The Spacelords – Uranus Omnibus Sanctus – Tonzonen Records 2026

Von Matthias Bosenick (23.09.2026)

Ein Loblied auf den geheiligten öffentlichen Nahverkehr auf einem unserer Nachbarplaneten ist „Uranus Omnibus Sanctus“ eher nicht, vermutlich. Der Himmelsgott ist uns allen heilig, behaupten The Spacelords auf ihrem neunten Album seit 2008 vielmehr, und – nein, sie singen nicht, das Reutlinger Trio spielt zu viert Instrumentaltracks ein, die dem psychedelisch grundierten Spacerock angehören. Vier Tracks, die aus dem Stand eine Sogwirkung entfalten.

Gleich mit dem Titeltrack ziehen die drei bis vier Raumfürsten die Hörerschaft mitten hinein ins All. Im Midtempo gestalten sie einen veritablen Headbanger, mit Hall auf der Gitarre, einer fortwährend spielenden Orgel und einer Stimmung, die ermuntert bis aufputscht. Der Zehnminüter fadet dann im Sound von Black Sabbath aus, besser: im Sound von Cindy & Bert, also eher „Der Hund von Baskerville“ als „Paranoid“, wegen der Orgel. Die elfeinhalb Minuten „Survive To Win“ gestaltet die Band noch etwas langsamer, lässt aber dennoch eine ganze Menge passieren, es fühlt sich daher nicht chilliger an, nur weil es gebremster ist. Hier erfasst man zudem, dass die Gitarre bei aller Gniedelei das Melodische nicht aus den Saiten verliert; in diesem Stück verändert sie außerdem beständig ihre Textur, von weich bis bratzig. Eine orientalische Anmutung schleicht sich ein, Schlagzeug und Bass bekommen einen Moment für gemeinsame Grooveattacken und irgendwo ist immer eine Orgel dabei.

„Whales“ beginnt wahrhaftig mit nachempfundenem (oder gesampeltem?) Walgesang. Der Viertelstünder ist noch reduzierter, langsamer, spaciger, am ehesten sogar Progrock, und doch so vielfältig, dass die Zeit unbemerkt vergeht. Nach einiger Repetitivität wird das Stück zuletzt zu Deep Purple – eben Rockmusik mit Orgel. Rhythmisch in Richtung NWoBHM geht ganz überraschend „On The Verge Of Delirium“, der achtminütige Abschluss. Das Stück ist wieder etwas schneller, hat einen mitreißenden Shaker und flirrende Sounds, mit denen es sich so richtig in den Spacerock hineinsteigert.

Man hört: Der Omnibus hält hier nicht allein an Haltestellen auf der Linie Spacerock, da kommt einiges mehr hinzu. Die genannten Vergleichsbands verweisen zum klassischen Hardrock, doch klar ist, entrücktes Gniedeln findet ja erfahrungsgemäß unter Einfluss bewusstseinserweiternder Substanzen statt, also liegt der Stoner Rock ja auch irgendwie nahe, aber hey, letztlich ist das alles egal, ab ins All und gut ist. Der heilige Uranus ist das Ziel. Die NWoBHM hätte man indes eher nicht auf dem Zettel gehabt, chapeau!

Aus nur drei Leuten besteht diese Band, die nach weit mehr klingt: Hazi, Mudge und Akee nennen sie sich, also Gitarrist Matthias Wettstein Schlagzeuger Marcus Schnitzler und Bassist Ekhard Kazmaier. Als Gast bedient Dieter „Didi“ Holzner von Schwoißfuaß die Orgeln und den Moog, so kommt es also, dass das Trio hier zu viert agiert. Vielleicht sollten sie künftig als Quartett fungieren, dem Sound tut’s gut!