Von Matthias Bosenick (11.08.2026)
Ganz ohne Streamingangebot, also ausschließlich physisch erhältlich, wirft Rockmusiker Paul Weller aus England mal eben den zweiten Teil seiner „Weller At The BBC“-Reihe auf den Markt, mit drei CDs voller Aufnahmen, die nach dem ersten Teil im Jahre 2008 für den Britischen Radiosender entstanden. Von Akustikgitarrenballade bis Orchester ist alles drin, quer durch ein buntes Potpourri an Genres, sogar inklusive Songs seiner früheren Bands The Jam und The Style Council. Und was für tolle Songs der alte Mann im Oeuvre hat! Bei ihm gibt’s alles – außer, gottlob!, Britpop.
Legt man die erste CD ein, geht es erstmal leise los, Paul mit der Akustischen, dann Paul mit leichter Begleitband, dann Paul mit etwas mehr Begleitung, dann fetter Funk-Swing mit Bläsern, dann Rock’n’Roll, dann Northern Soul, Sophisticated Pop, Psychedelik, und „Shout To The Top“ mit einem Saxophonsolo, das mehr Achtziger ist als der ganze Sog schon. Es folgen über die drei CDs noch Disco, Funk, dubbiger Trip Hop, Jazz-Swing, beschleunigte Psychedelik, Rock’n’Roll, lateinamerikanische Rhythmen, und ja: auch Pop, aber gottlob kein Britpop, und das von dessen Godfather. Puh! Der ist eben besser.
Entnommen sind die Aufnahmen diversen Sessions, einige im Studio eingespielt, einige live vor Publikum, was den Vorteil hat, dass es – bis auf eine Ausnahme – keine Fade-Outs gibt, sondern die Begleitbands stets zum definierten Ende kommen. Den Livemitschnitten hört man zwar an, dass sie vor größerer Menschenmenge und nicht im kleinen Raum entstanden, aber eine gute Qualität haben sie alle, die leidet nicht. So überwältigend auch die Songs mit Orchester sind, dann alternierend rührselig und fett mit Schmackes, so wenig stinken die reduzierteren gegen diese Stücke ab, nicht zu vergessen die Rocksongs und die experimentelleren Stücke dazwischen, in die Elektronik oder Jams integriert sind. Oder Saxophon, Orgel, Flöte. Und trotz dieser Diversität bekommt Weller es hin, dass hier allen Stücken seine DNA anzuhören ist, auch denen von The Jam oder The Style Council, die seinerzeit schon etwas andere Ausprägungen hatten. Selbst die Coversongs sind als solche kaum auszumachen, so sehr macht Weller sie sich zu eigen. Dabei greift er nicht allein auf alte Helden zurück, auch Billie Eilish darf sich seines Ritterschlags erfreuen.
Wie viele tolle Songs dieser Mann hat! Dabei müssen es nicht zwingend Single-Hits sein, seine Alben sind voll mit herausragenden Liedern. Zudem ist Weller gut bei Stimme, die als Bindeglied einen zusätzlichen Faktor beiträgt. Man bekommt automatisch gute Laune, wenn man diesen Reigen auflegt, selbst wenn manche Passagen eben zurückgenommen oder melancholisch sind.
Berücksichtigt sind hier alle Weller-Soloalben zwischen 2008 und 2024, das jüngste, „Find El Dorado“, erschien erst 2025, aber das waren eh nur Coversongs, und solche sind hier grundsätzlich ja auch drauf. Auch wenn Weller The Jam und The Style Council zu Gehör bringt, lässt er seine älteren Soloalben – bis auf „Wild Wood“ und „Stanley Road“ – komplett aus. Die meisten Songs stammen sogar von „Sonik Kicks“, dem seinerzeit umstrittenen Album, auf dem er mit Elektronik und Dance experimentierte, und die Stücke funktionieren in den teilweise neuen Gewändern richtig gut. Viermal holte sich Weller das London Metropolitan Orchestra dazu, für „Wild Horses“, „Have You Ever Had It Blue“, „Aspects“ und „Boy About Town“. „Weller At The BBC Vol. 2“ schließt direkt an den ersten Teil aus dem Jahre 2008 an, der indes satte vier CDs umfasste. Die Vinyl-Fassung dieses zweiten Teils hat übrigens erheblich weniger Songs als die CD-Ausgabe.
Disk 1
01 Gravity (von „True Meanings“, 2018)
02 What Was I Made For? (von Billie Eilish, „What Was I Made For?“, 2024)
03 One Bright Star (von „22 Dreams“, 2008)
04 That Pleasure (von „Fat Pop (Volume 1)“, 2021)
05 From The Floorboards Up (von „As Is Now“, 2005)
06 Woo Se Mama (von „A Kind Revolution“, 2017)
07 Aim High (von „Wake Up The Nation“, 2010)
08 Time Of The Season (von The Zombies, „Odessey And Oracle“, 1968)
09 Drifters (von „Sonik Kicks“, 2012)
10 Pieces Of A Dream (von „Wake Up The Nation“, 2010)
11 Movin On (von „True Meanings“, 2018)
12 That Dangerous Age (von „Sonik Kicks“, 2012)
13 Start! (von The Jam, „Start!“, 1980)
14 Shout To The Top (von The Style Council, „Shout To The Top“ 7“/12“, 1984)
15 Going My Way (von „Saturns Pattern“, 2015)
16 Days (von The Kinks, „The Kinks“, 1982)
Disk 2
01 Rise Up Singing (von „66“, 2024)
02 No Tears To Cry (von „Wake Up The Nation“, 2010)
03 Flying Fish (von „66“, 2024)
04 When Your Garden’s Overgrown (von „Sonik Kicks“, 2012)
05 Wake Up The Nation (von „Wake Up The Nation“, 2010)
06 Invisible (von „22 Dreams“, 2008)
07 Village (von „On Sunset“, 2020)
08 The Cranes Are Back (von „A Kind Revolution“, 2017)
09 Fat Pop (von „Fat Pop (Volume 1)“, 2021)
10 Dragonfly (von „Sonik Kicks“, 2012)
11 Around The Lake (von „Sonik Kicks“, 2012)
12 Foot Of The Mountain (von „Wild Wood“, 1993)
13 I’ve Never Found A Girl (Who Loves Me Like You Do) (von Eddie Floyd, „I’ve Never Found A Girl“, 1968)
14 Have You Made Up Your Mind (von „22 Dreams“, 2008)
15 The Attic (von „Sonik Kicks“, 2012)
16 White Horses (von „True Meanings“, 2018)
17 Have You Ever Had It Blue (von The Style Council, „Have You Ever Had It Blue“, 7“/12“, „Absolute Beginners“ O.S.T., 1986)
Disk 3
01 Aspects (von „True Meanings“, 2018)
02 Rip The Pages Up (als „Rip Up The Pages“ auf der Deluxe-Edition von „22 Dreams“, 2008, als „Rip The Pages Up“ auf „Will Of The People“, 2022)
03 Cosmic Fringes (von „Fat Pop (Volume 1)“, 2021)
04 Sea Spray (von „22 Dreams“, 2008)
05 Boy About Town (von The Jam, „Sound Affects“, 1980)
06 White Sky (von „Saturns Pattern“, 2015)
07 The Eton Rifles (von The Jam, „Setting Sons“, 1979)
08 I Woke Up (von „66“, 2024)
09 Wild Wood (von „Wild Wood“, 1993)
10 Burn Out (von „66“, 2024)
11 Long Time (von „Saturns Pattern“, 2015)
12 These City Streets (von „Saturns Pattern“, 2015)
13 Say You Don’t Mind (von Danny Laine, „Say You Don’t Mind“ 7“, 1967)
14 My Ever Changing Moods (von The Style Council, „Café Bleu“, 1984)
15 Broken Stones (von „Stanley Road“, 1995)
Infos bei Doscogs kopiert:
Tracks 1-1, 1-11, 1-16, 3-9 Recorded for BBC Radio 2 Chris Evans Breakfast Show at Black Barn. First transmitted on 14th September 2018
Tracks 1-2, 2-3, 3-8 Recorded for BBC Sofa Session at Maida Vale. First transmitted on 12th June 2024
Tracks 1-3, 1-5, 2-6, 2-14, 3-7 Recorded for BBC Radio 2 In Concert at BBC Radio Theatre. First transmitted 14th November 2008
Tracks 1-4,1-13, 1-14, 2-7, 2-9, 3-2, 3-3 Recorded for BBC Scotland, The Quay Sessions at Alhambra, Dunfermline. First transmitted on 29th May 2024
Tracks 1-6, 2-8, 3-14 Recorded for BBC Radio 2 Piano Room at BBC Wogan House studios. First transmitted on 26th July 2017
Track 1-7 Recorded for BBC Radio 2 Radcliffe & Maconie Show. First transmitted on 14th December 2010
Track 1-8 Recorded for BBC Radio 2 Drivetime. First transmitted on 8th September 2010
Tracks 1-9, 1-10, 2-2, 2-10, 2-12 Recorded for BBC Radio 2 In Concert at BBC Radio Theatre. First transmitted on 5th April 2012
Tracks 1-12, 2-11, 2-15 Recorded for BBC Radio 6 at Maida Vale. First transmitted on 13th March 2012
Tracks 1-15, 2-4, 3-6, 3-11, 3-12 Recorded for BBC Radio 2 In Concert at BBC Radio Theatre. First transmitted on 14th May 2015
Tracks 2-5, 3-4, 3-15 Recorded for BBC Radio 2 In Concert at BBC Radio Theatre. First transmitted on 15th April 2010
Track 2-13 Recorded for R2 in Session for the Chris Evans Breakfast Show at BBC. First transmitted on 12th May 2017
Tracks 2-16, 2-17, 3-1, 3-5 Recorded for BBC Radio 2 In Concert at BBC Radio Theatre. First transmitted on 3rd January 2019
Tracks 3-10, 3-13 Recorded for BBC Radio 2 Piano Room at Maida Vale. First transmitted on 9th November 2024
