Von Onkel Rosebud
„Flüstern und Schreien“ heißt ein Dokumentarfilm über die Rockszene der DDR, der 1988 in die Kinos des Landes kam – und für erstauntes Aufsehen sorgte. Denn er war ein Prostestfilm. „Wir woll‘n immer artig sein, denn nur so hat man uns gerne. Jeder lebt sein Leben ganz allein – und abends fallen die Sterne“, schreit Aljoscha Rompe, der Protagonist der nächsten Folge hier auf KrautnNick, darin verdutzten FDGB-Urlaubern am Ostseestrand entgegen. (FDGB war der Dachverband der Gewerkschaften.)
Und auch sonst zeigt der Film die Dinge, die es eigentlich nicht geben sollte im Alltag des realen Sozialismus der DDR. Völlig betrunken grölt Aljoscha ein übers andere Mal ins Mikrofon und dazu hüpfen zwischen den Strandkörben Kids herum, allein für deren Aussehen damals durchaus Innenstadtverbote und Schulverweise ausgesprochen wurden. Es ist der Soundtrack zum Untergang der DDR! Alle wissen es. Und Feeling B geben den Takt dazu. Der Film lässt Aljoscha zur Legende werden – und Feeling B zur delirierenden Stimme eines unverwechselbaren Lebensgefühls einer Generation am Ende einer Zeit.
Der eigentliche Star des Films ist aber Kai-Uwe Kohlschmidt. Zusammen mit Schulfreund Chris Hinze gründete er 1982 die nach einem Cottbuser Neubaugebiet benannte Band Sandow, die zunächst bis 1999 bestand und nach einer Pause 2005 re-formiert wurde. Im Film sieht mein beide munter plaudernd auf einer Fahrradtour auf der Insel Rügen zu.
Nach ihrem Wendehit „Born In The GDR“ legten Sandow mit dem Album „Der 13. Ton“ (Fluxus, 1990) ein Meisterstück vor, was wie der legitime Nachfolger der besten Platte der Einstürzenden Neubauten, „Halber Mensch“ (ZickZack Records 1985), klingt. Kohlschmidt nervte der Vergleich damals schon und er findet ihn bestimmt heute immer noch scheiße. Es lässt sich jedoch sowohl musikalisch als auch textlich nicht wegdiskutieren.
Kai-Uwe Kohlschmidt verdient seinen Lebensunterhalt als Komponist von Filmmusik, darunter zahlreiche Filme der Reihen Tatort und Polizeiruf 110. Und als Autor und Regisseur für Hörspiel und Radiofeature. Sandow gibt zwar noch, aber besser als im Song „Gegner Ich“ sind sie nie wieder geworden.
Onkel Rosebud
