Von Matthias Bosenick (29.06.2026)
Eine Touch-Gitarre, ein bundloser Bass und ein Schlagzeug: Sobald Markus Reuter, Fabio Trentini und Asaf Sirkis miteinander Platten veröffentlichen, geben sie jenen den Grundtitel „Truce“, der sich im Grunde auch auf das Trio als Name anwenden lässt. Erst zweimal standen die drei Prog-Rock-Cracks live auf einer Bühne, und jenen zweiten Auftritt auf einem Kreuzfahrtschiff in Norwegen veröffentlichen sie nun als Mitschnitt „Live At Cruise To The Edge 2026“. Auch wenn sie bereits existierende Tracks darbieten, improvisieren sie wie bei deren Entstehung im Studio – das Experiment gelingt.
Natürlich beinhaltet progressive Musik viel Gniedeln, aber Truce wissen, wie man behutsam vorgeht und sein Publikum erreicht. Zunächst werfen sie mit dem quasi-selbstbetitelten „The Truce“, das so heißt die die erste Platte und das auch dem Trio den Namen gab, einen wohltemperierten Motor an, der die Hörerschaft mitreißt und die könnerischen Qualitäten der drei Spielenden herausarbeiten lässt. Für „Not Alone“ treten sie etwas auf die Bremse und verlagern das Augenmerk auf einen amtlichen Groove, auf dem sich die Experimente ereignen dürfen.
Noch mehr Bremse erfährt „Swoonage“, das enorm entschleunigt eine Art Fusion Rock ausrollt, auf der die Gitarre gniedelt. Auch der „Bogeyman“ bleibt langsam, lässt aber wieder dem Groove den Vortritt, mit dem die Gitarre herumtanzt, zunächst mit komplexen Figuren, später selbstversunken. Hier tobt sich auch das Schlagzeug so richtig aus, während der Bass den Kurs hält. „Crooked“ zuletzt erweckt den Eindruck von erhöhtem Tempo, da die drei Musiker hier miteinander herumwirbeln, was das Zeug hält, aber bei Lichte betrachtet haben es die drei auch hier gar nicht so eilig.
Dieser Auftritt fand auf einem Kreuzfahrtschiff statt. Von Kreuzfahrten mag man halten, was man will, diese hier hatte nun Progrock als Oberthema und eben Truce als Gäste auf der Liste. Das Trio speiste seinen Auftritt mit Tracks aus dem ersten und dem dritten Studio-Album, verfremdete diese aber stark. Es hat also einen Mehrwert, dieses Live-Album seiner Sammlung hinzuzufügen.
