Hin- und weggesehen. Filme und Serien (22)

Von Chrisz Meier (12.08.2026)

Wenn ich etwas wirklich gerne tue, dann ist es das Beobachten von Filmen.

Ich denke mal, daß viele das gerne tun. Es ist halt Eskapismus-Time, Baby. Dieser Sommer zwingt geradezu zum eskapieren in Schatten und Dunkelheit, und dann kann man halt auch bewegte Bilder anschauen.

Gleichzeitig kann man dabei was für seine musikalische Bildung tun, Abteilung „populäre Rockmusik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts“. In dieser Zeit, von etwa 1968 bis 1980, kommt man um einen Namen nicht herum. Wie einige wenige andere Bands der späten 60er war diese Band sowohl stil- als auch genreprägend. Auch Rockmusiker, die lange nach der Auflösung dieser Band geboren wurden, berufen sich heute auf sie: Led Zeppelin. In der Dokumentation „Becoming Led Zeppelin“ von 2025 wird gezeigt, wie es zur Bandgründung kam, woher die Gründungsmitglieder kamen und was sie vorher machten. Glücklicherweise wird dies ausschließlich von den drei noch lebenden J.P. Jones, J. Page und R. Plant selbst erzählt und auch der 1980 verstorbene J. Bonham kommt in einem wiederentdeckten Radiointerview zu Wort. Ausführlich wird der raketenhafte Aufstieg des Quartetts geschildert, der in dieser Form heutzutage wohl nicht mehr möglich wäre. Ihr enormer Erfolg dauerte ein ganzes Jahrzehnt an, er endete abrupt mit dem Tod (durch Alkohol) ihres Schlagzeugers im Jahr 1980. Wie wären diese Dinosaurier des Rock wohl durch die 80er gekommen? Daß nur die Bandmitglieder selbst zu Wort kommen, ist allerdings auch ein Schwachpunkt der Doku, schließlich werden auf diese Weise kritische Stimmen von Außenstehenden ausgespart. Ergänzt werden die Interviews und Archivaufnahmen durch einige der bekanntesten Songs Led Zeppelins, die hier in ganzer Länge gezeigt werden. Für den Einsteiger sehr lehrreich, für den Kenner ein Blick in eine völlig andere Zeit. Die-hard-Led-Zep-Fans werden in dieser Doku möglicherweise nichts Neues entdecken können, für alle anderen ist „Becoming Led Zeppelin“ ein guter Einstieg oder aber der Grund, mal wieder eine Platte dieser Wegweiser zu hören.

Und damit zu den Spielfilmen dieser Ausgabe von „Hin- und weggesehen“. In „Speak No Evil“ treten zwei Schauspieler auf, die ich immer wieder gerne sehe (J. McAvoy und S. McNairy) sowie M. Davis (M. wie Mackenzie, somit die dritte „Mc“ im Bunde), die mir in „Terminator: Dark Fate“ äußerst positiv auffiel. In diesem doch sehr konventionellen und vorhersehbaren Thriller sind alle drei jedoch ziemlich austauschbar, leider. Ein Ehepaar mit Seitensprung-Problemen samt Kind trifft im Italienurlaub auf ein anderes Paar samt Kind und wird von diesem vereinnahmt: Einladung ins Haus des zweiten Paares, ein Wochenende zusammen verbringen usw. Dabei ist (dem Zuschauer) von vornherein glasklar, daß man mit dem Mann des zweiten Paares (McAvoy) keine zwölf Minuten verbringen möchte: Zu laut, zu ordinär, zu unangenehm. Und so nimmt das Psychodrama seinen Lauf und den Eingeladenen wird klar, daß sie aus diesem Haus wohl nicht mehr herauskommen, jedenfalls nicht heil. Leider kenne ich nicht das dänische Original von 2022, auf dem dieses Remake basiert, und weiß nicht, was besser ist. Darum lautet mein Fazit noch einmal: Dieser Thriller ist konventionell und vorhersehbar.

Vorhersehbar ist auch das Verhalten eines ganz, ganz anderen Kollegen. In „Stromberg – wieder alles wie immer“ gibt es ein wiedersehen mit Bernd S., den man auf gar keinen Fall als Vorgesetzten haben möchte/gehabt haben wollte. Und das gilt heute immer noch, 16 Jahre nach der letzten Folge der fünften Staffel der TV-Serie. Die Rahmenhandlung ist relativ geschickt gestrickt: Alle Protagonisten von damals, aus dem Büro der „Capitol“, treffen im Fernsehstudio aufeinander, um das Jubiläum der damaligen Dokumentation („Stromberg“ war immer eine Mockumentary) zu begehen. Und weil Menschen nunmal größtenteils so bleiben, wie sie immer waren, brechen wieder die alten Konflikte auf, meistens verursacht durch den ehemaligen Chef. Das ist nicht unlustig und bestimmt nicht „schlecht gealtert“, wie von einigen Kritiken behauptet. Wer die Serie damals mochte, sollte auf jeden Fall mal schauen, was aus den Leuten, auch aus einigen Nebencharakteren, geworden ist. Und, wie die Titelfigur versucht, den heutigen Fettnäpfchen der cancel culture auszuweichen.

Und noch einer aus der Rubrik „Wieder gesehen – gern gesehen“: „Interstellar“ von 2014. Dieser C. Nolan. Er kann es nicht lassen, immer wieder mit der Zeit herumzuspielen in seinen Filmen. In diesem muß ein Forscherteam durch ein Wurmloch im Weltraum, um neue Welten für die Menschheit zu entdecken, denn die alte ist zugrunde gerichtet. Dabei kommt es in seinem Raumschiff einem schwarzen Loch ziemlich nahe. Und was dieses Naturphänomen mit Zeit und Raum anstellt, sprengt schon in jeder herkömmlichen TV-Doku erst mein Vorstellungsvermögen, dann mein Gehirn. Nolan schafft es, unter diesen Voraussetzungen eine stringente Geschichte zu erzählen und zu bebildern und dann auch noch, gegen Ende einen der abgedrehtesten Twists der SciFi-Geschichte glaubwürdig darzustellen. Ich hoffe, dieser Mann lebt noch lange gesund.

Soviel für heute, in der nächsten Folge geht es u.a. um die schönste Jahreszeit: Winter. Und jetzt raus aus dem Internet!