Von Matthias Bosenick (25.06.2026)
Der Gesang aus dem Post Punk, die Musik dazu ist Metal, nach Aussage der Band progressiver Art: Auf seiner Debüt-EP „Us“ geht das französische Quintett Dualisis eine unerwartete, aber gut funktionierende Kombination ein. Mit dem Etikett „progressiv“ ist man ja heutzutage schnell bei der Hand, hier ist der Metal in weiten Strecken sogar eher thrashig. Da helfen auch Keyboards und Geigen nix gegen, das kommt gut.
Mit jedem der fünf Songs schaffen es Dualisis, die Hörerschaft auf falsche Fährten zu führen, und liegen damit richtig. Das beginnt mit dem Gesang: Am Mikro tobt sich Yama Tokido aus, und sie klingt wie Siouxsie Sioux, jedenfalls hat ihr Gesang einen starken Ausdruck von Post Punk und New Wave, weil sie klar singt, aber mit ganz viel Aus- und Nachdruck. Nur selten beginnt sie zu schreien, in der Mitte bei „You Just Don’t Care“ etwa, und dann ahnt man den Metal.
Den wiederum bekommt man musikalisch sehr wohl geboten: Die vier weiteren Musiker – Eric Senn an Gitarre und Keyboards, Corentin Senn an Bass und Cello, Estéban Rodriguez an der zweiten Gitarre und Adrien Escaich am Schlagzeug – entfachen etwas, das wesentlich wuchtiger ist, als man es unter dem selbstgewählten Etikett Prog erwartet hätte, und auch das ist gut so. Gelegentlich brettern die vier los wie im Thrash Metal, dazu passend klingt die Snare massiv und knackig, doch das dem Prog immanente ausufernde Gegniedel ersparen Dualisis sich und uns. Unerwartete Strukturen, okay, die haben diese Tracks, da dimmt die Band den Sound mal auf eine Akustikgitarre herunter oder lässt Tokido wie in „There’s Nothing“ im Wechsel mit ihrem Gesang die Breaks in den Riffs füllen. Aber schreien, das kann sie doch ganz gut, und gottlob klingt hier nichts nach Nightwish.
Aktiv ist die Band erst seit 2023, mit zwei Vorab-Singles zu dieser EP traten Dualisis 2025 auf den Plan. Lokalisiert ist das Quintett in der Bretagne, aktuell arbeitet es an einem Debütalbum.
