Dirk Serries & PBK – Amplitude Split – Soundfume 2026

Von Matthias Bosenick (16.09.2026)

30 Jahre später gibt’s einen ganzen Stapel (also zwei) Updates: Die beiden Soundtüftler Dirk Serries aus Belgien bei Frankreich und Phillip B. Klingler aus dem Land zwischen Kanada und Mexiko tun sich für eine neue Veröffentlichung zusammen, ersterer anders als damals nicht unter seinem Alias Vidna Obmana, dafür zweiterer unter seinem Pseudonym PBK. „Amplitude Split“ heißt das neue gemeinsame Album, bestehend – kurz gefasst – aus dekonstruiertem Ambient. Für das Album reaktivierte Serries sein altes Label Soundfume und setzt mit von seiner Gattin Martina Verhoeven individuell gestalteten LP-Covern die Idee der früheren limitierten Tape-Releases fort.

Für diese Zusammenarbeit setzt sich jeder der beiden Beteiligten zu Hause mit seinem technischen Brimborium hin und wandte es an. Im Falle von Serries bedeutete dies, so kennt man es von ihm, Gitarren mit Effektgeräten zum Drauftreten, im Falle von Klingler elektronische Klangerzeuger und Synthesizer. Zusammen generieren sie Ambient, ja – aber keinen Cozy-Ambient, der einen einkuschelt. Bereits die A-Seite verdeutlicht, dass es hier eher ungemütlich zugeht.

Ein Pulsieren liegt unter dem dunklen Titelstück, irgendwie dunkel, und darüber Sounds, die nach einer Orgel klingen; wenn man Serries verfolgt, weiß man, dass er dazu in der Lage ist, solche Töne mit der Gitarre zu erzeugen, und obwohl am anderen Ende der Leitung ein Mann mit Synthies sitzt, lässt die Erfahrung diesen Rückschluss zu. Knarzige Geräusche wie einer alten Wachswalze entnommen durchkreuzen jeden Anflug von Kuscheligkeit. Es klingt, als lägen die eingesetzten Sounds auf zwei weit voneinander entfernten Ebenen. Ebenso verhält es sich mit „Two Particle Scattering“, in dem annähernd als schön aufzufassende Loops ungeklärter Herkunft ein technisches Zwitschern als Begleitung bekommen, das die entspannende Stimmung beeinträchtigt. Ein defektes Gerät, das irgendwie schleift, vielleicht die Bremsbacken an den Belegen, scheint hier zu knirschen.

Auf der B-Seite nähern sich die beiden Ebenen an, in „Electrid Topology Resonance“ mäandern auf Augenhöhe reichlich unbequeme Sounds, leicht schräg, nebeneinander, übereinander, zögerlich. Rückwärtseffekte setzen ein, das Dunkle setzt sich fort. Zuletzt erschafft „A Threshold Theory“ eine kratzige, nur fragmentarisch melodiöse Soundlandschaft, nur leicht im Hintergrund, denn darüber bewegen sich latent kreischige Effekte. Zwar sind diese Ebenen wieder etwas voneinander entkoppelt, aber doch nicht so weit entfernt wie die auf der A-Seite.

Mit der Reaktivierung seines Labels Soundfume betreibt Serries Erinnerungskultur, lässt er im Begleitschreiben wissen: Vor der Digitalisierung kursierten exklusive Alben gern als Tapes, also wahrhaftig im Untergrund, und dieser Veröffentlichungsart bedienten sich damals auch Serries alias Vidna Obmana und PBK, erstmals 1989 mit „Compositions: Depression & Ideal“ und „Monument Of Empty Colours“, letztmalig 1991 mit „Fragments 3“. Diese Exklusivität erzeugen die beiden nun dadurch, dass sie „Amplitude Split“ auf ausschließlich 25 handgepressten Vinylplatten herausbringen, zu denen Martina Verhoeven 25 exklusive Cover gestaltete. Ist ja auch wertiger als das Medium Tape, das ja seinerseits seit einigen Jahren wieder boomt.