Von Matthias Bosenick (15.09.2026)
Mitkommen! Live in den Kosmos, Reiseleiter ist Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski, Ziel ist das Filmstudio Golyi Wood in St. Petersburg. Als Reisebegleitung empfehlen sich die lokalen psychedelischen Space-Rocker Ciolkowska, die dort ein Live-Album einspielten, „Made In Golyj Wood“, passend benannt. Langzeitliche Weggefährten der Band bekommen einen Querschnitt durch die Discographie der Kosmonauten unterbreitet, verfeinert mit analogen Synthies und diversen Neugestaltungen. Man feiert das Wiedererkennen und den Fortschritt, so geht das.
Es scheint, als hätten Ciolkowska ausschließlich Hits. Die zehn Songs sind einem sehr vertraut, viele – wie „Aeonian“, „Below The Grass“ oder „The Now Bomb“ – hat man gefühlt ewig im Ohr, manche gesellen sich nun nochmal präsenter hinzu. Space Rock bedeutet für die fünf Musizierenden nicht, sich entspannt in den Kosmonautensitz zu fläzen und sich gechillt treiben zu lassen – die Rakete braucht Schub, und den bekommt sie auch. Der Space Rock hier hat ein hohes Tempo, das sich zuallervorderst über das Schlagzeug bemerkbar macht. Das wirbelt und zaubert und treibt die Reise voran.
Gitarren müssen hier nicht zwingend verzerrt sein, um dem Rock zuzugehören. Die Band nutzt sie vielmehr für schöne Melodien und Loops, während der Bass dazu satt groovt und der Gesang sich ins Melodische dergestalt einreiht, dass solche Passagen catchy geraten. Während man sich in die tollen Songs fallen lässt, entwickeln die sich schon wieder weiter, schließlich gehört es beim Space Rock auch dazu, die Schwerkraft zu überwinden, und dafür lassen sich die Musizierenden durch den Kosmos treiben, beinahe unbemerkt weichen sie von der programmierten Strecke ab, beginnen zu solieren, zu gniedeln, gelegentlich zu bratzen, schalten den Synthie dazu mit angemessen spacigen Effekten, verändern Struktur und Anmutung der Songs und kehren doch wieder unbeschadet in den vorgesehenen Weg zurück.
Space Rock allein greift hier als Zuordnung indes viel zu kurz, Psychedelic Rock ist das natürlich auch, nicht von der Hand zu weisen der Stoner Rock, aber – da die Stimmung hier zwar irgendwie euphorisiert ist, aber in den Grundzügen melancholisch, lässt sich auch das Etikett vom Wave Rock dazukleben. So nach Art der Fields Of The Nephilim geraten hier so manche Sequenzen, vornehmlich hervorgerufen mit dem dunkel groovenden Bass inmitten hypnotischer Exkurse.
Reisen mit Ciolkowska sind immer ein Vergnügen. Die Mitreisenden sind hier: Yegor Svysokihgor mit Gitarre und Gesang, Alesya Izlesa mit Gitarre und Ukulele, Vova Mogilyov mit dem Bass, Yegor Yegorsky mit dem Schlagzeug sowie Andrey Vorobyov mit den Synthies. Danke, dass Sie mit Ciolkowska geflogen sind. Wir hoffen, Sie hatten einen angenehmen Flug, und würden uns freuen, Sie bald wieder an Bord begrüßen zu dürfen.
