Von Onkel Rosebud
Moosmutzel, Waldwuffel und Mimmelitt sowie Schlapps und Schlumbo, der Regentropfen Paule Platsch und viele, viele andere waren Figuren von Kinderhörspielen aus Liedern und Rollentexten erschaffen von Reinhard Lakomy und seiner Frau Monika Ehrhardt, einer Schriftstellerin, an die in dem Zusammenhang auch gern vordergründig erinnert werden darf.
Als 1978 „Reinhard Lakomy’s Geschichtenlieder“ erschienen, war das für DDR-Verhältnisse sehr ungewöhnlich, weil es sich dabei um eine neuartige Form eines Musikalbums handelte und eine neue Kunstrichtung für Kinder schuf. Die (teilweise sehr) kurzen Lieder, vorgetragen von Angelika Mann, Veronika Fischer und Reinhard Himself, bilden in sich abgeschlossene Geschichten, die von Sprechrollen unterbrochen wurden. Und jedes Lied war an eine andere Musikrichtung angelehnt. 1980 folgten „Der Traumzauberbaum“, dann „Mimmelitt, das Stadtkaninchen“ (1984), „Schlapps und Schlumbo“ (1986) und „Der Wolkenstein“ (1989). Allesamt Klassiker einer Kindheit in der DDR.
Songs wie das „Lied vom Fliegen“, „Der Eierbecher“, „Ich bin doch kein Schneemann“ oder „Morgenmuffelfrühsport“ kann meine Freundin und so ziemlich jeder mitsingen, der in den 80ern zwischen Saßnitz und Suhl groß geworden ist, und auch auf deren Kinder heute trifft das zu.
Reinhard Lakomy (* 1946 † 2013) war ein musikalischer Tausendsassa, Komponist, Pianist, Sänger… Seine musikalische Bandbreite reicht von Deutsch-Rock, Schlager über Jazz bis elektronischer Musik und Film-, Theater-, Ballettmusik und die Krönung waren eben die Kinder-Musik-Märchen-Produktionen, mit denen seine Karriere auch nach der Wende anhielt. Trotz Mangel an Vinylacetat hatte er bei der stattlichen Plattenfirma Amiga eine Flatrate, obwohl er kein Mitglied irgendeiner Jugendorganisation war und keiner Partei angehörte. Das ist nach wie vor recht bemerkenswert und mich würde eine soziologische Arbeit interessieren, die dieser Tatsache auf den Grund geht.
Geschichten erzählen von Freude und Fleiß, Geschichten erzählen, die noch keiner weiß, konnte damals wie heute auch gut der Coswiger Gerhard Schöne und ist damit der einzige andere Barde der DDR, der in Lakomys Liga spielte. Er gilt trotz seiner oft gesellschaftskritischen Töne als erfolgreichster Liedermacher. Im kollektiven DDR-Gedächtnis ist Schöne vor allem durch seine Sammlung von Kinderliedern aus aller Welt und aus eigener Feder verankert, mit unter anderem dem „Pfh-tsch-krrr-kl-bum-Apparat“, dem Meeresbezwinger Thomas, der Jule, die sich nicht wäscht, oder dem Riesen Glombatsch.
Onkel Rosebud
