Von Matthias Bosenick (25.06.2026)
Der Bandname ist gut: Taihr lässt sich mit eindeutigen Ergebnissen googeln, da dieses Wort sonst gar nicht verwendet wird. Was natürlich Fragen nach dessen Bedeutung aufwirft. Die beantwortet das in Köln ansässige international besetzte Septett indes nicht, was nicht schlimm ist: Lässt man halt das zweite Album „Allicanto“ auf sich prasseln. Darauf vermengen Taihr Sounds aus aller Welt, die irgendwie auf Indierock basieren und sich vor lateinamerikanischen Rhythmen nicht fürchten. Eine gehörige Schippe Pop lässt die Sonne aufgehen. Heiß!
Mit dem weiblichen Gesang setzen Taihr eine Menge Variabilität frei: Klar und stark lässt er Ideen von New Wave ebenso zu wie von Pop, ganz selten kiekst die Stimme wie die von Björk oder von Dolores O’Riordan, zuletzt gibt es sogar Rap auf Spanisch. Dazu perlen die sieben Songs in sehr unterschiedlichen Grundgenres: Irgendwie steckt darin eine Art von Rock, durchaus, indes zumeist keine harte. Dazu variiert die Band den Rhythmus, durchaus mal – bedingt dadurch, wie die Info verrät, dass zwei Musizierende aus Chile stammen – mit lateinamerikanisch inspirierten Rhythmen.
Gelegentlich setzen die Kölner Bläser ein, was der Musik zusätzlich Feuer gibt. Oder sie reduzieren alles auf eine energetische Akustikgitarrenballade wie in „Heavy Rain“, das irgendwie an Fairground Attraction mit mehr Power erinnert. Und mit Saxophonsolo. Auch Keyboards dürfen sich mal zu Wort melden, dann bekommen die Songs eine starke Neigung zum Pop, zu einem angenehmen gottlob. Folklore bekommt man ebenso mal zu hören wie Hardrock. Die Ballade „Playing Cards“ hat partiell sogar etwas Jazz in sich, bevor die Band sie progressiv vergniedelt – und dann in den Ska münden lässt. Noch mehr Variabilität kann man sich kaum vorstellen, bekommt man aber auf die sieben Songs verteilt, und zwar zueinander passend, nicht beliebig aneinandergestückelt.
Zur Bandbesetzung verraten Taihr übrigens nichts. Preis gibt die Webseite nur, dass die Sängerin aus Chile kommt und dass die Band zu den Aufnahmen zu diesem zweiten Album um einen Saxophonisten anwuchs; wer des Zählens mächtig ist, entdeckt sieben Musizierende auf den Promofotos. Wichtig ist der Band zudem, dass sich die chilenischen Wurzeln der Sängerin auch textlich niederschlagen, nicht zuletzt ausgedrückt mit dem Titel „Allicanto“, handelt es sich dabei doch um einen Vogel der chilenischen Mythologie. Aber Google kann helfen, irgendwo findet sich eine Besetzungsliste: Sängerin ist Génesis Trinidad Cálvez Jaramillo. Um sie herum gruppiert sind: Mauricio Ricardo Inostroza Andrade (Flügelhorn), Leon Schmidtke und Max Hartmann (Gitarren), Martin Halbfas (Saxophon), Tobias Losch (Bass) und David Zilz (Schlagzeug). Das Debüt „Cambio“ erschien 2024.
