Die Morde – A Pestilence – Antibody Label 2026

Von Matthias Bosenick (30.06.2026)

Sobald Onkel Titus seine Kreissäge anwirft, darf getanzt werden. Im Stakkato. Denn das belgische Electro-Duo Die Morde zerhackt alles, was man sich so als Musik imaginiert, dreht es durch zerfleischende Gerätschaften und generiert daraus doch wieder irgendwie nachvollziehbare Musik. Nur eben sehr, sehr extrem. „A Pestilence“ ist die Debüt-EP von Cédric Dambain und Yannick Franck als Die Morde, und man kann hier grob das Etikett Rhythm And Noise anbringen, da Industrial allein zu kurz greift. Lärm wäre auch okay.

Mit dem einleitenden Titellied gehen Die Morde gleich in die Vollen: Der Rhythmus ist extrem schnell und hackend, dazu kreischt eine Säge und die Stimme brüllt Unverständliches. Melodien lassen sich wegahnen, eine Struktur entsteht in der Wiederholung. „Richtung Himmel“ ist danach etwas weniger voll, der Rhythmus entsteht durch ein sich wiederholendes kratziges Geräusch in drei unterschiedlichen Tonhöhen, dazu gibt’s abermals Gebrüll. „Diversity“ bleibt reduziert, der Rhythmus hier ist ein zittriges Vibrieren zum Gebell, das mit den Sounds eine Liaison eingeht. Die letzten zwei Minuten gehören „The Mall“, einem düsteren Dark-Ambient-Track.

Man könnte diese EP als retro auffassen: Der Projektname Die Morde erinnert an die späten Siebziger, frühen Achtziger, als in- und außerhalb Deutschlands Bands damit begannen, sich deutsche Namen mit spektakulären Inhalten und bestimmten Artikeln davor zu geben, wie Die Art, Die Form, Die Warzau, Der Plan, Das Ich, so in der Art. Dann lassen sich die Sounds grob vergleichen mit Industrial- oder Rhythm-And-Noise-Gruppen der Achtziger, Neunziger, die sich darauf verlegten, mit rein elektronischen, harschen Sounds Rhythmen zu generieren, befreit von Melodien und Strukturen klassischer Art, etwa The Klinik oder andere Projekte von Dirk Ivens. Auch liegt „A Pestilence“ eine aggressive Radikalität inne, die man von Bands wie Atari Teenage Riot kennt, insbesondere im Titeltrack. Doch die Lärmwand, die das Duo hier auf die Hörenden kippt, ist sehr speziell und eigen.

„A Pestilence“ ist ein spannungsreicher Auftakt, dem gern mehr folgen darf. Dabei ist das Duo jeweils für sich schon hinreichend eingespannt: Franck betreibt das Label Antibody und Dambain warf soeben eine neue EP als Bambi OFS auf den Markt.