Elest – The Cruelty Of Wisdom – Elest 2026

Von Matthias Bosenick (07.10.2026)

Mit übelst hartem Geknüppel führen Elest aus Montpellier ihre Hörerschaft auf falsche Fährten: Was beginnt wie irgendwas mit -core überkreuzt mit extremen Spielarten des Metal, wird zu rifforientiertem Bluesrock. Und zu Doom. Unter anderem. Und damit nicht schlechter. „The Cruelty Of Wisdom“ ist nach 20 Jahren und nur wenigen Veröffentlichungen überhaupt das erst zweite Album des Trios.

Die „Lost Queen Of Y’s“ bereitet die Hörenden auf den Malstrom vor: palm muted Riffs, mehr Bassdrums, als ein einzelner Schlagzeuger Füße hat, nackenbrechende Breaks, und so viele Wechsel zwischen den Spielarten von allem, was auf Core oder Metal endet, dass man den Überblick gar nicht erst erlangen möchte. Etwas verwundert dabei der Gesang, der in leicht höherer Tonlage dreckig angerauht das Melodiöse ins Spiel wirft. Man fragt sich: Ist das jetzt ein Stückchen zu nahe an Metalcore, also der kitschigen Popvariante scheinharter Rockmusik? Nö: Die Band behält den Kurs des Kompromisslosen bei und mörtelt unbeirrt weiter.

Während man Elest dabei folgt, bekommt man fortwährend mehr Bluesrock in die Songs drapiert, bis in „General Ludd“ die extreme Härte gänzlich verschwindet und man sich irgendwo in den Neunzigern bei Alternative Metal oder gar Grunge wähnt. Und plötzlich passt die Stimme wie Arsch auf Eimer. Und kaum ist man willens, seine zerschlissene Flanelljacke aus der Mottenkiste zu holen, drehen sich Elest so weit herunter, dass „When Cebenna Sleeps“ ein melodischer Doom wird. Das Stück bildet eine Art Mittelpunkt, eben wie das Zentrum des Malstroms, um den die Musik rotiert, denn das folgende Titelstück greift den alternativen Bluesrock wieder auf. Derweil nimmt man zudem wahr, dass der Bass einen metallischen Sound hat wie damals im Funky Metal, also bei Faith No More oder so. Wesentlich schneller wird das Album bis zum Schluss nicht, auch mit eingestreuter Härte, sondern schwenkt auf die „Lonely Road“ ein, einen Blues-Doom mit Gesang. Mit „To Eternity“ rifft sich das Trio aus.

Seit zwanzig Jahren gibt es Elest, und das offenbar in unveränderter Besetzung: Sänger und Gitarrist Julien Doire, Schlagzeuger Joël Cuoq und Bassist Florian Britto. Erst 2014 erschien mit der EP „Au large“ die erste Veröffentlichung, direkt im Anschluss die „Singles“-Compilation mit nur zwei Stücken und 2016 das Debüt „On The King’s Command“. Die Pause bis heute unterbrach lediglich die EP „Of Gold & Blood“ im Jahre 2023. Nicht zu verwechseln sind Elest übrigens mit der Band aus der Türkei, die 2009 das Album „Adayış/Arayış“ herausbrachte. Kurios: Es kursiert noch der Name Mathias Gibert mit Gesang und Gitarre als Mitglied von Elest, was indes die Zahl der Mitglieder eines Trios um eins übersteigt.