Von Matthias Bosenick (24.06.2026)
Denkt man zunächst noch sehr direkt an Aphex Twin und an Scorn, erweitert Cédric Dambrain sein Soundportfolio schon bald. Sicherlich ist „Minke“, die dritte Veröffentlichung seines Projektes Bambi OFS, grob in Richtung IDM angesiedelt, im Verlaufe aber wesentlich dunkler und beklemmender als die Sachen von Richard D. James, etwas näher an denen von Mick Harris. Auf eine komplexe Weise sind die an analogen Synthesizern entstandenen Tracks des Brüsselers sogar tanzbar, wenn man mehr möchte als einfach nur erstaunt zuhören.
Für diese dritte EP wendet Dambrain als Ausgangslage jedes der sechs Tracks ein übereinstimmendes Prinzip an: Er verkabelt seine Synthies auf eine festgelegte Weise und jagt die entstehenden Sounds dann durch Filter und sonstige Effektgerätschaften. Was dabei herauskommt, ordnet er irgendwie an, mit rhythmischer Grundlage und sowohl klickernden als auch mal flächigen Geräuschen. Für den Opener „Spe“ ergibt das eine Nähe zum komplex-verschrobenen Universum von Aphex Twin, doch sobald im folgenden „Population IV“ eine Stimme dazukommt, drückt sich die Stimmung automatisch angenehm nach unten in Richtung Düsternis.
Die rhythmische Anordnung in „VVV“ erinnert leicht an Scorn, die Nähe zum Hip Hop mit dem beschleunigten Kopfnicker-Effekt, und ebenso liegt hier auch darüber eine Beklemmung, eine Dunkelheit, mit diffusen Sprachsamples und unbequemen Soundscapes. Zum Schluss feiert „UNS (Universal Nike Smoke)“ die heilige Ehe aus Scorn und Aphex Twin, mit schnarrenden Rhythmen und sich verbiegenden Synthiesounds.
Als Bambi OFS macht der Brüsseler seit 2020 Musik, den Auftakt bildete die EP „Yakka“, 2021 gefolgt von „Kwon“ sowie im Jahr darauf von der Remix-Variante. Seitdem war es ruhig um Bambi OFS. Unter seinem Klarnamen brachte er zuvor, 2013 und 2014, zwei Alben heraus. Außerdem betreibt er die Aliasse Roughledge und Porz An Park. OFS steht offenbar für One Foot Step.
