Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: Mankeeping

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin und ich sind auch ein bisschen wie Homer und Marge Simpson, denn was er ohne sie wäre, vermag man sich gar nicht vorzustellen. Allerdings würde ich nicht wie Homer in einer Episode offen zugeben, dass er Marge nichts zu bieten hätte, außer seiner totalen Abhängigkeit. Für Marge ist das Gefühl, gebraucht zu werden, Grund genug, mit ihm zusammenzubleiben.

Womit wir mitten im Thema des Aufsatzes sind: „Mankeeping“. Gemeint ist damit die emotionale Arbeit, die Frauen an ihren männlichen Partnern leisten. Die Sozialpsychologin Angelica Puzio Ferrara*), die sich den Begriff ausgedacht hat, schreibt, dass Männer nicht lernten, sich anderen Männern gegenüber zu öffnen, und daher alle Sorgen bei ihren Frauen abladen. Apropos Arbeit. Das Wort „Mankeeping“ wurde abgeleitet vom „Kinkeeping“, das den ebenfalls undankbaren Job von Frauen bezeichnet, die Beziehungen im familiären Umfeld zu pflegen:

Inzwischen, ausgewildert im Internet, weitet sich der Begriff und umfasst generell das Gefühl vieler Frauen, dass Männer weniger Stütze sind als vielmehr Arbeit. Mankeeping beschreibt auch die unbewusste Erwartung in heterosexuellen Beziehungen, dass Frauen die soziale und emotionale Verantwortung für ihre Männer übernehmen. Dazu gehört etwa die psychologische Betreuung in schwierigen Phasen oder die Koordination sozialer Kontakte, zum Beispiel die Geburtstage von allen auf dem Schirm zu haben, daran zu denken, den Familienausflug mit Fotos festzuhalten, das Lieblingsessen von jedem zu wissen…

Männer haben es schwer – zumindest suggerieren das viele Schlagzeilen. Im Vergleich zu Frauen geben Männer an, weniger Freundschaften zu haben, die ihnen weniger Unterstützung bieten. Sie liegen bei Leistungen wie dem Erreichen eines höheren Bildungsabschlusses dramatisch zurück. Auch die Selbstmordraten zeigen eine gravierende geschlechtsspezifische Ungleichheit: Frauen versuchen häufiger, sich das Leben zu nehmen, aber Männer sterben weitaus häufiger daran.

Das Phänomen lässt sich nicht nur im privaten Umfeld beobachten – auch die Popkultur ist voll von Frauen, die die sozialen Bedürfnisse ihrer Männer in vielerlei Hinsicht managen. In „Gilmore Girls“ sorgen Lorelai und Sookie dafür, dass ihre „grumpy“ Partner Luke und Jackson nicht vollständig zu Eremiten werden. Während dessen hilft Rory ihrem Freund und Klassenclown Logan mit endloser Geduld dabei, erwachsen zu werden – und bringt sogar seinen Vater dazu, emotional zu reifen. Hier kann grumpy Luke aus „Gilmore Girls“ tatsächlich als Vorbild dienen: Er hat eigenständig den Griff zum Selbsthilferatgeber gewagt und so gelernt, sich anderen gegenüber zu öffnen.

In „How I Met Your Mother“ übernimmt Lily diese Rolle für Marshall, erinnert ihn an Verpflichtungen und unterstützt ihn in schwierigen Lebensphasen. Und in „The Big Bang Theory“ fungiert Penny als inoffizielle Sozialtrainerin für Leonard (und oft auch für seine Freunde), bringt ihm bei, wie man sich in Gesellschaft bewegt, und ist oft die Einzige, die emotionale Themen überhaupt anspricht.

Der Prototyp des Mankeeping in TV-Serien wird dargestellt von Julie Bowen, in „Modern Family“ als Claire Dunphy, Die übervorsorgliche Mutter, die außerdem den kompletten Haushalt allein schmeißt, ist eine Perfektionistin. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann und Manchild Phil weiß sie, was in stressigen Situationen zu tun ist. Sie tritt meist verklemmt und etwas dominant auf. Sie hilft oft bei freiwilligen Arbeiten in den Schulen ihrer Kinder mit, dort hilft sie Tänze oder ähnliches zu organisieren. Es ist ein Running Gag der TV-Geschichte: Der Mann darf chaotisch, emotional unsortiert oder sozial desinteressiert sein, während die Frau sein Chaos abfängt. Eine Beziehungskonstellation, die im TV lustig ist, im echten Leben aber unfassbar anstrengend.

Onkel Rosebud

*) „Men Without Men” (Penguin Random House, 2024)