Was meine Freundin gerne sieht – die Serienkolumne: „Narf!“ Stammhirn, Stammhirn!

Von Onkel Rosebud

Meine Freundin treibt gern Erinnerungssport. „Hey“, fragte sie, „was wollen wir denn heute Abend machen?“ Brav antwortete ich: „Genau das selbe, wie jeden Abend. Wir versuchen, die Weltherrschaft an uns zu reißen.“ Mit diesem Running Gag beginnt „Pinky und der Brain“, eine 95 Episoden in 4 Staffeln umfassende, von Steven Spielberg erschaffene Kinder-Zeichentrickserie aus den Jahren 1995 bis 1998. Die Protagonisten, Pinky und Brain, sind sprechende Labormäuse, die mittels wahnwitzig konstruierter und zwerchfellerschütternder Welteroberungspläne versuchen, die Herrschaft an sich zu reißen.

Ob er die Charts als neuer Elvis erobern will, plant, eine Armee von lebendem Gemüse ins Feld zu führen oder als „Terminator“ den Lauf der Geschichte zu verändern, die Pläne, die Brain schmiedet, sind stets komplex und so verschlungen, dass eben nur ein Genie – oder ein Wahnsinniger – den Überblick behalten kann. Dass das napoleonische Chaos-Duo am Ende eines harten Welteroberer-Alltags doch immer ohne die „Krone der Weltherrschaft“ heimkommt, liegt dann zumeist an dem tollpatschigen Pinky, der es mit seinen Narreteien immer wieder schafft, auch die brillantesten Pläne scheitern zu lassen.

Der Reiz der ursprünglichen Konzeption liegt vor allem an den zahlreichen parodistischen Elementen und tiefsinnig bis zweideutige Anspielungen an Hoch- und Pop-Kultur oder die anspruchsvollen literarisch-kabarettistischem Querbezüge auf die amerikanische und in der Synchronisation auch deutsche Politik, zum Beispiel Pinky auf Brains Frage nach einem schönen Märchen: „Das Märchen einer sicheren und bezahlbaren Rentenversicherung“.

Auch die abartigen und äußerst interessanten Erfindungen und Pläne von Brain (wie mit klebrigem Kaviar – durch Beimischung von Erdnussbutter – die Zungen der Weltelite zu verkleben) und seine Gewalt mit Spritzen, Elektroschocks, Glasröhren, Labyrinthe, Raucherlüngchen oder Deodorant-Explosionen machen viel Spaß zu schauen.

In der letzten Staffel wurde das Format abgewandelt: Pinky und Brain verließen die Acme Labs, das Tierversuchslabor, und kamen als Haustiere zu der Warner-Bros.-Figur Elmyra aus den Tiny Toons und versuchten dabei mehrmals, ihre Flucht aus der Terrorherrschaft der Achtjährigen zu forcieren, was aber immer zum Scheitern verurteilt war. In dieser Zeit hieß die Serie auch folgerichtig Pinky, Elmyra und der Brain. Dieses Konzept fand bei den Zuschauern allerdings nicht genügend Anklang, so dass es keine weitere Staffel mit dieser Konstellation gab, und die Serie letztendlich ganz abgesetzt wurde.

Ein anderer Running Gag ist Brains Frage an Pinky, denkst Du dasselbe wie ich, Pinky? Hier die Top 5 von Pinky’s Lieblingsantworten meiner Freundin: Ich glaub schon, Brain, aber…

„wenn unsere Knie andersrum wären, wie sollten wir dann Fahrrad fahren?“

„was ist, wenn das Flusspferd den String-Tanga nicht anziehen will?“

„wie kriegen wir die Sieben Zwerge dazu, sich die Beine zu rasieren?“

„ich denke nicht, dass es nachts kälter ist als draußen.“

„meinst du wirklich, dass es einen Absatzmarkt für Bleistifte mit Schinkengeschmack gibt?“

Onkel Rosebud

P.S.: Funfact, In Frankreich heißen Pinky und Brain Minus et Cortex.