Von Chrisz Meier (17.09.2026)
Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.
Ich denke mal, daß viele das gerne tun. Heute ist mal wieder Zeit, von meinen Forschungsergebnissen zu berichten.
Noch während dieses miesen Sommers, im August, brauchte ich Abkühlung und schaute „Dead Of Winter“, der in genau dieser Jahreszeit spielt. E. Thompson ist hierin eine ältere Frau, die die Asche ihres verstorbenen Mannes zu einem zugefrorenen See in Minnesota bringt, dorthin, wo die beiden als junges Paar schöne Zeiten erlebten. Dort angekommen, in der tiefsten Einöde, merkt sie schnell, daß sie nicht alleine ist, und entdeckt in einer abgelegenen Hütte einen entführten Teenager. Sie beschließt, der jungen Frau zu helfen, und muß sich nun notgedrungen mit dem Entführer-Paar (u.a. J. Greer mit Mut zur Häßlichkeit) auseinandersetzen. Und siehe da, Thompson ist keine ehemalige Navy-Seal-Kampfmaschine oder Auftragskillerin, sondern eine ganz normale Frau mit ganz normalen Fähigkeiten. Daraus zieht dieser kleine, aber feine Thriller seinen Reiz, denn wer von uns verfügt schon über Superkräfte?
Enttäuscht war ich dagegen von „No Other Choice“, obwohl die Ausgangslage einen schönen, fiesen Film versprach: Der Angestellte einer Papierfabrik wird wegrationalisiert und muß, um den Lebensstil von sich und seiner Familie (Tennisstunden, Cellounterricht, zwei Hunde, Haus, Netflix-Abo etc.) zu bewahren, dringend einen neuen Job finden. Er sieht als einzige Möglichkeit nur, alle potentiellen Mitbewerber umzubringen, um nachher als einziger Kandidat dazustehen. Wie gesagt, das hätte schwarzhumoriges Potential gehabt, nur leider wird da nichts draus. Der Film verzettelt sich ziemlich schnell bei zwei Nebencharakteren und schafft es auch später nicht, die Geschichte dieses verzweifelten Angestellten stringent und schlüssig zu erzählen. Am Ende steht ein unausbalancierter Mix aus Gesellschaftssatire, Drama und schwarzer Komödie, bei dem keines der Elemente wirklich zündet. Nur für ausgesprochene Fans koreanischer Produktionen.
Sehr viel mehr angesprochen hat mich „Der Magier im Kreml“ (2025). Die Titelfigur ist der Strippenzieher und Politiker Wadim Baranow (gespielt von P. Dano, den ich seit „Little Miss Sunshine“ ganz gerne sehe) und diese fiktive Figur hat den echten Wladislaw Surkow zur Vorlage, von 2013 bis 2020 Berater von W. Putin, gespielt von J. Law. In dieser Funktion war Baranow/Surkow u.a verantwortlich für den Umbau staatlicher russischer Medien in Pro-Kreml-Propagandainstrumente. Um die Position seines Dienstherren zu stützen, organisiert er merkwürdige Koalitionen des ganz rechten mit dem ganz linken politischen Spektrum. Baranow ist eine interessante Persönlichkeit („schillernde Figur“ passt hier nicht so recht, es sei denn, grau kann auch schillern), die geschickt durch das Minenfeld, das russische Politik genannt wird, navigiert. Und man darf auch nicht vergessen, mit wem er es fast tagtäglich zu tun hat. W. Putin wird auch hier so dargestellt, wie er in westlichen Medien wahrgenommen wird: Kalt und unberechenbar. Alles in allem wirft „Der Magier im Kreml“ ein interessantes Schlaglicht auf die jüngere russische Geschichte, ist aber sicherlich auch nicht frei von Propaganda. Aber wo, außer bei KrautNick, haben wir das schon.
Zendaya und R. Pattinson scheinen z.Zt. ja beide einen ganz guten Lauf zu haben, sind hier und da in allen möglichen Rollen zu sehen. In „Das Drama“ spielen sie ein Paar, das beabsichtigt, in einer Woche zu heiraten. Davor feiern sie schonmal mit einem befreundeten Paar vor, trinken ordentlich Wein und erzählen sich dann das Schlimmste, was sie in ihrem bisherigen Leben angestellt haben (was mit Alkohol im Kopp immer eine richtig gute Idee ist). Als Zendaya in ihrer Rolle als Emma an der Reihe ist, sind die drei anderen hinterher schwerstens schockiert. (Halber Spoiler: Es geht um Mobbing an der Highschool und einen nichtausgeführten Plan.) Pattinson als Ehemann in spe kommt ins Grübeln, ob es mit der Liebe zu Emma wirklich so weit her ist, wie er dachte. In der Folge kommt es zu Irritation, Entrüstung und Ratlosigkeit und gipfelt in einer megapeinlichen Hochzeit zum fremdschämen. Was hier nach einer französischen Komödie klingt, ist tatsächlich ein ernstgemeintes Drama. Man kann es aber auch, mit etwas Lebenserfahrung zumindest, durchaus auch als schwarze Komödie durchgehen lassen. „Das Drama“: Kann, muß aber nicht.
J. Foster hat schon so einiges gespielt in ihrem Leben. In ihrem aktuellen Film „Paris Murder Mystery“ (OT: Vie privée, F 2025) ist sie eine Psychiaterin in Paris, die davon überzeugt ist, daß eine ihrer Patientinnen ermordet wurde und nicht, wie deren Tochter behauptet, Selbstmord mit einer Überdosis der von Foster verschriebenen Pillen verübt hat. Im weiteren trifft Foster auf ihren entfremdeten Sohn und auf ihren Exmann (D. Auteuil). Bei letzterem fängt es wider erwarten wieder an zu funken und so verbringen die beiden mehr Zeit miteinander als in den Jahren davor. Das wiederum führt zu ein paar wenigen Miss-Marple-Momenten und ganz kurz zwinkern M. Rutherford und S. Davis vom Bildschirm, als die beiden Amateurdetektive versuchen, das Rätsel um die tote Patientin zu lösen. Auch hier gilt: Ganz solide Kost, aber ganz bestimmt kein 4-Sterne-Menu.
Mal wieder einer aus der Rubrik „Wiedergesehen – gern gesehen“. „Hereditary“ gilt als einer der neueren Vertreter des Genres „Elevated Horror“; Horror also, der versucht, es mal abseits der ausgetretenen Pfade zu versuchen. Als er 2018 erschien, war ich danach aber etwas enttäuscht. Jetzt wollte ich herausfinden, warum, also: zweiter Durchlauf. Und siehe da: „Hereditary“ ist besser, als ich ihn in Erinnerung hatte. Der Film über eine Familie, die nach dem Tod der Sippenmatriarchin beunruhigende, mysteriöse und tragische Ereignisse erlebt, ist tatsächlich ziemlich verstörend. Im Fokus steht die Mutter, die, von T. Collette überragend gespielt, mehr und mehr den Verstand verliert, sowie ihr Sohn, dessen Schicksal es ist, eine Rolle zu übernehmen, die er nicht übernehmen möchte, und darüber nicht weniger irre wird. Hier wird geschickt mit Schein und Sein gespielt. Ok, am Ende trägt der Film vielleicht etwas zu dick auf, aber Schwamm drüber. Wer seinerzeit wie ich nicht viel mit dem Film anfangen konnte, sollte auf jeden Fall einen zweiten Blick wagen, denn das lohnt sich. „Hereditary“: Gruselig.
Leider trifft das auf „Lee Cronins The Mummy“ (2026) nicht so zu. Dabei fängt er vielversprechend an: Die kleine Tochter einer vierköpfigen US-Familie wird in Kairo entführt. Die traumatisierte Familie kehrt in die Heimat zurück und versucht, ihr Leben weiterzuführen. Acht Jahre später erhalten sie die Nachricht, daß ihre Tochter wieder aufgetaucht ist – im Inneren eines uralten Sarkophags und vor allem – lebendig! Bis hierhin ist alles noch recht spannend. Nur leider fängt der Film jetzt an, zu einem herkömmlichen Body/Creature-Horror zu werden. Das gipfelt dann in einigen abstrusen Szenen (mit Hexen) und in einem Ende, das einen kopfschüttelnd zurückläßt. Fazit: Nette Idee, leider verschenkt.
Soviel für heute, in der nächsten Folge geht es u.a. um jemand, der keinen Schmerz kennt. Und jetzt raus aus dem Internet!
