Von Onkel Rosebud
Warum hat man mehr Mitleid, wenn im Film ein Tier stirbt, als ein Mensch? Meine Freundin meint, das sei Unsinn, ich würde mir das nur einreden. Auch das Wort Misanthropiefiel. Dann schauten wir „Bloody Milk“ und heulten zusammen bei der Abschluss-Szene Rotz und Wasser.
In dem Film geht es um einen französischen Bauern, der seine Kühe liebt. Mit großer Leidenschaft führt er den Hof seiner Familie, hat dieser Arbeit alles untergeordnet. Seine Freunde hat er vernachlässigt, mit Mitte 30 ist er auch noch immer Single. Doch all diese Mühe ist umsonst, als eine Krankheit umgeht und immer mehr Tiere infiziert. Ist erst einmal eines krank, kann der entsprechende Betrieb zumachen, da der gesamte Bestand getötet werden muss. Theoretisch gibt es Entschädigung vom Staat. Aber das kann dauern. Als eine seiner Kühe erste Symptome zeigt, ist die Sorge daher groß. Was, wenn es nun ihn erwischt hat? Und so versucht er um jeden Preis, die Sache zu vertuschen, in der Hoffnung, dass er das Schlimmste noch verhindern kann.
„Bloody Milk“ zeichnet das Porträt eines Mannes, der für eine Sache lebt und diese nun zu verlieren droht. Er weckt Verständnis für seine Taten, ohne diese deshalb gutzuheißen. Das Motiv findet man auch in anderen Filmen wieder, etwa wenn es nach einer schweren Verletzung nicht mehr mit dem Sport klappt. Hier sind es eben Kühe. Der Unterschied: Während es bei anderen Titeln aussichtslos ist, gegen die Umstände anzukommen, tut der Bauer alles dafür, die Wahrheit zu verdrängen, das Unausweichliche zu verhindern. Dass er dabei auch zunehmend Gesetze bricht, lässt den Film zeitweise zu einem Thriller werden. Am Ende ist das Leben dann doch oft komplizierter, die einfachen Antworten bleiben aus.
Eine andere Kategorie sind Tierhorrorfilme. Neben bissigen Hunden, gefräßigen Bären, riesigen Haien oder giftigen Spinnen wirft das Genre manchmal auch die Frage auf, ob ein Verhältnis zwischen Menschen und Tieren, das auf Unterwerfung bzw. Ausbeutung der Tiere beruht, nicht Anlass zur Rache geben sollte. In Tierhorrorfilmen, in denen das Motiv „Rache der Natur“ dominiert, werden die Gestalt- und Verhaltensänderungen oft durch den menschlichen Umgang mit der Natur verursacht. Für einen solchen Fall empfiehlt meine Freundin den Kultklassiker „Orca, der Killerwal“ aus dem Jahr 1977. Neben schlechter Spezialeffekte und falscher Darstellung des Verhaltens der Orcas bietet der Film einen gnadenlosen Rachefeldzug-Showdown, der jedem Misanthropen Tränen der Freude in die Augen treibt.
Onkel Rosebud
