Von Matthias Bosenick (18.02.2026)
Knapp zehn Jahre nach dem Film gibt’s jetzt den instrumentalen Soundtrack zu „Old Joy“, quasi live eingespielt von der Indierock-Instanz Yo La Tengo aus Hoboken, New Jersey, plus Gitarrist Smokey Hormel. Zumindest erstmals separat und auf Vinyl, denn die Tracks waren – in kürzerer Fassung – bereits 2008 auf der Soundtrack-Sammlung „They Shoot, We Score“ zu haben. Aber pinkes transparentes Vinyl kickt einfach mehr.
Zart, so gehen Yo la Tengo als Quartett an den Film heran. Wer die Band kennt, liebt, verfolgt, weiß, dass diese Zartheit in ihrem Indie- und Noiserock keine Ausnahme ist: Das können sie, das machen sie, das leben sie aus. Hier sachdienlich zu Bildern, ohne die die Musik ebenfalls bestens funktioniert. Größtenteils improvisiert sollen diese sechs Tracks sein, sagt die Info, und wenn man das von einer eingespielten Band plus Freund vorgesetzt bekommt, kann man sich darauf verlassen, dass man keine chaotische Nichtmusik hört.
Sanft raschelt das Schlagzeug, warm perlt die Gitarre, schüchtern groovt der Bass, gleich mit dem Quasi-Titelthema „Leaving Home“ ist man mittendrin im Sound von Yo La Tengo. Und bleibt es auch über die nächsten 26 Minuten. Eine gewisse Melancholie steckt in diesen Stücken, eine Dunkelheit, in der die Instrumente agieren, in der die Musizierenden auch zu viert eine Leere erzeugen, die sie nur gelegentlich mit etwas Sanftem umwölken, mit dem sie die Hörerschaft trotz der dunkel gefärbten Stimmung positiv einnehmen, gar glücklich machen, einfach nur, weil Musik von Yo La Tengo einfach schön ist, und diese ganz besonders.
Mit Gitarrist Gregory „Smokey“ Hormel sind Yo La Tengo schon ewig befreundet, lassen Giorgia Hubley, Ira Kaplan und James McNew wissen. Und mit Kelly Reichardt ebenso, der Regisseurin des Films „Old Joy“. Wer sich 2008 die CD „They Shoot, We Score“ kaufte, erhielt die Soundtracks von Yo La Tengo zu den vier Filmen „Old Joy“, „Junebug“, „Game 6“ und „Shortbus“. Im Falle von „Old Joy“ war indes lediglich nur einer der sechs Tracks exakt so lang wie hier auf der Vinyl-Version, die damit einen Mehrwert darstellt. Und damit, dass sie aus transparentem pinkem Vinyl besteht.
