehen – nämlich genau so, wie sie das Vollplaybacktheater personifiziert. Ihr Wiegenfest begehen die Mundtoten mit einer Wiederaufführung ihres 2005er-Sujets, jedoch und gottlob geremixt: „Das Gespensterschloss“ lehrt den vollen Saal das Fürchten. Na, eher das Lachen und Staunen.

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Machine Head – Catharsis – Nuclear Blast 2018

Von Matthias Bosenick (05.02.2018)

Was zum Henker…? Auf ihrem neunten Album greifen Machine Head auf die musikalisch schlimmste Zeit ihrer Existenz zurück: die gutverkäufliche, aber kreativ minderwertige NuMetal-Phase zum Jahrtausendwechsel. Statt dem geradlinigen Thrash der ersten beiden und dem progressiven Thrash der zurückliegenden vier Alben gibt’s jetzt wieder gitarrenlastige Popsongs zum Mithüpfen. Und Singalong-Punkrock. Und Powerballaden. Damit keiner sagen kann, es gäbe nichts Neues im Universum der Kalifornier. Wenn das „Catharsis“ ist, hätte man da gern drauf verzichtet. Gut ist immerhin die limitierte Live-DVD als Bonus: Die zeigt, wofür man die Band liebt.

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Lukas Adolphi (Hg.) – Die cops ham mein handy – Lukas Adolphi 2017

Von Matthias Bosenick (02.02.2018)

Nur höchst selten bekommt ein Bestohlener jemals sein Eigentum zurück. Der Leipziger Designer Lukas Adolphi hatte das Glück, sein geklautes Mobiltelefon nach einiger Zeit von der Polizei wieder ausgehändigt zu bekommen. Inklusive eines zweiwöchigen SMS-Verlaufs des Diebes, und den veröffentlicht Adolphi nun sieben Jahre später als Büchlein. Der naturgemäß lückenhafte Gesprächsverlauf eines Schülers mit Freunden und Freundinnen gibt einen Einblick in eine befremdliche Lebensmoral, der man nicht ausgeliefert sein möchte: Die Shakespearschen Verstrickungen lesen sich zwar unterhaltsam, aber die unreflektierte Lebensweise macht Angst. „Die cops ham mein handy“ ist eine Sozialstudie, von der man hofft, dass sie ein Fake ist.

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Cavalera Conspiracy – Psychosis – Napalm Records 2017

Von Matthias Bosenick (31.01.2018)

Sieht so aus, klingt aber nicht so: Vom Tribal-Metal der alten „Roots”-Zeiten mit Sepultura, an denen beide Cavalera-Brüder Max und Igor vor 21 Jahren so erfolgreich beteiligt waren, ist auf dem vierten gemeinsamen Album der Conspiracy nichts zu hören. Aber auch vom eingängigen Thrash nicht: Sperrig ist wohl das Wort, das „Psychosis“ noch am besten trifft; Eingängigkeit stand auf der Agenda nicht so weit oben wie Brutalität. Dennoch klingt das Ergebnis nicht wie ein dumpfer Schlag ins Gesicht, sondern trifft eher den Bereich dahinter.

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Martin McDonagh – GB/USA 2017

Von Matthias Bosenick (30.01.2018)

Das Hollywood mit Filmen, die außergewöhnliche Geschichten erzählen, und nicht mit Special Effects davon ablenken, dass es keine Geschichte gibt, existiert ja doch noch! Zumindest, wenn man Europäer machen lässt. Der britische Ire Martin McDonagh erzählt von einer verbitterten Mutter, die in einem Nest in den USA auf die Aufklärung des Mordes an ihrer Tochter drängt und mit einem ungewöhnlichen Mittel eine Reihe unerwartbarer Ereignisse auslöst. Nicht nur Hauptdarstellerin Frances McDormand lässt das schwarzhumorige Drama „Three Billboards“ wie ein Werk der Coen-Brüder erscheinen.

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Daniel .B. Prothèse – CHZwaar​+​zMe​+​aal/Daniel .B. Prothèse vs Edwin Vanvinckenroye – 99.9 – Alfa Matrix 2017

Von Matthias Bosenick (29.01.2018)

Faulheit ist das Letzte, das man Daniel Bressanutti unterstellen kann. Noch kurz vor Jahreswechsel legte er unter seinem Projektnamen Prothèse zwei Veröffentlichungen vor (und mit Nothing But Noise auch noch zwei bis fünf); die Unterschiede machen sich in den Kollaborationen zwar deutlich bemerkbar, Bressanuttis Handschrift indes dringt überall durch. Ist das Solo-Album „CHZwaar​+​zMe​+​aal“ noch typisch von Bressanuttis rhythmischer Eiseskälte geprägt, dringt aus „99.9“ die Wärme von Edwin Vanvinckenroyes Geige. Das ist damit auch das spannendere der beiden neuen Prothèse-Werke.

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The Mission – Bending The Arc – Live Here Now/Eyes Wide Shut Recordings 2017

Von Matthias Bosenick (25.01.2018)

Für ein kleines, ausgewähltes Publikum, das auf dem Cover sogar komplett namentlich aufgelistet ist, spielten The Mission in Quartettbesetzung live im Studio eine Best-Of aus ihrem dreißigjährigen Bestehen ein. Schon wieder Best-Of und Live von der bereits zweimal aufgelösten und wiedervereinigten Goth-Rock-Band? Ja, doch in einem anderen Sound: trocken, knackig, reduziert, nach vorn gehend und voller Spielfreude. Kann man sich zulegen, wenn man Lust auf Varianten dessen hat, was man an The Mission so mag. Davon gibt’s ja genug.

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Anne Clark: I’ll Walk Out Into Tomorrow – Claus Withopf – D 2018

Von Matthias Bosenick (20.01.2018)

Zehn Jahre lang, so kolportiert es die Info, begleitete Regisseur Claus Withopf die musikalische Poetin Anne Clark. Sein Film „I’ll Walk Out Into Tomorrow“ hat also das Potential, der Künstlerin so nahe zu kommen, wie sie es in den 35 Jahren ihrer Karriere so gut wie niemandem gewährte. Woran auch immer es liegt: Das Experiment geht gnadenlos schief. Der Fan gewinnt ein halbes Dutzend neue Erkenntnisse und der Nichtauskenner nicht wesentlich mehr. Was ist der Grund, hat der Regisseur keine Ahnung von seinem Job oder lässt die Porträtierte nicht mehr als das Bisschen zu?

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Your Name. (君の名は。, Kimi no na wa.) – Makoto Shinkai – J 2016

Von Matthias Bosenick (19.01.2018)

Das Kino, der Ort für fesselnde Geschichten und epische Bilder: Es existiert ja doch noch, in diesem Falle belegt dies ein Film aus Japan. Der Anime „Your Name.“ (stets mit Punkt) wirft mit einer in Japan offenbar nicht ungewöhnlichen geschlechterübergreifenden Körpertauschgeschichte zunächst Fragen auf, deren Antworten in verblüffende Dimensionen führen. Mit den diese Geschichte erzählenden Bildern schafft Makoto Shinkai in Kooperation mit dem Studio CoMix Wave Films eine zusätzliche verblüffende Dimension. Berauschend!

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